Verständnisfrage - warum Abtreibung?

    • (1) 08.01.16 - 10:52

      Ich bin hier und im Schwangerschaftsforum derzeit sehr viel unterwegs. Aber mir stellt sich immer wieder die Frage, warum so viele Frauen ihr Kind abtreiben? Warum trägt man es nicht aus und gibt es zur Adoption frei?

      Abgesehen davon, dass ich persönlich kein Leben beenden könnte, weil es nicht in meine Lebensplanung passt und ggf. die Verhütung versagt hat, oder was auch immer, kann man doch damit ein wundervolles Leben geben und ggf. noch ein Paar glücklich machen, das keine Kinder bekommen kann?

      In Deutschland warten so viele Paare mit ihrer ganzen Liebe auf ein kleines Wesen, dem sie ein wunderbares Zuhause schenken können.

      Viele Grüße,
      JK mit Bübchen unterm Herzen 20.SSW

      (4) 08.01.16 - 11:14

      Obwohl ich überhaupt noch nie für mich in Erwägung gezogen habe, jemals in meinem Leben ein ungewollt entstandenes Kind abzutreiben (Da dies für mich persönlich keine Option darstellt), finde ich diese Frage wirklich sehr gewagt. Aber durchaus stellenswert.

      Ich kann mir vorstellen, es kostet schlicht und einfach viel mehr Überwindung, ein Kind auszutragen, seine Entwicklung zu begünstigen, es zur Welt zu bringen und es im Nachhinein aus den Händen zu geben, als wenn man den ganzen Prozess in den Anfängen stoppt. Einem Menschen, der weder sicht-, noch greif-, noch hörbar ist, kann man leichter die Zuwendung vorenthalten (ganz blöd ausgedrückt ).

      Außerdem haben ja viele hier schon eine Familie und wollen keinen Zuwachs mehr, da ist es kaum denkbar, ein Geschwisterchen in die Welt zu setzen und unmittelbar danach aus der Familie zu reißen.
      So erkläre ich mir das...

      • (5) 08.01.16 - 11:21

        Ja, das mit der Überwindung erscheint mir logisch. Sicher, es sind Termine wahrzunehmen und vermutlich einige Behördengänge, wenn man sein Kind abgeben möchte.

        Danke ;-)

        • (6) 08.01.16 - 11:25

          Hallo!

          Ich denke auch, dass diese Frauen einfach auch keine Lust darauf haben, schwanger zu sein, eine Geburt mit zu erleben und dann dieses Kind weg zu geben.

          • (7) 08.01.16 - 11:26

            Ja, das ist mir irgendwie klar, aber es hat doch (hoffentlich) auch keiner Lust auf eine Abtreibung?

            Aber vermutlich (ich nehme an, darauf läuft es hinaus), ist es einfach die schnelle und "einfache" Variante.

            • (8) 08.01.16 - 11:30

              Das denke ich auch.
              ich bin selber nach als Baby adoptiert worden und meine leiblichen Eltern haben sehr lange gebraucht, um diese Adoptionspapiere zu unterschreiben.
              Ich weiß nicht, warum... Entweder weil sie nicht wussten, ob es richtig ist, oder aus anderen Gründen.

    (9) 08.01.16 - 11:37
    Recht einer Frau

    Man muss nicht verstehen, warum eine Frau sich zu einer Abtreibung entscheidet. Man sollte akzeptieren, dass sie es tut.

    Und im nächsten Schritt sollte man darüber nachdenken, wie man Leben definiert und ab wann Leben beginnt. Zum Beispiel wirken einige Pillen so, dass sie den Eisprung unterdrücken, andere verhindern, dass die Schleimhaut sich aufbaut und eine befruchtete Eizelle sich festsetzen kann. Ist dies schon Abtreibung oder noch Verhütung? Was ist mit der Pille danach? Ist das auch schon eine eventuelle Abtreibung?

    Dann gibt es zahlreiche Lebensumstände, die sich manche überhaupt nicht vorstellen können und die eine Frau zu der Entscheidung gegen ein Kind bewegen. Sei es berufliche Perspektiven, eine schlechte Partnerschaft, ein schlechtes soziales Umfeld.

    Der Gedanke, dass man doch auch ein Baby austragen könnte und es dann einfach zur Adoption freigibt, ist reichlich naiv. Wo man einen Schwangerschaftsabbruch noch für sich behalten kann, ist eine Schwangerschaft so offensichtlich, dass man sich der Öffentlichkeit stellen muss und auch zur Argumentation gezwungen ist, warum man sich für diesen Weg entscheidet. Ich könnte mir vorstellen, dass auch oftmals die Lebensumstände, die zur Entscheidung gegen ein Kind führen, eine Austragung nicht möglich machen.

    Auch, wenn ich Mutter bin und mir in meiner jetzigen Lebenssituation eine Abtreibung nicht vorstellen kann, so finde ich, dass es eine echte Errungenschaft ist, dass man sich als Frau entscheiden kann, ob man ein Kind austragen möchte oder nicht und einen Schwangerschaftsabbruch unter medizinischer Betreuung vornehmen lassen kann. Jede Frau sollte die Möglichkeit haben, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es wünscht.

    • Das sehe ich ganz genauso! Ich würde nicht mit dem Finger auf eine Frau zeigen, die sich (nachdem sie sich ernsthaft damit befasst hat) bewusst für eine Abtreibung entscheidet.
      Was ich in gewisser Weise verwerich finde, ist die Einstellung "Über Verhütung und verantwortungsvollen Umgang mit meiner Sexualität denke ich nicht nach. Ich kann ja immer noch problemlos abtreiben, wenn was passiert", was ich mit Erschrecken schon gesehen habe.
      Ich finde, wenn man darauf besteht, seine Sexualität auszuleben, sollte man sich schon den einen oder anderen Gedanken machen

      Vermutlich hast du recht und meine Frage ist naiv. Danke für deine Ausführung. Natürlich hast du recht damit, dass eine Schwangerschaft kaum zu vertuschen ist, wobei über eine Abtreibung keiner etwas erfahren muss.

      Und sicherlich kann ich mich in die Frauen nicht hineinversetzen, die eine Abtreibung in Erwägung ziehen und machen lassen. Daher mein Interesse und meine Frage.

(12) 08.01.16 - 11:58

Es gibt eine ganz simple und naheliegende Antwort auf die Frage, warum Frauen lieber abtreiben, als ein Kind austragen und dann weggeben.

Eine Abtreibung kannst Du für Dich behalten, niemand erfährt davon, wenn Du selbst das so beschliesst. Noch nicht einmal dem Vater des Babys musst Du davon erzählen. Du treibst ab und machst danach einfach ganz normal weiter.

Wenn Du schwanger bist und ein Kind austrägst bekommt das normalerweise jeder mit - und hast Du Dich schon einmal rein theoretisch über Adoptionen unterhalten? Wie viele sagen schon allein bei der Wortnennung spontan "Das könnte ich ja niemals machen, ein Kind weggeben!". Was glaubst Du, wie sicher nicht wenige Familienmitglieder, Freunde und Kollegen reagieren, wenn Du schwanger bist und danach ganz normal weiter machst, als wäre nie was passiert? Was da für Vorwürfe kommen, von blöden Fragen oder Tratsch hintenrum mal abgesehen.
Dazu kommt noch der bereits erwähnte Behördenkram, von Schwangerschaftsproblemen und Mutterschutz mal ganz abgesehen.

(14) 08.01.16 - 12:20

Wenn man noch nie in einer solchen Situtation war, kann man auch nicht verstehen, was da los ist und wieso, weshalb, warum.

Ich wollte meine Zwillinge damals zur Adoption geben, da Abtreibung für mich nicht in Frage kam, ich aber nicht allein erziehend mit drei kleinen Kindern sein wollte. So erschien mir das die einzige praktikable Lösung für mich.

Tja, erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Es war schon alles in die Wege geleitet, ich hatte zusammen mit meinem Mann die "neuen Eltern" kennen gelernt (kein schönes Erlebnis) und dann kamen die Kids zur Welt.

Der Zweitgeborene musste per Not-Sektio geholt werden und als ich aus der Vollnarkose wach wurde, war mein Bauch leer, meine Kinder in ein anderes KH verlegt worden mit Intensiv und ich wußte noch nicht einmal, ob sie überhaupt noch leben. Das Einzige, was man mir sagte, dass es ihnen wohl gut gehen würde, dabei war dem gar nicht so.

Schnell kamen Zweifel ob das alles so richtig ist und darüber reden konnte ich mit niemandem, ausser meiner Hebamme. Das Gerede der Leute war furchtbar und der Gedanke, das fremde Menschen an meinen Kindern rumgrabbeln, tat sein übriges bei mir.

Das erste Mal sehen durfte ich sie fast 5 Tage nach der Geburt, dabei bin ich das erste Mal zusammen gebrochen, nichts von dem, was mir von Seiten des JA zugesagt und mit den "neuen Eltern" abgesprochen gewesen ist, war umgesetzt worden.

Nach zwei Wochen und einem weiteren Zusammenbruch meinerseits habe ich ich mich für meine Kinder entschieden und das war eine gute Entscheidung, aber der Weg dahin war sehr hart und so etwas wünsche ich niemandem

(15) 08.01.16 - 13:19

JO....Freitag...Feiamd...und Tschüss...

(16) 08.01.16 - 13:22

Das geht Dich nichts an...jede Frau kann das für sich entscheiden, das musst Du nicht verstehen und...sie muss es auch nicht begründen.

Ich geb ja nur mal das Beispiel schwanger nach Vergewaltigung...da sagt keiner was zur Abtreibung, versteht jeder sofort...herrliche Doppelmoral.

(17) 08.01.16 - 14:16

hallo,

es gibt bestimmt einige frauen die es genauso machen wie du es dir wünschen würdest. ich kenne zumindest eine.

ich habe ebenfalls abgetrieben. warum ich es nicht zur adoption freigegeben habe? weil ich es nicht gekonnt hätte. ganz einfach! und gepackt hätte ich ein kind auch nicht. es gibt also durchaus gründe warum man das nicht macht. man weiß auch nicht wohin das kind kommt? ob die ersatzeltern gut zum kind sind etc... also für mich keine option gewesen.

aber mal ein anderer aspekt. ich finde es gibt genug kinder, die keine eltern haben, oft sind das keine säuglinge mehr, aber warum muss es immer ein baby sein? warum nimmt man kein pflegekind oder älteres kind (achja die sind ja nicht mehr so süß und so versaut, weil die ja so schreckliches durchgemacht haben, gerade die brauchen aber ganz nötig hilfe!!).... finde ich tausendmal ehrenvoller als darauf zu warten dass eine frau ein ungewolltes kind für einen austrägt...

besten gruß

  • ps: ich hätte es nur für eine freundin getan. also jemanden den ich kenne und der keine kinder bekommen kann. dann vielleicht. aber nochwas. meine frauenärztin meinte in meinem alter würde sie das sowiso nicht raten, da ich schon älter bin und die schwangerschaft ein zu großes risiko birgt. ich habe ja schon 2 kinder die mich brauchen.

    (19) 11.01.16 - 22:04

    Weil man sich mit Pflegekindern jede Menge Probleme anlacht. #augen

    Es gibt nicht wenige Eltern, die eigentlich nicht damit einverstanden sind, dass das Jugendamt ihre Kinder zu Pflegeeltern verfrachtet hat, und es gibt sogar nicht wenige Familien, wo das Jugendamt das sogar aus irgendwelchen aus der Luft gegriffenen Gründen getan hat und wo es nicht berechtigt ist. (z.B. weil sie unter Druck sind, weil sie bei einer anderen Familie in ihrem Bezirk versagt haben und jetzt lieber mal ein paar Kinder zu viel in Obhut nehmen)

    In diese Konflikte sind die Pflegefamilien mit eingebunden, ob sie wollen oder nicht.

    Ausserdem können Pflegekinder jederzeit wieder aus den Pflegefamilien genommen werden, weil sie wieder zu ihren leiblichen Eltern oder sonstwohin sollen.

    Kinder, die traumatisiert sind, kann man als Mensch ohne entsprechende Ausbildung häufig nicht einfach aufnehmen und ihnen ein normales Leben bieten, egal, wie motiviert man ist, auch wenn selbst die Jugendämter das häufig genug nicht kapieren.
    Wie würdest Du damit umgehen, wenn Dein Pflegekind sich die Arme aufschlitzt oder Dir sämtliche Möbel zusammen tritt oder sogar Deine eigenen Kinder sexuell mißbraucht, weil es selbst so etwas erlebt hat? (Wir kennen eine Pflegefamilie mit einem solchen Fall.)

    Pflegekinder sind was für Leute mit Ambitionen als Sozialarbeiter/Psychologen, aber nichts für Eltern, die sich ein Kind und eine normale Familie wünschen.

    LG

    Heike

    • (20) 12.01.16 - 19:27

      dann nehme ich diese option zurück! aber auch ein baby säugling kann sich schlecht entwickeln, ein mensch werden, der sich selbst oder andere verletzt, genau wie eigene kinder und nach wie vor, es gibt genug kinder ohne eltern, die sind dann eben etwas größer...

(21) 08.01.16 - 14:19

Es ist etwas anderes eine Schwangerschaft zu der man keinen Bezug hat und auch keine Bindung zum entstehenden Leben zu beenden, als eine Schwangerschaft mit allen Beschwerlichkeiten auszutragen, eine Geburt hinter sich zu bringen und dann das Kind weg zu geben.
Die Schwangerschaft dauert ja um einiges länger, als die Schwangerschaft bis zum Abbruch. Ich denke man baut dann eine Bindung zu dem Kind auf. Und mit allem was man bis zum Zeitpunkt -nach der Geburt- erlebt, durchlebt...ist eine Trennung vom ungeplanten Kind welches man vielleicht nicht aufziehen kann emotional viiiel schwerer, denn man hat nicht nur eine längere Zeit mit dem Kind gehabt, sondern die Schwangerschaft und die Geburt haben Spuren auf dem Körper und in der Erinnerung hinterlassen.

(22) 08.01.16 - 18:36

Tja wenn man nie in der Situation war ist es schwer sie zu verstehen.

Meine Freundin hat damals abgetrieben und ich hab es auch nicht verstanden. Ich hab sie allerdings in ihrer Entscheidung unterstützt und war auch bei der Abtreibung dabei. Bis heute bin ich die einzige Person die weiss das sie erneut schwanger war.... Sie hat Angst/keine Lust auf die Diskussion die daraufhin ausbricht. Ihre Tochter war zum Zeitpuknt der Abtreibung grade 1 geworden und sie hatte sich vom Vater getrennt.

Jetzt hab ich selber 2 Kinder - bin ebenfalls (aber geplant) in dem Monat in dem mein großer 1 geworden ist wieder schwanger geworden. Ich habe meinen Mann und meine Familie/Freunde um mich rum und für mich klappt es sehr gut. Aber 2 Kleinkinder allein.... das wäre richtig harter Tobak - nicht unmachbar, aber doch n anderes Kaliber als mit Partner.

Heute versteh ich sie besser. Ich hätte vielleicht nicht so gehandelt wie sie (sicher kann man nie sein), aber ich versteh das sie sich auf das vorhandene Kind konzentrieren wollte und Angst hatte 2 Kindern nicht gerecht zu werden. Sie wollte nicht alzulange vom Amt leben müssen und wusste das es als alleinerziehende ohne Berufserfahrung mit 1 Kind schon schwer genug ist einen Job zu finden.
Für sie wars die richtige Entscheidung

(23) 08.01.16 - 20:10

Hallo,

ich bin 3 fache Mama und verstehe was Du meinst.

Deine Kernaussage ist auch total richtig und die reine Theorie unterschreibe ich.

ABER...

Eine Abtreibung in den ersten Wochen ist nicht mehr als Zellen entfernen.
Ich ermorde keinen fertigen Menschen. Ich entferne etwas das auf dem Weg ist ein fertiger Mensch zu werden. Nicht umsonst ist ein Schwangerschaftsabbruch nur bis zu einer bestimmten Woche legal. (Wobei ich in der 12. Woche abtreiben schon sehr spät finde aber das ist ein anderes Thema^^)

Es ist ein unterschied und eine deutlich leichtere Entscheidung ein paar Zellen zu entfernen als ein Menschenwesen das unterm Herzen wächst leichtfertig in fremde Hände zu geben.

Ich sage bewusst "leichtfertig" weil die Theorie "gibs halt zur Adoption frei" sehr viel einfacher ist als das in der Praxis auch zu tun! Viele treiben sicher zu leichtfertig ab und haben hinterher mit der Psyche zu kämpfen.
Viele gehen sicherlich zu leichtfertig mit Verhütung um ..
aber leichtfertig ein Kind austragen und dann mal eben abgeben?

Das ist nur leicht geschrieben - aber ganz gewiss nicht leicht umgesetzt.

Wünschenswert wäre wenn die Menschheit einfach deutlich bewusster und gewissenhafter mit Sexualität und Verhütung umgehen würde.

(24) 08.01.16 - 20:14

Hallo,

wenn du dich mit Adoption (vor allem als jemand der adoptieren möchte) und dem Weg bis das Kind in einer Adoptivfamilie ankommt, auseinandergesetzt hast, können wir gern erneut darüber reden, ob eine Adoption, bzw. ein Gebären eines Kindes in so eine Situation wirklich erstrebenswert wäre.

Grüße

(25) 08.01.16 - 22:23

Hallo,

wenn Du Dich so sehr für das Thema interessierst dann frage doch am besten dort nach wo es die statistisch besten Informationen gibt - beim Amt für Jugend und Familie.

Bei dem was Du dann dort erfährst wirst Du dann ggf Deine Meinung überdenken. Ich bin kein Freund von Abtreibung aber ich kann es nachvollziehen wenn es geschieht.

Belese Dich mal zum Thema FAS, frühgeburtliche kindliche Traumatisierung, Entzug von legalen und illegealen Drogen im Kindesalter mit allen Konsequenzen für das Kind bis zum Erwachsenen werden und deren netten Krankheiten die das Kind noch dazu mehr oder weniger hat, AVWS uvm.

Das sind nur Gedankenanstöße. Aber über eine Frau zu urteilen die über ihren Körper entscheidet ist nicht gut. Meist urteilen dann solche Menschen dann auch über Kinder die nicht in die Norm passen ohne vielleicht zu ahnen dass dieses Kinder gar nicht von den Frauen geboren wurden die ihnen ein liebevolles und stabiles Umfeld geben und das Kind trotz ihrer Vorgeschichte so annehmen wie es ist.

VG Geli

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