Was in einem Gläubigen ist gläubig

    • (1) 17.11.16 - 14:52

      Hallo liebes Forum,

      Ich stelle hier mal einfach eine Frage, die ich total interessant finde.

      Wie genau glaubt ihr, wenn ihr euch als gläubig bezeichnet?

      Ist es eher ein diffuses Gedankenkonstrukt, dem ihr euch in der Gemeinschaft mit anderen Gleichgläubigen nähert oder glaubt ihr z.b. wirklich lautgetreu an die Worte von heiligen Schriften?

      Steht für euch das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Glaubensgemeinschaft im Vordergrund? Symbolisiert durch Kirchgänge u.a.?

      Gibt es auch Tiefgläubige, die ihren Glauben nur für sich, ohne die Gemeinschaft ausüben?
      Wird das von anderen dann noch als Gläubigsein akzeptiert?

      Ich habe tiefgläubige Menschen immer beneidet, weil es vermutlich wenig anderes im Leben gibt, was einem soviel Halt geben kann.

      Welche Bedeutung haben Rituale?
      Disziplinierung,Selbstbesinnung , Demutsbezeugung vor dem Leben ?

      Ich denke, dass ein tieferes Verständnis für die Kraft von Religion und die Motivation religiöser Menschen sehr wichtig ist.

      Denn ich muss ganz ehrlich sagen, es fällt mir so unendlich schwer Religion zu verstehen.

      Ist es doch nur Symbolik?

      Warum hat sie dann die Macht soviel Hass zu verbreiten
      und auch so viel konstruktive Güte?

      Ich frage nicht woran ihr glaubt, sondern nach dem in euch, was euch glauben lässt.

      Gibt es ihn nicht,
      den moralischen Kompass in uns, unabhängig von Glaubenskonstrukten?

      Oder bin ich schon, wenn ich die Botschaft des neuen Testamentes als wunderschön empfinde, ein Christ ? :-)
      Reicht das schon?

      • hi,

        interessante frage! also offiziell bin ich evangelisch--ich empfinde mich selbst als gläubig, aber nicht religiös. ich gehe in die kirche wegen der besinnlichen ruhe, manchmal predigt der pfarrer sogar ganz gut.
        aber ich bin absolut nicht bibeltreu, letztenendlich ist das ein von menschenhand geschriebenes buch.
        religion wurde IMMER ausgenutzt, um die menschen klein und ängstlich zu halten und das wird gott nicht gerecht. ich glaube nämlich an das GUTE....ob gott oder schicksal oder macht-keine ahnung.
        ich bin aber auch überzeugt, dass es das böse gibt.

        nach meiner hirnblutung habe ich gemerkt, wie mich irgendwas retten wollte-ob es in mir drin war oder von außen kam-keine ahnung. ich bin auf jeden fall zutiefst dankbar, dass die rettung gelungen ist und versuche ein guter mensch zu sein.

        bißchen wirr,oder? ;-)

        lg

        • Nein überhaupt nicht, vielen Dank für deine Antwort!

          Meine Frage ist etwas wirr, aber es ist gar nicht so einfach sich diesem Thema, außerhalb einer
          "WORAN -man -glaubt -Frage" zu nähern.

          Es beschäftigt mich vor allem als atheistische Mutter, die sich fragt, ob meinen Kindern etwas vorenthalten wird.

          Es ging mir ja um diesen Religionsbezug, indem der Glaube klar ausgerichtet ist und definierten Regeln genügen sollte.

          Für dich, so habe ich es verstanden, bietet die Kirche einen Ort der Ruhe und Besinnlichkeit, der Geborgenheit vermittelt, ohne dass du dem Christentum als solchem nahestündest.

          • Hallo!

            Mir gibt der Glaube viel Halt im Leben. Gerade in schweren Zeiten, die mit viel Leid einhergehen, weiß ich, ich bin nicht allein, da ist jmd der für mich sorgt. Auch wenn ich Fehler mache ist es ein Trost zu wissen, dass ich geliebt bin, so wie ich bin und ich immer für jede Sünde die Vergebung erfahren darf. Es ist einfach schön eine solche Hoffnung im Leben zu besitzen und manchmal tun mit andere Menschen,die nicht glauben, einfach leid, weil sie sich in verzweifelten Zeiten so verloren fühlen und keinen Trost finden :-(

            Und was ich mich immer Frage ist: Welchen Sinn hat ein Leben ohne Glaube an Gott? Ohne Hoffnung auf das ewige Leben? Ohne Vergebung der Sünden? Welchen Sinn haben unsere Taten dann?

            Die Apostasie der heutigen Zeit ist meiner Meinung nach Schuld an viel Elend und Verzweiflung.

            Und ja, eine "Gemeinschaft" von Gleichgläubigen zu haben ist ein wertvoller Schatz, den ich nur jeden wünschen kann.

            • War es bei dir den Prägung oder haßt du dir deinen Glauben gesucht?

              Also grundsätzlich fände ich es auch toll, wenn ich wüsste , dass es DEN Sinn doch gibt.

              Aber mich bewusst für einen Glauben entscheiden?
              Das geht doch nicht.

              Ein Atheist kann ja trotzdem ein Suchender bleiben , nur würde mir das Christentum beispielsweise einfach keine befriedigenden Antworten geben können.

              Wie kann man leben, ohne zu zweifeln?

              • Also ich Glaube dass Gott sich von allen finden lässt, die ihn aufrichtig suchen. Bei mir war es so und ich kenn auch andere Erfahrungen bei denen es so ähnlich war.

                Warum es der Christentum wurde? Ganz einfach: bei meiner Suche bin ich ganz konkret auf Jesus Christus gestoßen. ER war die Antwort auf meine Fragen und das Ende meiner Suche :-)

                • Dann glaubst du, dass jeder

                  , der nur aufrichtig sucht , seinen für ihn passenden Gott, in irgendeiner der 5 großen Weltreligionen findet?

                  • Nein. So hab ich das garnicht gemeint. Es gibt nur einen Gott, und er lässt sich finden, wenn man es denn zulässt.

                    • Wenn es nur einen Gott gibt, dann haben die Gläubigen anderer Religionen einen falschen gefunden?

                      • Du verstehst das glaube ich falsch!

                        Stell es dir anhand von einem Beispiel vor: ein Mann heißt mit Vornamen Karl-max-Otto-Heinz-Helmut, die Familie nennt ihn Karl, die Arbeitskollegen max, die Fußballfreunde Otto, der Kegelklub Heinz und die Kollegen aus der Blaskapelle Helmut, jede Gruppe hat einen anderen Namen für ihn, er ist aber immer der selbe.

                        So ist es auch mit Gott, egal oben Ihn als Jahwe, den drefaltigen christlichen Gott, Allah usw verehrt, es ist immer der eine Gott.

                        Lg waldfee

                        • Na wenn das alle religiösen Menschen so sähen, hätten wir sehr viel weniger Elend auf der Welt!

                          • Da hast du recht.

                            Aber da es selbst unter den christlichen Konfessionen teilweise nicht klappt sich vernünftig zu verständigen sehe ich da leider schwarz.

                            Das ist aber in meinen Augen nicht den Religionen an sich geschuldet, sondern dem was die Menschen bzw bestimmte Menschen daraus machen.
                            Religion war schon immer ein Instrument, das von bestimmten Menschen dazu missbraucht wurde macht über ihre Mitmenschen auszuüben oder sich zu bereichern um nur einige Beispiele zu nennen.

                            Religiös zu sein war und ist für viele in erster Linie nicht der glaube und sich selbst damit auseinanderzusetzen sondern von jemand anderem einen Rahmen für das eigene Leben zu bekommen, wenn einem jemand die musterlösung für alle Lebenssituationen vorgibt und man sich penibel daran hält braucht man man sich zum einen nicht selbst den Kopf darüber zerbrechen und zum anderen gibt einem das halt und Sicherheit. Und wenn dann jemand kommt und sagt, nö, das ist ja doof was ihr da macht oder das ist falsch, meine Wahrheit ist viel richtiger, das geht dann mal so gar nicht.
                            Das ist in meinen Augen eine Erklärung sowohl für religiösen als auch politischen fanatismus.
                            Das war schon immer so und wird wohl leider immer so sein.

                            Und auf einer Seite macht mich das sehr traurig, weil viele Religion und glaube verwechseln und vermischen, und sich so abschrecken lassen davon Gott aufrichtig zu suchen und sich für ihn zu öffnen.

                            Ich denke wirklich religiös zu sein geht nicht ohne glauben, aber wirklich Glauben geht auch ohne einer bestimmten Religion anzugehören.
                            Und glaube ist nichts was man lernen kann oder zu dem man sich bewusst entschließt, glaube ist etwas das aus einem selbst kommt und wirklich Glauben zu können ist ein großes Geschenk.

                            Für mich bedeutet glaube in erster Linie auf Gott vertrauen, dass er bei mir ist an allen Tagen meines Lebens und darüber hinaus, dass alles im Leben irgendeinen Sinn hat, auch wenn ich den nicht verstehe.

                            Ich bin Katholikin, ich glaube an den dreifaltigen Gott und bete fast täglich zu Hause oder gerne auch wenn ich spazieren gehe, oft auch zur Mutter Gottes.
                            Auch mit meinen Kindern bete ich täglich.

                            In die Kirche gehe ich/wir relativ selten, etwa einmal im Monat und zu den hohen Feiertagen / kirchlichen festen.
                            Ich mag gerne die Rituale und festliche Gottesdienste an sich, auch die Gemeinschaft dabei ist schön.

                            Aber ganz ehrlich, ob andere mich für religiös halten oder von meinem Glauben bzw meiner Art der Religionsausübung ist mir völlig gleichgültig.
                            Meine Beziehung zu Gott ist allein eine Sache zwischen ihm und mir.

                            Lg waldfee

                            • Danke für deine ausführliche Antwort,

                              Die Versuchung, sich durch ein strikt reglementiertes Glaubenskonstrukt von jeglicher Selbstverantwortung zu befreien, ist offensichtlich sehr groß.

                              Jeder aufgeschlossene und tolerante, gläubig lebende Mensch, der das Selbstbestimmungsrecht aller anderen Menschen selbstverständlich akzeptiert und Leben ungeachtet aller Klassifikationen grundsätzlich wertschätzt, ist eine Bereicherung für jede Gesellschaft.
                              Aber fanatische Fundamentalisten, die in ihrer total verblendeten Selbstgerechtigkeit so zerstörerisch agieren, sprießen auch aus der Wurzel des Glaubens.

                              Warum kann aus dem Bedürfnis, nach eindeutigen, unverrückbaren Verhaltensregeln Grausamkeit enstehen ?

                              Auch Fundamentalchristen hetzen gegen Homosexuelle, Andersgläubige ....und sind teilweise bereit bis zum äußersten zu gehen.

                              Müssten nicht Vertreter aller Religionen, Unrecht, dass in ihrem Namen geschieht immer wieder scharf verurteilen?

                              Ich kann verstehen, dass man keine Veranlassung sieht, sich von etwas zu distanzieren, dass mit der eigenen Glaubensauslegung nichts zu tun hat. Aber das grundsätzliche Prinzip , im Zugriff auf die gleiche Religion, vereint ja nun mal doch.

        Hallo
        Ich unterschreibe das mal so!
        Zumindest ich verstehe was du meinst und finde es überhaupt nicht wirr. Ich selbst habe in den letzten Jahren viel über das Thema nachgedacht und auch unsere Kirche hier vor Ort war mit daran beteiligt das ich genau dieses "Bibeltreue" (oder auch Auslegung dessen) oder die Kirche selbst nicht als Grundsatz für Glauben sehen kann.
        Auch meine Schwiegereltern waren Teil dieses Weges. Die sind für mich ein Paradebeispiel wie man mit angeblichem "Glaube" eine Gehirnwäsche vollziehen kann und aus völlig normalen Menschen diskriminierende, hasserfüllte,... Idioten machen kann. DAS ist ganz sicher nicht "Glaube".

        LG

    Als Katholikin ist mir die Mutter Gottes sehr wichtig. Ich behaupte: meine Gebete zu ihr sind bisher IMMER erhört worden, wenn auch nicht immer sofort.In schweren Situationen, auf die ich jetzt nicht genauer eingehen möchte, hat mir das Gebet zur Mutter Gottes den Mut und die Kraft zum weitermachen gegeben. Eine Musterchristin bin ich sicher nicht (gehe nicht zur Beichte und nicht zur Kommunion) aber ich besuche so oft es geht einen Gottesdienst. Da finde ich Ruhe und muss NICHTS tun. Und in jedem Urlaub versuche ich zumindest in irgendeiner Kirche ein Kerze anzuzünden. Wobei mir das die russisch orthodoxe Kathedrale wesentlich näher steht als das evangelische Gotteshaus. Auch wenn der "liebe Gott" überall der gleich ist, so ein gewisses Drumherum mag ich schon.;-)

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