Fürsorgepflicht im Beruf für "Kunden" ?

    • (1) 19.05.16 - 20:10

      Hallo ,
      mal in die Runde gefragt:

      Wenn ihr Stammkunden/Stammgäste hättet (zB im Schwimmbad) , ü 85, die merklich abbauen , zunehmend verwirrt sind, auch andere Gäste euch ansprechen (" Mensch, der Herr/die Frau xy machte heute/seit ein paar Wochen einen (zunehmend) schlechten/verwirrten/abwesenden Eindruck..") , diese Person dann auch noch ins Auto steigt.....

      Wir haben hier im Moment das Problem.
      Man macht sich einfach Sorgen, das irgendwann etwas passiert.
      Es wurde sich teilweise auf die Wärmebank am Beckenrand gesetzt und so wieder umgezogen.
      Die Person wusste nicht mehr, dass sie gar nicht im Wasser war....oder Kleidung wird nicht gefunden, auf Fragen nach dem Befinden wird völlig zusammenhanglos geantwortet und sich wiederholt ("Ja ja, draußen ist es schön warm...) usw.
      Auch körperlich macht sich das bemerkbar (Gewichtsverlust, Ringe unter den Augen, Kreislaufprobleme..)

      Im Moment versuchen wir, irgendjemanden aus der Verwandtschaft ausfindig zu machen, was nicht so leicht ist.
      Wobei ein Kollege meinte, dass wir uns da raushalten sollten "so lange nichts passiert", das wäre nicht unsere Angelegenheit.

      Einfach den Zutritt verweigern (was man in bestimmten Fällen ja durchaus darf) möchten wir eigentlich auch nicht, denn wir möchten einem Menschen eine so liebgewonnene Sache nicht einfach nehmen - aber wir haben einfach den Eindruck, dass das ohne Begleitung fast nicht mehr wirklich möglich ist.... :-(

      Würdet ihr "eingreifen", darf man das ?
      Hat man auch als Dienstleister/beruflich eine Art Fürsorgepflicht?
      Und wenn ja - wie kann man eingreifen?
      An wen wendet man sich, wenn man keinen Verwandten ausfindig machen kann?

      Viele Grüße,
      Lulu

      • Hallo,

        habt ihr irgendeine soziale Stelle (Pflegedienst, Beratung für benachteiligte Bürger ...). Zur Not würde ich mal bei der Polizei oder beim Krankentransport nachfragen. Die Polizei kann (hoffentlich) zumindest Angehörige ermitteln.

        Ich finde es gut, dass ihr euch Gedanken macht!

        Ganz einfach ist das nicht. Wir hatten im Dorf eine alte Frau, die ihren Enkel aufgezogen hat - weitere Verwandte gab es nicht. Der Enkel ist dann zum Studium ausgezogen und sie vergass, sich morgens anzuziehen. So Dinge wie: Ich kaufe mir eine Brezel gingen, weil sie das 30 Jahre jeden Morgen gemacht hat, aber sie tauchte wirklich ohne Rock (und dann mal ohne Bluse) in der Bäckerei auf und hatte das nicht mitgeschnitten.

        Der Enkel kam dann, es war aber sehr schwierig, bis sie entsprechend untergebracht war, weil sie immer wieder klare Momente hatte und sich gewehrt hat.

        GLG
        Miss Mary

        • Hallo,

          Wir wollten heute evtl.mal bei der Polizei anrufen, wg Verwandten, und um überhaupt mal nachzufragen, was wir überhaupt machen können.

          Ein Sozialamt gibt es im Landkreis, da könnte man natürlich auch Fragen....ob es eine spezielle Anlaufstelle für Senioren gibt,weiß ich gar nicht,aber auch das werden wir dann mal versuchen herauszufinden....

          Ja, dass es in klaren Momenten evtl.zu Problemen kommt befürchten wir auch.
          Wir wollen niemandem sein letztes Bisschen Selbstbestimmtheit nehmen- aber wir machen uns wirklich Sorgen!

          Danke für deine Antwort :-)

      Eine gesetzliche Fürsorgepflicht habt ihr sicher nicht - aber vielleicht eine menschliche?
      Sich raushalten ist die schlechteste Lösung - und ein bißchen feige. Man muss nichts tun.....naja :-(
      Ihr wißt offenbar, wie der Mensch heißt, dann würde ich den Seniorenbeauftragten des Rathauses anrufen und den Fall schildern - die müssten wissen, wie man verfahren kann und auch die Adresse/Familie ausfindig machen können "auf dem kleinen Dienstweg".
      Hab ich auch schon gemacht wegen einer sehr alten Frau in der Nachbarschaft, sie bekam dann einen Betreuer und das Auto war weg - es sah schon aus wie ein Boxauto - voller Schrammen #schock Wir hatten alle Angst, dass sie mal Kinder über den Haufen fährt.

      Sollte die Person bei euch allerdings mal einen so komplett verwirrten Eindruck machen, dass man sie keinesfalls mehr in ein Auto steigen lassen sollte, würde ich einen Krankenwagen rufen. Oft trinken alte Menschen nicht genug und bei einer Dehydrierung sind sie ja wirklich nicht nur eine Gefahr für sich selbst.
      Lieb, dass Du Dir Gedanken machst.
      LG Moni

      • Das mit dem Trinken hatten wir sogar allein während meiner Schicht zweimal, dass es Kreislaufprobleme gab,wir Wasser geholt haben und dann erstmal gemeinsam gewartet haben.

        Dann gings auch immer erst wieder, und Herr.... wollte dann einfach nach Hause und ist dann auch stur....von wegen "Ich brauche keinen Arzt,mir geht es gut....".

        Man handelt dann mit einem blöden Bauchgefühl.
        Ihn alleine kommen und gehen zu lassen fühlt sich falsch an, gegen seinen Willen RTW rufen fühlt sich übertrieben an...ich hoffe man versteht was ich meine.

        Noch dazu kommt, dass wir, wenn viel Betrieb ist, nicht wirklich die Möglichkeit haben, durchgehend ein-zwei Stunden einen bestimmten Gast 1:1 zu betreuen, was uns echt in ein blöde Lage bringt....

        Natürlich würden wir bei ganz massiven Problemen sowieso einen RTW rufen, das ist klar, aber bis jetzt war ja immer soviel Klarheit noch da, dass der Weg zum Fahrrad oder Auto dann doch geklappt hat.

        Das Gefühl dabei ist natürlich trotzdem nicht gut...so ähnlich wie bei euch, es soll ja nicht erst etwas passieren :-(

        Danke auch dir für deine Antwort!

        Und danke, lieb dass du das schreibst...wir arbeiten eben täglich mit Menschen, und nehmen automatisch irgendwann auch Anteil,und man versucht einfach, irgendwie so zu handeln,dass es am Ende für alle okay und sicher ist....Zumindest mir und den meisten anderen Kollegen geht es so.

        Wir alle werden irgendwann alt (wenn alles gut geht), dann möchte man doch auch lieb oder ein klein wenig aufmerksam behandelt werden...

        Liebe Grüße :-)

        • Ich finde, man hat einfach auch SELBER für sich ein gutes Gefühl, wenn man einen offensichtlich Hilfsbedürftigen nicht einfach mental "abhakt". Ich habe auch nicht gerade ein Helfersyndrom, aber wenn jemand so offensichtlich hilfsbedürftig ist, dann frage ich auch oder tu einfach was, sonst hätte ich keine Ruhe.
          Lass Dich bitte auch nicht durch evtl. nur schulterzuckende Polizisten abwimmeln, leider sind hier manche auch schon sehr abgestumpft. Ich musste bei unserer Nachbarin auch bohrend werden beim Sozialbeauftragten des Rathauses. Zu dem hab ich klipp und klar gesagt, der Fall ist nun aktenkundig, wenn was passiert, dann weiß ich, wer schuldig ist #cool
          Ich war selber einige Jahre Rettungsschwimmerin und hatte Rettungswache im Freibad - auch damals passierte schon ähnliches - da ist unser Bademeister dann tätig geworden - meist wusste er genau, wo derjenige hingehört :-) und rief dann halt an. Geht aber nur in kleineren Städtchen :-)
          Nein 1:1 Betreuung ist ganz sicher nicht möglich, das ist logisch.
          Kannst Dich ja nochmal melden, was daraus wurde.
          Schönes Wochenende.
          LG Moni

          • Hallo,

            ich wollte mal kurz berichten:

            Der Anruf bei der Polizei ergab leider nicht wirklich viel.

            Denen ging es überwiegend ums Thema Führerschein.

            Den könnte man von der Polizei aus quasi für jeweils einen Tag einbehalten, wenn die Polizei das Gefühl hat,es bestünde eine Gefährdung.

            Führerscheinstelle wäre dann die nächste Adresse, die würden dann zur Überprüfung auffordern, und so wäre der Führerschein dann wahrscheinlich weg.

            Aber das ist ja gar nicht das, was wir wollten.

            Uns wäre ja eigentlich viel mehr daran gelegen, Angehörige zu finden, die sich kümmern.

            Natürlich würden wir eingreifen, was das Fahren angeht,aber den Weg fänden wir natürlich nicht so toll....

            Es gibt bis jetzt nur einen Enkel, der nicht zu erreichen ist.

            Die Polizei wollte uns erst gar keine Auskunft geben :-(

            Es soll noch eine Tochter geben.

            Ich hoffe,dass wir diese vielleicht ausfindig machen können...

            Ach man....was man manchmal so mitbekommt, gerade mit älteren Menschen, ist furchtbar....

            :-(

            Viele Grüße,

            Lulu

    Es ist keine Frage des Rechts, sondern eine Frage der Moral. Dein Kollege ist einfach nur ein Arschloch!

    Ich würde bei der Polizei darum bitten, dass diese zunächst mal die Angehörigen informieren.

    Gruß

    Manavgat

    • (10) 20.05.16 - 12:00

      Hallo,

      ja, was den Kollegen angeht.....ohne Worte.
      Aber so eine Einstellung ist nicht selten.....

      Wir werden heute mit der Polizei mal sprechen.

      Vielen Dank für die Antwort!

(11) 20.05.16 - 20:51

Hallo,

bei einer Person die zur Zeit, Person und Ort nicht oder gar unscharf orientiert ist verständige ich die Leitstelle über die 112. Ob die mehr wie einen Rettungssanitäter brauchen, werden sie dann entscheiden.

Dieses Wissen sollten Bäderangestellte eigentlich Wissen, da dies im erste Hilfe Kurs gelehrt wird.

LG Reina

  • (12) 21.05.16 - 10:38

    Hallo,

    das wir den Rettungsdienst verständigen,wenn eine Person völlig orientierungslos ist oder nicht mehr weiß, wer sie und wo sie ist etc.ist selbstverständlich.

    Und das wissen Bäderangestellte nicht aufgrund eines erste Hilfe Kurses, sondern das weiß auch jeder Otto-Normalbürger.

    Bäderangestellte, also Schwimmmeister,Schwimmmeistergehilfen oder Fachangestellte für Bäderbetriebe werden u.a. in dieser Hinsicht drei Jahre lang ausgebildet und schließlich auch in diesem Bereich geprüft, und verfügen idR über Kenntnisse, die um einiges über grundlegende Erste Hilfe hinausgehen.

    Deine abwertende Antwort hier verstehe ich nicht.

    Die Frage ging auch gar nicht darum,wie man sich im Job in einem med.Notfall zu verhalten habe.

    Es ging hier um den menschlichen, moralischen Aspekt.
    Um das einmischen - aus Fürsorge- in das Privatleben eines Menschen, und um den evtl.daraus resultierenden Verlust der letzten Selbstbestimmtheit,Selbstständigkeit und evtl.Lebensfreude, und um die Frage, ob man als Angestellter Auskunft,von zB Polizei und Ämtern bekommen kann,um evtl.Angehörige ausfindig machen zu können.

    Hätte ja sein können, das hier jmd schon einmal in ähnlicher Situation war,und ich habe ja auch viele, liebe Antworten bekommen.

    LG,

    Lulu

    • (13) 21.05.16 - 12:20

      Jemand der nicht orientiert ist, ist ein Notfall.

      Ich kann nicht entscheiden warum er nicht orientiert ist, liegt "nur" eine Dehydration vor oder ein Schlaganfall oder eine Demenz oder, oder, oder. Was Ursache ist, ist eine Sache der Ärzte. Ich verstehe nicht, warum erst gewartet werden soll bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Ich verstehe nicht im Ansatz, den Gedankengang deines Kollegen.

      Ich erlebe leider beruflich immer wieder, dass vor diesem Problem die Augen verschlossen werden, gerne auch von Angehörigen, leider. Oder, das Andere die Angehörigen wissen um die Problematik, jedoch blockt der Betroffene. Hier hängt dann vieles in der Büroktratie fest. So wäre das Handeln von Außen manchmal der schnellere Weg, welcher Weg danach gegangen wird liegt nicht mehr in eurer Hand, jedoch habt ihr alles versucht diesem Menschen zu helfen. Sollte er den Weg danach immer wieder zu euch suchen, wird es schwierig. Vielleicht könnt ihr euch einen "Notfallplan" zurechtlegen, dass dies in Zeiten knapper Kassen nicht einfach wird und sicherlich nicht eure Aufgabe ist, ist mir klar.

      In unserer Nachbargemeinde, haben sich die Pächter der Sportgaststätte zum Handeln entschlossen. Sie sind den Weg über die Angehörigen gegangen. Die direkten Nachbarn meiner Arbeitsstätte, halten die Person "fest" über ein Gespräch und informieren unser Haus bevor die Person sonstwohin verschwindet.

      Manchmal hilft es sich in solchen Situationen vorzustellen, dass man ein Kind vor sich sieht und sich dann die Frage stellt, wie würde man dann reagieren.

      Ein weiterer Ansprechpartner wäre der Leites des Bades, hoffentlich nicht dein Kollege, der Träger des Bades. Bei einem kommunalen Bad hilft euch sicherlich, ich hoffe doch, die Gemeinde weiter, wenn ihr unsicher seit. Probleme dieser Art, wird unsere Gesellschaft sicherlich in der Zukunft öfter haben. Wegsehen bzw. nichts Tun ist meiner Meinung nach, die schlechteste aller Lösungen.

      LG Reina

Hallo,

das ist ganz schwierig. Die Polizei macht da nix. Selbst als Angehörige ist der Einfluss nur begrenzt.

Meine Mutter ist demenzkrank. Als sie noch zu Hause gewohnt hat, habe ich ganz oft Anrufe bekommen (sie hatte meine Tel.-Nr. im Portemonnaie), z.B. von der Post oder vom Hörgeräteakustiker. Sie wurde regelmäßig nach Hause gebracht, von der Bäckersfrau, von Anwohnern oder der Polizei, weil sie sich ständig verlaufen hat. Sie ist abgemagert, weil sie nichts mehr gegessen oder getrunken hat.

Wir wussten um ihre Demenz, aber Hilfe hat sie kategorisch abgelehnt. Wir wohnten zwar um die Ecke, waren aber ja tagsüber arbeiten. Bei der Polizei, bei der Sozialbehörde und der Pflegekasse bin ich auf Granit gestoßen, als ich Hilfe gesucht habe:"Jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstbestimmung, sogar auf seine eigene Verwahrlosung".

Festbinden oder einschließen konnten wir sie ja nun nicht, 24 Stunden beaufsichtigen ebenfalls nicht. Wir wussten uns keinen Rat mehr. Eine Einweisung ins Heim ist ein langer und bürokratischer Weg, die Pflegestufe wurde abgelehnt, der Zustand zog sich über Monate.

Später konnten wir sie zwar überzeugen, in die Tagespflege zu gehen, dafür ist sie dann abends/ nachts "spazieren" gegangen.

Als sie sich im Winter eines Abends bei -2 Grad ohne Jacke wieder verlaufen hat, ist endlich der Sozialdienst aus dem Knick gekommen und hat eine Heimunterbringung befürwortet, Stichwort: Selbstgefährdung, Gefahr im Verzug. Der Umzug ins Heim und die Bewilligung der Pflegestufe erfolgten dann innerhalb von 3 Tagen.

Von daher ist es zwar sehr löblich, dass ihr euch kümmern wollt, aber aus der Erfahrung heraus, werdet ihr womöglich niemanden finden, der etwas tun wird.

LG

  • Hallo ,

    jup - ich kann das nach heute bestätigen:

    Durch einen Stammgast haben wir die Familie ausfindig gemacht und eine Telefonnummer bekommen (Tochter und Schwiegersohn).

    Wir sind am Telefon aufs Übelste beschimpft worden (bzw meine Kollegin, die wirklich eine gestandene, ruhige Person ist).

    Das wir uns nicht einzumischen hätten, dass das eine bodenlose Frechheit wäre, dass wir maßlos übertreiben würden , wir uns gefälligst herauszuhalten haben usw.

    Ich kann das alles gar nicht so wiedergeben, aber der Schwiegersohn war (sorry) ein riesen A-loch #aerger :-[

    Das würde alles laufen, und wir "wären ja nicht ganz dicht, wenn wir wegen so'nem Sch*** einen Rettungswagen rufen würden".....da ist nichts und wir sollen uns auch nicht mehr bei denen melden .

    Der Stammgast wohnt bei dem Herrn in der Nachbarschaft und hat berichtet, dass die Nachbarn schon oft Ärger deswegen mit denen hatten , seit Längerem schon, weil die absolut uneinsichtig sind (und das ist noch nett formuliert) und kein bißchen gesprächsbereit.

    Ich bin total erschüttert.

    Wie traurig ist sowas?

    Also können wir anscheinend tatsächlich nichts machen (außer Akuthilfe natürlich, wenn es hier "brennt").

    Es muss anscheinend doch erst etwas passieren.

    Unfassbar. :-(

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