Katholische Kirche..

    • (1) 21.10.15 - 18:33

      Hallo
      Angesichts aktueller Ereignisse hier im Ort würde ich mal gerne eure Meinung hören da mir die Sache echt im Kopf hängt..
      Folgendes ist passiert : Unsere beliebte, moderne und langjährige Pastoralreferentin soll zum Ende des Jahres ihren Dienst aufgeben da ihr langjähriger Freund,den sie heiraten wird, bereits geschieden ist.
      Bei all ihren Aufgaben ist sie extrem beliebt, sie gestalten einen tollen lehrreichen & weltoffenen Reli Unterricht für die Kinder, findet bei Beerdigungen immer die richtigen Worten, ist Seelsorgerin etc.
      Ich habe sie durch verschiedene Anlässe näher kennen lernen dürfen und kann wirklich sagen, sie lebt ihre Aufgaben und es wäre für alle ein extremer Verlust dürfte sie diese nicht weiter ausführen
      Ich stimme der Katholischen Kirche in vielen Dingen nicht zu, da ich vieles einfach nicht zeitgerecht finde und begrüße die etwas modernere Haltung des Papstes (und lebe mit der Hoffnung das es sich weiter in die positive Richtung entwickelt)
      Bisher hat mich nie etwas privat getroffen, ich sehe mich als gläubig auch wenn ich nicht allem zustimmen kann und auch zahle ich die Kirchensteuer ("für den guten Zweck" und da ich die Verwendungszwecke im großen und ganze gut finde)
      Jetzt, wo wir alle privat "getroffen" sind, ist die Überlegung des Austrittes bei vielen da
      Kann man den nur gläubig sein wenn man zahlendes Mitglied ist?

      Denn wir finden bei gläubig sein geht es nicht um Geld, die die "Mitgliedschaft" kostet sondern um andere Dinge..
      Wir leben schließlich im 21 Jahrhundert, ist es wirklich nötig jemanden zu "feuern" weil die Beziehung des Freundes vor x Jahren geschieden wurde?
      Wie seht ihr das und was würdet ihr tun?

      LG

      • Die katholische Kirche ist der letzte Verein auf Erden.

        - mein Bruder hatte Schwierigkeiten in der Gemeinde zur Erstkommunion zu dürfen, da meine Mutter geschieden war und zum 2. Mal verheiratet

        - ich durfte keine offizielle Patin werden, da mir ein Sakrament fehlt
        - eine lesbische Bekannte arbeitet in einem katholischen Kindergarten als Erzieherin und muss verschweigen, dass sie mit einer Frau zusammenlebt, weil sie sonst ihren Job verliert

        etc.pp.

        Ich bin ausgetreten. Und ja: Natürlich kann man trotzdem gläubig sein. Dafür braucht man diesen antiquierten Sektenverein ganz gewiss nicht.

        Gruss
        agostea

      • #pro#pro

        (8) 26.10.15 - 15:04

        Das mit der Erstkommunion ist ja krass.
        Obwohl unser damaliger Pfarrer vom alten Schlag war, durft ich zu Kommunion gehen, obwohl mein Vater evangelisch getauft war, vor Jahren aus der Kirche ausgetreten sind (die evangelischen sind auch nicht viel besser) und dann auch noch geschieden ist.... Der Pfarrer hat meinen Vater sogar beerdigt, obwohl dass ja nicht in sein Aufgabengebiet fällt.

        Ich bin katholisch, aber ich habe mit der Institution Kirche meine Probleme. Ich gebe zu, dass ich ein U-Boot-Christ bin, ich tauch an Weihnachten und Silvester in der Kirche auf.

        Genauso der Punkt Beichte. Angeblich sieht und weiß Gott alles, dann brauche ich es ja nicht dem Pfarrer noch sagen ;)

    "Kann man den nur gläubig sein wenn man zahlendes Mitglied ist?"

    Dein persönlicher Glaube hat ja nicht unbedingt viel mit dir als zahlendem Mitglied einer Kirche zu tun.

    Wenn du glaubst, dann doch auch, ohne Mitglied einer Kirche zu sein, meine ich damit.

    Wie es für einen Katholiken in der Praxis aussieht, wenn er aus der Kirche austritt, weiss ich nicht. Würdest du eingeschränkt werden im Ausüben deines Glaubens? Bei Katholiken kenne ich mich nicht so aus, daher frage ich nach. Ausserdem kannst du dir die Frage auch selbst stellen, um zu überprüfen, ob ein Austritt wirklich umsetzbar ist für euch.

    Die Frage wäre, was sinnvoll ist, für euch als Gemeinschaft. Wie und wo könnt ihr sonst noch euren Unmut über die Zwangslage der Pastoralreferentin anbringen? Wie wäre es mit einem offenen oder persönlichen Brief? Mit Veranstaltungen zur Thematik, mit Demonstrationen, um auf die Situation aufmerksam zu machen?

    Solltet ihr alle ausschliesslich aufgrund der persönlichen Lage der Pastoralreferentin austreten aus eurer Kirche, macht es auf jeden Fall Sinn, den Grund dafür auch dort anzubringen, wo er dann hingehört.

    Sonst ist es nachher so, dass vielleicht 10, 30 oder auch 70 Menschen aus der Kirche austreten und in China fällt der berühmte Sack Reis um - das juckt möglicherweise nicht so viele, bzw hat keine weiteren Auswirkungen, weisst du?

    Schade um eine gute Kraft, die nun nicht mehr wirken kann.

    • ...Wie es für einen Katholiken in der Praxis aussieht, wenn er aus der Kirche austritt, weiss ich nicht. Würdest du eingeschränkt werden im Ausüben deines Glaubens? Bei Katholiken kenne ich mich nicht so aus, daher frage ich nach. Ausserdem kannst du dir die Frage auch selbst stellen, um zu überprüfen, ob ein Austritt wirklich umsetzbar ist für euch....

      Wie das ist, wenn jemand aktives Mitglied in der Kirchengemeinde ist - also jemand, der Kommunion (Hostie) austeilt, Mesnerdienste macht, die kath. Jugend leitet oder die Strickstube der Hausfrauen - das weiß ich nicht. Vermutlich tritt so jemand aber auch nicht aus.

      Ich selber bin vor 15 Jahren schon ausgetreten. Einen Brief des Pfarrers habe ich bekommen, mit dem Hinweis, dass ich dann keinen Anspruch auf Seelsorge bei Krankheit hätte und kein christliches Begräbnis.
      Wenn sich jemand mit der Materie nicht auskennt, denkt er womöglich tatsächlich, er wird als Schwerkranker Mensch alleine gelassen und irgendwo im Wald verscharrt.

      Ich habe ihm dann zurückgeschrieben, dass ich Einblick in die Arbeit des Sterbehospiz in der Nachbarstadt hätte (meine Oma lag damals dort) und die ehrenamtlich tätigen Frauen dort konfessionsübergreifend, bzw. ohne Frage nach dem Glauben, sehr gute Arbeit leisten.
      Außerdem habe ich ihn gefragt ob es der Kirche entgangen sei, dass der Friedhof schon lange von der Kommune verwaltet wird und das dt. Bestattungsgesetz es nicht vorsieht, jemanden einfach so im Wald zu verscharren.
      Eine Antwort habe ich nie bekommen.

      Kurz nach meinem Austritt durfte meine Oma endlich sterben und die Trauerfeier auf dem Friedhof wurde von einer freien Rednerin sehr schön gestaltet.

      Von der Kirchensteuer geht nur ein lächerlich geringer Teil tatsächlich in caritative Einrichtungen. Kindergärten, auch kirchliche, werden zum großen Teil vom Staat finanziert.

      Mit der Kirchensteuer zahlt man also nicht die Erzieherin oder die neue Puppenecke.

      Unsere Tochter ist nicht getauft. Da wir mehrere Versuche künstlicher Befruchtung hatten, die kath. Kirche aber eine "Zeugung außerhalb des Geschlechtsaktes" ablehnt, war klar, dass wir sie nicht taufen lassen. Ich melde mein Kind in keinem Verein an, in dem es nicht erwünscht ist.
      Evangelisch taufen war/ist keine Option. Unser Bekanntenkreis ist entweder katholisch, ausgetreten oder nix:-p

      Und wenn ich sehe, wer bei uns im Gottesdienst (den ich durchaus ab und an besuche) in der vordersten Reihe sitzt aber laut über die Flüchtlinge schimpft (ohne jemals einen Fuß in die Unterkunft gesetzt zu haben) - dann kotz ich im Strahl.

      • "Ich habe ihm dann zurückgeschrieben, dass ich Einblick in die Arbeit des Sterbehospiz in der Nachbarstadt hätte (meine Oma lag damals dort) und die ehrenamtlich tätigen Frauen dort konfessionsübergreifend, bzw. ohne Frage nach dem Glauben, sehr gute Arbeit leisten.
        Außerdem habe ich ihn gefragt ob es der Kirche entgangen sei, dass der Friedhof schon lange von der Kommune verwaltet wird und das dt. Bestattungsgesetz es nicht vorsieht, jemanden einfach so im Wald zu verscharren.
        Eine Antwort habe ich nie bekommen."

        Da hast du doch ganz wunderbar gekontert!

        :-)

        Hauptargument für den Verbleib in der kath. Kirche war immer schon die Angst um das Seelenheil. Das ist es noch heute, obwohl keiner so genau weiß, wie das aussieht...

        "Ich selber bin vor 15 Jahren schon ausgetreten. Einen Brief des Pfarrers habe ich bekommen, mit dem Hinweis, dass ich dann keinen Anspruch auf Seelsorge bei Krankheit hätte und kein christliches Begräbnis"

        Er hat aber nicht geschrieben, dass du KEIN Begräbnis bekommst, sondern kein CHRISTLICHES. Das ist ja ein Unterschied.

        Begräbnisse die nicht christlich sind, sind halt komplett ohne Zeremonie (was zum Teil für Angehörige nicht schön ist) oder wie es in der heutigen Zeit viele machen mit einem freien Trauerredner.(wie bei euch, habe ich gerade erst gesehen)

        • >>Er hat aber nicht geschrieben, dass du KEIN Begräbnis bekommst, sondern kein CHRISTLICHES. <<
          ja, es ist ein Hinweis. Ich frag mich, warum. Jemand der über legt, ob er aus der Kirche austreten will, wird sich damit im Vorfeld befassen.

          Wenn ein Pfarrer in einem Brief dann diesen Hinweis bringt, dann empfinde ich es als Drohung und es schwingt dann mit, dass nur ein christliches Begräbnis ein ordentliches Begräbnis ist und sein kann

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