Schubladendenken

    • (1) 25.09.15 - 14:25

      Hallo

      Es geht mal wieder um das Thema Flüchtlinge. Da habe ich neulich schon einen Beitrag verfasst, zum Thema "wohnen neben Notunterkunft".

      Es ist jetzt so, dass die Stadt sich entschieden hat ihre Pläne umzusetzen. Obwohl es Alternativen gibt, welche in meinen Augen deutlich sinnvoller sind (es gibt z.B. ein ehemaliges Altenheim, ein Grundstück direkt am Ortsrand, ein weiteres Grundstück in gleicher Entfernung aber erschlossen). Für mich sieht es so aus als sollten die Asylbewerber möglichst weit abgeschoben werden. Die Ratssitzungen fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, es gibt auf Anfrage keine konkreten Informationen wie es zu dieser Entscheidung kam.

      So weit so gut. Aber ich hinterfrage, ich stehe dazu diese Entwicklung so nicht gutzuheißen. Zum einen weil ich es menschlich nicht in Ordnung finde, nicht die zentraleren Alternativen zu wählen. Weil ich es nicht in Ordnung finde an allen Ecken zu sparen, hier aber nicht die Kostenschätzungen für die verschiedenen Möglichkeiten offen zu legen. Und weil ich ehrlich Angst habe wie sich das entwickelt.

      Jetzt kommen Dinge wie: ich wäre ein verkappter Rassist. Diese Kategorie die derzeit "besorgte Bürger" genannt wird.

      Ist es wirklich so? Wer nicht Hurra schreit weil der Traum vom Leben in Alleinlage zerstört wird, wer wissen will wie etwas zu Stande kommt, wer sich fragt wie es wird, wer nicht sofort in Begeisterung ausbricht ist gleich Rechts?

      Mich belastet das sehr. Die Situation und die Unterstellungen (von zwei Leuten die Nahe einer der Alternativen wohnen und da auch nicht begeistert waren).

      LG

      • "Ist es wirklich so? Wer nicht Hurra schreit weil der Traum vom Leben in Alleinlage zerstört wird, wer wissen will wie etwas zu Stande kommt, wer sich fragt wie es wird, wer nicht sofort in Begeisterung ausbricht ist gleich Rechts?"

        Nein, das glaube ich nicht. Aber im Umkehrschluss ist eben auch nicht jede Entscheidung, die ich persönlich (sogar aus verständlichen Gründen und mit vielleicht guten Argumenten) ablehne, Ausweis von Staatsversagen, Volksverrätertum oder totaler Entfremdung der Politik.
        Will sagen: In einem demokratischen System muss man nicht Hurra! schreien, wenn etwas passiert, das einem missfällt. Man muss es nur gelegentlich hinnehmen. In dem Fall ist dein Individualinteresse auf ruhiges Wohnen einem anderen Interesse untergeordnet worden. Das ist, egal, wie blöd und doof das für dich ist, was normales in einem Staat.

        • Das behaupte ich auch nicht. Ich erwarte Transparenz, welche ich als demokratisches Recht erachtet habe.

          Zudem hat der Bürgermeister zu uns selbst gesagt, er wolle es so. Und dann wäre es eben so. Ein weiterer Kommentar seinerseits, hier hätte er nur uns dagegen. Im Ort gleich ganze Straßenzüge und im Gewerbegebiet größere Firmen. Er selbst wolle sie auch nicht vor dem Privathaus haben. Das macht mich wütend. Es ist Willkür. Natürlich sagt es so etwas nicht in der Öffentlichkeit, es tut vermutlich auch nichts zur Sache. Aber es macht mich persönlich fassungslos.

          Vielleicht ist es derzeit für mich auch zu akut es vernünftig zu bewerten. Es bleibt ja eh nichts übrig, außer sich damit arrangieren.

          Ich habe mich auch zu anderen Dingen, die politisch weniger brisant waren erkundigt in der Vergangenheit (ein Spielplatzbau, eine langwierige Baumaßnahme). Da bekam man Erklärungen, Sitzungsprotokolle, Zahlen zu diversen eingeholten Angeboten. Warum wird hier so gemauert?

          • Ghettoisierung finde ich auch nicht gut...je mehr die Leute "unter sich" sind, desto schwieriger lassen sie sich integrieren.

            Aber: Wo sollen die Menschen hin, wenn niemand sie bei sich in der Nähe haben möchte? In Luft auflösen können sie sich ja nun mal nicht.

      hi,

      vor 2 tagen kam eine interessante sendung im wdr, da beschrieb ein hausbesitzer, dass nebenan 320 flüchtlinge in ein leer stehendes altenheim gekommen wären. der besitzer und die ganzen anwohner waren natürlich "not amused", da es wohl massive probleme gibt. von nächtlichem theater, bis zu ständigem beobachtet werden....der arme war fast am heulen, sein lebenswerk war quasi zerstört worden. verkauft bekommt er sein haus SO natürlich auch nicht.
      die anwesenden politiker zuckten verbal nur mit den schultern und sagten, dass auf individuelle befindlichkeiten halt keine rücksicht genommen werden kann.

      das fand ich schon krass, der bewohner hat doch auch rechte und die zählen plötzlich nicht mehr? eine lösung war da wohl auch nicht in sicht....

      lg

        • das denke ich auch, die Entwicklung der jetzigen Situation, finde ich sehr gefährlich.

          • Ja und dann wird sich so mancher umschauen. Und diese Menschen müssen dann hier auch um ihr Leben fürchten. und das ist nicht das, was man hier will.

            Und wenn der Bürger hier noch mehr zurückstecken muss, dann wird es nicht besser.

            Ihr beide scheint es ja kaum abwarten zu können.

            • eher das Gegenteil ist der Fall

              • Sagen wir mal so: Der Eindruck, den ihr durch eure panischen "Bald knallts"-Posts quer durch alle thematisch passenden Threads hinterlasst, ist ein anderer.

                • das ist Blödsinn, ich laufe nur nicht blind durch die Gegend.

                  und ich bin nun mal der Meinung das wenn es so weiter geht , knallt es.

                  und panisch bin ich nicht, nur ich sehe durchaus , das es eskalieren könnte..

                  Ich finde, dass die beiden gar nicht mal so unrecht haben.
                  In Deutschland werden die Individualität und individuellen Bedürfnisse groß geschrieben. Es ist in Deutschland möglich gegen den Bau von Schweinemastanlagen zu klagen und gleichzeitig Fleisch für nen Spottpreis zu erwerben. In Deutschland kannst du als individueller Bürger sogar dafür sorgen, dass ein Bolzplatz nur bis 20:00 bespielt wird. Zusammengefasst: die Deutschen sind unglaublich verwöhnt. Wir Deutschen leben alle auf unserer Insel.
                  Und jetzt ist es nötig, einfach mal was zu machen, ohne auf die Befindlichkeit aller zu achten. Jetzt muss einfach agiert werden. Die Deutschen hassen den austritt aus ihrer wohlfühlzone. Die Bürger, wie die Politiker. Und anstatt einen langfristigen, aufwändigen weg zu gehen (auch hier steht sich der deutsche selbst im weg - unsere kulrur mag rasche lösungen. Alles was in unserer Gesellschaft passiert, beruht auf das erzielen schnell abrufbarer Erfolge) werden Lösungen getroffen, als wäre es zähne ziehen. "Hauruck. -und macht mal."

                  Wohnungsgesellschaften dürfen bewohnbare plattenbauten abreißen, weil sie mit ihrem eigentum tun dürfen, was sie wollen. Und Eigentümer von bruchbuden dürfen ihre wohnungen zu lächerlich hohen preisen an asylanten vermieten.

                  Wir haben uns selbst ein Bein gestellt. Und jetzt steht der verwöhnte deutsche da und ist völlig von den den Socken - und wird sauer.
                  Wir deutschen sind es gewohnt unser "Recht" durchzusetzen. Nur haben wir vergessen, dass das recht der anderen auch zählt.
                  Das macht uns zu kleinen ekligen Monstern.

                  Und da uns keiner anhört und keiner auf unseren groll eingeht, sondern völlig normale fragen und befürchtungen als gefährliches rechtes gedankengut abgetan werden, werden immer mehr immer wütender.

                  Irgenxwie knallt es schon. So fühlt sich das an....

                  • "Wir haben uns selbst ein Bein gestellt. Und jetzt steht der verwöhnte deutsche da und ist völlig von den den Socken - und wird sauer.
                    Wir deutschen sind es gewohnt unser "Recht" durchzusetzen. Nur haben wir vergessen, dass das recht der anderen auch zählt.
                    Das macht uns zu kleinen ekligen Monstern."

                    genau so ist es, und genau auch diese Menschen können gefährlich werden, genau dann wenn man deren Ängste / Bedenken nicht ernst nimmt,

                    und das hat nichts mit brauner Gesinnung zu tun , denn das sind Menschen wie alle hier..

                    "Und da uns keiner anhört und keiner auf unseren groll eingeht, sondern völlig normale fragen und befürchtungen als gefährliches rechtes gedankengut abgetan werden, werden immer mehr immer wütender."

                    und das ist auch ein Punkt der mich so verärgert.das hat noch nicht mals was mit der ja aber Fraktion zu tun, es sind ganz normale Bürger, die verunsichert sind und bedenken haben.aber zack Stempel drauf, und genau das macht mich sauer.

                    Wir deutschen sind es gewohnt unser "Recht" durchzusetzen.

                    In unserem Land.

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