Kindheit in den 70ern/80ern Seite: 2

            • Es gibt da keine Wahrheit, wenn jeder andere Erfahrungen macht....es wird sich niemand Dinge aus den Fingern saugen, was seine Kindheit betrifft.
              Aber um Vergleiche zu heute ziehen zu können, sollte man zumindest Kinder im Grundschulalter haben, um mitreden zu können.

              • Das sehe ich anders.

                Ich muss keine eigenen Kinder haben um aus meiner Kindheit zu berichten.

                Ich habe keine Kinder. Trotzdem mache ich Erfahrungen und habe auch viele gemacht.

                Und meine Erfahrungen sind eben anders.

                Ich habe 2 Neffen die inzwischen fast volljährig sind und ich habe da viel gesehen und gehört.

                Zudem kann man auch ohne eigene Kinder von Erfahrungen von früher berichten und sich auch ein Bild von heute machen.

                Viele hier in urbia haben bei vielen Dingen keine eigenen DIREKTEN Erfahrungen und trotzdem mag man sich ein Bild machen können.

                Wie gesagt, ich habe andere Erfahrungen gemacht.

                Mag sein dass das auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist.

                Gruß Andy

                • Du, ich habe ja auch nicht gesagt, dass du keine Erfahrung aus deiner Kindheit berichten darfst, wo liest du das #kratz
                  Aber Vergleiche zur heutigen Jugend kannst du einfach als kinderloser nicht ziehen, das sieht man ja auch an deinen Aussagen zu Markenklamotten und "Her damit" statt Bitte und Danke.....

                  • Dann ließ mal die Meinungen mancher anderer hier. Und ein 100 %tiges Bild kann sich KEINER bilden.

                    Zudem muss ich nicht Baum im Regenwald sein um über Naturschutz zu reden usw.

                    Woher willst du genau wissen dass das was ich hier so in Bezug auf viele sage völlig falsch ist ?
                    Denn so kommt deine Antwort ja rüber.

                    Ich habe meine Meinung und die bleibt. Und sicher gibt es genügend die dir Recht geben und genügend die mir Recht geben.

                    Gruß Andy

                  • Und nur weil man selber 2 oder 3 Kinder hat kann man nicht ein Gesamtbild machen und anderer Meinung nicht akzeptieren nur weil die keine Kinder haben.

                    Damit beende ich auch die Diskussion.
                    Sonst wird es endlos.

                    Letzter Gruß Andy

                    • Das ist doch Quatsch, ich diskutiere ja auch nicht über Reitsport, obwohl ich keine Ahnung habe und noch nie auf einem Pferd saß #augen
                      Aber wie du schon sagst--Diskussion beendet #winke

    Hallo!

    Zum Thema Autokindersitzte - die gab es sehr wohl, waren aber nicht Pflicht, und somit haben sich viele Eltern das Geld gespart - meine nicht! Ich hab schon mitte der 70er Jahre im Römer Peggi gesessen (der Schwarze Sitz mit dem organgenen Fangkörper). Römer baut übrigens schon seit 1966 Kindersitze, Storchenmühle war 1963 sogar noch früher.
    http://www.storchenmuehle.de/start/
    http://www.lunamag.de/2016/12/30/der-erste-kindersitz-von-britax-roemer/

    Alleine zum Kindergarten durften wir auch gehen, allerdings hat immer eine Erzieherin die Fußgänger und Fahrradfahrer (wir durften tatsächlich schon mit dem Fahrrad alleine zum Kindergarten fahren) über die Hauptstraße gebracht.

    Und natürlich waren wir den ganzen Nachmittags im Dorf unterwegs - wenn wir allerdings zum Abendessen nicht pünktlich waren, setzte es gehörig etwas, nicht selten gabs auch einmal ne Ohrfeige (die hat schließlich noch niemanden geschadet *ironie off*). Meine Kids sind bei gutem Wetter allerdings auch oft den ganzen Nachmittag draußen, und ganz genau weiß ich da auch nicht, wo sie sind. Aber ihr Bewegungsrahmen ist - wie unserer damals im Grunde auch - überschaubar.

    Ein Handy hatten wir natürlich noch nicht - ab der weiterführenden Schule aber IMMER 30 Pfennige zum telefonieren im Ranzen.

    An viele Bierflaschen erinnere ich mich auch, aber trotzdem durften wir als Kinder ins Wohnzimmer, wenn die Eltern besuch hatten - wollten wir aber gar nicht, meist hatte der Besuch auch Kinder und wir haben lieber im Kinderzimmer gespielt.

    Sicher gab es Dinge, die früher schöner waren als heute, aber alles war ganz bestimmt nicht besser. Ich fand es jedenfalls nicht besonders schön, wenn meine Mutter mich übers Knie gelegt hat. Und ich fand es auch nicht schön, wenn ich auf Biegen und Brechen meinen Teller leer essen musste, auch wenn es mir fast zu den Ohren wieder raus kam (und das Leibgericht meines Vaters mag ich heute noch nicht). Trotzdem erinnere ich mich schon gerne an meine Kindheit zurück, aber das werden unsere Kids in 20 oder 30 Jahren sicher auch machen, und auch dann sind die Dinge, die es heute gibt, vermutlich furchtbar antiquiert.

    LG

(37) 13.04.17 - 12:24

Meine Eltern haben weder übermässig getrunken noch geraucht, aber es wurde mehr gegessen. Es wurden noch 2-3 Stücke Kuchen verzehrt beim Kaffeklatsch (von den Damen!)

Backe ich heute einen Kuchen für meine Freundinnen bleibe ich drauf sitzen. Wenn überhaupt wird ein Stück gegessen.

Kindersitze gab es in meiner Jugend auch nicht, aber wir mussten uns anschnallen. Immer!!

Es gab mehr Kinder und Spielplätze waren immer gut besucht. Die sind heute alle leider verwaist- denn die meisten Kinder sind Vollzeit in Betreuung. Das ist der größte Unterschied in meinen Augen- die Mütter blieben Jahrelang zuhause.

Meine Mutter war zuhause wenn ich von der Schule kam- und damit alles andere als ein Einzelfall. Hausaufgaben haben wir selbstständig gemacht, zum Kindergarten bin ich auch gelaufen und zur Schule natürlich auch.

Wir haben uns telefonisch verabredet und waren dann zum vereinbarten Zeitpunkt am vereinbarten Ort. Natürlich haben wir draußen gespielt ohne das unsere Mütter genau wussten wo wir sind. Dafür hatten wir Armbanduhren und feste Zeiten wann wir zurück kommen mussten.

Heute soll die Schulzeit viel anstrengender für Kinder und Eltern sein als früher. Da mein Sohn noch nicht zur Schule geht weiß ich noch nicht was uns da genau erwartet..#zitter

Früher war die Schule ein Selbstläufer- meine Mutter hatte da nicht viel zu regeln. Heute wird wohl erwaret das die Eltern den Lernstoff mit den Kindern zuhause ausiebig nacharbeiten..

  • (38) 13.04.17 - 13:54

    ...Es gab mehr Kinder und Spielplätze waren immer gut besucht. Die sind heute alle leider verwaist- denn die meisten Kinder sind Vollzeit in Betreuung. Das ist der größte Unterschied in meinen Augen- die Mütter blieben Jahrelang zuhause...

    Ich glaube nicht mal, dass es an der Betreuung liegt, dass die Spielplätze verwaist sind.
    Wenn man sich die handtuchgroßen Gärten in den Neubausiedlungen ansieht - da hat gefühlt jeder einen Spielturm mit Rutsche, ein Trampolin und andere Gerätschaften stehen.
    Wozu also noch auf den Spielplatz, wenn man den Spielplatz vor der Haustüre hat.

    Was hatten wir?
    Mit Glück ne Teppichstange an der man eine Schaukel befestigen konnte. Und Schaukeln durfte man nur, wenn an der 2 Meter entfernten Wäschespinne nicht grade die Wäsche hing.

    • (39) 13.04.17 - 16:22

      Na wir sind wegen der anderen Kinder auf den Spielplatz gegangen. Bei schönem Wetter war dort die halbe Schulklasse versammelt.

      Mit einem oder zwei Geschwistern auf dem heimischen Klettergerüst rumzuturnen ist da doch vergleichsweise öde..

(40) 16.04.17 - 17:35

Schule: hier wird erwartet, dass Eltern Vollzeit arbeiten, zwei Autos haben und vormittags und nachmittags immer Zeit haben. Zum Helfen, zum betreuen, zum Vorlesen, für Aktivitäten usw.

Aktivitäten so geplant, dass sie Auto nicht ausführbar sind. Wer keines hat, ist ein Alien.

Schule nacharbeiten dann, wenn zu viel Schulstunden ausfallen und der Stoff grade so passend auf die eh schon knappe Zeit bemessen ist. Ansonsten geht das mit den Hausaufgaben.

Spielplätze sind hier nicht verwaist. Hier gibt es noch welche.
Mancherorts scheint es teilweise gar keine mehr zu geben. Viele Häuser, viele Parkplätze.

Sportflächen etc wurden dazu weggemacht (zugebaut eben)

(41) 13.04.17 - 14:20

Ich erinnere mich an eine Urlaubsfahrt vom Bodensee (da wohne ich) nach Dänemark 1976. Kindersitz - Fehlanzeige. Die Rückbank unserer Ente wurde ausgebaut und der ganze Bereich mit Polstern und Decken ausgelegt. Das war mein Schlaf-, Sitz- und Spielplatz für die lange Fahrt.
Später hatte ich dann diesen schwarzen Kindersitz mit dem orangen "Fangkörper". Der Sitz war federleicht, da aus Styropor und der Bezug war so synthetisch, dass es im Sommer eine wahre Freude war, drin zu sitzen. Gekratzt hat es wie Hulle.

In unserer Straße konnte man Fußball spielen, da sie noch nicht mit Autos zugeparkt war. Die Familien hatten in der Regel ein Auto und das stand ordnungsgemäß in der Garage. Somit war Platz im Hof und auf der Straße.
Wenn dann beim Spiel eine Scheibe zu Bruch ging, gab es Kollektivohrfeigen für alle vom Besitzer der Glasscheibe und zusätzlich noch Ohrfeigen von den Eltern, weil es eigentlich verboten war, in der Nähe des Gewächshauses zu spielen.

Ich erinnere mich an stundenlanges Verstecke spielen auf der Wiese des unbebauten Nachbargrundstücks. Das Gras war meterhoch und wurde selten gemäht. Heute stehen da zig Reihenhäuser mit Minigärten.

Wir waren ständig draußen, haben und die Knie aufgeschlagen und von Mama dann ne fiese Jodtinktur draufbekommen. Boa, hat das gebrannt.

Mein Bruder hat im Garten das Indianerzelt in Brand gesetzt, weil er drin ein echtes Lagerfeuer gemacht hat. Das Feuerzeug hat er unserem Vater gemopst, der zuhause und auch im Auto alle zugequalmt hat. Im Nachhinein betrachtet, nicht schön - mir wurde auf langen Fahrten immer schlecht - aber es war halt so.
Mein Vater ist mittlerweile seit mehr als 30 Jahren Nichtraucher.

Ich weiß noch, dass man bei meiner besten Freundin nicht immer im Garten spielen durfte. Wenn der Rasen frisch gemäht war, durfte man nicht und wenn das Gras zu hoch war (es war eigentlich immer Streichholzkurz), dann durfte man auch nicht.
Wir wollten mal im Garten bei ihr zelten - da waren wir so 12 oder 13. Da hat ihr Vater uns den Termin vergeben - das Gras musste eine bestimmte Wachstumsphase überschritten haben#rofl

Ich erinnere mich an unser graues Telefon mit Wählscheibe und dann - Fortschritt pur - ein grünes Tastentelefon mit ner (für mich) zu kurzen Strippe, die direkt hinter der Wohnzimmertür endete.
Wenn ich also als Teenager ungestört telefonieren wollte, dann hockte ich in ziemlich gekrümmter Haltung direkt an der geschlossenen Wohnzimmertür. Ging meinen Eltern das Gespräch zu lang, wurde der Stecker gezogen.

Was mir bei alten Fotos auffällt - wir tragen sehr psychedelisch gemusterte Kleidung - viel in braun/orange und sitzen vor einer ebensolchen Tapete:-p

  • (42) 15.04.17 - 10:22

    Das grüne Telefon hatten wir auch und natürlich war auch bei uns das Kabel zu kurz und wir hatten auch ein gepolstertes Lager hinten im Auto #rofl

(43) 13.04.17 - 14:27

Meine Erinnerungen: zu fünft im Trabbi nach Polen an die Ostsee. Das war weeeeeiiiitttt...
Ich bin schon sehr zeitig alleine in die Kita, habe aber immer den langen Weg gewählt, da ich bei der Abkürzung Angst hatte. Kam ich zu spät, gab es was hinter die Ohren, denn meine Mama hat sich wahnsinnig Sorgen gemacht.
Wir haben draußen gespielt, wenn es rein ging, kam ein Pfiff von oben. Telefon hatten wir nicht, im Osten gab es das nicht für jeden, also sind wir los und haben geguckt wer spielen kommen konnte.

Wir haben Briefe geschrieben. Brieffreundschaften waren der Hit.
Ich kann mich an Pioniernachmittage erinnern, den Fahnenappell an der Schule.
Geraucht haben meine Eltern nicht, Alkoholtechnisch läuft es auf Feiern noch immer gleich.

Ich bin sehr dankbar für meine Kindheit. Ich war 9 als die Wende kam, habe also unter dem System noch nicht gelitten, konnte aber dann als es für mich weiter ging Freiheit genießen.

Mein Sohn wächst sicher behüteter auf. Der Straßenverkehr hat zu genommen, über Idioten auf dieser Welt und die Gefahren sind wir wesentlich informierter als damals und darauf reagiere ich. Und klar, wenn man sich jetzt vorab verabreden kann, ist es doch nett.
So wie wir hier wohnen, kann ich ihn nicht allein raus lassen... aber er ist auch erst drei. Wie es mal aussieht wird sich zeigen.

Hallo,

meine Erinnerungen an die Zeit sind sehr gemischt. Ich glaube, so toll war es nicht.

Es stimmt, dass wir "freier" waren. Ich bin mit meinen beiden Geschwistern auf dem Dorf großgeworden, meine Mama hat sich einfach wenig Gedanken gemacht. Wir kamen von der Schule heim, machten Hausaufgaben und dann war sie froh, wenn wir wieder wegwaren. Wir sind viel gestromert, haben viel draußen gespielt oder Freunde besucht, die Bauernhöfe daheim hatten, da haben wir dann auch viel gelernt (Gartenarbeit, Brot backen ...). Die Oma meiner Freundin brachte uns Sockenstricken bei und wo es im Wald wilde Himbeeren gibt ... da kamen wir uns sehr erwachsen vor und haben viel "Allgemeinwissen" gelernt, durften später dann auf dem Feld auch mal Traktor fahren.

Wir sind oft mit dem Fahrrad in die Bibliothek gefahren und haben in den Sommerferien oft mal 30 Bücher oder mehr gelesen - wir waren als Kinder genügsamer, haben im Winter manchmal mit den Freunden von Montag - Freitag das gleiche Monopolyspiel gespielt, bis endlich der Gewinner feststand und konnten uns über Kleinigkeiten sehr freuen. Die Bücherlesezeit damals war super, wir konnten uns so richtig in die Fünf Freunde und so reinphantasieren. An Weihnachten gab es eine neue Hose, einen Pulli und für alle Kinder zusammen noch ein Spiel. Das war's.

Kleider mussten wir oft von Verwandten auftragen, und wenn es nicht ganz passte, sah man halt auch mal ein halbes Jahr voll doof aus. Froh war ich, als meine Cousins Levis Jeans trugen, die wir dann vererbt bekamen und Adidas Schuhe, die fanden wir voll cool, aber meine Eltern hätten sie uns nie gekauft.

Bei uns war es so, dass sich daheim niemand auch große Gedanken um unsere "Förderung" gemacht hätte. Wir hatten Schwimmunterricht und Flötenstunde. Als mein Bruder und ich dann Klavier lernen wollten, wollten meine Eltern ans Haus anbauen ... das war's. Gesundheit war auch nicht so hoch im Kurs - als Tschernobyl passierte, schickte uns meine Mama auch gleich wieder zum Spielen raus.

Es gab Themen "nicht für Kinderohren" und wir durften weder die Nachrichten sehen, noch wurden wir anständig aufgeklärt. Wir sind in vielen Bereichen sehr unbedarft ins Erwachsenenleben gegangen. Ich hatte lange das Gefühl, dass ich das Erwachsensein nicht so wirklich blicke ...

Probleme wurden einfach "ignoriert" - wenn das ging. Wenn der Onkel Alkoholiker war, hat man da einfach darüber hinweggeschwiegen. Zugezogene wurden mit Argwohn betrachtet und auch das geistig behinderte Kind der Nachbarn - da war man zwiespältig - wenn man mit ihm mal spielte, okay (die Eltern des Kindes waren superdankbar). Meine Cousine durfte ihren italienischen Gastarbeitereltern-Freund nicht heiraten, weil sie evangelisch war und er "ein Ausländer". Da griff die gesamte Verwandtschaft sehr energisch ein.

Unsere Familie (und viele andere auch) war patriarchisch aufgebaut. Mein Vater kam um 18.00 Uhr von der Arbeit - dann mussten wir daheim und alle Freunde weg sein. Meine Mutter wusste jahrelang nicht, was mein Vater verdient und es gab ständig Knatsch um das Haushaltsgeld. Da wir nur ein Auto hatten, saßen wir alle auf dem Dorf fest, wenn mein Vater das Auto brauchte. Überhaupt entschied mein Vater ziemlich viel - Urlaubsziele, Ausgaben, ... Wenn ich denke, was meine 15 Jährige Tochter heute schon mitreden darf - das gab es bei uns nicht. Für meine Mama ist mein Vater und das ganze Dorfleben nur Plan B gewesen, sie war sehr schnell überreizt, müde, Sie war oft launisch, unzufrieden, oft beschuldigte sie uns, dass wir daran Schuld seien, dass sie nun auf dem Dorf festsitzt und wir bekamen auch oft erzählt, wie schrecklich schmerzhaft schon unsere Geburt war - daher sollten wir uns nun zusammenreißen und den Spinat aufessen.

Die Struktur der Familie war vorgegeben "weil man es halt so macht". Meine Mutter musste sich als Hausfrau z.B. auch viel um alte Verwandte kümmern, die im Gegenzug noch nicht mal nett zu ihr waren. Von daher verstehe ich auch ihren damaligen Frust.

Es war auch so, dass das Selbstbewusstsein eher gedrückt wurde - meine Eltern (und Verwandte) waren oft kritisch und sehr offen kritisch. Es wurde auch sehr für Mädchen das Frauenbild "gut heiraten - versorgt sein" propagiert. Ich war als Teenager doch etwas moppelig und ich weiß noch, wie ich auf der Firmung eines Cousins zwei Stückchen Torte gegessen habe - das gab es bei uns nie, ich fand's lecker und meine Tante hat mich vor allen gerügt "wenn du so weiterfrisst, dann wirst du nie einen Mann finden". Das ist so einer der übelsten Momente meines Lebens, v.a., wenn ich die Bilder von damals sehe, ich war "moppelig" (hatte Kleidergröße 40), aber nicht "fett". Das und anderes hat dazu geführt, dass ich wirklich für zehn Jahre ein ganz komisches Verhältnis zu meinem Körper hatte und essenstechnisch dann auch im Studium "falsch abgebogen" bin. Außerdem war es total peinlich, weil es wirklich alle mitbekommen haben. So als "Langzeitwirkung" kann ich wirklich bei keiner Familienfeier mehr einen Nachtisch essen.

Dann erinnere ich mich noch sehr deutlich daran, dass ich, mit gleichem Notenschnitt wie mein Bruder, keine Gymnasialempfehlung bekam. Ich wollte auch Französisch und Latein lernen, Geige spielen und habe wirklich viel gelernt. Ich habe mal beim Aufräumen mein Grunschulzeugnis gefunden (Schnitt 1,3). Da war "Gender" ein großes Thema, all meine Cousins gingen aufs Gymnasium, aber keine Cousine. Als ich dann Abi gemacht habe und studiert habe, war mein Großvater auch total befremdet ... so nach dem Motto "was soll denn der Blödsinn - findest du keinen Mann?": Ich habe damals wirklich tagelang geheult. Aber mein Vater und die Grundschullehrerin (v.a. die), hatten so entschieden. Was ich wollte, war total egal.

Mein Vater war mit Erziehung schnell fertig. Wir waren höflich erzogen und nicht so aufmüpfig wie Kinder heute - dafür setzte es daheim bei der kleinsten Kleinigkeit mal eine Watschn oder zwei oder drei ... Ich hatte immer Angst vor meinem Vater und war auch immer in Panik, etwas falsch zu machen. Daher war ich die gesamte Kindheit über angespannt und versuchte permanent, Konflikte zu vermeiden. Wir bekamen auch permanent eingetrichtet, dass das Fehlverhalten einzelner schlecht für die gesamte Familie wäre.

Meine Eltern hielten Haus und Hof immer piekfein in Ordnung und zogen auch sonntags um 7 die Rollläden hoch (und gingen oft wieder ins Bett) #schein - dass man sie für eine nette, anständige Familie hielt. Die Meinung der Nachbarn zählte da viel!

Von daher - bin ich froh, dass 2017 ist!

GLG
Miss Mary

  • Meine Eltern waren da anders.
    Ich habe Abitur gemacht und meine Eltern haben mir immer vermittelt dass ein Studium bei entsprechender Leistung selbstverständlich ist.

    Sachen wie: Mädchen heiraten eh und brauchen keine aufwendige Ausbildung gab es nicht.
    Mein Vater und meine Mutter haben mich immer unterstützt und geradezu gefordert dass ich studiere.
    Wen und ob ich heirate war nie Thema, auch wenn ich in meiner wilden Zeit mal andere Mädchen mit nach Hause zum Übernachten brachte war das kein Problem. ..also Homophobie war meinen Eltern fremd.
    Meine Mutter war eine sehr selbstbewusste , selbständige Frau die wusste was sie will und das auch durchsetzen konnte.

    Als Kind war ich nie ihr Lebensinhalt, sie hat gearbeitet, war viel unterwegs, hat einige Ehrenämter gehabt und sich sozial engagiert.
    Mein Vater ist sehr offen und gar nicht patriachaisch.
    Ich denke vieles hing auch damals davon ab wie das Umfeld und die Eltern so drauf waren...
    Ich durfte mit 14 schon mit einer Freundin verreisen, hatte ein Mofa und bin generell sehr zur Selbständigkeit erzogen worden.
    Es wurde nicht jeden Tag gekocht oder jede Woche geputzt.
    Wenn ich saubere Wäsche wollte, musstw ich mich ab ca 12 Jahren da selbst drum kümmern.

    Auch hab ich da schon oft gekocht und eingekauft.

    Schule war eh mein Ding. Da hatten meine Eltern keinerlei Arbeit mit.
    Es war halt anders früher, aber nicht schlechter bzw.besser.

    • Hallo & klingt cool #schein,

      bei uns gab es schon auch Mädchen, die studieren durfte - die Tochter unseres Landarztes studierte Medizin und die andere glaube ich Pharmazie. Es gab auch Mädchen, die auf's Gymnasium gingen. Klar. Aber das war v.a. die Akademikerschicht, die so sich "reproduzierte".

      Ich hatte auch Freunde, bei denen es weiteaus lockerer zuging, allerdings hatte meine Mutter immer Angst vor "schlechten Einflüssen". Ich hätte nie im Leben bei einem "gegengeschlechtlichen" Übernachten dürfen. Meine Schwester hat für ein paar Jahre in der Stadt gelebt, mit ihrem Freund zusammen, wenn sie über's WE zu meiner Mama fuhren, mussten beide getrennt schlafen - und das war schon fortschrittlich. #schein

      Der Großteil meiner Freunde wurde aber im ähnlichen Rahmen erzogen wie ich. Eine Freundin musste sogar auf die Hauptschule, da der Vater wirklich davon ausging, sie würde nur Hausfrau und Mutter werden ... ein Hoch auf den zweiten Bildungsweg! Es war allerdings auch so, dass wir Schule (wenn es auch "nur" die Realschule war) sehr ernst nahmen, da wir wussten, dass hier auch viele Chancen lagen - wenn ich das heute bei meiner Tochter sehe, was es da für Gammler in der Klasse gibt - in der 9. Klasse hätte niemand es bei uns niemand gewagt, z.B. keine Hausaufgaben zu machen. Die Spitze meiner Realschulklasse (wir waren so acht) hat hinterher gesammelt Abitur gemacht, auf dem neu entstandenen beruflichen Gymnasium. Da hatte irgenwie ein Umdenken stattgefunden. Meine Eltern hatten irgendwie Angst, dass ich das Abi nicht schaffe und dann ohne alles da stehe.

      Witzig war auch, dass der Freund meines Bruders (dessen Eltern den Bauernhof besessen hatten) ermutigt wurde, Abitur zu machen, er wollte lieber den Hof übernehmen - verkehrte Welt #schein. Nach einem guten Abi und einem Agrarstudium ... kam er heim und ist nun liebevoller Biolandwirt aus Berufung. Auch das gab's.

      GLG
      Miss Mary

Hallo
Wow, ich sehe eben ich bin nur wenige Jahre jünger als du (werde im Sommer 37), habe bei deinem Text aber echt gedacht es geht um einige viele Jahre vor meiner Geburt #zitter
Bei uns war das wirklich komplett anders, auch die ältere Generation der Familie war nicht so drauf.

Der Vater meiner Oma zB. ist im Krieg gefallen und selbst als er noch bei der Familie war, war meine Urgroßmutter keinesfalls das stille Hausmütterchen hinterm Herd. Sie hatten einiges hinter sich, wie viele in dieser Zeit, und meine Urgroßmutter war eine echt starke Persönlichkeit. Heutzutage würde man sagen sie hat sich den A... aufgerissen und das stimmt wirklich. Ihr Wunsch für die Zukunft ihrer Tochter, also meiner Oma, war auch ganz klar. Und der entsprach definitiv nicht dem klassichen Frauenbild #schein

LG

  • Hallo,

    bei uns ist es so, dass wir noch eine Schwester haben, die acht Jahre jünger ist - die wurde auch komplett anders erzogen ... Irgendwann haben meine Eltern den Sprung ins 20. und dann ins 21. Jahrhundert geschafft - leider nicht während unserer Teeniejahre. #schein

    Ging aber bei uns im Dorf vielen so.
    GLG
    Miss Mary

Kann dir in vielem beipflichten. Emanzipation war nicht so, es war alles sehr autoritär, man hatte als Kind viel mehr Angst. Das stimmt, es war nicht alles besser als heute.

(50) 13.04.17 - 14:44

Erwachsenengespräche bei Tisch und Kinder mussten sitzen bleiben und ruhig sein.

Draußen spielen war ok, gefordert. Drinnen durfte nichts schmutzig werden. Draußen hatte kaum jemand ein Auto.

Das Geld reichte von einem Verdiendenen Erwachsenen. Viele hatten kein oder ein Auto. Entsprechend war es ruhig draußen.
früher fuhren zwei Autos pro Stunde durch die Straße - wenn VIEL los war. Heute sind es locker 100 Autos pro Stunde, viele davon mit deutlicher Geschwindigkeitsüberschreitung (Messungen werden regelmäßig veröffentlicht).

Früher war meine Mutter eine Ausnahme, weil sie ein Auto hatte.
Heute bin ich ein Alien, weil ich KEIN Auto habe. Geduldig auf den Bus warten ist out. Geduld haben oder auf etwas zu warten, kann man sich selbst und seinem Kind nicht antun.

Ich erinnere mich an Zeiten, da haben ERWACHSENE beim Bäcker noch Bitte und Danke gesagt.
Jetzt wird geschimpft, dass es überall Automaten gibt und Bitte und Danke höre ich häufig nur noch in der Form von Erwachsenen mit Kleinen Kindern "sag mal bitte" und selbst schroffen sie die Verkäufer an, dass es nicht schneller geht....

ich erinnere mich unbebaute Flächen, an Freunde mit mehreren Kindern im Zimmer, an Telefonzellen! (wenn es die noch gäbe, hätte ich kein Handy :-p)

an Öffnungszeiten an Nachmittagen und Feierabende abends.
(heute ist es schon Luxus, wenn einer von zwei Elternteilen um 19 Uhr zu Hause ist)

Autositz hatte ich schon. Dafür fuhren Autos insgesamt langsamer und es war weniger los.

Fußgängerwege.
Tante Emma Läden.

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