Kinder von Migranten

    • (1) 11.10.15 - 13:13

      Hallo,

      Seit Tagen frage ich mich, ob ich diesen Beitrag hier einstellen soll. Aber erst durch eine andere Diskussion habe ich mich entschlossen dies zu tun.
      Sind Migrantenkinder unter euch? Vielleicht sogar welche die Krieg wirklich erlebt haben? Wie ist es euch in Deutschland ergangen? Konntet ihr euch gut integrieren? Habt ihr Anfeindungen oder Rassismus erlebt?
      Meine Mutter ist Kroatin, mein Vater Halb kroate halb deutscher. Ich bin dort geboren worden und lebe seit meinem 3. Lebensjahr hier.
      Uns erging es sehr gut, meine Eltern haben aber auch viel dafür getan. Anfeindungen habe ich nicht einmal erlebt ( wenn man harmlose Witze über meinen Nachnamen mal ausnimmt).
      Trotzdem bin ich anders. Das ist mir bis jetzt nie richtig aufgefallen, aber paradoxerweise bin ich offenbar patriotischer als so mancher Deutscher.

      Ich kann aber glaube ich auch die Flüchtlinge besser verstehen, wenn zb Randale wegen einem geschändeten Koran ausbrechen. Ehre und Stolz haben auch bei uns einen hohen . Vielleicht sogar zu hoch, aber das ist bei allem deutsch sein in mir geblieben. Generell ist es aber so, dass ich mich in Kroatien Deutscher fühle als hierzulande. Bei meinen Eltern ist das anders, sie hängen noch sehr an unserem Heimatland. Das wird sich auch nie ändern.
      Ich kenne aber auch die Vorstellungen, die viele mit Deutschland verbinden. Es war ja auch lange so, dass hier das bessere Leben gewartet hat. Wenn man jetzt hier ankommt ist das bestimmt eine ernüchterung.
      Wie erging und ergeht es auch und wie steht ihr zu Deutschland im allgemeinen? Wie wird Deutschland in eurem Heimatland wahrgenommen? Liebe Grüsse

      • Hallo,

        Hier#winke.

        Hier geboren aufgewachsen, bilden lassen, bin voll integriert trotzdem habe ich eine starke Bindung zu meinem Herkunftsland.

        Es gab schon den einen oder anderen Spruch, aber bin da nicht auf den Mund gefallen.
        Ich bin stolze Deutsch-Muslimin.....ich Feier Weihnachten in der Schule genauso wie ich den Ramadan praktiziere, ich singe lauthals martinslieder genauso wie ich meine pflichtgebete täglich praktiziere. zu meinem engsten Freundeskreis gehören praktizierende Muslime genauso wie anders Gläubige.......

        Ja ich kann das Raunen, die Angst, die Wut der "Ur"deutschen verstehen, genauso verstehe ich die Gefühle der Flüchtlinge.

        Nachtrag:

        Mein Vater kan in den 70er als Deutschland Gastarbeiter eingeladen hat. In der "Heimat" war er Lehrer, aber total frustriert von den lernunwilligen Kinder. Er folgte dem deutschen rufen und landete im Bergbau, wo er jahrelang meinte das große Geld zu scheffeln, er hielt durch da er ja bald zurück in die "Heimat" wollte, das war vor 46 Jahren...... Mittlerweile gib es meinen Vater nicht mehr................

        Deutschland ist und bleibt mein Zuhause, mein Herkunftsland ist meine Heimat, wir haben uns dort eine existenz aufgebaut, falls hier mal irgendetwas schieflaufen sollte

      Ich selbst nicht aber eine sehr gute Freundin meiner Tochter

      Als sie 15/16 war kam die Familie nach Deutschland, alle Details weiß ich nicht über den Grund aber sie kamen als Christen aus einem Land das islamisch ist usw.
      Sie sind für mich ein wirkliches vorzeige Beispiel, die Familie hat sich von Anfang an Mühe gegeben Deutsch zu lernen um hier weiter zu kommen ( schulisch, beruflich,... Usw.) und das ist denke ich auch einer der Gründe warum es für sie hier sehr gut lief

      Soweit ich weiß waren das schlimmste nur ein paar dumme Kommentare die aber wahrscheinlich nur von Menschen kamen die es lustig fanden

      Hallo,

      ich hatte im Gymnasium eine Freundin, deren Eltern mit ihr 1979 aus dem Iran geflohen waren.

      Sie konnte perfekt deutsch, wie auch ihre Eltern (Mutter hatte in Deutschland studiert und der Vater war Geschäftsmann).

      Und so ist mir erst einmal nicht bewusst gewesen, dass sie keine Deutsche ist. Sie hat es auch nie an die große Glocke gehängt.

      Sie fühlte sich als Deutsche und hatte sich innerhalb kürzester Zeit komplett integriert. Sie hat hier Abitur gemacht, studiert und geheiratet.

      Zum Iran hat sie keinerlei Verbindung mehr.

      Wobei sie und ihre Eltern auch andere Voraussetzungen hatte, als die Flüchtlinge, die jetzt kommen.

      Sie mussten in kein Erstaufnahmelager, sie haben sich einfach eine Wohnung gesucht und haben hier gelebt und gearbeitet.

      Dass das jetzt einfach so nicht machbar ist bei den Massen, die kommen, ist aber wohl einsehbar.

      GLG

    • Hallo,

      ich komme aus Tadschikistan. Mein Vater und ich wurden dort als Deutsche geboren. Als Kind wurde ich da oft als Nazikind beschimpft. Meine Eltern wurden da auch oft als Nazis beschimpft. 1990 durften wir endlich nach Deutschland. (Haben dort leider noch den Bürgerkrieg erlebt.)Tja, auf einmal waren meine Eltern keine Nazis mehr, aber die blöden Russen. Am Anfang war es schwierig für meine Eltern. Sie haben sich weder in dem einen, noch in dem anderen Land wirklich Zuhause gefühlt.

      Inzwischen ist das anders. Deutschland ist unser Zuhause!!! Wir haben mit Tadschikistan absolut gar nix mehr zu tun. Wir haben kein Interesse in dieses Land zu reisen.

      Unsere Familie in der Ukraine denkt, dass wir total reich sind, im Geld schwimmen. Weil wir eben in Deutschland leben. Inzwischen ist der Kontakt abgebrochen, weil sie nicht verstanden haben warum meine Mutter ihnen nicht regelmäßig Geld schickt. Dass wir hier genauso hart für unser Geld arbeiten müssen, dass glauben sie irgendwie nicht.

      LG

      • (8) 12.10.15 - 19:15

        Hallo,

        das deckt sich fast mit den Aussagen einer Freundin, die als Deutsche in Kasachstan geboren wurde. Sie kam mit 12 Jahren her und ist hier in der Schule oft beschimpft worden. Deshalb hat sie sich auch erst einmal Freunde mit Migrationshintergrund gesucht. Die deutschen Kinder haben sich gar nicht die Mühe gemacht sie kennen zu lernen.

        Heute sagt sie, Integration funktioniert nur, wenn beide Seiten sich Mühe geben. Es reicht nicht, wenn der Migrant integrationswillig ist, man ihn aber nicht lässt. Und sie hat absolut Recht damit.

        Anfangs hatte sie oft Heimweh nach Kasachstan. Inzwischen sagt sie aber, dass sie dort nicht mehr leben könnte. Auch ihre Freunde und Verwandten glauben, in Deutschland sind alle total reich. Erklärungen, dass es nicht so ist, lassen sie nicht gelten. Das wird gern negativ ausgelegt à la "Du willst mir nur nichts abgeben von deinem Reichtum".

        LG
        Sassi

    Hallo,

    meine Tante kommt aus der Türkei. Am Anfang konnte sie tatsächlich nur ein paar brocken Deutsch. Aber sie war willig und lernte gerne dazu. Auch später als die Kinder ins Schulalter kamen lernte sie gerne mit ihnen zusammen Wort und Schrift. Klar helfen kann sie wenn es um Schulaufgaben geht echt nicht viel aber sie lernte. Sie war bis auf die 2-3 Jahre nach den Geburten auch immer arbeiten und wenns nur ein Minijob war.

    Sie kam ganz bedacht nach Deutschland und hat sich nicht hals über Kopf dafür entschieden sie ist eher ausgewandert würde ich sagen. Sprich sie kam her und wusste es wird nicht leicht und sie wird mit Problemen kämpfen müssen.

    Sie ist allerdings keine die jeden Tag 5 mal betet, Kopftuch trägt sie auch nicht (weiß aber wann es angebracht ist und wie man es richtig bindet). Bin mir auch grad nicht richtig sicher ob sie überhaupt den Koran im Hause hat. Sie ist ein total offenherziger Mensch und hat nie obowohl ihre Eltern sehr gläubig sind die "regeln" so richtig befolgt.

    Sie zwängt es keinem auf auch ihren Kindern nicht. Einzig sie möchte das die Mädels sich genau überlegen wem sie sich "schenken" wenn du verstehst.
    Auch wenn man sie fragt was sie von dem ganzen Hält sagt sie deutlich das sie beide Seiten versteht. Die die fliehen und die die her Angst haben. Sie selbst sieht dem ganzen auch nicht wirklich gut entgegen. Und versteht auch nicht wieso so viele unbedingt nach Deutschland wollen.

    Eine Prügelei wegen eines zerrissenen Korans zu beginnen hat nichts mit Ehre zu tun, sondern mit einem falsch verstanden Rechtssystem und falsch verstandener Religion. Dass die Gemüter angespannt sind bei einer so beengten Wohnsituation, kann ich nachvollziehen. Aber nichts desto trotz leben wir in einer pluralistischen Gesellschaft in der jeder das Recht auf Religionsfreiheit hat. Das muss verdammt nochmal akzeptiert werden, sonst funktioniert das hier nicht.

    Einen Koran zu zerreißen, ist genauso doof. Es handelte sich bei dem Mann um einen zum Christentum konvertieren früheren Muslim. Meine Güte, es ist doch nicht so, dass es nur eine einzig wahre Religion gibt! Das Judentum, das Christentum und der Islam haben eine gemeinsame Wurzel. Letztendlich ist unser Gott derselbe. Und er wird unfassbar falsch verstanden, wenn in seinem Namen Gewalt ausgeübt wird.

    Guten Abend!

    Ich bin selbst als Kind aus Kasachstan nach Deutschland gekommen.

    Ich habe mich immer als Deutsche gefühlt und wusste nur das ich nicht hier geboren bin, weil es immer hieß: geboren in...

    Meine komplette Familie hat nur Deutsch gesprochen und waren glücklich es endlich öffentlich tun zu können.

    Wir wurden erstmal in einem Übergangslager einquartiert und erhielten 100 DM Überbrückungsgeld. Nach 8 Monaten hat mein Vater eine Wohnung gesucht und mit 36 Jahren nochmals eine Ausbildung angefangen. Meine Mutter die in Kasachstan einen Doktor in Biologie und Chemie hatte, durfte als Putzfrau arbeiten. Außerdem hat sie ehrenamtlich anderen Kindern Deutschunterricht gegeben.

    Meine Tante, die in Kasachstan als Allgemeinmedizinerin gearbeitet hat, musste das ganze Studium nochmal absolvieren. Sie ist jetzt im Ruhestand, hat aber hier noch 30 Jahre in ihrer eigenen Praxis praktiziert.

    Uns Kindern hat man nie angesehen das wir nicht hier geboren sind, was auch an unseren sehr deutschen Namen liegt. Niemals wurde ich in irgendeiner Weise diskriminiert.

    Trotzdem ist es, je älter man wird, desto mehr merkt man, wie man von der Seite angeschaut wird, wenn man erzählt das man aus Kasachstan kommt. Dann prasseln die Vorwürfe auf einen ein.

    Viele Leute denken das wir Geld bekommen haben, damit wir herkommen. Das wir extra günstige Zinsen, für Bauvorhaben, von den Banken bekommen.

    Insgesamt kann ich sagen das wir alle voll integriert sind, was vor allem meinen Eltern zu verdanken ist. Ich bin wahnsinnig dankbar das sie uns ermöglicht haben in so einem wundervollen Land groß zu werden.

    Lg

    Crashsa

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