Unterschiedliche Berichterstattung über Berlin

    • (1) 19.12.16 - 23:46

      Als die Nachrichten über Berlin kamen, habe ich erst ZDF angehabt, dort wurde ausdrücklich gesagt, dass noch nichts feststeht. Dass die Polizei zwar von einem Anschlag ausgeht, aber ja erst alles untersucht werden muss und bis dahin alles nur Spekulation ist.

      Beim Zappen landete ich auf ZIP2, ein österreichischer Sender.
      Dort wurde klar von einem Attentat gesprochen und es ging eher um die Frage, ob weitere Taten folgen. Dann wurde ein Experte zum IS befragt.

      Fand den Unterschied schon krass.
      Gibt es in Österreich weniger seriöse Berichterstattung als hier?
      Wie ist das in anderen Ländern?

      • (2) 20.12.16 - 00:26

        England, BBC News hier.

        Wird als vermutete Terrorattacke bezeichnet. Deckt sich aber soweit mit der Berichterstattung die ich aus der Berliner Morgenpost lese.

        Vergleiche mit dem was in Frankreich passiert ist werden gezogen. Und IS ist Thema.

        (3) 20.12.16 - 07:35

        Guten Morgen,

        für mich ist eine "wir müssen erst einmal ermitteln um mehr herauszufinden"-Aussage auf jeden Fall die seriösere Berichterstattung. Dass es ein "mutmaßlicher" Anschlag ist, kann man gerne sagen (und hat die Polizei auch), aber "sicher" ist 1-2h nach so einem Vorfall nichts. Da ist so viel Unruhe und Chaos in der ersten Zeit, dass sich die Sicherheitskräfte etc. erst einmal sortieren müssen.

        Es sprach von Anfang an vieles für einen Anschlag, aber solange ein Unfall nicht ausgeschlossen werden kann/konnte, war es m. E. seriöser, sich noch nicht 100% festzulegen.
        Im Moment wird gesagt, dass es auf jeden Fall vorsätzlich war.

        Wenn man CNN sieht, werden aus den letzten Löchern irgendwelche Zeugen hervorgezogen, die dann ihre Sicht der Dinge schildern. Beim Müncher Amoklauf stimmte davon mindestens die Hälfte nicht (es war echt erstaunlich, was der Amokläufer angeblich alles gerufen hat). Das finde ich sensationsheischend. Das hält die Leute vor den Bildschirmen, aber so eine "developing story", wie es dort immer heißt, entwickelt sich dann oft erst mit der Zeit in die richtige Richtung und viele ursprüngliche Aussagen müssen im Laufe der Berichterstattung revidiert werden. So trägt man zu Gerüchten bei und ich finde, das muss nicht sein.

        LG

        Hanna

        • (4) 20.12.16 - 10:52

          Diese ganze vielleicht, eventuell, möglicherweise, mutmaßlich, hat leider nichts mit gutem Journalismus zu tun. Ich finde, das dürfen die auf gar keinem Fall sagen!
          Klar wollen die Leser mehr Informationen als: Bus ist in Weihnachtsmann gerast, x Menschen sind tot.
          Aber dies mit Mutmaßungen zu füttern ist einfach gefährlich und falsch.
          Ich denke, die Berichterstattung sollte nichts vermuten sondern einfach nur sagen, was SICHER sich zugetragen hat und neue Informationen auch eben erst dann preisgeben, wenn sie bestätigt sind. Auch wenn das unbefriedigend für den Mob vor den Bildschirmen ist.

      Bild-online hatte sich gestern abend auch schon auf einen terroristischen Anschlag festgelegt.

      Bei den anderen Medien vermute ich Zurückhaltung, weil die Meldung "Terroranschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt" ganz unmittelbar in das Sicherheitsgefühl wohl der Mehrheit der Deutschen eingreift. Hätte sich dann herausgestellt, dass der Fahrer einen Herzinfarkt hatte und es sich um einen Unfall nach medizinischem Notfall gehandelt hat, wäre die Schelte (zu Recht) extrem gewesen.

      Medien aus dem Ausland hätten da vermutlich weniger Probleme, die hätten sich über die Schlagzeile gefreut, im Zweifel dann in den nächsten Tagen eine kleine Medlung gebracht, dass es doch kein Terroranschlag war, aber das würde dann schon kaum einen mehr interessieren.

      Rtl hatte gestern abend bei der Berichterstattung oben in der ecke in rot "anschlag" stehen.

      Nach ca 1 h, war das dann weg und es wurde nur noch ein Anschlag vermutet.

    • Leider geht es vielen Medien nur noch darum so viel Aufmerksamkeit wie möglich zu bekommen, und möglichst vor den anderen die neuesten Informationen zu bringen (da nimmt man dann halt auch in Kauf falsche Informationen oder bloße Vermutungen zu verbreiten), ich denke das ist in allen Ländern gleich. Es kommt ja aber auch immer auf den Sender/die Zeitung an, von Bild, Sun etc. weiß man ja, dass dort der Sensationsfaktor groß sein muss, bzw. künstlich vergrößert wird...

      (8) 20.12.16 - 11:09

      Hallo,

      Du meinst die ZiB, die Nachrichtensendung des ORF.

      Ehrlich gesagt, hat mich die Meldung in der Sondersendung der ZiB, dass es sich um einen Anschlag handelte, sehr erschreckt.
      Während deutsche Sender um Deeskalation bemüht waren, hat sich der ORF darum weniger geschert. Der Moderator bzw. der Sendungsverantwortliche hat über das Ziel geschossen. Das ist sicher. #aerger

      <<Gibt es in Österreich weniger seriöse Berichterstattung als hier?>>
      Ich hoffe, nicht! Aber kennst Du den Spruch: "Ich schwanke zwischen dem Bemühen, gut informiert zu sein und gar nichts mehr wissen zu wollen."? So geht's mir im Moment.

      LG aus Österreich
      Karin

      (9) 20.12.16 - 17:02

      Hi,

      sein wir doch ehrlich, ALLE haben doch an Anschlag gedacht aber nur um auf der sicheren Seite zu sein wurde immer "vermutlich" davor gesetzt.
      Auch ein Einzeltäter, der so etwas macht, evtl. einen erweiterbaren Suizid macht, wird immer als Attentäter tituliert.

      Für die Presse war es wichtig, hier nicht so viel Tam Tam drum herum machen, damit es nicht so eskaliert wie in München, wo auf einmal überall in und um München Attentäter gesichtet worden sind, wo viele Polizisten irrsinnig durch die Stadt rasen mussten - für nix.

      Also erst einmal ruhig Blut aber wie geschrieben, im Endeffekt wissen wir doch alle, was es war.

      Lisa

      • (10) 20.12.16 - 23:15

        Aber darum geht es nicht bei Journalismus.

        Wenn ein Busunglueck passiert, mit 4 Toten, 40 Verletzten, davon 4 in Lebensgefahr steht im Zeitungsartikel auch nicht:

        "Busunglueck mit vermutlich 8 Toten."

        • (11) 21.12.16 - 17:04

          mit den Toten waren sie doch immer konkret. ..bis dato.

          Ich finde den Journalismus recht gut in Deutschland. USA ist halt komplett anders gestrickt, da die Mentalität auch anders ist. Man muss halt auch nich immer alles glauben sondern auch hinterfragen.

          wenn ich eher sehe, was dumme Menschen in Facebook....schreiben....da sträuben sich mir die Nackenhaare. Jeder bastelt sich die eigene Wahrheit zurecht, ohne die harten Tatsachen, die bewiesen und belegt sind , mit einzubeziehen.

          lisa

          • (12) 22.12.16 - 07:21

            Ja, sag ich doch. Es wird nicht von Toten berichtet, wenn diese noch am Leben sind, selbst wenn die Chance, dass sie sterben, hoch ist.
            Warum also von einem Anschlag berichten, wenn nicht gesichert ist, dass es ein Anschlag ist, selbst wenn die Chance hoch ist.

            Ich finde den Journalismus generell ziemlich schlecht, von RTL oder Bild oder Konsorten braucht man ja gar nicht reden, aber auch tagesschau ist alles andere als neutral.

            Das blöde ist halt, dass die meisten Menschen nicht hinterfragen.

            • (13) 22.12.16 - 07:23

              Zusatz: Natuerlich ist die Pressefreiheit wichtig und es sieht in anderen Laendern als Deutschland was das angeht deutlich schlimmer aus.

    Mich wunderts, dass du nach Österreich fragst... brauchst doch nur auf die BILD Seite gucken, da war auch sofort von einem Anschlag die Rede.

    hi,

    es ist eine krankheit unserer zeit, dass die bevölkerung quasi DIREKT nach einem ereignis alles bis ins kleinste zerpflückt auf dem silbertablett präsentiert bekommen will.
    gestern abend las ich: polizeipanne? ermittler tappen 20 stunden nach dem anschlag immer noch im dunkeln...
    klar, die haben einfach keinen bock oder wie...oder sind zu blöd.

    ist halt immer noch wie im mittelalter...dabei müsste man doch wissen, dass schnellschüsse völlig sinnfrei sind.
    mir ist eine seriöse, wohlüberlegte presse allemal lieber, als eine, die sofort parolen in die welt plärrt und per zufall mal richtig lagen #augen

    lg

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