Mach mir gedanken um meine Nichte

    • (1) 06.10.16 - 19:00

      Hallo,
      sonst nur stille Mitleserin, brauche ich jetzt einfach mal einen Rat/ Meinung / Austausch.

      Es geht um meine Nichte (11).
      Ich habe mit meiner Schwester, meinem Schwager und meinen Nichten ein sehr inniges Verhältnis. Wir wohnen im gleichen Wohnhaus und haben den gleichen Freundeskreis, wir sehen und täglich.

      Wir können auch über alles rede, aber das Thema ist doch irgendwie sensibel und ...ach, lest einfach! #gruebel

      Ich habe zwei Nichten, die kleine ist 9, die große 11.

      Jeder, wirklich ausnahmslos jeder fragt mich auf kurz oder lang, was mit meiner Nichte nicht stimmt.

      Sie ist ein liebes aber auch ein auffälliges Kind und irgendwie war sie das schon immer. Als kleinkind hat sie oft sehr laut und übermässig gelacht, teilweise auch in unpassendes Situationen. Stellt euch ein lachendes Kind vor und verstärkt das zehnfach, das istr meine Nichte. Das macht sie auch heute noch, aber nicht mehr ganz so schlimm.
      Sie erkennt keine Grenzen anderer, sie findet kein Ende und hat ein enormes Mitteilungsbedürfnis, sie sabbelt sich um Kopf und Kragen. Sie gibt an und das ziemlich heftig, sie schreit überall und permanent nach Aufmerksamkeit, hat sehr große Verlustängste. Wenn Papa (LKW Fahrer) mal ungeplant eine Nacht nicht nach Hause kommt, weint sie als würde er nie wieder kommen. Es muss sich irgendwie immer alles um sie drehen, sie nimmt sich selber als sehr wichtig. Sie braucht ständg das gefühl, sie ist die erste. Sie hatte eine DVD vor meine Tochter , also ist meine Tochter eine Nachmacherin. Meine Tochter bekommt eine DVD zu erst und freut sich, also ist sie eine Angeberin
      Solche Aussagen erlebe ich wöchentlich in verschiedenen Situationen.

      Vor kurzem wurde sie am Ellenbogen operiert, das war soweit auch ok. 24 Stunden später lief sie mit Ganzarm Gips über den Krankenhausflur (sie läuft sowieso immer) als wäre nicht sgewesen. Als sie zwei tage später noch nicht nach Hause durfte (der Arzt hatte es nur als evtl. geäussert) hat sie die halbe Station zusammen geheult und bekam am ende ein Beruhigungsmittel.
      Wir dachten sie wird durch den Gips ruhiger. Pustekuchen! Vier Tage nach OP tobte sie in der Schule über den Spielplatz und lies sich nicht bremsen.
      Sie hat ein I PAD zum schreiben (abgesprochen mit den Lehrern) und lief damit am ersten Tag, in den Pausen über den Schulhof (ist verboten), hielt es jedem unter die Nase und gab heftigst an.

      Sie rennt ständig, sie fällt auch oft hin. Sie ist immer in Bewegung.

      Ihre Hände und Füße sind größer als "normal" bzw zum Körper passend und sie wirkt oft tolpatschig.

      Ich finde sie sehr extrem. Entweder himmelhochjauchzend oder zu tode betrübt, dazwischen gibt es bei dem Kind nichts.

      Mit neun äusserte sie den Wunsch nach einem eigenem Baby, denn dann würde sich ja alles um sie drehen.
      Das Thema Freund, Schminke, Pupertät etc ist für sie mega wichtig .
      Sie drängt ihre Meinungen gerne anderen auf, hat mit einem 6 jährigen (der eigentlich gar nicht wollte) Babynamen überlegt, will mit ihm Küssen üben.
      Sie ist 11!

      Ständig spricht sie davon, das sie sich etwas brechen möchte. Dann würden sie alle bedauern.
      Sie braucht auch nur wenig Schlaf Um 21 Uhr ins Bett, um 3 Uhr morgens wieder topfit.

      Zwei meiner Kinder (15 und 12) gehen auf die gleiche Schule, erzählen mir ständig neue dinge. Meine Nichte hat zb den Beinamen Psycho L. (Vorname).

      Klassenkameradinnen entfernen sich von meiner großen, weil meine Nichte ihr auf die Pelle rückt und kein Abstand nimmt, auch wenn meine große das verlangt.
      Mitten auf dem Schulhof fragt meine Nichte, meine große ob sie unten eigentlich schon viele Haare hat. Laut, klar und deutlich für andere.

      Sie ist ein neu,- und wissbegieriges Kind und die kann das ja auch fragen, hätte meine große nicht mal ein Problem mit, aber nicht in einer Gruppe mitten auf dem Schulhof und meine Nichte versteht den Fehler daran nicht

      Meine Nichte eckt überall an mit ihrem Verhalten. Jeder empfindet sie als auffällig, ich bekam schon zu hören das sie "ne Klatsche hätte"!
      Mir als Tante wird das zugetragen und ich habe schon oft mit meiner Schwester drüber geredet.

      Ich liebe meine Nichte, sie tut mir leid. Sie ist sich dessen nur tlw. bewusst aber der Tag kommt und was dann? Ich denke sie braucht in irgend einer art und weise Hilfe, Jetzt und nicht in 10 Jahren wenn es ihr vielleicht schon schlecht geht.
      Meine Schwester sagt zwar, das sie das einsieht aber sie reagiert nicht.
      Meine Nichte war bereits in einer KJP zur Untersuchung, mittendrin wurde das aber abgebrochen da meine Schwester beruflich bedingt, keine Zeit mehr hatte.
      Ich würde das mit ihr machen, ich würde meiner Schwester da helfen und sie unterstützen. Ich habe Angst um meine Nichte und ich will das es ihr gut geht, das sie eine vernnftige Zukunft hat.
      Sie ist lieb, gut erzogen, intelligent und kümmert sich gerne...trotzdem, irgendwie ...

      Meine Nichte ist ein liebes aber ein anstrengendes Kind und ganz ehrlich. Gleichzeitig sehe ich aber auch meine Mädchen die am liebsten die Schule wechseln würden, weil meine Nichte ständig auffällt und meine Mädchen damit in Verbindung gebracht werden.
      Spricht man meine Nichte darauf an, streitet sie es ab und heult (hysterisch) das sie es nicht war. Am ende sind meine Mädchen die blöden..

      Ich sage zwar immer, seht drüber hinweg aber das kann ja auch kein Zustand sein.

      Ich sage immer sie hat das "Drama Queen Syndrom" und das gibt es tatsächlich (Histrionische Persönlichkeitsstörung) aber die tritt wohl eigentlich nur bei Erwachsenen auf und bei ihr war es schon immer so.

      Ihre Schwester ist übrigens völlig anders, man kann sie durchaus als "normal" betiteln, wobei ich die Bezeichung nicht sonderlich mag, aber es passt halt.

      Im Prinzip möchte ich mit meiner Schwester gar nicht mehr drüber reden, aber momentan ist es irgendwie ganz schlimm und mega anstrengend.
      Ich weiss nicht weiter, meine Mädchen leiden ja auch unter dieser Situation.

      Sollte ich nochmal das Gespräch suchen? Mein Schwager hält von irgendwelchen Syndromen und solchen dingen übrigens nichts, knallt dem Kind aber gerne an den Kopf das er sie bald einweisen lässt. :-[

      Ich könnte noch viele andere Beispiele aufführen, aber dann wird es ein Buch.

      Ich möchte meiner Nichte nichts böses, aber es wird in der Pubertät ja nicht besser
      Soll ich weiter zugucken und alles runterschlucken? Soll ich nochmal etwas sagen und am ende passiert doch nicht, oder man denkt ich will das Kind krank reden
      Ich bin ja nicht allein mit meinen Gedanken, alle laden diese aber bei mir ab. Niemand traut sich, meiner Schwester zu sagen das ihr Kind "seltsam" ist.
      Was mach ich denn jetzt?

      • " Niemand traut sich, meiner Schwester zu sagen das ihr Kind "seltsam" ist."

        Wenn ihr so eng seid, dann ist das genau das, was du tun solltest!
        Sag deiner Schwester, dass die Nichte in der Schule als Psycho.... bezeichnet wird.

        >>>ich bekam schon zu hören das sie "ne Klatsche hätte"!<<<

        Das trifft die Sache ganz gut, auch wenn der Ausdruck flapsig ist.

        Was du beschrieben hast, finde ich sehr alarmierend und sehe Handlungsbedarf.

        Aber:
        >>>Meine Nichte war bereits in einer KJP zur Untersuchung, mittendrin wurde das aber abgebrochen da meine Schwester beruflich bedingt, keine Zeit mehr hatte.<<<
        >>>Mein Schwager hält von irgendwelchen Syndromen und solchen dingen übrigens nichts, knallt dem Kind aber gerne an den Kopf das er sie bald einweisen lässt. :-[<<<

        Die Eltern scheinen der Problematik recht gleichgültig gegenüber zu stehen, da kannst du nicht viel machen, außer vielleicht EINMAL sehr deutliche Sätze zu sagen.

        Hallo,

        das Kind tut mir irgendwie leid und mein Eindruck ist, es hätte schon viel früher gehandelt werden müssen. Um so mehr sollte Dir jetzt daran gelegen sein, die Sache endlich mal an zu sprechen und darauf zu pochen, endlich zu handeln.

        LG

      • Dieses Kind sollte schleunigst zum Psychologen und die Eltern gleich mit.

        Google mal nach "sensorische Integrationsstörung" und "selektiver Mutismus" oder "Hochsensibilität". Im Netz gibt es reichlich gute "Checklisten", was diese "Krankheiten" betrifft.

        Hallo!

        Was du beschreibst, sind ein großer Bewegungsdrang und ein Problem dabei, sich zurückzunehmen und eigene Bedürfnisse hinten an zu stellen.

        Da fiele mir schon eine "Störung" dazu ein. Aber wozu? Deine Schwester sieht vermutlich keinen Sinn darin, das Kind zur Therapie zu schicken. Warum denkt sie, dass es keinen Sinn hat?

        Weißt du, was mir ganz bitter aufstößt: Du beschreibst wie unangepasst und "falsch" das Mädchen in ihrem sozialen Umfeld wirkt. Wie andere auf ihr herumhacken und wie deine Töchter angeben, dass sie unter ihrem Verhalten leiden.
        Du willst gern, dass das Mädchen ihr Verhalten komplett ändert - wie soll das ein elfjähriges Kind hinbekommen???
        Was du beschreibst, erweckt den Eindruck, dass du schon eine Diagnose im Hinterkopf hast. Ich werde dir diesen Verdacht nicht bestätigen und möchte gern, dass du aufhörst, sie wie ein defektes Werkstück zu beschreiben.
        Du beschreibst ja ganz deutlich, dass sie völlig enthemmt lacht, dass sie eine enorme Energie hat, dass sie sich in den Vordergrund drängt. Das klingt nach großen Problemen, die eigenen Bedürfnisse zu steuern und hinten anzustellen. Das ist eine Sache, die kann man kaum therapieren.
        Das Mädchen bleibt so.
        Egal, wo ihre Eltern sie hinkarren. L. bleibt L.
        Sie wird durch ihr Verhalten böse anecken. Sie wird geschnitten und dadurch immer stärker versuchen sich in den Vordergrund zu drängeln. Jeh stärker ihr Verhlaten lästig wird, desto mehr wird sie übertreiben, angeben, andere Menschen ausspielen und irgendwelche extremen Sachen probieren.
        Vielleicht könnt ihr ihr helfen, indem sie ihren Bewegungsdrang produktiv auslebt. Am besten keine Teamsportart. Vielleicht Bouldern oder Schwimmen, evtl Tennis/Badminton, kein Geräteturnen, kein Fußball...
        Irgendwas, wo L. auch mal erleben kann, dass sie durch ihr Handeln Lob erhält und sie nicht ständig abgestoßen wird, weil sie so ist, wie sie ist.

        L. passt (JETZT) nicht in unsere Gesellschaft. Wenn ihr euch Mühe gebt, ihre liebenswerten Seiten zu sehen, und ihr Trost zu spendet, wenn sie ihn braucht, kommt sie durch die Schulzeit und wird als Erwachsene ihren Platz da finden, wo Menschen wie sie gebraucht werden.

        Vielleicht wird sie ab und zu therapeutische Hilfe benötigen - Mädchen wie sie kommen schnell mal mit Selbstmorddrohungen und können schnell mal unter schlimmen Stimmungstiefs leiden - sie sind aber auch fähig klirrende Freude zu empfinden - das solltet ihr ihr nicht nehmen.

        Vielleicht hilft es dir, wenn du daran denkst, dass bei ihr das Stellrädchen, was einem normalerweise hilft, seine Bedürfnisse zu zügeln, kaputt ist.

        Sowas kann einem ziemliche Probleme bereiten, aber diese Mangel an Bedürfniszügelung birgt eine unglaubliche Kreativität, Energie und Schaffenskraft, die wir für unsere Welt unbedingt brauchen und die sie so, wie sie ist zu einem wertvollen Teil unserer doch sehr verkorksten Gesellschaft machen kann.

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