Meine "Freundin" - ich bin überfordert

    • (1) 05.07.16 - 09:52

      Hallo!

      Es wird wahrscheinlich ein längerer Text...

      Ich habe eine Freundin, die kenne ich seit der Schulzeit, wir haben aber nicht soooo viel Kontakt zueinander.
      In den letzten Jahren ist es mehr geworden, weil wir beide Kinder haben und wir uns deshalb öfter treffen.

      Neulich haben wir uns auf dem Spielplatz getroffen und sie sah traurig aus.
      Da habe ich sie natürlich gefragt, was los ist und da meinte sie, das könnte sie mir nicht sagen, aber sie würde mir was geben, dann würde ich es verstehen...

      Am nächsten Tag lag ein Buch (eine Art Tagebuch) in meinem Briefkasten zusammen mit einem Brief.
      In dem Brief stand, dass ich das Buch bitte lesen soll, aber es bitte niemandem erzählen darf und es danach auch wieder vergessen soll.
      Das war letzten Freitag, danach den Tag ist sie in den Urlaub gefahren.

      Mit dem Gelesenen bin ich wirklich überfordert. ich weiß nicht, was ich davon halten soll und ich kann es ja auch niemandem erzählen...
      Ich weiß auch nicht, ob ich es hier rein schreiben "darf", damit ihr versteht, worum es geht...
      Wahrscheinlich braucht sie Hilfe, sonst hätte sie mir das Buch ja nicht gegeben.
      Aber ich weiß nicht, OB und WIE man ihr da helfen kann...

      Es geht grob darum, dass sie sich selber als Opfer hin stellt, um von anderen (speziell ausgewählte Personen) Hilfe und Aufmerksamkeit zu bekommen.
      Ich würde gerne Beispiele schreiben, aber ich weiß nicht, ob ich das sollte...
      Vielleicht gibt es hier Leute, die sich mit so was auskennen?!

      Danke fürs Lesen!
      Lg paula

      • Hallo!

        Na ja, ohne Beispiele ist es nicht einfach, etwas dazu zu sagen.

        Kann man es in etwa so sehen, dass sie z.B. Dinge erzählt, die nicht der Wahrheit entsprechen, um von Personen, die sie sich selbst aussucht (ein spezieller Mann/guter Freund, ein Arzt...) Aufmerksamkeit, Mitleid, Hilfe zu bekommen? Zum Beispiel ein schlimmes Erlebnis, eine Krankheit... ausdenken?
        Trifft es das in etwa?

        In solchen Fällen ist Hilfe von Außen wirklich sehr, sehr schwierig...

        LG

        • Ja, genau so kann man es sagen!
          Sie denkt sich Sachen aus, erzählt sie bestimmten Leuten und hofft auf "Mitleid"
          Sie möchte in den Arm genommen werden, einfach dass jemand für sie da ist und sich um sie kümmert...

          Ist das nicht schon ein bisschen "krank" (nicht böse gemeint...)?
          Da braucht man wohl eher professionelle Hilfe, oder?

          • Hmmm, ein krankhaftes Verhalten steckt da mit Sicherheit hinter.

            Ich habe so gezielt nachgefragt, weil ich mal eine ähnliche Person kannte. Gleiches Verhaltensmuster.
            Sie erzählte traurige Geschichten, die ihr passiert sind, simulierte Krankheiten extrem glaubhaft usw.
            Man wäre nie darauf gekommen, dass diese Dinge nicht den Tatsachen entsprachen. Sie schmückte nicht übertrieben aus, gebärdete sich nicht übermäßig usw. Eher im Stillen, so als wäre man "zufällig" drauf gestoßen und jetzt überraschend DIE Person, die sie sich anvertraut.
            Sie war wirklich gut in ihrer "Rolle". Sehr intelligent, redegewandt usw. Auch niemand, der sich in den Vordergrund gedrängt hätte oder so. Eher im Gegenteil. Sie war der Typ "zweite Reihe".

            Das Ganze flog nach über 25 Jahren (!!) durch einen riesigen Zufall auf. Die sozialen Konsequenzen für sie waren verheerend.
            Unterm Strich, ohne zu weit auschweifen zu wollen, kann man wohl sagen, dass sie eigentlich eine sehr arme Person war. Sie hat weder von ihrer Herkunftsfamilie, noch von Freunden/Bekanntschaften je größere Aufmerksamkeit bekommen. Sie wurde einfach immer übersehen. Niemand interessierte sich ernsthaft für sie, niemand kümmerte sich wirklich drum usw.
            Aufmerksamkeit, Zuwendung, Wärme... bekam sie nur, wenn ihr negative Dinge zugestoßen sind. Und so hat sie das ausgeschmückt. Sie hat mir anvertraut (ich war eine der wenigen, die nach dem großen Knall überhaupt noch mit ihr gesprochen haben), dass es im Teenie Alter ganz "harmlos" anfing.
            Die Erkältung mal ein wenig dramatisiert, bei einem verknacksten Fuß beim Arzt so auf die Tränendrüse gedrückt, dass sie Krücken bekam usw.
            Das ging dann später im Erwachsenenalter immer so weiter, bis zu wirklich sehr, sehr krassen Dingen, die ihr angeblich zugestoßen waren.
            Aber immer so, dass man wirklich NIE drauf gekommen wäre, dass es nicht stimmt.

            Wie gesagt, als es nach Jahrzehnten, da war sie schon über 40, ganz zufällig aufflog, hat sie ALLES verloren. Interessanterweise hatte sie da wohl schon Jahre keine "neuen" Geschichten mehr erzählt, sondern einfach an den alten sehr glaubhaft festgehalten.

            Sie ging dann in Therapie, was daraus geworden ist, weiß ich nicht.

            Ich kann Dir nur empfehlen, vorsichtig auf Distanz zu bleiben. Meiner Meinung nach gehört diese Dame in professionelle Hände. Aus der Nummer wird sie ohne extremen Gesichtsverlust kaum wieder raus kommen. Ich weiß natürlich auch nicht, wie weit sie es getrieben hat.

            Gib ihr ihre Sachen zurück, sag ihr, dass es Dir leid tut, dass sie solche Probleme hat und empfehle ihr, sich ernsthaft Hilfe zu suchen. Du aber kannst und willst nicht mehr für sie tun.

            Alles Weitere würde Dich zu weit rein ziehen.

            Ich wünsche Dir eine gute Hand dafür und vor allem Konsequenz, Dir diesen Fall nicht zu sehr anzunehmen. Das klingt nicht so, als wäre das gesund.

            LG

      Dass sie dir das Buch gegeben hat ist in meinen Augen definitiv ein Ruf nach Hilfe. Welchen Sinn sollte es sonst haben?

      Die Frage ist jetzt nur, ob du ihr helfen kannst und auch willst?

      Wenn Ja, dann musst du mit ihr sprechen und je nach Problem kannst du ihr helfen Hilfe zu suchen.

      Wenn Nein, musst du ihr das mitteilen und ich würde dann etwas auf Distanz gehen.

      An dieser Stelle ist es schwer zu raten, da wir ja wirklich keine Ahnung haben worum es geht.
      Was du schreibst deutet aber an, dass es eventuell komplex ist und eher in die Hände von Fachleuten gehört.

      Ich persönlich muss gestehen, dass ich etwas verärgert wäre, dass man seinen Ballast so unvorbereitet und ungefragt auf mich ablädt.Und selbstverständlich würde ich mit Menschen, denen ich vertraue darüber reden und mir deren Rat einholen.

      Meinst Du Sie hat das Münchhausensyndrom?

      Ohne Beispiele kann man das schwer beurteilen.

      Wenn sie wieder da ist, dann lege ihr hahe eine Psychotherapeutische Prxis o.ä. aufzusuchen und dort ihr Problem vorzutragen. Bedanke Dich für ihr Vertrauen, dass sie Dir entgegen gebracht hat und dass Du es für sie als sehr positiv empfindest, dass sie jetzt etwas ändern will.
      Dann zieh Dich aus dem Thema komplett raus.

    • Die Absicht hinter ihrer Handlung ist offensichtlich, nun kommt es nur noch darauf an, wie wichtig Dir dieser Mensch ist, und wie "aufwändig" die Hilfe für Dich ist/wäre....und vor allem: Ob Du das überhaupt möchtest !

      Hallo,

      <<In dem Brief stand, dass ich das Buch bitte lesen soll, aber es bitte niemandem erzählen darf und es danach auch wieder vergessen soll.>>
      <<Es geht grob darum, dass sie sich selber als Opfer hin stellt, um von anderen (speziell ausgewählte Personen) Hilfe und Aufmerksamkeit zu bekommen.>>

      Hmm. Mein Bauchgefühl: Ich wäre vorsichtig.
      Ich würde sie vielleicht fragen, was sie von Dir erwartet. Sie aber gleichzeitig vorwarnen, ihr nicht helfen zu können, sonst mutierst Du zu ihrem seelischen Mistkübel.

      LG
      Karin

      Buch zurückgeben, mit dem Rat, sich an eine Beratungsstelle, Therapie oder Selbsthilfegruppe zu wenden.
      Du seist nicht der richtige Ansprechpartner und möchtest das auch nicht sein.

      Unbedingt klar abgrenzen. Für dich und für sie wichtig. Nicht, dass sie den Eindruck hat, du könntest ihr helfen.

      >> um von anderen (speziell ausgewählte Personen) Hilfe und Aufmerksamkeit zu bekommen.<<

      und jetzt bist du an der Reihe....
      So empfinde ich es, muss ja nicht stimmen.

      Ich finde, die userin ladymcweiden hat dir den aller besten Ratschlag gegeben.

      Alles Gute!

      Hallo,

      was ich jetzt schreibe, ist sicher gemein. Ich würde mich überhaupt nicht kümmern, außer ihr raten, das mit einem Profi durchzudiskutieren.

      Ich habe so eine Arbeitskollegin, die der totale Energievampir ist. Sie ist alleinstehend, hat einen kleinen Freundeskreis und verliebt sich immer in irgendwelche schrägen Internettypen. Kaum kennt man sich, ist es die "große Liebe" - da werden Wohnungen gekündigt, man zieht zusammen, es gibt das große Drama, man heult, man ist in der Psychiatrie ...

      Am Anfang kam ich mir total mies vor, mich da abzuschotten. Sie hat mal nachts um 2 angerufen - riesiger Krach, sie hat die gemeinsame Wohnung verlassen, er machte nicht mehr auf, Wohnungs- und Autoschlüssel drin ... Ich habe mir dann die gesamte Nacht wegen so einer Teeniekinderkacke um die Ohren geschlagen. Dann kam der nächste Typ, wir waren total abgemeldet, vorsichtige Hinweise, es doch dieses Mal etwas besonnener angehen zu lassen, wurden ignoriert ... um beim nächsten großen Knall sollten wir wieder trösten.

      Ich habe mich freundlich, aber bestimmt zurückgezogen.

      GLG
      Miss Mary

      Behauptet sie nur Krankheiten etc. oder führt sie auch solche herbei?

      Du solltest nämlich besonders aufpassen, dass sich kein Münchhausen Stellvertreter Syndrom entwickelt. Denn dann ist das Kind das Opfer.

      • Es geht in dem Buch weniger um Krankheiten an sich, mehr darum, dass sie von jemandem verletzt wurde (geschlagen, getreten...) und dass sie damit aber nicht zum Arzt geht, sondern es "ganz tapfer" alleine behandelt (Verband drum usw...)

        Es geht ihr an einer Stelle richtig schlecht, sie wurde quasi zusammen geschlagen, aber sie bewältigt trotzdem ihren Alltag, kümmert sich um das Kind, geht zur Arbeit...

    Sie hat eine Art narzistische Persönlichkeitsstörung.

    Aus eigener Erfahrung rate ich zur Vorsicht. Sag ihr, sie braucht professionelle Hilfe und die sollte sie schnellstens wahrnehmen.

    Sie ringt Zeitlebens um Anerkennung, innerlich wird sie sich leer fühlen und letztendlich wird sie ohne professionelle Hilfe in menschlichen Beziehungen niemals Frieden finden.

    Mein Mann bzw. Ex hat das Gleiche. Er hat 13 Jahre die Lüge aufrecht erhalten können, dass er als Kind an Krebs erkrankt war. Dann gab es eine Schwester, die durch Totschag ums Leben kam. Es gab so viele Lügen.

    Diese Lügen konnte er nur durch Abbruch zu seinem früheren Leben aufrecht erhalten.

    Alle Geschichten kamen eher nebenbei zur Sprache. Er ging mit seinen Geschichten nie hausieren, setzte immer zur richtigen Zeit an. Niemand, weder ich noch die Menschen aus unserem Umfeld, wären darauf gekommen, dass etwas nicht stimmt. Mein Mann strahlt gegenüber anderen eine innere Ruhe aus, ein mit sich im Einklang sein, er is eloquent... jeder hat ihn gemocht.

    Über die Jahre, im gemeinsamen Zusammenleben, gab es dann ab und an Unregelmäßigkeiten, er wurde unvvorsichtig und konnte die Lügen nicht mehr alle händeln. Als ich dann mit 100%iger Sicherheit herausfand, dass es weder einen Krebs, noch eine Schwester gab und ihn zur Rede stelle, verließ er uns. Ich sage bewußt uns, denn aus einem 100% Familienvater wurde jemand, der in der letzten Woche noch nicht mal seiner Tocher zum Geburtstag gratuliert hat. ... Er musste wieder einen Komplettabbruch seines alten Leben durchführen. Er fand schnell Ersatz, allein bleiben ist für Narzisten schwer, aber auf Ehrlichkeit scheint eben auch diese Beziehung nicht aufgebaut zu sein.

    Es gibt ein gutes Buch "Kinder egozentrischer Eltern" vo Nina W. Brown. Da fand ich viele Antworten über meinen Mann. Vielleicht findet diese Freundin ja antworten über sich, aber ohne eine Therapie wird das nichts endgültiges.

    Du kennst ja jetzt die Wahrheit und kannst dich schützen. Mag hart klingen, aber aus meiner Erfahrung heraus, bist du auch gerade ein neues Opfer für sie. Ein Opfer, dass sie versucht mit der "Wahrheit" zu ködern. Ich würde es nicht mal als so abwegig sehen, dass sie dieses Tagebuch extra für dich angelegt hat.

    VG

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