Rätselhafte Gefühle

    • (1) 24.11.16 - 23:15

      Manchmal stell' ich mir vor es gäbe eine Gefühlsbibliothek.

      Ich habe gerade ein Gefühl in mir und kann überhaupt nicht sagen was es ist.

      Ein bisschen fühlt es sich an wie ein Coctail aus Sehnsucht, ein bisschen Angst, ein winziger Hauch Hoffnung, ein kräftiger Schluck Panik und...äh...Hunger auf gebratenen Speck :0504:
      Ach ja, ne Prise Verwirrung ist...wie sollte es anders sein...auch immer mit dabei.

      Wenn es so eine Bibliothek gäbe dann würde ich jetzt mein Gefühl nehmen, die Tür aufstoßen und über das dunkelgrüne Linoleum gehen. am Rand weil es da noch dick und dunkel ist und nicht in der Mitte wo die Laufrille all derer ist die vor mir mit ihrem schuffeligen Schritt das Linoleum abgewetzt haben.

      Dann würde ich vor dem dunklen Holztresen stehen und eine Bibliothekarin mit einem grauen, selbstgestrickten Pullunder und einer Lesebrille an Goldkette um den Hals würde sich zu mir rüber beugen und mein Tütchen mit dem abgefüllte Stück Gefühl entgegennehmen, sie würde kurz rein schauen udn dann sagen, ja, da hinten...und ihr Arm würde an den Regalen mit dicken, alten Büchern entlang zeigen, da hinten bei den Gefühlen die nicht oft nachgefragt werden, zwischen "Neuanfangsfreude" und "Versteck dich bitte für den Rest deines Lebens-Wahns", da so auf der Höhe, etwas unterhalb von der "diffusen Abendtraurigkeit", da können Sie mal schauen.

      Und dann würde ich mich da durch wühlen und lesen und schnuppern und vergleichen und irgendwann vielleicht rausfinden, welches Gefühl da in mir steckt. Alleine komm' ich nicht dahinter.

      Und an manchen Tagen würde ich in die Bibliothek gehen und mal schauen was es so für Gefühle gibt in der "Leicht und sorglos"-Ecke. Vielleicht ein bisschen Übermut ausleihen und ausprobieren oder "Freude auf den Tag", etwas "tief verwurzeltes Urvertrauen" oder "überschäumende Lebensfreude" oder einfach ein bisschen "rundum glücklich" und damit würde ich mich auf eine Sommerwiese legen, die Augen schließen, das Gras würde mich im Nacken kitzeln, vom nahen See würde ich Kraniche und Reiher und ein bisschen Frösche quaken hören und dann würde ich genießen.

      • Ach, schön geschrieben.....
        So liege ich auch oft da, gern morgens um 4.30h...kurz nach irgendeinem Traum und versuche zu begreifen, warum ich nicht mehr schlafen kann.
        Und dann auch, welche Gefühle grad so da sind...gut...schlecht..traurig??
        Ich stelle mir die Gefühlswelt dann aber oft wie eine Cocktailbar vor, mit vielen hübschen Zutaten in allen Farben und unterschiedlichster Herkunft, unterschiedlichem Alter und unterschiedlicher Intensität, die man entweder nach festen Rezepten oder Free Style vermischen kann.
        Optimalerweise wäre der Barmann ein Spezialist, der die verwirrenden Gefühlscocktails analysieren kann.
        Und wenn er den Gefühlscocktail analysiert hat, kennt er vielleicht eine Mixtur, die eventuell negative Gefühle umwandeln kann....
        Deine beschriebene Bibliothek finde ich aber auch ganz zauberhaft, zumal ich so gerne in Bibliotheken bin und den Geruch dort mag.
        Da stellt sich mir die Frage, welchen besonderen Geruch die Gefühlsbibliothek wohl hätte?
        Kommt bestimmt auf die Abteilung an...Optimismus riecht wohl anders als diffuser Weltschmerz.
        Danke für die schönen Gefühlsbilder am Morgen.
        sternchen:-D

        Du solltest öfters schreiben...war toll zu lesen!#pro

        Toll geschrieben!!

    <<<und...äh...Hunger auf gebratenen Speck>>>

    Ich empfehle dazu knusprige Bratkartoffeln wie bei Oma.....und ein großes Glas kalte Milch...voll mit Fett und Lactose....und nicht-vegane Schokokekse zum Nachtisch....natürlich die mit Gluten.....und mit dem letzten Schluck Kuhsaft runter gespült.

    Ernsthaft: Was hält Dich denn auch ohne die fiktive Bibliothek davon ab, in die "Gefühlstüte" zu greifen?

    Erwachsen sein ist keine Ausrede !

    Manchmal sollte man sich ein Beispiel an Kindern nehmen. Die haben wesentlich öfter Spass als wir, lachen den ganzen Tag über die unmöglichsten und möglichsten aller Dinge, und haben noch nicht verlernt, kleine Wunder selbst unter dem Wohnzimmerschrank zu entdecken....wo Erwachsene meistens nur noch die Staubflusen vorfinden.

    "Rundum glücklich" flutscht zwar oft durch ein Loch im Boden der Tüte, aber "aufgeschäumte" Lebensfreude und Spass an jedem Tag hat man durchaus selbst in der Hand, wenn man darauf achtet.

    Weisst Du noch, wie eine Strasse im Sommer nach einem kurzen Regenschauer riecht oder wie Brausepulver auf der Zunge prickelt..... wie Caprisonne schmeckt oder wie es ist, sich die ganze Woche auf einen Kinobesuch am Sonntag zu freuen? :-)

    Viele Dinge die man als trivial abtut, sind das gar nicht....nicht wirklich ... und Schwupps, ist die Tüte wieder ein ganzes Stück voller.

    • Nichts hält mich ab, das stimmt. Und kann eigentlich Gefühle und Stimmungen gut "abrufen" nur manche einfach komplett nicht einordnen.

      Dafür wäre so ein Archiv manchmal hilfreich. Für mich. Sicher nicht für alle.

      • Muss man immer alles einorden oder katalogisieren?

        Das Gefühl ist da, ein Stimmung kommt dazu...man mag das Gefühl oder nicht, lenkt die Gedanken in eine andere Richtung, ein neues Gefühl kommt, einfach fließen lassen.
        Warum, wieso, weshalb das Gefühl gerade angehüpft kommt, kann man nie korrekt deuten oder einsortieren, deswegen keine Zeit beim einsortieren verplempern.

        Das gleiche Gefühl ist doch in jeder Situation anders...dann wären im Archiv tausende Einträge bspw. zum Gefühl Freunde! Du blätterst, suchst, vergleichst und verschwendest Stunden, um die Freunde die Du Stunden zuvor empfunden hast, einzuordnen, anstatt die Zeit zu nutzen, die Freude zu genießen.

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