Flüchtlinge...Ausländer...Vorurteile...und die Jungs plappern alles nach

    • (1) 29.09.15 - 16:07

      Hallo,

      hui, ich hoffe, ich finde die richtigen Worte für ein - wie ich finde - schwieriges Thema. Also, ich habe einen pubertierenden Sohn. Wir sind eine normale Durchschnittsfamilie würde ich mal sagen. Ich halte mich für freundlich und offen. Ich habe zwar keine ausländischen Freunde im Bekanntenkreis, aber das ist wohl eher so, weil wir eben noch nie engeren Kontakt hatten, warum auch immer, ich weiß es nicht. Ich halte mich für absolut nicht ausländerfeindlich. Allerdings ja, ich habe mich auch schon über ausländische Kinder, meist Jungs, geärgert und auch gemeckert, dass die sich an der Schule meines Sohnes nicht benehmen können und ja, ich finde es auch verwunderlich, wie viele Fahndungen bei XY z. B. Richtung ehemaliges Jugoslawien laufen und auch das habe ich bestimmt schon mal mit irgendwem besprochen. Also, ich spreche mich nicht davon frei, auch Vorurteile zu haben. Puh, echt schwierig.

      Nun reden wir - wie wohl alle - viel über das Flüchtlingsthema zu Hause. Auch kontrovers. Mein Mann und ich sind da nicht immer einer Meinung. Wir machen uns halt Sorgen um die Zukunft. Wie geht das mit so vielen zusätzlichen Menschen hier? Gibt es irgendwann noch ein "Deutschland", wie wir es kennen? Wird sich irgendwie sehr viel ändern, weil so viele Kulturen - hoffentlich friedlich - nebeneinander leben? Wer soll das alles bezahlen? Werden Steuern erhöht? Wie kann man helfen? Muss man helfen? Soll man helfen? Jaja, es wird viel darüber gesprochen bei uns.

      In der Schule meines Sohnes ist dieses Thema leider überhaupt kein Thema im Unterricht. Er besucht eine Schule mit etwa 40 % Schülern, die nicht Deutsche sind. Mein Sohn versteht sich mit dem Großteil nicht. Da ist er nicht der Einzige. Wir haben viele türkische Jungs an der Schule. Und ja, sie sind immer mit ihresgleichen in größeren Gruppen unterwegs und ja, sie sind die Herrscher auf dem Schulhof und sie sind auch nicht zimperlich, sei es in der Pause oder im Sportunterricht. Das ist halt so, es gab schon viele Gespräche, aber nun, ich kanns nicht ändern - und die Schule anscheinend auch nicht. Will es vielleicht auch nicht ändern, auch das nämlich: ein schwieriges Thema.

      So, komm ich mal endlich zum Punkt: letzte Tage redet mein Sohn mit mir so über dies und das und wir kommen von Höxchen auf Stöcks-chen. Auf einmal sagt er sowas in Bezug auf die Flüchtlinge - erst noch : "Ich finde, die ganzen Ausländern sollten mal alle wieder in ihr Land zurück gehen." "Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg." "Die haben alle Handys und Markenklamotten." "Die Lehrer kümmern sich volle Lotte um die." "Warum dürfen die plötzlich umsonst ins Kino, ins Stadion, ins Theater." "Die kriegen alles in den Arsch geblasen." Ich hab erstmal geguckt wie Auto und gefragt, wie er auf sowas kommt. Er meint, ja das würden ja alle sagen und wäre ja auch so und er könnte auch auf die ganzen Türken in seiner Schule verzichten. Wegen denen hätte die Schule so einen schlechten Ruf. Wenn die mal nen Feiertag haben, dann wäre der Unterricht gleich viel ruhiger und besser..... es ging in einer Tour so fort. Ich hätte nun jedes Ding von ihm entsprechend aufklären können, oder zumindest meine Meinung sagen können, aber es war 22 Uhr abends und nächsten Tag Schule. Ich habe ihm in groben Sätzen gesagt, dass das nicht unsere Einstellung ist und was ich von so Äußerungen halte. Das ich es schlimm finde, wenn er wirklich so denkt. Ich habe ihn an die Judenverfolgung erinnert, die kennt er aber auch "nur im Groben", also, der Schrecken, der uns Großen bewusst ist bei diesem Thema, den kennt er nicht.

      Ich habe erklärt, dass seine türkischen Schulkollegen hier geboren sind. Hier leben, nur im Urlaub mal vielleicht in die Türkei gefahren sind. Was die da sollen? Die kennen dort doch fast keinen, sie können doch dort keine Arbeit finden etc. Mein Sohn sagt, dass sei ihm egal. Hier sei definitiv nicht genug Arbeit für alle. Und dann müssten sie ihr Land eben wieder kennen lernen, wenn sie doch eigentlich da hin gehören.

      Ich bin ehrlich gesagt baff. Und ich sehe eine große Gefahr darin. Wenn mein Sohn solche Sachen von sich gibt, hat er die ja irgendwo gehört. Noch denke ich, dass ist so ein Wortgeschmeiße auf dem Schulhof. Aber was, wenn nicht? Wenn da mal jemand professionell rechts auf "Mitmacher"-Suche ist? Und was, wenn nicht nur mein Sohn so "drauf" ist? Mein Mann meint, es sei höchste Zeit, dass die Lehrer das gemeinsam in Angriff nehmen. Aber ob ich das als Mutter will im Unterricht oder nicht - die Schule entscheidet ja, ob die das machen oder nicht. Mein Sohn ist von eh her ein Mitläufer, kein Nachmacher und kein Anführer - Mitläufer. Ich weiß, dass er einen normalen Freundeskreis hat, er ist nicht aggresiv, eigentlich freundlich und lustig. Aber mit diesen Aussagen hat er mich echt mehr als bestürzt. Und ich hörte, dass unter seinen Schulkumpels ebenso gesprochen wird.

      Wie sind Eure Kinder so? Gibt es da auch solche Denkweisen? Seht ihr da auch eine Gefahr?

      VG
      die pitti-lise

      • Ich kann dir nur dazu sagen, ich gehe noch zur Schule, mache nächstes Jahr Abitur und bei uns an der Schule ist es auch so. Bei uns gibt es nicht so viele Ausländer aber die Stimmung bei meinen Klassenkameraden ist so wie du es von deinem Sohn beschreibst. Vor allen die Jungs gehen ab, bei den Mädchen ist es nicht so schlimm. Bei uns in der Schule wurde es schon einige Male thematisiert, aber gebracht es nichts. Von der Lehrern kommt nur politisch korrektes BlaBla und auf die Sorgen der Schüler gehen sie nicht wirklich ein.

        • Bin gerade baff, dass das, was Du schreibst, haargenau so aus dem Mund meines Sohnes kommen könnte. ....wurde schon besprochen...die Lehrer labern nur....was wir für ein Problem haben, interessiert die doch gar nicht......

          Und Du bist auf nem Gymi oder Gesamtschule... dachte, da wäre es irgendwie "anders".....

          Danke für Deine Antwort.

          • nein, auf dem Gymi ist es nicht anders. Fast alle aus meiner Jahrgangstufe die ich kenne haben Ängste und sehen alles kritisch. Und man darf echt nichts sagen. Die Leheer spulen ihr Programm ab was sie sagen und das wars auch.

      Hallo

      ich kenne das auch , aus der Schule meiner Tochter, aber auch aus der Umgebung, egal ob im Beruf oder sonstiges, es ist eben nun mal ein aktuelles Thema was alle beschäftigt.

      ich denke mal das ist bei vielen auch in den eigenen vier Wänden ein großes Thema.

      du kannst Deinen Sohn nur aufklären und Ihm sagen das es nicht stimmt was geredet wird, das er sich nicht von anderen Schülern aufhetzen lassen soll, etc

      vielleicht sollten die Lehrer auch mehr Aufklärungsarbeit leisten und Gerede dieser Art versuchen zu unterbinden, was ich aber als schwer empfinde in der momentanen Situation.

      lg

      Hallo,

      als erstes finde ich, sollte man offen über so etwas reden können. Das, was dein Sohn bezüglich seiner Schule erzählt, sind seine Erfahrungen, die man erstmal nicht klein reden, sondern ernst nehmen sollte. Dazu gehört auch, dass man eventuell beipflichtet und ihm mitteilt, dass man ihn versteht.
      Allerdings sollte man ihm mitteilen, dass er über zwei verschiedene Dinge redet. Das eine sind die Kinder in der Schule, die sich nicht zu benehmen wissen und deren Eltern es scheinbar versäumt haben, sie entsprechend zu erziehen. Dabei kannst du darauf hinweisen, dass dies grundsätzlich kein Problem der Herkunft ist, denn diese Schulen findet man auch in Gegenden, in denen nicht so viele Menschen mit Migrationshintergrund leben.
      Das andere ist das derzeitige Flüchtlingsproblem. Auch hier kann man Bedenken äußern und du solltest ihm nicht den Mund verbieten (ohne Vorwurf meinerseits), sondern seine Argumente aufgreifen. Die Flüchtlinge haben Handys? Schau mit ihm, wo die Menschen herkommen. wie sie gelebt haben, was sie vor der Flucht alles besaßen. Sie bekommen alles in "den Arsch" geblasen? Googelt, was Asylsuchenden "zusteht". Ob sie arbeiten dürfen, wie sie leben usw. Evtl geht auch mal zusammen zu einem Asylheim, spendet Sachen oder so und kommt mit den Betroffenen ins Gespräch. Ich denke, dass das die beste Methode ist, um in deinem Kind Empathie zu erzeugen und ihm Beizubringen, Dinge und Informationen zu hinterfragen

      vg, m.

      • Na, ICH finde auch, dass man offen reden dürfen sollte.... aber einige andere... hui, die sehen das anders.

        So, danke für Deine Antwort. Ich hoffe nicht, dass ich ihm den Mund verboten habe. Und ja, diese Erklärung "was hatten die vorher, haben die das Handy vielleicht einfach von zu Hause über die Flucht mitgenommen?" und so weiter, diese Argumente kenne ich, waren aber für die Uhrzeit zu ausschweifend.

        Für ihn und seine Kumpels ist diese "hier Schule" "hier Flüchtlinge" Trennung sehr schlecht zu trennen. Für die sind Ausländer Ausländer. Punkt. Das es auch deutsche Assis gibt, dass weiß er zwar, aber sieht das irgendwie nicht als so schlimm an. Komisch.

        Direkt bei uns um die Ecke sind ausschließlich Familien in einem Kindergarten untergebracht worden. Mein Sohn und sein Freund sind schon zweimal dort vor gewesen und haben mit Jungs "von da" Fussball gespielt. Ich hätte es gerne gesehen, wenn man unsere Kinder mal da reingelassen hätte - dann hätten sie mal gesehen, dass DAS bestimmt nicht die Unterbringung ist, die man sich so vorstellt und haben möchte. Leider ist den Kindern dort jeder Besuch von anderen Kindern untersagt. Hm.

        Ja, das mit der Empathie, das versuche ich ja. Das ist auch nicht das Ding. Ich war einfach nur so erschrocken, weil ich dachte, er wäre durch unsere Erziehung schon von allein "anders" drauf.

        VG
        die pitti

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