Gewissensfrage: Vor- und Nachsalzen etc.

    • (1) 28.01.17 - 16:12

      Es geht um folgende, schwerwiegende Gewissensfrage.

      Wenn man bekocht wird, muss man die Speise essen, wie sie gekocht und abgeschmeckt wurde oder darf man beliebig nach eigenem Gusto nachwürzen (nur Salz, Pfeffer oder auch Tabasco, Maggi, Ketchup usw.)?

      Für Fortgeschrittene: Wenn man Koch oder Köchin schon länger kennt, darf man dann das Essen auch schon vor dem ersten Bissen pimpen? Oder gilt das als Kochbeleidigung?

      Masterfrage: Wie ist das, wenn ein Rezept zum ersten Mal, allerdings von einem bekannten Koch, ausprobiert worden ist?

      P.S. Ich wollte den Thread ja erst bei den Topfguckern eröffnen, habe aber leider kaum noch urbinis im Haus...

      • (2) 28.01.17 - 17:07

        Nachsalzen und -pfeffern finde ich absolut in Ordnung. Ich salze z.B. so verhalten, dass mir sogar unser Mensaessen schmeckt, wo selbst Hartgesottene reichlich vom Salzstreuer Gebrauch machen, der auf dem Tisch steht.
        Auch in Restaurants ist es ja Usus, dass Salz und Pfeffer bereit stehen.

        Empfindlicher bin ich, wenn jemand Ketchup oder sonstige Saucen auf mein gekochtes Essen gießt, die den Geschmack übertünchen statt ihn zu unterstützen. Ich habe mir ja schon was dabei gedacht, wie es schmecken soll und mir Mühe gegeben.

        Außerdem empfinde ich gerade Ketchup und andere völlig überwürzten Industriesaucen als Untergang des Abendlandes, das Redundanzesser brauchen, damit bloß nix Neues an ihre von der Lebensmittelindustrie versauten Geschmacksknospen kommt.

        Insofern gilt: Ist der Gast älter als fünf Jahre alt, ist Nachsalzen und -pfeffern absolut in Ordnung, das Darüberkippen von Saucen zur Geschmacksverschleierung empfinde ich als unhöflich.

        #winke Die Alltagsprinzessin

        • (3) 28.01.17 - 17:49

          OK, Ketchup war auch etwas übertrieben. Wäre Vorsalzen In Ordnung oder muss man einen flauen Anstandshappen essen, bevor man nachwürzen darf?

      (4) 28.01.17 - 17:44

      - natürlich darf man nachwürzen
      -warum Beleidigung? Ich denke der "Koch" wird wissen, das sein Essen nicht so extrem gewürzt ist, wie der Esser es gerne hätte
      -auch ein Profikoch kocht nur mit Wasser

      Ich verstehe das Gewissen in der Frage nicht;-). Koche ich (extrem Gewürzarm), dann weiß ich das alle am Tisch nachwürzen (ist mir auch völlig egal womit sie ihre Geschmacksnerven ärgern). Für eine Freundin steht hier sogar ne Maggiflasche, wird sonst von niemandem angerührt.
      Werde ich bekocht, dann ist auch bekannt, das ich von einer normalen Würzung schon "Feuer spucke", ich bekomme meistens ne Extrawurst oder tobe mich dann genußvoll am Nachtisch aus. Das hat nichts damit zu tun, das die Mahlzeit nicht schmeckt, sondern mein Magen da einfach nicht mitmacht. Genauso habe ich Verständnis, das jemand fades Essen langweilig findet.
      Also ja, ganz klar jeder wie er möchte....und niemand ist beleidigt.

      • (5) 28.01.17 - 22:02

        Wenn Du als Gast wie als Köchin gleichermaßen so tiefenentspannt bist, dann brauchst Du Dein Gewissen auch nicht zu bemühen ;-)

        Es kommt aber ins Spiel, wenn die Köche sich ein bisschen als Künstler und ihre Gerichte als Kunstwerke verstehen, die möglichst so gegessen werden sollen, wie sie gekocht wurden.

        Als Mensch mit anderem Geschmack als der Maître steht man dann wirklich vor der beschriebenen Frage, ob man a) seinem Geschmack folgen, aber die Gefühle der Köchin verletzen soll oder b) den Koch schonen, aber seine Geschmacksnerven quälen soll.

        • (6) 29.01.17 - 05:39

          Solche Köche/ Restaurants sind mir generell suspekt;-). Ist nicht so meine Welt.

          Ein befreundeter Koch schwingt für uns (also den Freundeskreis) auch sehr gerne den Kochlöffel. Und ich gebe zu, ihm dabei zuzuschauen, das hat schon was. Diese Ruhe in der Küche...dieser Umgang mit Lebensmitteln.#verliebt

          Was auf unseren Tellern landet, das ist eher bodenständig. Allerdings gehört er im Job zu solchen, wie du sie beschreibst. Manchmal sind wir auch Versuchskaninchen (mit solchen "Kunstwerken") und kommen darüber natürlich auch ins Gespräch.
          Für ihn ist das ein Job, er erfüllt die Vorgaben des Arbeitgebers und lebt die Rolle natürlich aus. Also am Arbeitsplatz ist er so ein "Maitre", privat denkt er da ganz anders drüber. Im Grunde ist er ein "Gaukler", er liefert den Gästen die Show, die sie erwarten. Ernsthaft, was er dort als Hauptspeise serviert, da wird nicht einmal ein Spatz von satt und wir sind wirklich platt, was das dann dort kostet.
          So, jetzt komme ich auf den Punkt;-): Die Gäste einen solchen Restaurants benehmen sich auch so, soll heißen an das "Gedöns auf Blattgold" kommt natürlich kein Maggi. Die haben dann aber auch gar nicht diese Gewissensfrage, die beschäftigt ganz andere Sachen. Sie sind eigentlich auch nur ein Teil der Show, ob es ihnen bewußt ist, das weiß ich nicht.

    (7) 28.01.17 - 17:52

    Hallo,

    wenn ich irgendwo als Gast bin, finde ich nachsalzen und nachpfeffern vor dem ersten Bissen sehr unhöflich, egal wie gut man den Koch kennt. Und ich sterbe nicht nach dem ersten Bissen, nur weil nicht genügend Salz und Pfeffer dran war.

    Maggi und Ketchup währe bei mir ebenfalls ein absolutes NoGo, wenn ich irgendwo zu Besuch bin, zumal das m.M. nach keine Zutaten sind, mit denen man ein Essen wirklich verbessert.

    lg

(11) 28.01.17 - 18:23

Im guten Restaurant steht nicht umsonst immer Pfeffer und Salz plus je nach Ausrichtung diverse andere Würzextras auf den Tischen. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass Nachwürzen erlaubt ist. Besonders speziell sind ja die Restaurants, in denen ein Kellner eine riesige Pfeffermühle bereit hält und fragt, ob er die benutzen darf. :-)

Also ja, man darf nachwürzen. Wenn man weiss, das Essen ist in einem bestimmten Restaurant/bei einer bestimmten Person immer zu fade, dann darf man natürlich auch vorher pimpen. Wenns dann auf einmal doch zu scharf ist, Pech. Und man darf natürlich auch unbekanntes Essen würzen, egal ob man nun den Koch kennt, oder nicht. Wäre allerdings bescheuert, man weiss dann ja gar nicht, in welche Richtung man geschmacklich geht. D.h. ein Koch könnte das durchaus als Beleidigung empfinden, so nach dem Motto: "Bei Dir schmeckt es mir sowieso nie wirklich gut!".

Allerdings würde sich jemand bei mir schwer tun, mit Maggi nachzuwürzen - das gibt es hier nicht.

  • Hallo

    Die Pfeffermühle habe ich bislang nur benutzt wenn ich carpaccio serviert habe. Ansonsten nie. Hilfe wo esst ihr alle?

    Lg

    • Hey, ich sagte nicht, dass ich Dauergast in solchen Restaurants bin. ;-) Grundsätzlich würze ich übrigens nie nach, ich esse alles so, wie es gekocht und serviert wird. Ich finde halt nur, dass man es darf, wenn man möchte.

(14) 28.01.17 - 18:48

Hallo!

Ich mag es nicht, wenn man ohne probieren 'salzt'....

nach dem Probieren ist es mir egal, ich wuerze auch oft mein von mir gekochtes Essen nach, da es in der Kueche oft 'konzentrierter' schmeckt, als dann am Tisch mit Beilage.

(15) 28.01.17 - 19:23

Also ich Würze mein Essen generell gern mit gut Salz und Pfeffer gewürzt. Von daher wenn ich den Koch kenne (zB meine Schwiegermutter ist da sehr zurückhaltend) würze ich gleich nach... ich weiß ja wie sie kocht. Da wäre ich auch nicht sauer wenn das jemand bei mir macht, schließlich würzen auch wir dank Kleinkind weniger.

Wenn ich mir nicht sicher bin probiere ich einen Minihappen und Würze dann nach.

Ketchup oder ähnliches gehört für mich einfach dazu bei manchen Gerichten da bin ich auch ehrlich. Und ja das kommt bei mir auf den Teller - neben das essen - von Anfang an. Genauso wie scharfe Soßen zum asiatischen essen.

Normalerweise empfinde ich es als komplett unhöflich, wenn jemand schon Salz auf mein Essen schüttet, bevor er es überhaupt probiert hat. Das macht man nicht. Aber wenn Du bei einem Bekannten isst, von dem Du sicher weisst, dass er kaum würzt, würde ich freundlich sagen "du hast sicher nichts dagegen, wenn ich ein bisschen nachwürze, ich esse halt schärfer" oder sowas ähnliches, was nicht verletzt. Salz und Pfeffer ist ok, wenn man aber auf mein Essen, welches man normalerweise nicht mit Ketchup isst, Ketchup kippt und Tabasco oder Maggi, dann wäre ich überzeugt, dass man mein Essen einfach anders nicht geniessen kann, möchtest Du das Gefühl als Köchin/Gastgeberin haben? Ich habe das Gottseidank noch nie erlebt. LG Moni.

  • "Ketchup kippt und Tabasco oder Maggi, dann wäre ich überzeugt, dass man mein Essen einfach anders nicht geniessen kann, möchtest Du das Gefühl als Köchin/Gastgeberin haben?"

    Nee, das nicht, aber die Geschmäcker sind doch nun mal verschieden. Ketchup muss vielleicht nicht sein, aber warum darf man eine Tomatensoße nicht mit etwas Tabasco nachschärfen, wenn man das lieber mag? Ein bisschen Schärfe ist ja schon drin, nur mir zu wenig.

    Ich kann es ja irgendwie auch verstehen, dass die Köchin sauer ist, aber andererseits ist der gezwungene Verzicht ein bisschen so, als ob ich meinen Gästen verbieten wollte, Zucker in den Kaffee zu tun - ist der wirklich so bitter, dass man ihn ohne nicht trinken kann?

    Ich fände es schöner, wenn man tatsächlich tiefenentspannt sagen könnte: Der Koch darf entscheiden, wie es gekocht und der Gast, wie es gegessen wird.

    • Tabasco hätte ich nicht mal da, weil ich es nicht verwende ;-)

      Unter Freunden kann man ja auch darüber reden, dass man das und das gewöhnt ist und um das entsprechende Gewürz bitten. Aber unter nur Bekannten wäre mir die Höflichkeit gegenüber des Kochs/der Köchin wichtiger.
      Der Vergleich mit dem Kaffee hinkt etwas ;-) Da findet man ja überall Zucker und Milch dazu - beim Essen aber sicher kein Ketchup und Tabasco.
      Ich habe auf die Frage meine Meinung kundgetan - wie er sich wirklich bei einer Einladung verhalten will, ist ja immer Sache des Einzelnen.
      LG Moni

      (19) 31.01.17 - 01:04

      Die Leute, die Zucker und/oder Milch in den Kaffee tun, trinken den in der Regel immer so und nicht, weil er zu bitter ist. Ich z.b. mag einfach keinen schwarzen Kaffee, finde ich total ekelig.

      • (20) 31.01.17 - 17:13

        Ja, aber die Frage ist letztlich dieselbe: Entscheidet der Koch oder der Gast?

        Ich könnte mir gut eine Parallelwelt vorstellen, in der sich jeder das Essen nach gusto würzen darf, meinethalben auch mit Ketchup & Worcestersauce gleichzeitig, aber zugleich der Koch den Kaffee so getrunken habe möchte wie er zubereitet wurde - der eine serviert gleich mit Milch, Zucker und Sahne obendrauf, der andere puristisch schwarz - nachbessern streng verboten! Und in wieder einer anderen Parallelwelt wird der Wein zusammen mit Wasser und Honig gereicht und jeder mischt ihn sich nach Geschmack zurecht.

        Dass wir die Individualisierung beim Kaffee normal finden, beim Essen oder Wein aber nicht, ist meiner Meinung nach nicht mehr als eine Konvention.

(21) 29.01.17 - 06:16

Ich gestehe, ich bin ein Ketchupjunkie, eigentlich geht ohne Ketchup kaum etwas. Aber das hat überhaupt nichts mit den Kochkünsten des Kochs zu tun, wirklich überhaupt nichts.
Ich habe mir einfach meine Geschmacksnerven komplett selber versaut, dessen bin ich mir bewusst. Und jeder der mich bekocht, der weiß das auch. Ein schlechtes Essen kann man/ich nicht mit Ketchup "aufwerten", das funktioniert nicht.

Also würde ich an deinem Tisch sitzen (mit meinem Ketchup) und dir sagen, das dein Essen wirklich lecker ist, dann würdest du mir das nicht glauben? Auch nicht, wenn ich einen Nachschlag haben möchte?
Den Aspekt eine schlechte Mahlzeit mit Ketchup (o.ä.) aufwerten zu können, der ist mir wirklich fremd. Ich bin echt erstaunt, das du das so auffassen könntest.

  • "aufwerten" hab ich ganz sicher nicht gemeint - das hast Du falsch verstanden - "verhunzen" eher ;-)
    Wenn Du einmal erlebt hättest - wie ich - dass eine große Gruppe Amerikaner in einem sehr guten Restaurant alles Mögliche bestellten, u.a. Züricher Geschnetzeltes! und Schweinefilet mit heller Champignonrahmsoße ....und ALS ERSTES nach dem Ketchup verlangten und überall vor dem Essen (bzw Probieren) drüberkippten - dann würdest Du verstehen, dass einem Nicht-Ketchupjunkie buchstäblich der Appetit vergeht.Das Gesicht des Obers sprach Bände #zitter
    Wärest Du mein Gast und würdest es so formulieren wie in Deinem Posting, nett und freundlich, bekämst Du auch Dein Ketchup.....:-)
    LG Moni

    • Hallo

      Ich bin Hotelfachfrau und was ich schon alles erlebt habe da schüttelt es mich. Ich esse ganz selten mal Ketchup . Meine Kinder würden den auch überall drauf kippen. #augen Gottseidank vergesse ich den oft zu kaufen .#schein

      Lg

(24) 28.01.17 - 22:46

#rofl

Mein Mann kippt auf viele Essen OHNE vorher zu probieren Ketchup. Ich HASSE es. Er stellt es darum, als würde ich mich völlig maßlos anstellen. Er salzt auch gerne reichlich nach. Vermutlich Prägung. Seine Mutter versalzt sehr gerne das Essen. Ich bilde mir ein gut zu kochen. Nur Salz nutze ich eher gemäßigt (nutze dafür Kräuter und andere Gewürze).

Grundsätzlich ist es mir gleich wenn jemand nachsalzt. Ich stelle immer Salz und Pfeffer auf den Tisch. Zur Suppe auch Maggi. Das darf gerne genutzt werden. Ich finde es allerdings netter wenn vorab probiert wird.

LG

(25) 29.01.17 - 12:30

Hallo,

Nachsalzen (eventl. auch -pfeffern) nach dem ersten Probieren empfinde ich als unproblematisch. Gleich zum Salz zu greifen, ohne auch nur einen Bissen davon gegessen zu haben, zeugt eher von Überheblichkeit. Man traut dem Koch nicht zu, das Gericht schmackhaft auf den Tisch zu bringen. Kennt man den Koch schon länger, unterstellt man ihm, beratungsresistent zu sein bzw. sehr eingeschränkt bzgl. Speisenwürzung.

Nachwürzen mit Würzsaucen zeugt eher von der eigenen kulinarischen Beschränktheit. Als Koch steh ich da drüber; ernstzunehmende Essensgäste sind dies dann aber nicht für mich.
Das Bild des Blickes über den eigenen Tellerrand kann auch durchaus mal wörtlich genommen werden - man kann ja ruhig mal neue Geschmacksknospen bei sich reizen und nicht immer nur auf die übliche Einheitswürzung zurückgreifen.

Bei privaten Einladungen ist der Griff zur Maggi-Flasche o.ä. extrem unhöflich. Wenn es mir bekanntermaßen bei jemandem nicht schmeckt und das ändert sich auch nicht nach einigen Versuchen (und es findet sich auch sonst keine Alternative), dann nehme ich keine Essenseinladung von dort mehr an. Ich gehe ja auch nicht immer wieder in ein Restaurant, von dem ich weiß, dass es mir dort nicht schmeckt.

LG

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