Kosten beim Anwaltswechsel

    • (1) 21.11.15 - 16:56

      Hallo,

      aufgrund eines unverschuldeten Unfalls mit Personenschaden im Jahr 2008 beauftragte meinen Mann einen Anwalt. Der legte nun das Mandat nieder und mein Mann beauftragte einen anderen Anwalt mit der weiteren Bearbeitung.

      Dieser hat nun verauslagte Beträge bei der gegnerischen Versicherung geltend gemacht und vom eingegangenen Betrag erstmal Gebühren einbehalten, da diese die gegnerische Versicherung nicht erstatten muss.

      Ist das tatsächlich so? Das kann ich nicht ganz nachvollziehen.

      Wäre schön, wenn mir hier jemand auf die Sprünge helfen könnte. Mein Mann kann ja nichts dafür, dass Anwalt 1 das Mandat niedergelegt hat.

      Vielen Dank schonmal.

      • hallo,

        wofür erhebt er denn diese Gebühren? Ihr habt doch sicherlich eine Abrechnung darüber erhalten, oder?
        Habt ihr über den anderen Anwalt bereits Geld von der Versicherung erhalten? Hat die Versicherung bereits die so entstandenen Rechtsanwaltsgebühren von Anwalt 1 beglichen?

        vg,

        • Hallo,

          Anwalt 1 hat seine Gebühren für die außergerichtliche Tätigkeit vor mandatsniederlegung bei der gegnerischen Versicherung geltend gemacht und auch bezahlt bekommen. Dann legte er das Mandat nieder.

          Anwalt 2 hat nun die Vertretung gegenüber der Versicherung angezeigt, Belege meines Mannes für verauslagte Medikamentenkosten und Fahrtkosten zu den Ärzten eingereicht, welche auch erstattet wurden und hat nun aus diesem erstatteten Betrag (knapp € 630,00) eine geschäftsgebühr, auslagenpauschale u MwSt. Einbehalten.

          Nun kann es doch aber nicht richtig sein, dass mein Mann die Kosten für Anwalt 2 selbst tragen muss? Er erlitt den Unfall unverschuldet und auch die mandatsniederlegung Anwalt 1 hat er nicht verschuldet.

          da ein Zukunftsschaden entstanden ist, der recht teuer für die gegnerische Versicherung werden kann, fällt doch auch das Anwaltshonorar ganz ordentlich aus? Und das sollen wir zahlen?

          Im übrigen sind wir Rechtsschutzversichert.

          LG

          • Ausschlaggebend ist der Streitwert. Dieser berechnet sich nicht auf den Cent genau, sondern wird aufgerundet. Wenn also der gesamte Streitwert in der Summe 4289 € sind, dann zahle ich (ich arbeite bei einer Versicherung im Schadenservice) idR eine Gebühr, die sich auf den gerundeten Streitwert (gerundet auf 1000, also hier 1,3 auf 5000) bezieht. Wenn also Anwalt 1 diese Gebühr bereits erhalten hat, dann gibt es für den zusätzlichen Streitwert iHv 630€ keine weiteren Gebühren, weil 4289 + 630 ja immer noch unter 5000€ liegen. Verstehst du, wie ich das meine?
            Für alles, was dann darüber hinaus geht (also über 5000€gerundeter Streitwert liegt), gibt es dann eine höherer Anwaltsgebühr, die sich für anwalt 2 dann aber nur noch als Differenz zu dem bereits an Anwalt1 gezahlten Gebühren darstellt.

            • Hallo,

              Danke für deinen Beitrag. Ich bin nun auch nicht branchenfremd, hab nur leider von der Abrechnung keine Ahnung.

              Also Anwalt 1 hat Gebühren aus nem Streitwert von € 40.000,00 berechnet und erhalten und Anwalt 2 berechnet nun ne 1.3 Gebühr aus den € 600,00. soweit versteh ich das ja aber warum um alles in der Welt soll das mein Mann Zahlen? Der kann ja weder was für den Unfall noch für den Anwaltswechsel. Muss die gegnerische Versicherung nicht auch die Kosten von Anwalt 2 tragen? Und selbst wenn nicht, was ich nicht nachvollziehen könnte, müsste dann nicht mit der Rechtsschutz abgerechnet werden?

              LG

              • Auch die Versicherung kann nichts für de Anwaltswechsel. Und wenn Anwalt 1 bereits seine Gebühr aus 40.000 € bekommen hat, der tatsächliche Streitwert bei ihm aber "nur" bei 39100€ lag, dann kommt man auch mit 630€ mehr nicht über die 40.000€ hinaus, sodass es eben nicht noch mehr Gebühren geben kann.

          Natürlich ist das richtig!

          Der erste Anwalt muss übernommen werden. Wenn ein Anwaltswechsel stattfindet, kann doch der zweite Anwalt nicht leer ausgehen! Die Versicherung muss auch nicht zwei Anwälte zahlen.

          Einzige Möglichkeit wäre, dass Ihr die Kosten des zweiten Anwalts beim ersten geltend macht, da dieser das Mandat niedergelgt hat.

          Allerdings muss hier die Schuld beim Anwalt liegen (er will beispielsweise nicht mehr und beendet ohne triftigen Grund das Mandat - dann zwingt er euch den Anwaltswechsel ja auf.
          Aber meist liegt einer Niederlegung ja ein entsprechender Grund zugrunde...

          sbl

    (8) 23.11.15 - 10:21

    Hallo,

    ich sehe das mit dem Streitwert und der Abrechnung anders.

    Anwalt 1 hat das Mandat vor einem gerichtlichen Verfahren beendet und aus dem bisherigen Streitwert eine 1,3 Geschäftsgebühr gegenüber der gegnerischen Versicherung abgerechnet. Das kann er so machen. Die gegnerische Versicherung muss nur einem Anwalt diese Gebühr bezahlt. Ihr kann es egal sein, ob der Anwalt wechselt und warum. Das ist Euer Problem. Warum der Anwalt 1 nun das Mandat beendet hat, keine Ahnung. Warum ist der Schaden aus dem Jahr 2008 noch nicht vollständig reguliert? Wurden die Verjährungsfristen geprüft?

    Anwalt 2 macht nun für Euch weiter und möchte natürlich auch bezahlt werden.

    Weiß Anwalt 2 von der Rechtsschutzversicherung? Evtl. hat diese keine Deckung erteilt? Frag bitte bei Deinem Mann oder dem Anwalt nach.

    Übrigens werden keinerlei Streitwerte bei der Abrechnung nach RVG aufgerundet. Entweder es gibt konkrete Zahlen, wie Euch, einem Unfall, da werden alle regulierten Positionen zusammengerechnet (Reparaturkosten, Nutzungsausfall-Mietwagen, Schmerzensgeld etc).

    Im übrigen wird die Geschäftsgebühr in einem evtl. Klageverfahren auf die dort anfallende Verfahrensgebühr angerechnet. Lasst Euch bitte nochmals von Anwalt 2 bzgl. der Kosten beraten und verweist auf die Rechtsschutzversicherung (die hoffentlich Verkehrsrecht enthält).

    Gruß Ivhen

    Hallo!
    Zunächst gilt einmal: Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch! :-)
    Die Versicherung hat die Geschäftsgebühr schon gezahlt, also muss sie das für einen 2. Anwalt natürlich nicht tun. Eure Rechtsschutz kennt wahrscheinlich den Fall und weiß dann auch dass die Geschäftsgebühr schon von der Vers. gezahlt wurde, evtl. zahlen sie es euch trotzdem, der neue Anwalt kann ja mal anfragen.
    Anders ist es, wenn die jetzt geltend gemachten 600 € noch nicht in dem Wert der ersten Rechnung enthalten waren, dann müsste die gegn. Vers. zahlen.
    Noch etwas anderes ist es, dass der erste Anwalt nicht einfach so das Mandat niederlegen darf, das hätte dein Mann abklären sollen bevor er einen neuen Anwalt beauftragt hat...
    LG

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