1.deutsche Frau zur ISS

    • (1) 16.03.17 - 19:56

      Hallo,
      Ich habe mich heute wieder einmal gewundert wie unterschiedlich Frauen und Männer bezüglich ihrer beruflichen Ziele im Hinblick auf die Vereinbarkeit mit der Familie betrachtet werden.

      Eine potenzielle Astronautin, die zur ISS fliegen möchte und unter die letzten sechs gekomnen ist, wurde als erstes gefragt was ihre Kinder( im Kindergarten bzw Kleinkindalter) dazu sagen und was ihr Mann davon hält.
      Da hab ich mich schon gefragt ob das auch die erste Frage an einen männlichen Astronauten gewesen wäre.
      Später kam dann die Frage, wie sie es denn regeln würde mit zwei kleinen Kindern und der 6 monatigen Abwesenheit.
      Ob sie da nicht Bedenken hätte.

      Sie wiederholte dann, dass sie einen Mann hat und engagierte Großeltern, die alle 4 mehrmals die Woche Zeit mit den Enkeln verbringen und sie im Alltag entlasten.
      Da hab ich mich doch etwas ärgerlich gefragt was das soll.
      Bei Müttern wird anscheinend eine längere Abwesenheit aus beruflichen Gründen kritischer gesehen als bei Männern.

      Ich kann mir nicht vorstellen dass ein Mann auch gefragt worden wäre ob er bei diesem Vorhaben an die Kinder bzw. deren Wohlergehen denkt.

      Ist doch logo dass eine Familie dahinter stehen muss.
      Im Nachhinein sind mir aus persönlichen Begegnungen auch Gespräche in Erinnerung die in diese Richtung gingen :
      Wenn ich beruflich in der Woche unterwegs war und bin wurde und werde ich oft gefragt, was denn mit meinem Kind sei und wer sich drum kümmert.

      Als ich 4 Wochen am Stück weg war, vor einigen Jahren als meine Tochter noch klein war, wurde ich auch gefragt, wie ich es nur fertig bringe, mein Kind 4 Wochen nicht zu sehen. ...ja...ähm...muss ich nicht beantworten.

      Diese potentielle Astronautin wird 6 Monate von ihren Kindern getrennt sein, ist das in den Augen der meisten Menschen tatsächlich ein Problem?
      Ich finde es klasse, diese Frau geht ihren Weg, ist eine erfolgreiche Meteorologin und Physikerin und hat bisher auch schon trotz kleiner Kinder eine beachtliche Karriere vorzuweisen und wird sicher nicht jeden Tag nachmittags um 4 zu Hause sein

      Das finde ich vorbildlich und Kritik unangebracht.
      Wie seht ihr das?

      • Ich gehe immer von mir selbst als Mutter aus.
        Ich denke einfach mal, daß Vaterliebe auch sehr stark ist, aber an die Mutterliebe kommt sie nicht ganz ran.
        ich persönlich würde meine Kinder nicht so lange allein lassen wollen, für keinen Beruf und für kein Geld der Welt.
        Das wäre für mich schlimm und ich denke, daß es für meine Kinder auch nicht so toll wäre, wenn die Mama ein halbes Jahr weg wäre.

        Und nein, ich kann es tatsächlich nicht verstehen, daß man als Mutter seine Kinder so lange allein lässt, weil ich immer gedach habe, daß Mütter niemals so lange ohne ihre Kinder sein wollen, für mich ist das einfach normal.

        Aber manche Frauen beweisen mir immer wieder das Gegenteil. Nun ja, für mich wär da nichts.

        Ich schließe mich cora an. Ja, ich weiß, dass das eher traditionelles rollendenken ist. Aber ich kann grundsätzlich nicht verstehen, dass es Eltern gibt, die kein Problem damit haben ihre Kinder so lange nicht zu sehen. Vor allem, wenn es eben kleine Kinder sind. Man hat sich bewusst für eine Familie, bewusst für Kinder entschieden, diese gehen dann aber auch vor. Vor der Karriere, vor Geld und vor langer bewusster Abwesenheit. Ich kann kuemanden verstehen, der seine Karriere seinen Kindern vorzieht.

        • Als Ergänzung; Kinder haben bedeutet nämlich auch für sie da zu sein. Kinder haben bedeutet in erster Linie Verzicht auf das durchsetzen seiner eigenen Interessen wenn darunter das Kind leiden würde. Kinder haben bedeutet, erst an diese und erst danach an sich zu denken.

          • Hallo,

            und wie kommst du zu der Schlussfolgerung, dass Kinder überhaupt darunter litten?
            Ich finde das ist von dir eine sehr pauschale Antwort, die dem Einzelfall, der einzelnen Familiensituation und den äußeren Umständen nicht gerecht werden kann.
            LG

            • Weil Kinder ihre Eltern brauchen. Andere Personen können die Betreuung zwischendurch gern übernehmen aber jedes Kind braucht Eltern, die präsent sind. Denn die Eltern sind sie ersten und wichtigsten bezugspersonen für ein Kind. Alle anderen betreuungspersonen sind nettes Bauwerk aber Eltern die auch Eltern sind, sind das allerwichtigste im lebrn eines Kindes.

              • Hallo,

                ich habe dir an anderer Stelle dazu eigentlich bereits geantwortet. Die reine Präsenz ist eben nicht ausreichend, nicht entscheidend und sagt auch noch gar nichts über die Beziehungsqualität aus. Diese wird von ganz anderen Aspekten mitbestimmt.
                Es ist auch schade, dass du zwar den Elternbegriff verwendest, aber letztlich doch nur die Mutter, beziehungsweise die vorübergehende mütterliche Abwesenheit meinst ohne Kenntnis darüber, welche weiteren relevanten Bezugspersonen überhaupt vorhanden sind und diese Abwesenheit entsprechend vorübergehend durchaus kompensieren könnten.
                Es gibt außerdem in manchen Familienkonstellationen auch nicht-biologische Bezugspersonen oder Bezugspersonen mit einem anderen Verwandtschaftsgrad, die im kindlichen Erleben eine ähnlich hohe oder sogar noch höhere Bedeutung und Rolle aufweisen können wie die leiblichen Eltern. Soviel zum netten Bauwerk.

                LG

                • Hi,

                  Sehr guter Beitrag, die Aussagen sind absolut einleuchtend.

                  Ich habe den Eindruck dass die Rolle der Mutter als Bezugsperson heutzutage absolut überbewertet wird.
                  Gerade von den Müttern selbst, die im.Leben nichts anderes vorzuweisen haben.
                  Ich glaube nicht dass jemand der auch nur ansatzweise die tolle berufliche Möglichkeit hätte, die die Mutter im Ausgangsthread hat, allen ernstes behaupten würde die Mutter müsse nur wegen ihree Kinder auf diese Chance verzichten.

                  Diese Frau war ja auch vorher schon keine normale Arbeitnehmerin mit einer 20 Stunden Woche.

                  Ich frage mich ob Mütter die die Anwesenheit der Muttee als absolut notwendig ansehen und eine längere Abwesenheit gleich setzen mit Störungen in der Mutter - Kind Beziehung, keine Ahnung davon haben was das für eine tolle Chance ist.
                  Die Frau hat da drauf hin gearbeitet, sie scheint ihren Beruf sehr gern zu machen.
                  Der Stellenwert des Berufs für eine Person, die das erreicht, ist sicher ein anderer als für die Durchschnittsmutti die ihren langweiligen Job nur ein paar Stunden die Woche macht und sich dann eine nicht existierende Wichtigkeit für ihre Kinder einreden um einen Lebensinhalt zu haben.
                  Kinder müssen oft die Lückenfüller sein für mangelnde berufliche Perspektiven der Mütter.

                  Ich kenne keine Frau die beruflich erfolgreich ist, ihren Beruf liebt, hart arbeitet und eine wirkliche Aufgabe darin sieht was sie tut, eine tolle berufliche Chance ablehnen würde, nur weil sie ihre Kinder ein paar Monate nicht sieht.
                  Außerdem negieren Mütter, die ihre Rolle überbewerten auch oft die Gleichwertigkeit der Bindung ihrer Kinder zu anderen Menschen.

                  Sie wollen einen Exclusivstatus haben. Niemand kann daa Kind so gut betreuen wie die Mutter was eine absolute Fehleinschätzung ist....diese Frauen lassen einfach niemand anderem die Chance dazu.
                  Kinder sind in den vergangenen Jahrhunderten oft aufgewachsen ohne dass die Mutter als Bezugsperson ständig verfügbar oder überhaupt als wichtigste Person für das Kind auftrat.
                  Die Kinder waren oft bei Tanten oder Großeltern oder älteren Geschwistern weil die Mutter immer gearbeitet hat, auf dem Feld, im Stall , im Haushalt.

                  Meine Oma hat ihre Kinder die ganze Woche bei ihren Schwiegereltern gehabt, da sie mit ihrem Mann auf weit entfernten Ländereien gearbeitet hat.
                  Im Sommer kam sie oft 6 Wochen gar nicht nach Hause.

                  Diese Mama- Papa - Kind- Idylle ist eine gesellschaftlich entstandene Anforderung der letzten 70 Jahre.
                  Davor waren Großfamilien normal.

                  Wenn ich in Afrika arbeite, sehe ich oft Folgendes: die Kinder sind bei ihren Müttern als junge Kinder im Babyalter.
                  Sobald die Kinder mobil werden, werden sie von Frauen im Dorf betreut die nicht mit arbeiten auf den Feldern.

                  Da hab ich diese Exklusive Beziehung zwischen Mutter und Kind noch nie beobachtet.

                  Kinder bekommen heutzutage eine Wichtigkeit im Leben ihrer Eltern eingeräumt, die nicht normal ist und die ich für bedenklich halte.

      Ich finde diese Frage berechtigt und sie könnte von mir sein.
      Kleinkinder 6 Monate getrennt von Mama finde ich unabhängig von deren Betreuung heftig.
      Ich find an so nem Vorhaben nichts Tolles.

      Andererseits würde ich so eine Frage auch Männern stellen.
      Vor Jahren war mein Mann 9 Monate weg von uns und kam nur alle 3 Wochen für ein Wochenende. Unsere Mädels waren damals 3 und 1. Es war sehr schwer für die Große und für meinen Mann und mich eh.
      Und wir haben im Freundes- und Bekanntenkreis öfters Fragen bekommen wie wir damit umgehen usw., ob das nicht zu schwer ist für ihn ganz ohne Familie wegzugehen... Und jeder hatte Verständnis dass uns die gemeinsamen Wochenenden heilig waren.

      Hallo
      Über das Thema habe ich die Tage viel gelesen und geredet, meine Tochter (8) interessiert sich sehr dafür.
      Ich denke das muss jede Frau/Familie für sich selbst entscheiden. Wenn ich die eigentlichen Berufe der Frauen im Kopf habe sind das ja auch alles Berufe in die viel Zeit und Aufwand gesteckt wird, keine 9-5 Jobs bei denen mit Feierabend Schluss ist. Gehe ich von den Familien aus die ich kenne bei denen ein Elternteil solch einen Job hat, ist es auch wirklich nur das eine Elternteil. Das andere arbeitet weniger und ist eben "da". Haben beide einen extrem zeitaufwendigen Beruf mit Überstunden,vielen Dienstreisen,... und das Kind sieht seine Eltern alle Jubeljahre mal kurz, DANN ist Kritik meiner Meinung nach berechtigt.
      Aber ansonsten muss meiner Meinung nach keiner außer die Familie selbst das jeweilige Modell verstehen.
      Ich persönlich finde es super und wir als Familie (auch die oben genannte Tochter) sind da relativ ähnlich eingestellt. Demnach hätte ich es mir in der Situation definitiv vorstellen können. Ich denke mir, was sind schon 6 Monate in denen man macht wovon man immer geträumt hat auf ein ganzes Leben gesehen? Gerade wenn es eben nicht etwas ist das man halt irgendwann nachholen kann oder so.
      Für mich hat es auch wenig mit "kein Problem damit haben die Kinder länger nicht zu sehen"zu tun, gewisse Haken gibt es immer. Toll findet das die Bewerberin sicher nicht, zwischen kein Problem damit haben und damit klar kommen gibt es aber einen Unterschied. Zudem es in der Situation ja was die wirkliche Zeit mit den Kindern angeht vielleicht nur einen kleinen Unterschied macht. Ob der Elternteil mit dem zeitaufwendigen Job für einen überschaubaren Zeitraum mal komplett weg ist oder eben wie immer Überstunden macht, Dienstreisen hat,... und eben auch nicht täglich Quality Time mit der Familie hat macht für so eine Familie keinen weltbewegenden Unterschied.
      Das ist zumindest meine Erfahrung.

      LG

      Hallo,

      Die Kinder haben einen Vater, Großeltern, andere Bezugspersonen, die in der Zeit für sie da sind. Ist es wirklich so viel anders, wie wenn der Vater für Monate z.B. auf Montage ist?

      Ich finde diese Denkweise, eine Mutter sollte/muss der Kinder wegen auf alles verzichten, total veraltet.
      Aber kann ja zum Glück jeder für sich entscheiden ;-)

      LG
      sonntagskind

      • Eben das ein Elternteil (egal ob Vater oder Mutter) länger weg ist, finde ich einfach h nicht gut. Ich persönlich bin kein Mensch, der eine Fernbedienung oder wochendehe führen könnte oder möchte. Und für die Kinder finde ich es eben auch nicht gut, ständig oder grundsätzlich länger auf ein Elternteil verzichten zu müssen. Es kann keine Bindung entstehen oder vorherige Bindungen werden dadurch loser. Ich finde es einfach nicht gut für Kinder, ständig auf ein Elternteil verzichten zu müssen.

        • Kennst du denn Familien, bei denen 1 Elternteil monatelang weg ist?
          Weißt du, ob sie dafür nicht die kurze gemeinsame Freizeit noch intensiver nutzen?

          Nur weil das nichts für dich ist bzw. du dir das für dich nicht vorstellen kannst, heißt das noch lange nicht, dass das bei anderen nicht vielleicht prima funktioniert und trotzdem eine tolle Familienatmosphäre herrscht.

          Es gibt so viele Familien, die ganz viel Zeit zusammen hätten, wo die Eltern ganz "normale" Arbeitszeiten haben und sie dennoch die Kinder lieber vor dem Fernseher parken anstatt etwas gemeinsam zu unternehmen, weil sie noch soooo viel anderes zu erledigen haben.
          Ich weiß nicht, ob man "normale" Arbeitszeiten immer als Maßstab für Familienglück nehmen sollte ...

          Hallo,

          Bindung entsteht nicht alleine durch dauerhafte Präsenz und wird hierdurch auch nicht aufrechterhalten, außerdem gilt es auch bezüglich der Bindungsqualität Unterschiede zu machen. Du verwechselst das Bindungskonzept mit Betreuungskontinuität. Das wird leider oft gemacht.

          LG

    Hier geht es um eine leidenschaftliche Wissenschaftlerin, die für ihren Traum ein großes Opfer bringt.
    Großartig und bewundernswert!
    Die Kinder werden MÄCHTIG stolz auf ihre Mami sein.
    ICH hätte das als Kind bestimmt phänomenal gefunden, vorausgesetzt es hätte ein liebendes Umfeld gegeben, was Mamas Abwesenheit bestmöglich kompensiert.

    Auch männliche Astronauten werden ihre Kinder, wenn vorhanden, vermissen.

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