Internetbekanntschaft

    • (1) 29.03.16 - 14:44

      Hallo,

      ich habe vor einiger Zeit in einem Forum einer Frau auf ihr Problem geantwortet. Sie hat darauf per Mail Kontakt mit mir aufgenommen und es ist ein Austausch zu ihrem Problem entstanden.

      Ich möchte jetzt hier nicht zu viel schreiben, wegen evtl. Wiedererkennung. Aber es geht um Depressionen.

      Ihre Mails sind teilweise ziemlich heftig, es geht auch um Suizid. Vor ein paar Tagen habe ich nach einer Mail von ihr darüber nachgedacht, die Polizei anzurufen. Allerdings habe ich nur einen Vornamen und eine Mailadresse. Ich weiß nicht, ob das, was sie mir z.B. über ihren Wohnort geschrieben hat, stimmt.

      Ich habe dann bei einer Beratungsstelle für Frauen angerufen und dort wurde mir gesagt, dass unter diesen Umständen ein Anruf bei der Polizei wahrscheinlich nichts bringt. Dass ich aber bisher (mit meiner Reaktion auf ihre Mail) richtig gehandelt habe.

      Sie hat sich zum Glück nichts angetan.

      Allerdings belastet mich dieser Mailaustausch inzwischen sehr. Ich habe in meiner Familie eine nahestehende Person mit ähnlichen Problemen und jetzt noch das.

      Ich habe versucht, die Frau auch mal auf andere Themen zu bringen. Sie geht aber auf Fragen, die nicht um ihre Depression kreisen, nicht ein. Ich weiß, dass das zum Krankheitsbild gehört.

      Ich möchte den Mailwechsel auch nicht einfach wieder abbrechen. Ich bin einer der ganz wenigen Kontakte, die sie hat.

      Ich habe einfach Angst, dass ich mal "falsch" antworte oder dass sie sich wirklich was antut und ich nicht reagiert habe.

      Hat jemand einen Rat für mich?

      LG, Cinderella

      • Also wenn jemand sich das Leben nehmen möchte, dann macht er es. Da kannst Du gar nichts "falsches" oder richtiges sagen. Gib Dir bloß nicht die Schuld daran, wenn es so kommen sollte!

        Ich finde es gut von Dir, dass Du den Kontakt halten willst, obwohl es Dich offensichtlich sehr belastet. Du musst in Dich hinein hören und sehen wie viel Du (er)tragen kannst.

        Depressionen und Suizidgedanken gehören in die Hände eines Facharztes. Ist die Frau in Behandlung? Nimmt sie Tabletten? Kannst Du sie zu einer Therapie überreden oder sie dazu bringen sich einweisen zu lassen?

        • Sie ist wegen ihrer Erkrankung berentet und hat schon einige Therapien hinter sich. In der gewissen Nacht hat sie sich Hilfe bei der Telefonseelsorge geholt.

          Sie zu einer neuen Therapie zu überreden, wird wohl nicht funktionieren. Warum, das möchte ich hier nicht schreiben (Wiedererkennungswert). Da ich in der Verwandtschaft einen ähnlichen Fall habe, weiß ich auch, dass es vermutlich nichts bringt.

          Ihr Leben, so wie sie es schildert, ist wirklich trostlos. Ich versuche auch ständig mal andere - positive - Themen anzuschneiden. Ohne Erfolg.

      Hallo Cinderella,

      ich selbst habe die Diagnose Depressionen auch schon seit Jahren und kenne die Phasen gut in denen die Gedanken nur negativ sind und eigentlich ausschließlich um die Möglichkeiten zum Suizid kreisen und deswegen lehne ich mich mal weit aus dem Fenster und wage zu behaupten, es geht nicht um euren Austausch oder wirklich eine Freundschaft sondern sie braucht eigentlich "nur" eine Adresse wo sie diese Gedanken lassen kann. Und damit ist eine "normale" Person gemeinhin total überfordert.
      Das hat auch nichts von Austausch oder Freundschaft sondern ist rein zweckgebunden.

      Bevor du da zu sehr belastet wirst, zieh eine klare Grenze für dich. Überleg dir, ob du für Themen wie Suizid beispielsweise wirklich als Ansprechpartner herhalten willst und kannst. Falls nicht, schiebe ganz klar einen Riegel vor.

      Und hab keine Angst, wegen deiner Antowort wird sie sich sicher nicht das Leben nehmen. Meine Erfahrung ist: wer sich wirklich umbringen will, findet einen Weg es zumindest zu versuchen. Du wirst nicht der Auslöser sein.

      Versuche, in einer mail klar zu machen, dass du gerne da bist, auch in Krisensituationen zuhörst aber es ein Austausch sein muss, ein beidseitiger und dass du keinen Therapeuten ersetzen kannst und willst.
      Du bist nicht für ihren Umgang mit der Krankheit verantwortlich!

      LG

      • Danke Süddeutscher, Deine Worte helfen mir schon mal sehr im Umgang mit ihr.

        Ihre Gedanken scheinen sich ausschließlich um das Thema Suizid zu kreisen. Sie scheint überhaupt keine glücklichen Momente zu haben. Und das seit sehr langer Zeit. Im realen Leben hat sie keine wirkliche Bezugsperson. Ganz, ganz schlimm.

    Hallo Cinderella,

    das Problem kenne ich leider auch nur zu gut.

    Durch ein Forum habe ich eine Frau kennengelernt, die ebenfalls schwere Probleme hat. Selbstverletzung, Suizidgedanken, frühere Einweisungen, Borderlinerin, hat Probleme, etwas zu essen usw.

    Keine Ahnung, weshalb ich den Kontakt suchte. Vielleicht, weil ich ihre Beiträge gelesen hatte und vor allem das Thema Suizid mich nicht losgelassen hat. Habe meinen Bruder dadurch verloren und hatte lange Schuldgefühle, ob es nicht zu verhindern gewesen wäre. Diese Frau machte einen sehr netten Eindruck und ich wollte für sie da sein.

    Doch sie hat mich zu sehr belastet. Es ging immer nur um ihre Probleme. Hatte sie hier eine Besserung, hatte sie woanders ein Problem und so ging es weiter. Ich wollte nicht aufgeben, aber ich konnte nicht mehr. Ich habe auch tagsüber an sie gedacht, vor dem Schlafen gehen und habe immer gehofft, dass sie am nächsten Tag noch lebt.

    Eine weitere Einweisung wollte sie nicht, vertraute sich deshalb den Ärzten nicht an und ich habe den Kontakt abgebrochen und fühle mich seitdem befreit. Hört sich vielleicht egoistisch an, aber wenn man die Sorgen anderer mitnimmt, von eigentlich Fremden und das einen runterzieht, dann muss man aufhören.

    Es ehrt dich, dass du sie nicht im Stich lassen möchtest, aber versuche, Abstand zu ihren Problemen zu bekommen. Ich finde deine Art wirklich toll. Aber wenn du spürst, dass dich ihre Probleme nicht mehr loslassen und sie nur über sich schreibt, dann solltest du dich auch von ihr lösen. Vielleicht wendet sie sich dann an Ärzte und ihr kann geholfen werden. Wir können nur zuhören bzw. lesen und antworten, helfen können sie sich nur selbst bzw. mit Hilfe der Ärzte.

    • Danke babydestiny.

      Bei mir ist es ähnlich. Eine sehr nahe Angehörige ist in einer ähnlichen Situation wie meine Mailbekanntschaft. Ich glaube, das ist der Grund, warum ich den Kontakt mit ihr aufgegriffen und beibehalten habe.

      Und es ist wirklich so, dass ich vor ein paar Nächten, als die Suizidgedanken bei ihr, so wie sie sich in einer Mail äußerte, sehr stark waren, ewig wach war, überlegt habe, was ich tun kann, die Polizei informieren wollte etc. In der Nacht und am Morgen dann gleich der Griff zum Handy, um zu schauen, ob sie sich gemeldet hat. Dann mittags ein Aufatmen, nachdem eine Mail von ihr kam.

      Ich werde wohl versuchen müssen, mich behutsam wieder dort rauszuziehen.

      • Hallo Cinderella,

        es ist oft so, wenn ähnliche Probleme im Bekannten- oder Verwandtenkreis sind, dass wir dann besonders empfänglich für ähnliche Probleme werden.

        Heute hat die Forumnutzerin wieder geschrieben, aber ich habe die Kraft nicht mehr, weiter auf sie einzugehen. Zum Glück schrieb sie mir nicht privat und so hoffe ich für sie, dass andere ihr antworten werden. Ich hatte sie wirklich schon ins Herz geschlossen, aber wenn durch fremde User mein Seelenheil leidet, dann geht das doch zu weit, so hart es sich auch anhört.

        Du möchtest also vorsichtig versuchen, Abstand zu gewinnen? Finde ich auch eine gute Lösung. Lasse dich nur nicht in etwas hineinziehen.

        Liebe Grüße

        Babydestiny

Mir kommt das so bekannnt vor. Ich war vor ca 12/13 Jahren schon mal in diesen Forum angemeldet und habe hier auch eine Frau kennengelernt.Sie hatte auch Suizidgedanken hier im Forum geäußert,genau wie du schrieb ich sie an, es entstand ein reger Mailverkehr.
Es ging ein paar Jahre so sie hatte Probleme ich habe zugehört mich selbst damit belastet versucht ihr zu helfen.Mir ging es auch so das ich mich Tag und Nacht mit Ihren Problemen rumgeschlagen habe, versucht habe ihr zu helfen, sie hat außer finanzieller Hilfe nichts angenommen.
Ich war blind oder zumindest wenn ich meine Augen etwas geöffnet hatte und den wahren Grund gesehen hatte, hat sie es sofort mitbekommen und war wieder schwer depressiv.

Sie zog mich so runter ,ging es mir gut, ging ihr es doppelt so schlecht, bis es mir wieder wegen den Gedanken die ich mir über sie gemacht hatte schlecht ging, dann war sie wieder super drauf.

Sie fing auch an mich finanziell auszunutzen.(Keine Arbeit,Mann faul, deshalb depressiv, Die Kinder müssen hungern)und wenn Kinder hungern müssen hilft man gern.Ich will jetzt auch nicht weiter darauf eingehen.

Ich habe versucht mit ihr zu reden, das es so nicht weitergehen kann, das interessierte sie nicht. Ich habe es dann einschlafen lassen. auf "Jammermails" habe ich nur noch kurz und immer später geantwortet.
Irgendwann schlief es dann ein.

Ich weiß von einer gemeinsamen Bekannten aus einen andere Forum, das es ihr sehr gut geht und nie schlecht ging.Sie hat auch schnelle wieder neue Kontakte gefunden.

Ich habe lange Zeit gebraucht um meine Gedanken von ihr weg zu bekommen aber seit den geht es mir viel besser.

Ich kann dir auch nur raten, löse dich von Ihr.DU wirst es DIR später danken.

  • Danke auch Dir 280869!

    Meine Bekannte ist alleinstehend, einsam. Finanziell gehts ihr auch schlecht, aber sie jammert nicht.

    Manche Dinge, die sie schreibt, kann ich nicht so recht glauben. Zweifel waren hin und wieder da.

    Im Forum hat sie Antworten bekommen, die ihre Geschichte anzweifelten. Ich habe ihr geglaubt, weil es in meiner Familie einen ähnlichen Fall gibt. Ein Mensch, der damit nie etwas zu tun hatte, kann sich wirklich nicht vorstellen, dass es so etwas gibt.

    Ich weiß nicht, was ich glauben soll und was nicht.

    Es kann da am anderen Ende der Leitung ein Mensch sein, der wirklich verzweifelt ist, es kann auch jemand sein, der sich einen Spaß draus macht.

    Das sind die Tücken der Onlinebekanntschaften.

    Nach Euren Ratschlägen werde ich - hoffentlich ohne schlechtes Gewissen - versuchen ihr nahezulegen, sich wieder in richtige professionelle Hilfe zu begeben. Und dann, wenn es weiter nur um Suizid geht, den Kontakt wirklich abbrechen.

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