Kippen und Maniküre mit Hartz ?!

    • (1) 18.01.17 - 15:09

      Hallo,
      immer wieder hört und liesst man, dass sich Menschen über rauchende Hartz 4 Empfänger ( oder auch Flüchtlinge) echauffieren
      Deswegen hier mal die Sicht einer ehemaligen Hartz 4 Empfängerin.

      Finanzielle Probleme verursachen vor allem Eines ; psychischen Stress. Ich hätte das auch nicht für moeglich gehalten, aber als ich Hartz 4 Empfänger stand ich mehr unter Stess als später mit Vollzeitstelle. Und ja, ich habe damals geraucht mehr als jemals zuvor.

      Das Thema "Geld" beschäftigt mich jeden einzelnen Tag, mehrmals am Tag wurde mir meine Lage im Alltag bewusst. Ganz abgesehen von den Abenden an denen ich grübelnd im Bett lag.

      Dinge die für andere Kleinigkeiten sind, wurden zum Balanceakt. Etwa der Kauf einer neuen Winterjacke. Klar, es gibt Zuschüsse aber diese zu beantragen empfinden viele ( so wie ich )als erniedrigend, also wieder psychischer Druck. Aber ohne ? Schon alleine die Zugfahrt in den nächsten Ort mit Second Hand Laden fällt da ins Gewicht von Schulausflügen ganz zu schweigen. So traurig es ist, aber ich hatte immer Angst das Geburtstagseinladungen kommen, vor allem kurzfristige.

      Dazu kam das Gefühl als Mutter versagt zu haben und das Fehlen jeglicher Bestätigung, die ich sonst im Job bekommen habe.

      So ein Leben ist nicht schön. Um nicht komplett in Depressionen verfalle, musste ich mir hin und wieder einfach was gönnen, was preislich eigentlich nicht ins Budget passte... für die Kinder und ja, auch mal für mich. Da wurde dann einfach bis Ende des Monats an Essen etc noch mehr gespart. Ich weiss, dass können viele nicht nachvollziehen aber es ist sooo schön sein Kind mit einem lange gewünschten Spielzeug zu sehen. oder mal wieder beim Frisör zu sitzen.

      Was merkwürdig ist: Markennamen haben mir nie viel bedeutet, ausser in dieser Zeit. Da hatte das etwas Erhebendes.

      Hätte ich das nicht getan wäre die Gefahr dass ich wie viele andere komplett in Lethragie verfalle enorm gross gewesen.
      Vielleicht hat es mich so stark getroffen, weil ich eigentlich einen guten Beruf habe und aus monetär stabilen Verhältnissen stamme. aber auf mich hat dieses Leben einen enormen psychischen Druck ausgeübt. Ich habe relativ schnell einen Wege aus dieser Situation gefunden, weil ich wusste wie schön das Leben mit Geld sein kann. Das geht aber nicht allen so.

      Armut kann psychisch ( und auch physisch) krank machen, psychische Erkrankungen machen oft arm . Ein drittel der Hartz 4 Empfänger hat pathologische Probleme. Sollte man vielleicht bedenken, wenn man über die nächste Hartz 4 Mutter mit künstlichen Fingernägeln lästert.
      Liebe Grüsse

      • Hi,

        Ach Mensch immer soll man Rücksicht auf den oder den nehmen. Ich habe keine Lust mehr ständig auf dies oder jenes zu achten.

        Und ja, mich ärgert wenn ein ALG2 Empfänger Geld für so ein Scheiß rauschmeisst. Dann sollen sie sich wenigstens ein schönes Kleidungsstück kaufen, was man eh braucht und damit glücklich werden. Wer braucht schon künstliche NÄGEL? Kippen sind auch Geldverschwendung und noch dazu finde ich es schon recht arm, dafür an Essen für die Kinder zu sparen.

        Physisch krank macht doch heute schon echt viel.

        Gruss

            • Hallo,
              ich habe vor Wochen von dir einen Kommentar gelesen, wo du Toleranz gegenüber dicken und auch sehr dünnen Menschen gegenüber forderst. Das war wirklich gut.

              Aber Menschen die ALG2 benötigen werden von dir verurteilt?

              Oder wie soll dein Satz gemeint sein, dass ein Hintergrund mit ALG2 reicht damit du dir ein Urteil bilden kannst?

      Es ist Dein gutes Recht Dich zu ärgern, dennoch hängst Du Dich jetzt wie so viele Menschen an einem einzelnen Punkt auf, der Dir sauer aufgestossen ist, und schiebst alles andere was da geschrieben wurde in den Hintergrund. Bewusst oder unbewusst....das kann ich nicht beurteilen.

      Es ist einfacher sich hochzuschaukeln weil der Verfasser einen Punkt evtl. wirklich unglücklich gewählt hat, oder vielleicht auch einfach nur ehrlich sein wollte, um seine Situation offen zu schildern, als sich über das Gesamtbild Gedanken zu machen.

      Und das machst Du nicht....und viele andere hier ebenso wenig...und das finde ich mittlerweile erschreckend, weil es auch in vielen anderen Bereichen Einzug gehalten hat.

      <<<Physisch krank macht doch heute schon echt viel.>>>

      Stimmt.....auch Dinge die Du Dir scheinbar nicht mal ansatzweise vorstellen kannst.

      • Ich möchte mich zu diesem Thema besser nicht mehr äussern.

        Lg

        • Fehler eingesehen, oder einfach keine Argumente die über diesen einen Gefühlsausbruch hinaus gehen?

          Tut mir Leid wenn ich Dir evtl. Unrecht tut, aber mir geht bei solchen Kommentaren wie von Dir das Messer in der Tasche auf, weil ich durch eine sehr gute Freundin vor Jahren erfahren "durfte", wie es sein kann wenn NICHTS da ist......auch keine Unterstützung durch die allmächtigen Ämter.

          Schönen Tag noch.

          • Was für ein Fehler? Für mich ist das so.

            Leider habe ich einen Bruder, der mit seiner tollen Frau ein Kind nach dem anderen in die Welt setzt und den Staat das schön bezahlen lässt.

            Ich gebe zu, ich mag keine faulen Alg2 Bezieher, wobei ich aber auch dazu sagen, das nicht alle so sind.
            Kommen dann noch künstliche Nägel und Kippen dazu......hui

            Da kannst du gern denken, was du willst...

            • <<<wobei ich aber auch dazu sagen, das nicht alle so sind.>>>

              Aha...die Kurve auf den letzte Drücker doch noch bekommen wollen....na immerhin.

              <<<Da kannst du gern denken, was du willst>>>

              Das mache ich...keine Sorge !

              • Ich bin sogar dafür das junge gesunde Menschen nur eine bestimmte Zeit Alg2 empfangen sollten und das in Gutscheinform.

                • (15) 20.01.17 - 07:54

                  Aha, wie stellst du dir das vor und warum?

                  • (16) 20.01.17 - 07:58

                    Weil aus meiner Sicht,viele von ihnen das Geld nicht fürs Nötige nutzen.
                    Es wird unter anderem für Technik, Zigaretten, Alkohol, Luxusgüter ausgegeben.

                    Sie sollen damit überleben und sich kein schönes Leben einrichten, denn dann möchte man nicht mehr arbeiten, sie haben doch alles.
                    Und ja, kann ich zum Beispiel bei meinem Bruder und deren Freunde wunderbar sehen.

                    Anstatt Geld wird die Wohnung halt gleich vom Amt bezahlt und anstatt Geld aufs Konto gibt es Lebensmittel und Bekleidungsgutscheine

                    Und nun Steine hoch

                    • (17) 20.01.17 - 08:18

                      Du möchtest nicht verstehen, um was es geht.

                      Du möchtest alle die nicht in dein Schema passen richten. Es werden auch alle, die in entsprechender Situation sind von dir in einen Kopf geworfen ohne die Menschen auch nur im kleinsten dabei zu berücksichtigen.

                      Was glaubst du ist es für ein Gefühl, als Kind mit einem "Gutschein vom Amt" zur Lehrerin zu gehen um einen Ausflug zu bezahlen?

                      Was glaubst du macht das mit Menschen die Depressionen haben, mit einem Gutschein vom Amt an der Kasse zu bezahlen?
                      Ach, ich könnte weitere Beispiele aufzählen, um zu versuchen dir ein Kleinstücken Empathie beizubringen.
                      Aber, da ist doch alles verloren, oder?
                      Die Einstellung die du hast, führt viele Leute vor Scham und Depression dazu, lieber ein Leben Obdachlose auf der Straße zu führen, statt sich ständig rechtfertigen zu müssen über ihre Art des Lebens.
                      Menschen zweiter Klasse machst du aus anderen Menschen mit dieser Einstellung und ich werfe keine Steine sondern finde dieses engstirnige denken einfach nur ätzend.

                      Wenn du nicht bereit bist, etwas mehr über deinen beschränkten Horizont zu schauen, wirst du immer denken die Welt ist eine Scheibe.
                      In einer anderen Diskussion forderst du Toleranz gegenüber dicke Menschen.
                      Offenbar bist du selbst betroffen. Da ist es ja auch immer einfach um Toleranz zu bitten, aber andere mit Dreck bewerfen.
                      Was für ein armseliges Bild.

                      • >>Was glaubst du ist es für ein Gefühl, als Kind mit einem "Gutschein vom Amt" zur Lehrerin zu gehen um einen Ausflug zu bezahlen?<<

                        evtl. ein viel besseres Gefühl, als nicht am Ausflug teil nehmen zu können.

                        >>Was glaubst du macht das mit Menschen die Depressionen haben, mit einem Gutschein vom Amt an der Kasse zu bezahlen?<<

                        es gibt sehr viele Menschen mit Depressionen und man kann nicht alle diese Menschen vor Dingen beschützen, die ihre Depression evtl. noch verstärkt. Außer sie evtl. ein zu sperren, aber wer will das schon?

                        >>Menschen zweiter Klasse machst du aus anderen Menschen mit dieser Einstellung und ich werfe keine Steine sondern finde dieses engstirnige denken einfach nur ätzend.<<

                        alle über einen Kamm zu scheren ist ätzend

                        • Auch wenn du meinen Beitrag ätzend findest, werde ich dir eine Antwort geben (ich habe das erst jetzt gesehen, Glöckchen und so).

                          Nein, Kinder sehen das leider ganz und gar nicht so.
                          Weil die Kinder noch gar nicht diese Schutzmechanismen besitzen.
                          Sie schämen sich. Sie schämen sich arm zu sein, für ihre Eltern und für die Situation nicht selbst einen Ausflug bezahlen zu können.
                          Lieber machen Kinder blau oder spielen krank, um solche Situationen zu entgehen.
                          Erst später bauen Kinder ihre Mauer auf um diese Empfindungen nicht ständig zu erleben.
                          Es wird dann immer schwierig die Kinder zu erreichen und zum Umdenken zu animieren.

                          Depression ist eine Krankheit die behandelt werden muss. Dazu kommen einige aber nicht. Aus Mangel von Möglichkeiten und Wissen, was sie tun können.
                          Oft sehen die Menschen nur einen Ausweg. Flucht in den Alkohol um es zu vergessen, ertragen ......

                          Warum ich so empfindlich reagiere und hart schreibe auf das was die Userin schreibt?
                          Weil es mir schwer fällt, die Alltagsdiskriminierung zu übersehen.

                          Gestern erst habe ich meine VK aktualisiert mit dem Spruch von Karl Popper:
                          Im Namen der Toleranz behalte ich mir das Recht vor, Intoleranz nicht zu tolerieren.

                          Das warst mit langen Texten für heute.
                          Gruß

                          ich hätte da gern noch eine Frage. Ab welchem Alter bemerken Kinder denn, dass sie in einer "armen" Familie leben? Ab wann und durch was wird einem Kind bewusst, das Armsein etwas ist, wo für man sich schämt?
                          Danke für Antwort

                          hmm, wenn du eine wissenschaftlich korrekte Antwort möchtest, wann die Gehirnstruktur des Menschen soweit ist, Emotionen wahrzunehmen übersteigt meine Kompetenzen.
                          Die emotionale Intelligenz entwickelt sich genauso unterschiedlich wie die restliche Entwicklung.
                          Ein Kinderpsychiater oder Soziologe kann dir da bestimmt Auskunft geben.

                          Was ich weiß, dass sich schon früh Scham und Neid entwickelt. Allerdings bezieht das Kleinkind diese Gefühle nur auf sich. Durch natürliche Erziehung und Prägung. (In die Hose/ins Bett Pipi machen, dass soll man nicht. Scham. Der hat einen Stock, Stein, Spielzeug was ich nicht habe. Neid)

                          Wann sich das Bewusstsein erweitert für Scham der Lebenssituation wird beeinflusst durch das Umfeld und auch die genetische Disposition. Wenn meine Weltanschauung sich vergrößert, dass es auch was anderes gibt. Durch die Medien passiert das ja zwangsläufig. Wenn die emotionale Entwicklung soweit ist zu verstehen, auf etwas verzichten zu müssen. (Das andere Kind hat leckere Dinge in seiner Brotdose. Das macht ihm bestimmt die Mama)
                          Grundschulalter +\-.

                          Ich habe mal einen Film gesehen, der mich tief bewegt hat.
                          -Solange es Menschen gibt.- Ganz alter Film.
                          Kann ich nur empfehlen.
                          Gruß

                          oh ja, diesen Film kenn ich. Gerade in diesem Film kommt es gut raus, dass letzt endlich andere Dinge viel mehr zählen, als Geld

                          (23) 20.01.17 - 21:03

                          Hey. Ich weiß ja nicht, woher du deine Aussagen nimmst, aber ich kann sie nicht bestätigen. Ich bin an einer Schule im sozialen Brennpunkt und es haben ca. 75% der Kinder bzw. Eltern einen Sozialausweis und der Größteil davon Hartz 4.
                          Glaube mir, kein einziges dieser Kinder schämt sich dafür. Im Gegenteil, es ist für sie normal, dass ihr Geld vom Amt bezahlt wird.

                          Vielleicht macht es ihnen nichts aus weil sie in der Mehrzahl sind. Kämen über die Hälfte der Kinder aus arbeitenden Familien würde es für die Hartz4-Kinder vielleicht anders aussehen. Evtl würden sie sich dann doch schämen.

                      (25) 20.01.17 - 09:08

                      Du darfst bei all dem aber nicht vergessen, daß immer noch die Möglichkeit besteht, sich eine Arbeit zu suchen und selbst für seinen Lebensunterhalt auf zu kommen und wenn man dann für sein Geld selber arbeitet, überlegt man noch dreimal mehr, wofür man es aus gibt, weil man eventuell hart dafür gearbeitet hat und es einem nicht monatlich einfach so überwiesen wurde.
                      Ich nehme natürlich die ein oder andere Ausnahme außen vor, mir geht es um Menschen, die Ihren Popo nicht hoch bekommen, eine Ausrede nach der anderen finden und diesen oder jenen Job nicht machen zu können aber lauthals schreien, wie wenig Geld der Staat für Ihre Kinder hat. Menschen, die unverschuldet in eine solche Situation geraten, nehmen, aus meinen Erfahrungen heraus, die Hilfe dankbar an, sparen jeden müden Cent um ihren Kindern etwas zu ermöglichen, haben zumindest einen Minijob oder suchen nach Arbeit. Die physisch und psychisch kranken Menschen lasse ich auch gern außen vor. Hier geht es einfach um das typische Klischee und das wird oft, sehr oft einfach bedient.

                      LG

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