Bestattungspflicht: ein kostspieliges Ärgernis für Nicht-Trauernde (eigtl. SILOPO)

    • (1) 27.09.16 - 18:16

      Hallo Zusammen,

      eigentlich weiß ich gar nicht, was ich mir durch mein Post erhoffe ... vielleicht ein bisschen Zuspruch ... Verständnis?

      Vor einigen Tagen ist meine Erzeugerin verstorben. Wie ihr schon an dieser Bezeichnung lesen könnt, sehe ich mich aber nicht als trauernde Tochter; möchte aber nicht näher auf die Hintergründe eingehen, da dies für meinen Beitrag nicht wichtig ist. Wichtig ist für mich und meine Familie im Moment nur, dass ich als Tochter die Kosten für die Bestattung inkl. aller Folgekosten zu tragen habe. Und da mein Mann und ich berufstätig sind und unser Auskommen haben (wenn auch gerade mal eben so, das interessiert aber niemanden), haben wir auch keinen Anspruch auf Unterstützungsleistungen.

      Meine Erzeugerin lebte in einem kleinen Dörfchen, rund 300 km entfernt von uns. Die günstigste Art der Bestattung ist eine Urnen-Bestattung, die wir auch bestellt haben. Die Beisetzung soll im Familiengrab ihres ebenfalls bereits verstorbenen Mannes (nicht mein Vater) stattfinden, da sie dies so verfügt hat, was ich auch - unabhängig von unserem Verhältnis - respektiere, obwohl ich mir damit ein Familiengrab an die Backe hänge, wofür ich einmalige Nutzungsrechte von 695,00 EUR zahlen muss und es in keinster Weise brauche. Insgesamt betrachtet erwarten mich nun insgesamt etwa 4.500,00 EUR an Kosten, die ich zahlen muss. Das Erbe werde ich ausschlagen, da es nichts zu erben gibt, außer Schulden. Zusätzlich darf ich noch die Grabpflege in Auftrag geben, da wir zum Unkrautzupfen ganz sicher nicht die 300 km-Fahrt auf uns nehmen.

      Ganz ehrlich: ich bin dermaßen angefressen, dass ich jetzt auf diesen Kosten hocken werde, die wir auch nicht mal eben aus der Hüfte hauen können und auch nicht auf der hohen Kante haben! Kosten für die Bestattung einer Person, mit der mich neben dem Geburtsnamen und Genen nicht viel verbindet und mit der ich in den letzten 15 Jahren so gut wie keinen Kontakt hatte. Aber die Bestattungspflicht der Kinder macht auch vor mir keine Ausnahme. Es interessiert niemanden, dass unser "Verhältnis" nicht vorhanden war. Ich bin die Tochter - ich habe zu zahlen. Vollkommen egal, ob es passt oder nicht. Was ich bereits - nicht monetär betrachtet - gezahlt habe, ist unwichtig.

      Mein Mann und ich haben beschlossen, dass wir eine Sterbeversicherung abschließen, die sämtliche Bestattungskosten abdeckt, so dass unsere Kinder damit später nicht belastet werden. Denn DAS wollen wir ihnen unbedingt ersparen; selbst wenn man seine Mutter und seinen Vater über alles liebt, sollte kein Kind neben der Verantwortung auch noch auf solchen wie auch fortlaufenden Kosten sitzen bleiben, wenn ein Elternteil verstirbt.

      Danke für's Zulesen ....

      deichbrise

      • ich kann dich sehr gut verstehen. ich musste für die bestattung meiner schwester aufkommen, das verhältnis war ebenfalss sehr schlecht.
        wir haben eine kremierung und anschließende seebestattung gewählt, das hat 1500 euro gekostet. ich finde 4500 echt teuer - ist die bestattung beauftragt?
        sonst (ogott, es klingt so pietätlos) - aber wir haben den bestatter auf der seite bestattungspreisvergleich gefunden

        Und wenn Du es eben nicht in diesem Grab machst, sondern eine anonyme Bestattung im Friedwald bzw Wiese?
        Wenn Du keinen Bezug zu diesem Grab hast, dann lass es doch.

        Hi,
        Hhmm ich finde es auch ganz schön teuer.
        Wir haben die Urnenbeisetzung meines Opa 3,000 bezahlt und da ist der kauf vom Grab dabei.

        Mein Mann und ich habe beschlossen, was wir auch festhalten werden. Das wir verbrannt werden und anonym Beerdigt werden. Ich will meinen Kindern die pflege des Grabes und das ständige kaufen des grabes nicht zu lasten legen.

        • Habt ihr auch keine Beziehung zueinander? Sonst könnte man es ja den Angehörigen total freistellen, wie sie das handhaben wollen#kratz.
          "Ihr dürft mal kein Grab pflegen" finde ich genauso bevormundend wie "ihr müsst mal ein Grab pflegen".

          • Das kann ich doch jetzt noch nicht sagen meine kinder sind 6 und 3.
            Aber ich habe es jetzt Hautnah mitbekommen.
            Mein opa ist 2013 gestorben das grab musste neu gekauft werden obwohl es schon knappe 100 jahre im besitz der Familie ist.
            Meine Oma ist 2015 gestorben und das musste von neuem gekauft werden.
            Und dazu die Beerdigung die bei meiner oma nun 13000 gekostet hat.
            Und meine Mutter hatte kein gutes verhältnis zu ihrer Mutter gehabt.
            Will ich das später meinen kindern nicht zu lasten legen. Zumal das Geld erst mal da sein muss oder jemand das Geld sparen kann.
            Meine Eltern haben sich nun auch für die anonyme Bestattung entschieden und ich liebe meine Eltern aber akzeptiere Ihre Entscheidung.

            • ich meine ja nicht, dass man es Kindern, die kein Grab pflegen wollen zu Lasten legen soll (das halte ich für ein Unding), sondern, dass man es den Kindern freistellt, dass sie das entscheiden können wie sie wollen.

              • Naja ich hoffe eher das sie unsere Entscheidung später akzeptieren werden. So wie wir es akzeptiert haben, dass meine Eltern anonym Beerdigt werden wollen.

                • Klar, wenn das ein richtiger Wunsch von euch ist, sollte der natürlich respektiert werden.

                  Es klang halt danach, dass euch die Art der Bestattung nicht wichtig wäre, und ihr nur den Kindern damit Kosten ersparen wollt. Dann hab ich das wohl falsch interpretiert.
                  Mir zum Beispiel ist das völlig egal, was nach meinem Tod mit mir passiert. Sollten die Angehörigen mal ein Grab brauchen, okay, sollten sie keins wollen, genauso okay.

        Und deine Kinder haben dann keinen Ort, um zu trauern???
        Hört sich für mich gemein an.

        Denk noch mal über das Thema "Tod und Trauer" nach.

        Wenn du deine Erziehung richtig machen willst, dass versuchst du doch auch im Alter ein liebenswerter Teil deiner Kinder zu sein. Du gehst doch davon aus, dass sie traurig sind, wenn du tot bist.

        Oder anders gesagt: würdest du deine Kinder, wenn sie vor dir sterben, verbrennen und anonym über ne wiese verstreuen lassen??
        Nein?
        Warum denn nicht?

        • >>>Und deine Kinder haben dann keinen Ort, um zu trauern???<<<

          Die Orte, an denen ich am wenigsten um geliebte Menschen trauere, sind die Gräber. Diese Orte sind fremd für mich (für meine Kinder auch). Ich trauere unvermittelt, z.B. bei einem alten Film, den ich mal mit meiner Mutter gesehen habe, bei einer Melodie oder einem Geruch, der Erinnerungen auslöst. Und auch manchmal einfach so, wenn ich an frühere Zeiten denke.

          Den "#contra" hättest du dir sparen können.

    Hallo,
    ich würde mich da noch mal richtig schlau machen, ob ihr die Beisetzung bezahlen müsst.
    Ich sollte damals die Beisetzung meines von der Sozialhilfe lebenen Vaters bezahlen. Ich habe von seinem Tod auch erst durch ein Schreiben des zuständigen Ordnungsamtes erfahren, die sofort eine Kostenrechnung in Höhe von ca. 1500,00 € mitschickten. Ich hatte auch jahrelang keinen Kontak zu meinem Vater. Ich habe mich dann mit den zuständigen Ämtern in Verbindung gesetzt und da wir ein noch abzuzahlendes Eigenheim haben und ich nur minimal verdient habe, mussten wir, obwohl mein Mann ganz gut verdient, nichts zahlen.
    Mach Dich da nochmal richtig schlau.

    Ich würde auch nicht unbedingt darauf eingehen, und sie im Familiengrab beisetzen lassen, sondern irgendwo kostengünstig. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten.....
    LG
    Martina75

    Na super wenn ich das lese. Ich hab auch solche Ollen mit denen mich nichts verbindet. Sollten die mal gehen müssen hab ich wohl auch die Arschkarte. Zwar nicht in Sachen Pflege wegen der Freibeträge aber in Sachen Beerdigung. Na hoffentlich deckt sich dsa durch deren Besitz der in diesem Fall in normalem Maße vorhanden ist!

    Ela

    Dass Du zahlen musst als Tochter ist klar. Die Allgemeinheit muss schon für genug aufkommen, hart gesagt.
    Aber warum habt ihr eine derart teure Bestattung ausgesucht? Mit Grabpflege und allem Drum und Dran?
    Wenn mir der Verstorbene egal ist, lasse ich eine anonyme Beisetzung auf der Blümchenwiese oder im Friedwald machen und fertig. Kannst Du das nicht mehr ändern?
    Gruß Moni

    Hallo,

    ich kann sehr gut nachvollziehen, wie Du Dich fühlst, allerdings würde ich keine 4500 Euro zahlen für einen Wunsch eines Menschen, der mir, ich gehe jetzt nur von mir aus, mein Leben lang Kummer und Leid zugefügt hat. Eine Bestattung der einfachsten Form kostet hier ca. 2000 Euro und selbst da wird es mich beuteln, wenn es so weit ist :-(

    LG

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