Wann sage ich es meiner Tochter

    • (1) 15.05.16 - 20:57

      Meine Tochter wird bald 8 Jahre alt .
      Ihre Schwester wäre letzte Woche 5 Jahre alt geworden. Ich habe sie aufgrund Trisomie 13 im 5. Schwangerschaftsmonat still geboren.

      Meine erste Tochter hat sich immer ein Geschwisterkind gewünscht aber ich war dann 41 Jahre alt und habe mich gegen eine weitere Schwangerschaft entschieden.

      Wann kann ich meiner Tochter von ihrer Schwester erzählen? Ich möchte daraus kein Geheimnis machen. Hat jemand Erfahrungen oder von einem ähnlichen Fall gehört?
      ( ich fand die anderen Foren Themen alle nicht passend daher frage ich hier)

      • Hallo
        Zunächst mal tut es mir sehr leid dass deine zweite Schwangerschaft nicht gut ausgegangen ist

        Weiß denn deine Tochter gar nicht dass du nochmal schwanger warst?
        Ich hatte 2 frühe Fehlgeburten, bei der ersten war meine Tochter 2.5 und bei der zweiten knapp 3 Jahre alt

        Sie wusste das eigentlich von Anfang an und weiß es auch heute noch

        Wir sprechen da nun nicht ständig drüber aber ab und an kommt mal das Thema drauf

        Zudem haben wir von beiden ein Us-foto im Regal stehen

        Mich irritiert das ein bisschen, wusste deine Tochter denn nicht dass du schwanger bist? Im 5. Monat ist ja auch schon relativ weit?
        Also sofern sie gar nichts davon weiß würde ich es wohl bei der nächsten Gelegenheit, wenn zb wieder das Thema Geschwisterchen kommt erklären

        Vor allem würde ich es baldmöglichst machen

        Ich würde schon wollen dass mein Kind darüber Bescheid weiß

        LG Silke

        Mich umtreibt eine ähnliche Frage.. Meine Tochter (4) hat eine tote Schwester, die zwei Jahre älter als sie gewesen wäre. Nun hat sie ein Geschwisterchen gekriegt und für sie ist das Thema große Schwester-kleine Schwester sehr interessant..

        Sie macht sich viele Gedanken darüber, dass sie niemals kleine Schwester sein wird.. Was ja nicht stimmt..

        Eigentlich wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen. Zumal sie auch irgendwann fragen wird, was wir da auf dem Friedhof genau machen. Da kommt sie seit ihrer Geburt immer mit. Bisher hat sie nie gefragt, was das denn soll..

        Ich warte darauf, dass sich ein Gespräch natürlich ergibt. Das war bisher immer am besten.

        Allerdings denke ich da oft drüber nach und bin mir sehr unsicher. Zudem habe ich Angst davor, dass sie dann im Bekanntenkreis und öffentlich darüber spricht. Und ich möchte keine Nachfragen von Kindergartenbekannten haben etc..

        Schwierig..

        Deine Tochter ist ja schon größer, wie geht sie denn mit dem Thema Tod um?

        LG

        • > Ich warte darauf, dass sich ein Gespräch natürlich ergibt.

          Das finde ich auch generell den besten Ansatz. Der Jahrestag wäre bei der TE vielleicht ein guter Anlass gewesen, damit sich ein Gespräch "natürlich" ergibt. Allerdings klingt es bei ihr nicht unbedingt so, als müsste es das Kind schon jetzt wissen.

          Ein Anlass kann für mich aber auch sein, dass man selbst das starke Gefühl hat, jetzt wäre die Zeit gekommen.

          > Eigentlich wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen.

          Bei dir klingt mir das deutlich anders, du scheinst das Gefühl stark zu haben. Dann würde ich dem auch nachgeben, und eure gemeinsamen Besuch auf dem Friedhof und die Geburt der kleinen Schwester sind doch prima Anknüpfungspunkte.

          Und nach meiner Erfahrung sind Gespräche mit Kindern über das Thema Tod immer viel weniger schlimm als man sich das ausmalt.

          Einfach wie bei anderen Themen auch sich daran orientieren, was dann von Kindern kommt und ihnen das beantworten, was sie wissen wollen (anstatt einen Monolog zu halten). Und darauf gefasst sein, dass sie in ein paar Tagen oder irgendwann zu völlig unerwarteten Gelegenheiten das Thema nochmal aufbringen. ;-)

          Die Bedenken zu unerwünschten Nachfragen von anderen würde ich hinten anstellen, da finde ich geht das Recht des Kindes auf Wissen auf jeden Fall vor, wenn die Zeit gekommen ist.

        • Guten Morgen Kate,

          was erzählst du denn deiner Tochter, wenn ihr zum Friedhof geht? Sprecht ihr nicht darüber, wen ihr besuchen geht?

          Ich hätte von Anfang an meinem Baby gesagt, "komm, wir gehen zu XY, stellen ein paar Blumen hin und erzählen ihr, was wir heute gemacht haben" oder so.
          Damit wäre der Besuch für deine Tochter normal gewesen (ist er bei euch ja auch, nur eben, dass scheinbar nicht ausgesprochen wird, was genau man da tut und warum), und die verstorbene Schwester auch.

          Und genau dann wäre das sicher auch kein großes Thema im Bekanntenkreis. Zumindest nicht für deine Tochter, denn sie würde es als ganz "normal" sehen, dass ihre große Schwester gestorben ist und ihr sie auf dem Friedhof besucht.
          Ich denke, wenn du sie nun bald oder auch erst irgendwann darüber informierst, wen ihr da schon immer auf dem Friedhof besucht, wird es unweigerlich Thema im Kindergarten etc sein und du wirst dich eventuellen Nachfragen stellen müssen.

          Denn mit dem Schweigen bisher wird es - einmal ausgesprochen - etwas sein, das deine Tochter dann beschäftigt.

          Sie wird darüber reden wollen, weil es ihr wichtig ist.
          Von daher solltest du dir klarwerden, was genau du befürchtest, wenn Bekannte nachfragen und dem gewappnet sein.

          Aber dass die kleine Schwester von der verstorbenen großen Schwester wissen sollte, wenn sie bei den Eltern derart präsent ist, dass man regelmäßig ihr Grab besucht, steht für mich ausser Frage.

          Ich würde da auch nicht warten, bis das Kind von selbst nachfragt. In meinen Augen liegt bei manchen Dingen die Verantwortung des Thematisierens bei den Eltern.

          Das hier ist so ein Fall, finde ich.

          L G

          White

          • Hallo, White, danke für deine lange Antwort!

            Gute Frage, wir haben das gar nicht groß thematisiert, dass wir da jemanden besuchen gehen. Sie kennt das "Konzept" Friedhof nicht..

            Wir pflanzen da Blumen, buddeln im Dreck, gehen spazieren etc.. Es ist ein Parkfriedhof, wo wir uns häufiger aufhalten; auch viele andere Spaziergänger und Jogger, die dort niemanden besuchen, sondern nur Sport machen. Wegen der normalen, fröhlichen Atmosphäre haben wir diesen Friedhof auch ausgesucht.

            Gerade, weil sie immer als Baby schon mit war, hat sie nie hinterfragt, warum wir da hinfahren, so sehr Normalität und Alltag war es.

            "Ich hätte von Anfang an meinem Baby gesagt, "komm, wir gehen zu XY, stellen ein paar Blumen hin und erzählen ihr, was wir heute gemacht haben" oder so."

            Da hast du recht, der Thread hat mich nachdenklich gemacht. So hätten wir es besser machen sollen.

            Ich habe keine Angst davor, das mit meiner Tochter zu besprechen, ich beantworte ihr gerne Fragen. Bedenken habe ich nur, dass es sie ängstigen könnte, besonders in Bezug auf die kleine Schwester oder in Bezug auf Krankheiten allgemein.

            "Von daher solltest du dir klarwerden, was genau du befürchtest, wenn Bekannte nachfragen und dem gewappnet sein."

            Ich fürchte, wenn ich genau darüber nachdenke, dass das Thema von meiner Tochter in unpassenden Momenten auf den Tisch kommt. Es ist schwer zu erklären, ich bestimme gerne selbst, wem ich wann und wie davon erzähle und ich komme damit ganz gut zurecht, wenn es in unserer Kernfamilie bleibt. Mitleid oder mitleidige bzw. unsichere oder unsensible Kommentare von außen, auch und gerade von meiner weiteren Familie, sind mir immer noch sehr unangenehm bis unerträglich.

            Aber das werde ich wohl nicht vermeiden können.

            "Ich würde da auch nicht warten, bis das Kind von selbst nachfragt. In meinen Augen liegt bei manchen Dingen die Verantwortung des Thematisierens bei den Eltern."

            Mit dem zweiten Satz hast du absolut recht, das denke ich auch. Über den ersten muss ich noch nachdenken, ich kann mir vorstellen, dass sie zeitnah selbst fragen wird. Denke aber auch, dass es gut sein kann, dass ich ihr zuvorkommen muss. Nur aktuell fühle ich mich noch nicht bereit, das Gespräch selbst anzustoßen.

            LG

            Kate

            • Danke für die Rückmeldung!

              Dein Verhalten klingt sehr schlüssig, so wie du es erklärst. Ich denke, du findest einen Augenblick, in dem du deiner Tochter recht unbefangen erzählen kannst, was ihr da macht.

              Wenn deine Tochter eine Angst entwickelt, sich dann Sorgen macht, erkläre ihr vielleicht, dass die Angst zum Leben dazu gehört.

              Das ist schwer, auch für uns Erwachsene, diese Tatsache zu ertragen. Aber vielleicht hilft es euch allen, wenn ihr erkennt, dass man diese Sorgen teilen kann. Als Kernfamilie, meine ich jetzt.

              In Bezug auf dein weiteres Umfeld kann ich gut verstehen, was deine Befürchtungen sind. Ich hätte dich aufgrund deines Auftretens hier anders eingeschätzt, nämlich, dass du klar und offen deine Grenzen ziehst und dann mit dem Verhalten der Aussenstehenden umgehen kannst.

              Wahrscheinlich musst du lernen, mit diesen für dich grenzüberschreitenden Reaktionen der anderen umzugehen. Denn wenn man Kinder hat, verliert man nach und nach die Kontrolle über das, was passiert.

              Alles Gute weiterhin!

              White

              • "Ich hätte dich aufgrund deines Auftretens hier anders eingeschätzt, nämlich, dass du klar und offen deine Grenzen ziehst und dann mit dem Verhalten der Aussenstehenden umgehen kannst."

                Das Problem ist, dass ich meine beziehungsweise unsere Grenzen zu klar gezogen habe, besonders, als es akut war damals. Ich musste das tun, weil wir unsere Kraft brauchten, um mit unserer Trauer zurecht zu kommen. Ich konnte nicht noch zusätzlich die Trauer meiner Familie ansehen, weil sich das anfühlte, als müsste ich die auch noch (er)tragen.

                Das war uns damals nicht anders möglich, auch wenn es natürlich dazu geführt hat, dass das Thema ein wenig tabuisiert ist und der Umgang damit nicht natürlich. Unsere Familie fühlt sich bis heute sehr unwohl, was die Kommunikation darüber angeht.

                Ganz anders ist es zum Beispiel mit einer engen Freundin, die mich da mit durchbegleitet hat. Bei ihr konnte ich sehr gut kommunizieren, wann mir nach gemeinsamen Weinen und wann nach einem fröhlichen Ablenkungsgespräch war.

                Was aber auch daran lag, dass sie vor allem mit mir trauerte und nicht wie unsere engen Verwandten selbst um das Kind.

                "und dann mit dem Verhalten der Aussenstehenden umgehen kannst."

                Ich bin emotional nicht sonderlich offen, es gibt wenige Menschen, die ich ganz vertraut nachts in Tränen aufgelöst anrufe, z.B.. Meine enge Familie gehört nicht dazu, was auch mit in die "seltsame" Situation reinspielt.

                "Denn wenn man Kinder hat, verliert man nach und nach die Kontrolle über das, was passiert."

                Das trifft es sehr gut und genau damit muss ich umgehen lernen!

                "Wenn deine Tochter eine Angst entwickelt, sich dann Sorgen macht, erkläre ihr vielleicht, dass die Angst zum Leben dazu gehört."

                Das ist ein guter Gedanke, den ich kindgerecht aufbereiten kann. Danke für die Anregung!

                LG

      Hallo

      Gar nicht.

      du hast die Schwangerschaft abgebrochen.

      Was willst du deine Tochter damit belasten?

    Hallo, ich würde es in einem ruhigen Moment offen ansprechen. Ich habe auch ein Kind in der 22. SSW still geboren, meine Tochter war damals 4. Wir sind immer offen damit umgegangen, sie hat ihren Bruder auch mit beerdigt. Für uns war diese Offenheit der richtige Weg, ich denke, Kinder spüren immer, wenn etwas passiert. Schlimmer finde ich es, darüber zu schweigen. Wie sind immer sehr offen mit diesem Tod umgegangen, wir haben auch ein Foto vom verstorbenen Baby stehen, ich habe sogar Karten verfasst mit einem Gedicht, das ich an Freunde und Verwandte geschickt habe. Für mich ist es schlimm, wenn jemand stirbt und dann spricht man nicht mehr darüber. Wir haben immer offen über unser verstorbenes Baby gesprochen, für manche war das am Anfang komisch, aber dann wurde es normal.

    Der Todestag von meinem verstorbenen Baby ist für uns ein Tag an dem wir ihm gedenken. Auch meine kleine Tochter weiß, dass sie noch einen "großen " Bruder hat, der im Himmel wohnt.

    Und ja, Kinder erzählen und sprechen darüber. Auf mich sind viele Frauen zu gegangen und haben mir berichtet, dass sie auch so etwas erlebt haben. Bisher haben sie nur nicht darüber gesprochen. Das hat mir auch gut getan.

    LG Leah

    Hi,
    Mein Sohn ist fast 7 Jahre. Ich war nach ihm noch 6x schwanger. 2 Babys (1x 8te 1x10 ssw) sind bei einer Sammelbestattung beigesetzt worden. Wir haben ihm von den Schwangerschaften nie etwas erzählt, weil wir nie sicher waren ob es wieder vorbei geht. Er wünscht sich schon immer ein Geschwisterchen. Inzwischen haben wir beschlossen es nicht wieder zu probieren. Das Thema ist durch und wir gewöhnen uns gerade daran. Die letzte FG war im März diesen Jahres. Unser Sohn weiß das wir kein Baby mehr bekommen können. War neulich Thema und ich hab ihm gesagt, dass da nichts mehr kommen wird.

    Ich habe nicht vor ihm in nächster Zeit von den Sternchen zu erzählen. Ich bin einfach noch nicht so weit und sehe keine Notwendigkeit es erzählen zu müssen. Ich werde das spontan entscheiden wenn sich eine Situation ergibt.

    Wenn Du allerdings ein Bedürfnis hast es zu erzählen mach es einfach. Kinder nehmen viele Dinge viel selbstverständlicher auf als man es ihnen erstmal zumutet. Was ist schon richtig und wann der richtige Zeitpunkt? Ich nehme an als Mutter, die ihr Kind kennt, kann man schon einschätzen ob man es erzählen kann. Nur würde ich darauf verzichten zu erzählen, dass Du Dich entschieden hast die Schwangerschaft abzubrechen, falls es so war. Das finde ich nicht wichtig zu erzählen und ist auch für eine 8 jährige noch nicht greifbar und verständlich.

    Hallo,

    ich würde gar nichts sagen.

    GLG

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