Erwachsenen ADS

    • (1) 16.11.16 - 00:54

      Hallo,

      Ich habe ein Anliegen. Und zwar geht es mir schon mein Leben lang so, dass ich innerlich unruhig bin, nicht zur Ruhe komme, nichts so richtig mit herzblut mache. Total schusselig bin usw. Bei keiner meiner ausgeübten Berufstätigkeiten hatte ich je Erfolg. Durch die Schule habe ich mich mit Müh und Not durchgeschlagen. Habe zwar eine Ausbildung gemacht, aber erst im dritten Anlauf bestanden. Mit befriedigend.

      Ich mache bei der Arbeit und auch im Privatleben dauernd Flüchtigkeitsfehler. Ich nehme mir nicht die Zeit darüber nachzudenken, sondern handle impulsiv.

      Ich rede Leuten dauernd rein, ich vergesse total viel. Habe kein Zeitgefühl, kann mich schlecht konzentrieren, lasse mich ablenken, verzetttel mich total bei der Arbeit. Das frustriert mich dann schnell. Mit Kritik komm ich nicht klar. Es verletzt mich mehr, als es normal wäre. Kein anderer kann verstehen, warum mich diese minimale Kritik so mitnimmt. Ich rede viel und alle sind überrascht, dass ich doch schon 40 bin. Sie hätten mich wesentlich jünger geschätzt. Dabei geht es wohl eher um meine kindliche Art als ums aussehen.

      Ich habe dauernd Chaos im Kopf und kann nix planen.

      Ich bin zufällig auf einen Artikel gestoßen, bei dem es um erwachsenen ads/ADHS ging und dachte nur "ich spinne" der Artikel beschreibt mich und das erklärt endlich mal das Chaos in meinem Leben. Irgendwie war es auch eine Befreiung, dass es evtl einen Namen hat und ich nicht verrückt bin. Ich leide übrigens seit geraumer zeit unter Depressionen.

      Kennt sich jemand mit der Thematik aus? Wie gehe ich am besten vor, um eine Diagnose zu bekommen?

      Nimmt jemand Medikamente ein und ist dadurch ein neuer Mensch?

      Vielen Dank und viele Grüsse

      • Also ganz ehrlich, ich hab hier 2 ADHSler. Einen kleinen und einen Großen. So wie du dich beschreibst halte ich das durchaus für möglich! -Denn es passt mehr als genug. Doch bin ich kein Fachmann der hier eine Diagnose stellen kann. Da solltest du dich an die entsprechenden Stellen wenden wenn es dir wichtig ist das zu erfahren. Denn leider gibts auch bei Psychiatern nicht immer die Richtigen die diese Problematik ernst nehmen. Es ist leider noch viel verbreitet das sich ADHS auswächst und es das im ERwachsenenalter nicht gibt. Dieses stimmt aber schon lange nicht mehr. Es kann sich wohl verwachsen ( oder vielleicht haben einige auch nur gelernt besser damit umzugehen) aber es muss nicht zwangsläufig so sein. Wie auch immer könnten Medis helfen aber sie werden keinen völlig anderen Menschen aus dir machen. Dir aber helfen und unterstützen. Gewisse Sachen können gemildert werden aber nicht völlig aus der Welt geschafft werden wie ich hier die Erfahrung mache.

        Gruß Ela

        • Danke für deine Antwort. Ich hab einige online Tests gemacht und alle hatten das gleiche Ergebnis. Vermutlich ADHS. Heute war ich bei meiner Psychologin und sie sagte, sie vermutet es schon länger.

          Ihr Beobachtungen:

          Ich rede viel, falle ihr ins Wort, springe von Thema zu Thema, ich hab Schwierigkeiten etwas in zeitlich logischer Reihenfolge zu erzählen, ich habe kein Zeitgefühl, ich vergesse sofort etwas, was wir vor drei Sekunden beschlossen haben, ich wirke sehr aufgewühlt, innerlich getrieben, unruhig, bin sehr ehrlich und Gerechtigkeitsliebend, ich neige zu Impulskäufen (kennt sie von Erzählungen), meine Stimmung ist entweder himmelhochjauchzend oder richtig depressiv, ein Mittelding gibt es nicht, ich fühle mich total verletzt bei Kritik, usw. Alles, was wohl sehr auf AD(h)s hindeutet. Ach und meine grausige Handschrift.

          Wir versuchen jetzt an einen Psychologen oder Neurologen zu kommen, der noch Patienten aufnimmt. Nicht so einfach.

          • Hallo

            Das alles kommt mir bei meinen Mann bekannt vor.

            Er hat eine posttraumatischen belastungsstörung und mittlerweile einen burnout. Unser Sohn hat heute ads bestätigt bekommen.

            Wie sieht es bei dir mit Ordnung aus? Mein Mann kann null Ordnung halten und verlegt auch gerne was. Deshalb kracht es hier auch öfter weil ich Unordnung und Zeitdruck nicht leiden kann.

            Ich denke bei meinen Mann auch in die Richtung.

            Lg und alles gute.

            • Ordnung? Was ist das:( ich gebe mir wirklich die größte Mühe Ordnung zu halten, denke mir die "besten" Ordnungssysteme aus und vergesse dann beim nächsten großen aufräumen, dass ich zB eine Kiste für Lippenstifte angelegt hatte und mach ne neue. Irgendwann fallen mir dann beide Kisten in die Finger und ich bin ganz überrascht. Adsler haben übrigens ganz oft Depressionen oder burnout.

              Ich renne den ganzen Tag durch die Wohnung und versuche Ordnung reinzubringen, aber ne Stunde später sieht es wieder aus wie Bombe eingeschlagen. Das belastet mich total.

              Alles Gute für deinen Mann und dein Kind.

          So jetzt kann ich dir auch wieder in Ruhe antworten.

          Online Tests mögen ein wenig Klarheit bringen dennoch halte ich diese nicht unbedingt für die richtige Lösung. Wenn jedoch deine Psychologin schon in die selbe Richtung tippt dann bedeutet es durchaus etwas anderes. Den richtigen Arzt nun noch zu finden ist sicherlich nicht einfach. Ich hatte hier ja auch schon die Erfahrung gemacht das es manche nicht ernst nehmen und dann erstmal ne Menge Mist heraus kommt bevor man auf dem richtigen Weg ist.

          Und wenn deine Psychologin es anhand ihrer Beobachtungen schon länger vermutet ist es sicherlich aussagekräftiger als so ein Online-Test.

          Den richtigen Neurologen oder passenden Arzt zu finden ist nie einfach wenn man bedenkt das es häufig eine Menge Wartezeit mit sich bringt. Und die guten sind erst recht ausgebucht. Aber überstürze nichts und achte darauf das du dich dort wohl fühlst.

          Viel Glück

          Ela

    Wenn ich deinen Post so lese, dann erkenne ich ganz viel davon in mir wieder. Aber im Gegensatz zu dir sehe ich das nicht als Krankheit an, sonderen als Teil meiner Persönlichkeit. Ja, ich möchte gar nicht anders sein, weil ich gut bin, wie ich bin. Es stimmt schon, dass es sehr anstrengend sein kann, wenn man so verpeilt ist und es ärgert mich dass ich ständig Dinge verlege oder wieder mal den Zahnarzttermin verpasse, aber hey andere Leute, haben andere Probleme und Defizite. Ich habe im Laufe der Zeit gelernt Prioritäten zu setzten und mir Strukturen anzueignen um meinen Alltag besser zu beweltigen. Zudem bin ich gelassener geworden und habe auch mein Chaos akzeptiert. Ja hier sieht es manchmal aus, als wenn eine Bombe eingeschlagen wäre und in meinem Schrank ist eigentlich immer Chaos. Ich vergesse manchmal die Wäsche aufzuhängen und muss sie dann nochmal waschen, weil sie müffelt, ich suche ständig meine Brieftasche, meinen Schlüssel, manchmal sogar mein Auto, weil ich nicht mehr weiß wo ich geparkt habe, aber hey ich hab mich mittlerweile dran gewöhnt. Das ist mein Leben und es ist gut so wie es ist.

    Hippokrates bezeichnet in seiner Temperamentenlehre Menschen wie uns als Sanguiniker, als einen von vier Temperamententypen mit seinen Vor- und Nachteilen, aber nicht als Krankheit.
    http://www.mensch-und-psyche.de/typenmodelle/temperamentenlehre/

    • Ich will es nicht als Krankheit sehen. Erstmal will ich wissen, was dieses Chaos in meinem Kopf verursacht. Zweitens hängt meine finanzielle Existenz davon ab. Leider. Das ist der Grund, weshalb ich mich nicht so akzeptieren kann. Ich will es gern behandeln lassen, wenn möglich. Ich möchte endlich Klarheit im Kopf. Ich möchte nicht fast heulen müssen, weil es mich meine letzte Kraft kostet einen Text zu lesen und zu erfassen.

      Es strengt mich total an. Zudem habe ich zwei kleine kinder, die ich versorgen muss. Gestern vergaß ich, dass der kleine zur u6 muss (zum zweiten Mal) und heute, dass der Große zum schwimmen geht. Dabei hab ich ne Stunde bevor ich los musste noch dran gedacht. Und dann einfach vergessen. Es belastet mich total. Schön, dass du klarkommst.

      Wie läuft es bei dir auf der Arbeit?

      • Bei mir auf der Arbeit läuft es gut. Ich bin Physiotherapeutin und Teilhaberin einer Praxis.

        Ich habe davor eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht, habe aber dann gemerkt, dass das nichts für mich ist und habe im zweiten Bildungsweg Physiotherapie studiert.

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