Auswandern als Familie!

    • (1) 18.11.16 - 22:06

      Hallo.

      Wollte mal fragen, ob es hier Familien gibt die in ein anderes Land gezogen sind.
      Für welches Land habt ihr euch entschieden? Was waren die Voraussetzungen für den Umzug?

      Wie zufrieden seid ihr mit eurem Leben in der Ferne?

      Wäre für mich interessant ein paar Berichte zu lesen.

      Vlg Miriam

      • Hallo
        Ich bin mit meiner Familie als Kind ausgewandert und erst als Erwachsene wieder nach Deutschland gekommen. Mein Vater hatte die Möglichkeit bekommen in den USA zu arbeiten und so kam das ganze ins rollen. Ein sicherer Arbeitsplatz wäre für mich persönlich auch das notwendige Kriterium, ohne Arbeit auswandern weil man meint in Land x ist alles besser geht gar nicht. Man muss schon realistisch bleiben. Je nach Beweggründen kann es definitiv ein besseres Leben werden, aber einen Alltag mit Arbeit usw. wird man überall wo man wohnt haben.
        Wären wir in Deutschland aufgewachsen hätte unser Leben wohl ziemlich anders ausgesehen (teils positiv, teils negative Punkte). Aus Kindersicht kann ich sagen das es für uns dennoch eine unglaubliche tolle Zeit war. Am Anfang war es schon hart denn wir mussten erst richtig die Sprache lernen, uns in der neuen Umgebung (mit weniger Freiheiten) einleben usw. Dann gab es damals natürlich nocht die Kommunikationsmöglichkeiten wie heute und das hat den Kontakt nach Deutschland erschwert. Wir sind meist mehrmals im Jahr nach Deutschland gefolgen. Trotzdessen haben wir/unsere Eltern es geschafft Freundschaften zu erhalten und ich bin auch heute noch mit Freunden aus Kindheitstagen befreundet :-)

        Ehrlich gesagt sind die Usa auch heute noch ein großer Teil meines Lebens. Zum einem weil mein Ex und Vater meiner Kinder Amerikaner ist und zum anderen weil man natürlich auch irgendwie Wurzeln schlägt da wo man aufwächst. Nächstes Jahr gibt es dann mal wieder einen längeren Besuch dort. Mein Ex selbst ist damals mit mir und unserer Tochter nach Deutschland gefunden. Aktuell arbeitet er auch noch hier aber für immer will er nicht hier bleiben. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen an dem er zurück geht.

        Ich selbst hätte durch meinen AG auch eine Möglichkeit ins Ausland zu gehen aber das würde generell erst in Frage kommen wenn er Deutschland verlässt. Alles weitere muss geschaut werden wenn es möglich ist, es ist aber definitiv schön diese Option im Hinterkopf zu haben.

        LG

        • Hallo.

          Vielen Dank für Deinen Bericht! War sehr interessant für mich zu lesen.

          Ja, ich denke auch eine Arbeit und die Sprache sind die Grundvoraussetzung um es zu wagen und ich denke man sollte auch etwas "Kleingeld" in petto haben, falls es anfangs nicht ganz so läuft wie man es sich vorstellt!

          Vielen Dank und Lg
          Miriam

          • Wie gesagt, es kommt auch immer auf die Gegebenheiten an. Mein Vater wurde quasi ins Ausland versetzt und wir bekamen auch Hilfe von seinem AG was den Umzug, Unterkunft und das alles an ging. Das ist wohl auch die einfachste und sicherste Art auszuwandern.
            Wandert man mehr oder weniger auf eigene Faust aus ist das natürlich anders #schwitz

      Hallo,
      ich kann dir auch aus Kindersicht berichten... Meine Eltern sind mit uns für einen Zeitraum von 7 Jahren nach Italien gezogen, als meine Schwester und ich knapp 3 Jahre alt waren. Mein Vater hat als Lehrer an einer deutschen Schule gearbeitet, meine Mutter war in der Zeit daheim.
      Für uns Kinder war es eine tolle Zeit! Wir hatten die Möglichkeit, ein anderes Land als eine Art zweite Heimat kennenzulernen und eine andere Sprache quasi nebenher zu lernen (zwar nicht ganz so, als ob es die Muttersprache wäre, aber definitiv viel besser, als andere Sprachen, die ich später in der Schule gelernt habe). Meine Eltern schwärmen heute noch von dieser Zeit. Sie war für uns alle eine Bereicherung! Nach unserer Rückkehr (da war ich 10 Jahre alt) hatte ich lange Zeit heftiges Heimweh nach Italien (und bis heute hat es mich auch nie ganz verlassen...).

      Liebe Grüße, Anne

      • Hallo Anne,

        das klingt toll! #verliebt

        Meine Jungs sind 3 und 6 und mein Mann ist Italiener ;-) leider ist die Ecke wo er herkommt ziemlich abgelegen und was Arbeit betrifft siehts nicht rosig aus - der Süden!

        Familienanschluss hätten wir auf alle Fälle schon mal :-)

        Danke für Deinen Bericht.

        Lg Miriam

    Hallo

    Wir sind im Sommer 2015 in die Emirate ausgewandert.

    Ich hätte es nie für möglich gehalten das mit zu machen, mein Land zu verlassen, ganz gleich wohin.
    Aber habe mich gezwungen.

    Das Angebot im Job meines Mannes kam recht spontan und wir haben auch sehr schnell alles über die Bühne gezogen.

    Ohne gesicherte Arbeitsstelle wären wir niemals gegangen. Das ist das A und O.
    Beweggründe für uns: Das Leben in einem islamischen Land, weil Muslime.
    Wir haben es eigentlich nur für die Kinder gemacht. Mein Mann und ich wären sonst als Deutsche mit all den Gewohnheiten im Ablauf lieber in Deutschland.

    Ich kenne einige die in arabische Länder ausgewandert sind. Die sind eigentlich alle viel "mutiger" und risikobereiter gewesen als ich.
    Die Golfstaaten erschienen mir unter allen islamischen Ländern als die beste Wahl, aufgrund des Lebensstandards. Grundsätzlich muss man da sonst als Deutscher plötzlich sehr zurück stecken. Medizinische Versorgung und Bildung/Schule sind mit erheblichen Kosten verbunden und/oder man verzichtet auf Qualität.

    Andere Länder hautnah kennen lernen und erleben sehe ich als große Bereicherung im Leben. Man wird einfach auch lockerer und flexibler, offener und besinnt sich doch mehr aufs Wesentliche. Weiß nicht ob ich das gut beschreiben kann.
    Schwierigkeiten sehe ich vor allem da, wenn man keine Familie im Land hat. Flugstrecken lang und teuer sind...
    Desweiteren schätzt man vieles plötzlich mehr.

    Hierzulande ist zum Beispiel jeder sehr für sich isoliert, da muss man sich bemühen dass einen die "Einsamkeit " nicht auffrisst. Jeder lebt so aneinander vorbei, es gibt kaum Bestand, alles und jeder wechselt häufig und schnell. Schule, Lehrer, Wohnung...
    Es ist ein Land das oberflächlich erstmal zum nonstopp arbeiten und Geld ausgeben einläd. Das ist schon teils anstrengend.

    Schön ist aber durch das Multikulti auch die Akzeptanz und Offenheit die dadurch einhergeht, das finde ich schon toll hier.

    Was ich festgestellt habe ist, dass mein Gehirn sich unglaublich von den Gewohnheiten beeinflussen lässt. Vielleicht geht das anderen Ausgewanderten auch so.
    Als ich letztes Jahr Deutschland verlassen sollte hatte ich plötzlich tausend Dinge im Kopf die ich aufgeben sollte und genauso viele die mich an Schlechterem am Ziel erwarten würden.
    Und wenn ich jetzt gsnz real darüber nachdachte, nächste Woche würden wir zurück gehen, da hatte ich plötzlich nur Schlechtes im Kopf was mich runterzog bezüglich Deutschland und tausend tolle Dinge die ich in den Emiraten würde zurücklassen müssen...
    Vielleicht bin es auch nur ich die so pessimistisch und ängstlich ist.

    Auf jeden Fall bin ich aktuell sehr zufrieden mit unserer Entscheidung und möchte gerne noch bleiben.

    Übrigens finde ich generell, dass Erwachsene sich tausend mal schwerer tun als Kinder...

    • Hallo und danke für Deinen Bericht :-)

      Wir hatten letztes Jahr das Angebot nach Abu Dhabi zu gehen, mein Mann ist Koch, aber ich habe mich dagegen entschieden.

      Mit kleinen Kindern in einem extremen Land, alleine schon das Klima, sich als Frau nicht so frei bewegen können wie bisher würde mir nicht gefallen.

      Und? Gibt's eine Möglichkeit für euch zu verlängern?

      Viele Grüße in die Sonne!

      Lg Miriam

      Hallo Miriam,

      da muss ich mich auch mal einschalten, denn auch wir haben lange in den Golfstaaten gelebt und ja, das Wetter ist extrem, aber sonst eigentlich nicht. Halt, stopp, der Verkehr natürlich! ;-) Selbstverständlich kannst Du Dich als Freu frei bewegen und das Leben dort ist in meinen Augen viel sicherer als in Deutschland. Die Kriminalitätsrate ist extrem gering zum Beispiele. Ich weiß noch, welche eine Aufruhr war, weil aus einigen Autos auf einem Schulparkplatz Wertsachen gestohlen wurden! Das ging durch die komplette Landespresse und was eine Einschränkung der Sicherheit, denn auf einmal musste man sein Auto tatsächlich

      ABSCHLIESSEN! ;-)

      Ja, Auto abschließen auf einem Schulgelände oder im Compound? Hat keiner für nötig empfunden. Bei uns war auch selten die Haustür abgeschlossen. So ungewöhnlich sind solche "Verbrechen".

      Kurzum, meine Kinder und ich haben uns in Middle East immer sehr sehr wohl gefühlt, eine tolle und offene Gegend, unsere Stadt, die Schule, unsere Wohnanlage waren so multikulit (verschiedene Kulturen, Länder, Sprachen, Lebensstile und auch Religionen) und alles ganz harmonisch! Meine Kinder waren völlig irritiert über die Debatten zurück in Deutschland, denn sie haben das "Problem" absolut nicht verstanden! Eine sehr bereichernde Zeit!

      Liebe Grüße zurück aus Deutschland,
      Elfchen

Hallo

Freunde von uns sind nach Australien gegangen - leider hat die Freundschaft die riesige Entfernung nicht überdauert, so dass es nun eher auf Bekanntenebene ab und an einen Gruß auf FB gibt.
Sie sind mittlerweile über 10 Jahre dort, haben auch die permanente Aufenthaltsgenehmigung. Sie wohnten erst in der Nähe von Melbourne, nun leben sie in Sydney. Die Kinder haben dort studiert und ihre Jobs.
Unser Freund konnte damals als Arzt (Innere Medizin) einen guten Job bekommen.
Sie haben sich lange Jahre mit dem Auswandern beschäftigt.
Zur Debatte standen neben Australien noch die Kanarischen Inseln und die USA. Jobangebote hatte er von überall, aber da die ganze Familie schon recht gut Englisch sprach, schieden die Kanaren ziemlich schnell aus.
Sie waren dann 6 Wochen in den USA und 6 Wochen in Australien. In Australien fühlten sie sich wohler, aufgenommener und die Menschen nicht so oberflächlich wie in Amerika ( ich glaub sie waren in Miami oder Kalifornien, ich habe es vergessen).

Dann haben sie alles in die Wege geleitet, der Sprachtest und anders musste erledigt werden, was sich allerdings fast ein dreiviertel Jahr hinzog.

Die Kinder waren damals in Klasse 11, 9 und 4. Das älteste Kind hat die 11 noch mal gemacht und dann ganz normal dort in Klasse 12 das australische Abitur abgelegt. Das mittlere ist in der 9 eingestiegen und das letzte ganz normal in die letzte Klasse der Grundschule dort. Die drei haben sich super schnell eingelebt, selbst das jüngste Kind, das ja noch kein englisch sprach, außer ein paar Brocken, denn sie sind schon hier in Deutschland angefangen Englisch zu sprechen an festgelegten Tagen der Woche.

Ihr Vater hatte schnell Kontakt zum Kollegenkreis und seine Frau hat sich in der dortigen Kirchengemeinde und Schule ehrenamtlich engagiert, so dass sie auch als Familie schnell Kontakte knüpfen konnten.

Vielleicht hilft Dir das weiter?

LG

  • Hallo und auch Danke für Deinen Bericht von euren Freunden/Bekannten! Kann ich mir vorstellen, dass es auf so eine Entfernung schwer ist eng verbunden zu bleiben.

    So hat glaube ich jedes Land verschiedene Kriterien (Sprachtest, Arbeitsnachweis) um einwandern zu dürfen.

    Sehr interessant zu lesen.

    Danke Dir.

    Lg Miriam

(15) 22.11.16 - 09:40

Wir sind im Februar 2015 nach Australien gezogen.

Wir hatten vor, zumindest eine Zeit im Ausland zu verbringen, solange unsere Tochter noch nicht im Schul"system" feststeckt und man sie dann bei Umzug aus allem rausreisst. Unsere Tochter war damals ziemlich genau 1 Jahr.

Mein Mann hat hier einen Job gefunden, und wir sind bis heute auf einem sogenannten gesponsortem Arbeitsvisum. (457)

Der Unterschied zu einem permanentem Visum ist, dass man auf sehr viele staatliche Hilfen, vor allen Dingen freie Krankenversicherung und Zuschuesse Kinderbetreuung, keinen Anspruch hat. Das heisst wir sind privat krankenversichert (ohne geht nicht), was ja ok ist, aber man hat dadurch trotzdem nicht soviel Anspruch, wie mit der oeffentlichen KK.

Und bei der Kinderbetreuung zahlen wir im Moment umgerechnet 220 Euro die Woche fuer 3 Tage in der Woche. Kann daher mittlerweile ueber Leute, die ueber die "teuren" Krippenkosten in Deutschland jammern nur noch muede laecheln. :D Aber genug ueber Finanzen gemeckert.

Das Visum ist zunaechst auf 4 Jahre ausgelegt, und an den Job meines Mannes gebunden.

Der Lebensstandard ist hier um einiges hoeher als in Deutschland. Bei gleichem Job verdient mein Mann deutlich mehr, wir sind aus einer recht kleinen Wohnung im Mehrfamilienhaus in ein kleines Haus mit Garten gezogen, haben ein Auto, was wir vorher nicht hatten.

Die Leute sind nicht so verklemmt, es ist wunderbar multikulti, man trifft Menschen aus aller Welt. Anders als "leben um zu arbeiten" was in Deutschland ja oft zutrifft, ist hier "arbeiten, um zu leben" die Devise, alles wird einfach etwas lockerer gesehen. Ist schwer zu beschreiben.

Wir leben in Melbourne, was fuer Australien relativ gemaessigtes Klima hat. Im Sommer kann es schonmal heiss werden, auch 40Grad (das aber nicht ueber laenger Zeit, in der Regel), aber im Winter ist es regnerisch und eher so um die 10-15 Grad, nachts natuerlich kaelter. Und fast immer geht ein Wind.

Der grosse Nachteil an Australien ist natuerlich, dass es sooooo weit weg ist. Die Fluglaenge von ca 24h ist da noch zweitrangig, aber es ist auch einfach teuer mal eben "rueber" zu fliegen. Wir vermissen unsere Familien und Freunde, und haben irgendwie das Gefuehl, unserer Tochter was vorzuenthalten, und den Omas/Opas auch. Dafuer wird sie jetzt voellig nebenbei zweisprachig, und waechst ganz anders auf. Wir haben recht regelmaessig Kontakt ueber Skype mit allen.

Wir sind also generell schon sehr zufrieden, aber uns immernoch nicht im Klaren, ob wir hier bleiben wollen oder nicht. Nach einem Bsuch in Deutschland im August ist die Tendenz eher dahin, dass wir zurueck wollen. Was aber absolut nicht am Land Australien liegt.

Wenn du Fragen hast, nur her damit.

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