Gang zum Friedhof an Allerheiligen

    • (1) 01.11.15 - 21:08

      Guten Abend zusammen,

      Wer von Euch war denn heute auf dem Friedhof? Komme mir vor wie eine Person vom anderen Stern, weil ich auch heute nicht auf dem Friedhof war. Ich finde es grausam, mir die Gräber und die Daten anzusehen, dabei geht's mir garnicht gut und ich lasse es meistens.

      Nur bekomme ich dann immer nette Vorwürfe der Familie zu hören.

      Wie macht Ihr das?

      Lasst Ihr Euch da reinreden?

      Oder habt Ihr auch Eure eigene Art und Weise die Toten zu "ehren"?

      • Hallo!

        Ich war auch nicht auf dem Friedhof. Ich fahre ab und zu zum Grab meines Vaters, aber eigentlich brauche ich dafür keinen Friedhof, um an ihn zu denken.

        Mein Schwiegervater war Amerikaner, seine Asche wurde in den Pazifik geschüttet. So ist er indirekt überall, in jedem Bach und jedem See, den Gedanken finde ich sehr schön.

        An Allerheiligen finde ich es einfach nur krampfig, alle tappen auf den Friedhof weil es sich "so gehört" und denken den Rest des Jahres kaum an die Toten. Dann lieber alleine für mich Gedenken, als ein Pflichttermin.

        Ich habe keinen Bezug zu Friedhöfen und gehe nie hin - schon gar nicht Allerheiligen.

        Mein Papa hat immer gesagt "Hupt einfach, wenn ihr vorbei fahrt" (machen wir!) und meine Mom hat sich für das Modell Friedwald entschieden. Sie liegt ( fast) anonym unter einem wunderschönen Baum. Sie hat immer gesagt, wir sollen an sie denken, wenn wir einen schönen Baum sehen.

        Ich denke viel an all die lieben Verstorbenen, die nicht mehr unter uns sind. Für meine Mutter haben wir einen ganz besonderen Baum im Garten gepflanzt. Ich erzähle unser Maus Geschichten über die Großeltern, die nicht mehr da sind - dass sie zwei ganz besondere Schutzengel hat.

        Und ab und an bilde ich mir ein, dass meine Eltern mir ein Zeichen schicken #hicks

        Aber Friedhof? Nein Danke!

        Ich wohne in Sichtweite vom Friedhofstor und finde es schrecklich, wenn man eine Woche vor Allerheiligen die Menschenmassen mit riesigen Gebinden da reinrennen sieht.
        Da ich regelmäßig rübergehe zu meinem Mann und auch noch zu einem anderen Grab, sehe ich auch, wie ungepflegt manche Gräber das Jahr über sind - nur Allerheiligen macht man was drauf.....wegen der Leute. Scheinheilig hoch drei.
        Bin auch bei der Grabpflege meiner Eltern nie zu den offiziellen Gedenktagen hin.
        Mir war wichtiger, dass die Gräber das ganze Jahr über ansehnlich waren.
        Und meinen Lieben nahe sein kann ich viel eher durch die Fotos, die ich zuhause habe und wenn man über sie erzählt.
        LG Moni

      • Hallo, nein, heute nicht, aber schon diese Woche, um das Grab herzurichten. LG

        Wir waren da, aber wir gehen am Wochenende sowieso immer zu unserer Tochter.

        Ich finde den Tag aber nicht sonderlich wichtig, wir haben auch kein Gesteck gemacht, sondern nur nach dem Rechten gesehen und die Laterne wieder hingebracht..

        "Lasst Ihr Euch da reinreden?

        Oder habt Ihr auch Eure eigene Art und Weise die Toten zu "ehren"? "

        Würde ich mir nicht reinreden lassen, erst recht nicht bei verstorbenen älteren Verwandten.

        Ein Gedenken finde ich viel wichtiger als ein Pflegen der Konventionen.

      • Danke für Eure Antworten. Meine Mutter ist ein ziemlich treuer Friedhofsgänger und verlangt das auch gerne von mir. Ich habe ihr mal gesagt, das ich denke, falls es ein Leben nach dem Tod gäbe (gibt) wäre mein Vater sicher irgendwo in unserer Nähe und nicht auf dem Friedhof. Ich habe ein Bild von ihm im Wohnzimmer stehen und eine kleine Pflanze daneben, diese Pflege ich und ab und an wenn mir danach ist mache ich ihm ein Kerzchen an, aber reden und denken tue ich natürlich unabhängig davon. ( unser Verhältnis war zu Lebzeiten sehr schwierig, Generationskonflikte, plus unterschiedliche Mentalitäten, da ich hier geboren bin und grossgeworden). Ich finde auch sowas sollte man von keinem verlangen.

        Er wollte eigentlich in seiner Heimat liegen und sie hat ihm mit hergeholt, das fand ich schon etwas grenzwertig. Aber auch das muss jeder selber wissen. Bin froh das ich nicht die Einzige bin, die kein Friedhofsgänger ist.

        Ich gehe allgemein gern auf Friedhöfe, eigentlich schon immer.
        Und ich gehe auch, seltener als in den ersten Jahren, aber immer noch häufig zum Grab unserer Tochter. Aber heute war ich nicht da, Allerheiligen spielt da für mich keine Rolle.

        Hallo,

        Ich verstehe deine Gedanken dahinter und deinen Gewissenskonflikt.
        Meiner Oma war es immer sehr sehr wichtig das dass Grab meines Opas hergerichtet ist zu diesen Datum und alle müssten dann helfen kommen.

        Seit sie selbst verstorben ist kümmert sich keiner mehr drum außer mir und meiner Mutter und hier ist es einfach schwierig strikt zu irgendeinem Datum irgendwas zu schaffen. Meine Mama arbeitet sehr sehr viel und ich habe 3 Kinder, die ich unterbringen muss, bevor ich dort was schaffen kann.
        Aber meine Mutter hat jedes Jahr wieder ein schlechtes Gewissen, wenn wir es nicht geschafft haben, weil sie weiß das meine Oma sehr enttäuscht darüber gewesen wäre.
        Ich selber mache mir da weniger den Kopf drüber, wir sind ohnehin die einzige die das Grab noch pflegen und ich halte es für wichtig das es überhaupt gemacht wird.

        Rechtfertigen würde ich mich dafür nicht, die ist es unangenehm dort, auch das muss man respektieren und dadurch werden einen die Toten nicht weniger wert.
        Ich habe Jahre nach dem Tod meiner Oma gebraucht, um überhaupt den Friedhof betreten zu können.

        LG

        Hallo,

        ich liebe Friedhöfe, besonders die alten - diese Ruhe und Erhabenheit, welche dort herrschen, finde ich unglaublich beruhigend; aber ich gehe nur hin, wann ich will.

        Wir sind evangelisch und meine Mutter besucht um Totensonntag herum alle noch vorhandenen Gräber der Familie. Sie ist so erzogen worden, lässt die Gräber vorher auch nochmal entsprechend herrichten. Sie kann nicht aus ihrer Haut, aber ich respektiere das - sie ist fast 80.

        Toll findet sie es nicht, dass mein Bruder und ich sie an Totensonntag nicht zum Grab unseres Vaters begleiten (naja, mehr mein Bruder - ich wohne ganz woanders), aber sie hat sich damit abgefunden und weiß, dass wir auch ohne das viel an ihn denken.

        Mein Vater war katholisch und stammte aus einem kleinen bayerischen Dorf, wo Allerheiligen wirklich groß begangen wird mit Friedhofsumgang und Segnung der Gräber.
        Meine Mutter hat es jahrelang auf sich genommen, nur für diesen einen Tag mehrere hundert Kilometer dorthin zu fahren, um pünktlich um 15.00 Uhr am Grab ihrer Schwiegereltern zu stehen und somit die Familienehre zu retten....

        Das konnten wir ihr dann glücklicherweise vor einigen Jahren ausreden.

        Ich finde es unangnehm, wenn es beim Friedhofsbesuch hauptsächlich ums Sehen und Gesehenwerden geht. Womit ich natürlich niemandem unterstellen möchte, dass er an solchen Tagen nicht auch tatsächlich der Verstorbenen wegen dorthin geht - das mag jeder halten, wie er möchte.

        LG

        Wir waren am Reformationstag am Grab der Schwiegereltern. Haben Kerzen aufgestellt und mit meiner lieben Schwägerin ein wenig über Grabpflege diskutiert, dabei an die Schwiegereltern und den verstorbenen Schwager gedacht.
        Gestern habe ich Laub gerecht. Dabei habe ich meiner Schwiegermutter gedacht, denn bevor sie ins Pflegeheim kam und dann eine Weile später starb, kamen wir jede Woche im Herbst zu ihr gefahren, um eben gerade ihr Laub zu rechen. Nun ist der Garten unser, sie ist noch nicht lange tot und besonders im Garten denken wir oft an sie.

        Ich finde es nicht grausam auf dem Friedhof, in der Regel sind das für mich sehr friedliche und ruhige Orte, an denen man wunderbar traurig, nachdenklich, dankbar, zweifelnd oder auch sinnierend sein kann (die Liste kann man fortsetzen), je nachdem, wonach einem gerade ist.

        Vorwürfe gibt es bei uns keine, wir haben alle unsere eigene Art, mit dem Gedenken der Verstorbenen umzugehen. Da sind wir alle sehr tolerant.

        Tut mir leid, dass es bei dir eher anstrengend ist.

        Meine Ma hat sich für Oma einen Ort im Haus eingerichtet. Mit Kerze, Fotos, Andenken von Oma. Das Grab liegt weiter weg, noch dazu anonym, dafür aber auf einem wunderschönen, abgelegenen Friedhof mitten auf dem Land. Sie kommt nur sehr selten dort hin. Also denkt sie jeden Tag ein wenig an ihre Mutter, wenn sie an ihrem kleinen "Altar" vorbeigeht (er steht im Wohnzimmer, das gleichzeitig Durchgangszimmer ist). Auch im Garten hat sie den Lieblingsplatz ihrer Mutter ein wenig markiert, so dass man, wenn man dort sitzt, immer auch ein wenig bei Oma ist.

        So finde ich es viel schöner, als Pflichten und Erwartungen der Familie wahrnehmen zu müssen.

        L G

        White

      Hallo,

      ich fahre mit meiner Mutter zusammen im Durchschnitt alle 14 Tage zu unserem kleinen Friedhof weil in unserem Familiengrab mein Vater und mein Mann liegen. Das Grab abgedeckt haben wir schon vor 3 Wochen (bot sich an weil mein Nachbar hier seinen Lebensbaum geschnitten hatte) und ein Gesteck haben wir die Woche drauf hingebracht. Da ich im Norden wohne ist bei uns der Tag "Allerheiligen" nicht so gebräuchlich dafür Totensonntag und Volkstrauertag.

      Ich bin gerne auf unserem großen Friedhof (Ohlsdorf), da liegen meine Schwiegereltern auf einem halbanonymen Grabplatz, aber da meine Schwägerin sich aus allem raushält was ein Gesteck angeht habe ich beschlossen, da auch keines mehr hinzubringen. Wir haben es die letzten 15 Jahre immer gemacht aber irgendwann ist Schluss.

      LG

      Hallo,

      an Allerheiligen ist es mir auf den Friedhöfen schlicht zu voll.

      Ich mag lieber die Ruhe und Stille. D.h. ich gehe lieber mal unterm Jahr und helfe beim Grab richten.

      GLG

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