Und plötzlich bin ich wieder ein "Opfer"...

    • (1) 04.11.15 - 11:55
      Straftat 2.0

      Hallo!

      Nein, das ist nicht das richtige Forum, aber ich möchte anonym bleiben, bitte nicht verschieben.

      Mir ist heute im Supermarkt die Handtasche geklaut worden.
      Nichts dramatisches, eigentlich einfach nur blöd und nervig, wegen der ganzen Rennerei wegen Ausweisen, Führerschein, Versicherungskarten usw.
      Schaden ist mir ansonsten keiner entstanden. Hatte kaum Bargeld dabei, Handy und Schlüssel zum Glück in der Jackentasche und die EC Karten habe ich sofort sperren lassen.

      Erst war ich etwas geschockt, dann ziemlich wütend und genervt und dann beinahe erleichtert, dass nicht mehr passiert ist.

      Aber jetzt...

      Vor fast zwölf Jahren wurde ich Opfer einer Vergewaltigung. Ich musste Abends noch rasch was besorgen, wurde von mehreren Männern überfallen und das war's dann.
      Ich möchte nicht mehr dazu schreiben.
      Es hat ewig gedauert, bis ich zurück ins Leben gefunden habe, aber ich habe es geschafft. Ich führe ein fast normales Leben, von einigen, kleinen "Unnormalitäten" wie z.B. eine danach entwickelte Klaustrophobie und Reaktionen auf bestimmte Trigger (z.B. derartige Vebrechen im TV) mal abgesehen.
      Innerlich jedoch bleibt das immer hängen.
      Das war mir auch immer klar und ich habe es im Griff. Ich habe eine Therapie gemacht, inzwischen eine tolle, kleine Familie, mir geht es wirklich gut. Wenn ich merke, da passt was nicht, weiß ich, was ich machen muss.

      Und jetzt das.
      Mir ist "nur" die Tasche geklaut worden. Nicht mal "körperlich", also vom Arm gerissen oder so. Ich hab mich kurz beim einkaufen umgedreht und nach einem Preis geschaut und als ich wieder hoch komme, war die Tasche weg. (Hing am Einkaufswagen, total bescheuert auch noch! #klatsch). Ich war nicht mal die Einzige. Als die Polizei kam und mit mir im Supermarkt die Anzeige aufnahm, kam noch eine weitere, aufgelöste Dame, der ebenfalls die Tasche gestohlen wurde. Da waren heute wohl Profis am Werk.

      Wie schon geschrieben... Erst war ich etwas geschockt und dann eher wütend.
      Jetzt fühle ich mich plötzlich furchtbar.
      Obwohl mir persönlich nichts passiert ist, fühle ich mich plötzlich wieder in dieser "Opferrolle".
      Augeliefert. Unsicher. Dieses "Alltagsgefühl" ist auf einmal wieder weg. Dieses Wissen, dass man jederzeit immer und überall "Opfer" werden kann, auf welche Weise auch immer.
      Das "das passiert MIR doch nicht" nicht gilt. Niemals.

      Ich weiß gerade nicht gut damit umzugehen und das musste jetzt mal raus.

      Meine Tochter kommt gleich aus der Schule und ich denke, dann wird's besser.

      Danke für's Zuhören.

      • Du bist nicht Opfer geworden, Du hast Dich selber zum Opfer gemacht!

        Das klingt zwar jetzt etwas hart, aber überleg doch mal rational. Hättest Du Deine Tasche bei Dir gehabt, dann hätte man sie nicht nehmen können. Aber Du hast die Tasche unbeaufsichtigt am Wagen hängen lassen.

        Rede laut mit Dir und sage Dir "Ich bin kein Opfer, ich war unachtsam und deswegen ist es passiert"

        Geh nicht auf die Opfer Gedanken ein, "ignoriere" sie, beschäftige Dich mit etwas. Sitz bloß nicht da und lass den Gedanken freien Lauf.

        Das was Du da fühlst ist normal....und da ist es vorrangig erst mal egal wie hoch der materielle Schaden ist....man fühlt sich scheisse, man ist wütend und am schlimmsten:

        Hilflos !

        Ich kann Dir versprechen, dass es in ein paar Tagen "nur" noch ärgerlich ist, aber im Moment ist es ein direkter Angriff auf Deine "Wohlfühlzone".....und das geht jedem an die Nieren.

        Alles Gute
        Tomm

        [***vom urbia-Team entfernt, bitte antwortet freundlich, das geht auch, wenn man sich ärgert]

            • was willst du? #kratz

              • nix verstehen??
                echt nicht?
                da mach ich mir sorgen.

                • ich habe deinen beitrag nicht gemeldet, falls du das meinst. ich melde nur persönliche beleidigungen, den rest überlasse ich den blockwärtern des forums.

                  • ist doch egal, trotzdem hast du dem, was du da so unempathisch fandest, zum weiterleben verholfen durch dein zitat.

                    ich empfinde es auch keineswegs als allzu böse, der vorschlag mit dem therapeuten ist doch realistisch, wenn die te aufgrund ihrer erlebnisse in therapie war und jetzt ängste wieder kommen. und mich ärgert die off-topic-schwarzschreiberei unheimlich. wenn man sich nicht traut seinen nick zu benutzen nenne ich es feige. das schließt angst ein, scham etc. dann lieber zweitnick und an die richtige stelle. ich habe nichts gegen zweitnicks, wenn sie nicht als stänkernick dienen sondern als schutz der unter dem hauptnick preisgegeben dinge.
                    v

                    • wenn man schwarz schreibt, um zu stänkern, gebe ich dir völlig recht. ich fand nur, dass du dich in diesem, sehr sensiblen fall, absolut im ton vergriffen hast. dazu musstest du den thread ja unbedingt im intern melden, so dass die userin jetzt keine möglichkeit mehr hat, zu antworten. insgesamt fand ich die aktion von dir halt daneben.

                      • doch hat sie. sie kann ihren nick benutzen oder unter einem anderen schreiben. für sensible themen gibt es sensible foren, z.trauer & trost. natürlich hab ich mich im intern beschwert, weil ich dazu stehe, dass mich das nervt und es mir nicht darum ging, der te eins reinzuwürgen, sondern weil es wirklich stört ständig posts zu öffnen, die dann anfangen mit: sorry, gehört nicht hierher etc. die poster WISSEN das und machen es trotzdem, also nehme ich mir das recht heraus, mich zu beschweren. es nimmt einfach überhand, jeder denkt, er muss dieses und jenes in schwarz los werden. hätte ich den post mit den nörgelnden kollegen zuerst gelesen, hätte rd diesen user getroffen.
                        v

      (13) 04.11.15 - 12:21

      Ich denke es ist völlig normal, dass bei "uns Traumatisierten" bei solchen Geschichten alte Gefühle und auch leichte Dissoziationen (google mal danach, ist nix Schlimmes, nur ein Symptom) einfach viel schneller nach oben kommen. Ich würde an deiner Stelle versuchen, das einfach nur zu akzeptieren, dass du jetzt wegen diesem Vorfall durcheinander bist und dein Gehirn mit der Wahrnehmung früher-heute etwas durcheinander gerät. Versuch es mit starken Reizen, dich ins Hier und Jetzt zu holen (zB Gerüche, mir hat Lavendel immer sehr geholfen). Das war einfach verständlicherweise ein sehr starker Trigger und deine Reaktion darauf halte ich für nicht ungewöhnlich. Nur es ist jetzt ein anderes Jahr, das war ein anderer Vorfall damals und du bist aktuell NICHT mehr in dieser schrecklichen Situation wie damals, mach dir das klar! Notfalls laut und deutlich.

      Und von dem Gedanken niemals mehr Opfer zu werden solltest du dich verabschieden, wenn nötig erneut mit therapeutischer Unterstützung, damit du nicht in Gefahr läufst, dir die Schuld zu geben, wenn doch mal was passiert. Du hast nun einmal keine 100%ige Kontrolle über dein Leben oder dass es Menschen gibt, die bereit sind anderen schlechte Dinge zu tun.

      Du solltest einen Therapeuten kontaktieren, um das gerade Erlebte umgehend aufzuarbeiten.

      Na klar kann man sagen, "das war doch nix", aber du hast Recht, wenn du sagst, das war ein Trigger.

      Du bist jetzt erledigt deswegen, also geh los und hol dir eine Akutsprechstunde.

      Alles Gute dir,

      White

      Diese ....Löcher. lass dich erstmal virtuell trösten. Das ist echt übel.

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