Marktforschung ruft an - um 21.48 Uhr!!!

    • (1) 11.07.06 - 10:40

      Gestern abend glaubte ich, ich sei im falschen Film. War gerade auf dem Weg ins Bett, da schellt das Telefon. Ehrlich, wenn bei uns um diese Zeit das Telefon schellt, erschrecke ich mich schon ein bissi. Denn eigentlich ruft ab 21.00 Uhr bei uns keiner mehr an - und ich auch nirgendwo anders mehr. Und als ich rangehe, denke ich, ich hör nicht richtig. Eine Marktforschungsfirma aus Bayern, die zum Thema Sport einige Fragen an mich hätte. Ich hab den Herrn direkt unterbrochen und hab ihn gefragt, ob es ihm ganz gut ginge. Er fragte dann ganz harmlos, warum? Was ich denn meinen würde? Dreist, oder. Ich sagte ihm, er solle mal auf die Uhr gucken, das wäre ja wohl eine Unverschämtheit um diese Zeit noch mit sonem Schwachsinn anzurufen. Da macht der total einen auf Mitleid - da kam er aber bei mir nicht mit an - ja, er sei ja leider so arm dran, er müsse um diese Zeit noch arbeiten. Es täte ihm sehr leid, aber er müsse eben versuchen, um diese Zeit noch sein Soll voll zu machen.

      Wo leben wir eigentlich? Allein schon die normale Höflichkeit gebietet es, zu solchen Zeiten nicht mehr anzurufen. Schon garnicht mit so Nervanrufen......

      Echt, unglaublich
      pitti-lise

      • (2) 11.07.06 - 10:51

        Bei uns rufen diese Typen auch oft ran.
        Wir stehen nicht mal im Telefonbuch!
        Ich frage dann immer wo sie die Nummer herhaben - Zufallsgenerator lautet die Antwort!

        DAnn erkläre ich kurz und höflich, aus welchen Gründen ich nicht im Telefonbuch stehe und somit auch nicht für irgendwelche Marktforschungen zur Verfügung stehe.

        Im Nachhinein tut mir die Person dann immer leid, der Job ist bestimmt hart, aber die ARt und Weise ist dermaßen frech!

        Wiebke, die schon abgehärtet ist.

        Hallöchen,

        bei uns zuhause herrscht die "10Uhr-Regel". Das heißt, dass abends nach 10 Uhr keiner mehr anrufen soll(te) und morgens nicht vor 10Uhr. Die meisten wissen das und halten sich daran. Und wenn so ein Herr von der Marktforschung anruft, würde ich ihn fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat.

        Andererseits will ich nicht in seiner Haut stecken und so spät noch Leute anrufen müssen. Er macht das ja sicher auch nicht aus Spaß :-p

        Liebe Grüße
        N.

        (4) 11.07.06 - 10:56

        Hallo pitti-lise,

        bei uns riefen die auch mal Sonntags um die Mittagessen-Zeit an (12:30 Uhr). Finde auch, dass das eine Frechheit ist.

        Wir haben uns in die Robinson-Liste eingetragen und bekommen seitdem keine Anrufe mehr von SKL & Co. bzw. nur noch ganz selten von Umfrage-Anrufern.

        LG
        Michaela

      Naja, es ist schon ein wenig paradox: Zum einen heißt es, man solle heutzutage JEDEN Job annehmen, um nicht arbeitslos sein zu müssen (oder dem Staat "auf der Tasche zu liegen"), zum anderen beschwert man sich, daß es Leute gibt, die einen solchen Beruf (Callcenteragent) ausüben.

      Ich habe es schon einmal gepostet, mache es aber trotzdem gerne nochmal: Selber habe ich bei einem Marktforschungsinstitut Meinungsumfragen durchgeführt und abends gearbeitet (ging nicht anders, wegen Kind) sowie samstags (in der Früh), manchmal auch sonntags.

      Mir war es immer schrecklich unangenehm, zu/ab einer gewissen Uhrzeit die Leute anzurufen, aber was will man machen? Man verdiente halbwegs gutes Geld und konnte sich die Zeit, wann man arbeitet, frei einteilen.

      Im Vorfeld ist man natürlich auf hartnäckiges Benehmen und Dreistigkeit gedrillt worden. Hat bei mir nicht ganz so funktioniert, weil ich die Reaktionen der Leute (auch wenn sie teilweise unangemessen waren- Beleidigungen und Beschimpfungen waren die Normalität) irgendwie nachvollziehen konnte.

      Aber seit meiner Zeit im Call- Center kann ich mich in die Anrufer besser reinfühlen. Manche arbeiten auf Provision, müssen dreist sein. Manche haben Angst vor Abmahnungen, wenn sie auf Stundenlohn arbeiten (so wie ich) und nicht dreist genug sind.

      Im Callcenter hat man immer Supervisoren sitzen, es ist die totale Überwachung. Deine Gespräche werden mitgehört. Danach wirst du zum Supervisor zitiert und bekommst den Hintern voll, weil du nicht hartnäckig/frech genug warst.

      Eigentlich bekommst du Druck, von allen Seiten. Manche halten das aus, finden das sogar irgendwie cool (vor allem, wenn sie anfangen, Druck auszuüben...), manche sind nach 4 Stunden Arbeitszeit wie durch die Mangel gedreht.

      Die Nummern zeigt dir übrigens dein Compu an. Du klickst da drauf, der wählt sich ein, und schon biste im Geschäft. Ein normaler Callcenteragent bekommt nur das Sprüchlein gesagt, welches er den potentiellen Kunden aufdrücken soll: Die Nummer wird generiert. Ich glaube, daß das stimmt, denn manchmal wählt man eine Stunde lang tote Nummern an.

      Bitte denkt dran, es ist ein Scheißjob, und immer mehr sind darauf angewiesen, weil dort einfach Stellen frei sind und neue Plätze wie Pilze aus dem Boden schießen. Seid einfach nett und bestimmt, sagt "Nein" und legt dann auf. Das reicht. Wir durften nämlich keinen noch einmal anrufen, wenn der "Nein" gesagt und aufgelegt hat.

      • hi

        oh ja das kenn ich auch. echt eine unverschämtheit.

        hab das zwar selber gemacht mal im call-center aber hab nach einer woche aufgegeben weil da einfach sachen verlangt werden die schon an belästigung gingen.

        wenn einer anruft sag ich ganz einfach"sie wissen ja hoffentlich das es gesetzlich verboten ist privatleute anzurufen um werbung oder sonstiges zu betreiben ohne das ein schriftliches einverständnis vorliegt" wenn dann "äh nö" oder so kommt sag ich einfach"gut ich hab ja jetzt ihren namen und die firma für die sie anrufen. das wird dann demnächst konsequenzen haben"

        und dann leg ich auf. und das es wirlich gesetzlich verboten ist privatleute per telefon zu werben oder so (und die das auch meist wissen!) und von da an krieg ich keine anrufe mehr. wenn man einfach so sagt"ich will das nicht" rufen die ja eh wieder an.

        Da Du Dich ja ein wenig auzukennen scheinst, hätte ich da mal eine Frage: Wovon leben denn diese Marktforschungsunternehmen? Ich bekomme auch sehr häufig Anrufe von diesen Meinungsinstituten und frage mich jedes Mal wem das was bringen soll. Ich habe bisher noch nie bei so etwas mitgemacht, daher weiß ich es nicht. Wollen die mir dann am Schluss auch irgend etwas aufschwatzen oder handelt es sich tatsächlich nur um eine Umfrage? Und wenn es tatsächlich nur Umfragen sind, wer wertet die Ergebnisse aus und hat etwas davon? Klär mich mal auf ;-)

        • Es gibt auch hier wieder mal die seriösen und die nicht sehr seriösen.

          Bei den seriösen werden die Daten natürlich alle ausgewertet, die Aufträge kommen z.B. von Zeitungen/ Fernsehsendern....Das wäre z.B. die aktuelle politische Lage oder auch "wie häufig hat der Deutsche Sex"....

          Bei den unseriösen (meist sind die zum Thema Finanzen) hast Du dann ein paar Tage später einen Anruf: "Sie haben doch neulich bei einer Umfrage mitgemacht und sich für (z.B.) Steuerersparnis interessiert. Da würde ein Mitarbeiter gerne mal bei Ihnen persönlich vorbeikommen....." #bla #bla #bla

          Gruß

          Karen

        Wir hatten verschiedene Auftraggeber. T-Com/T-Mobile, Deutsche Bahn als Beispiel, aber auch das Bundesministerium f. Familie, Senioren, Frauen und Jugend; sogar Coupe war mal dabei (habe ich aber zum Glück NICHT gemacht! Mit irgendwelchen fremden Heinis noch über sexuelle Gewohnheiten sprechen- die das noch zum Anlaß nehmen könnten, sich aufzugeilen- nee, danke, kein Bedarf).

        Meist haben wir für Emnid oder Forsa als "Mittelsmann" gearbeitet, die Aufträge kamen also nicht UNMITTELBAR; wir wurden von Emnid bezahlt, den Telefonjob zu machen.
        Ich nehme mal an, daß Emnid dann nachher ein paar Statistiker beschäftigt, die die Auswertungen machen. Damit haben wir nie etwas zu tun gehabt und auch nie die direkten Ergebnisse gesehen... Aber eines kann ich dir noch verraten: So eine Umfrage dauert "offiziell" 10 Minuten. Das ist das, was wir den Leuten zu Anfang am Telefon erzählen sollten.

        In Wahrheit dauern die Umfragen aber meist eine halbe Stunde oder länger. #schock
        Und dann kommt es dazu, daß die Leute sich die Fragen gar nicht mehr so genau anhören, weil es viel zu lang und langweilig wird.

        Bitte bewerten Sie das und das Produkt von Note 1 (sehr gut) bis Note 6 (ungenügend). Hast du davon 20 Fragen gestellt, kommen die Antworten der Leute, ohne nachzudenken, hauptsache, es ist bald vorüber.

        Insofern: Neben dem Gefühl, in einem Überwachungscenter zu arbeiten, wo jeder Fehltritt der eine zuviel sein könnte (und sei es, daß du auf freche Männeranmachen mal rotzfrech reagierst, weil es dich nervt) kommt noch das Gefühl, daß das, was du tust, so sinnlos ist wie ein Kropf.

        Denn wenn von 10 Umfragen in vier Stunden nur sechs widerwillig und nicht mehr ernsthaft beantwortet werden, ist die ganze Statistik am Ende versaut.

    Da kann ich froh sein dass ich 1. einen festen Arbeitsplatz habe und 2. kann ich wegen meiner Hörschädigung (bin hochgradig!!) in den Callcentern net arbeiten *frohbin*

(14) 11.07.06 - 13:17

Hi!

Ich hab auch schon mal im Callcenter gearbeitet (etwa vier Wochen lang, länger hab ich's nicht ausgehalten) - bei einem Meinungsforschungsinstitut, denn alles andere hätte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können, und außerdem bin ich sowieso sch**ße im Verkaufen...

Eigentlich sind diese Meinungsforschungsanrufe ja sehr sinnvoll, denn die werden immerhin ständig von den großen Zeitungen und Magazinen zitiert ("laut einer forsa-Umfrage zum Thema...", "laut einer emnid-Umfrage..."). Wie man so hört, haben da früher die Leute auch echt gerne mitgemacht, so nach dem Motto: "Hey, super! Meine Meinung zählt auch!"

Aber da man ja heutzutage von Hinz und Kunz angerufen wird, die einem dann vielleicht noch über ne fiese Masche ein Zeitungsabo andrehen wollen, reagieren die Leute zunehmend allergisch.

Ich kann dir nur sagen: Diese Arbeit macht keinen Spaß (naja, hin und wieder vielleicht doch, wenn man eine tapfere 90jährige am Telefon hat, die supernett ist, einem alle Fragen geduldig beantwortet, und sogar noch ein bisschen rumscherzt). Aber versuche heutzutage mal, als Student irgendeinen anderen Job zu bekommen. Inventur? Fehlanzeige, das machen heutzutage speziell darauf spezialisierte Firmen (früher hingen in den Geschäften regelmäßig Hinweise "Inventurhelfer gesucht!"). Nachhilfe? Auch schon versucht, hat sogar geklappt, aber die Firma geriet zunehmend in finanzielle Nöte, da sich wohl kaum einer mehr Nachhilfe für seine Kinder leisten kann. Also auch keine Zukunft in der Branche.

Und so ist das ja in den meisten Bereichen: Rationalisieren, rationalisieren, rationalisieren. Es gibt eben kaum noch Arbeitsplätze. Außer im Callcenter, da werden immer wieder neue Leute gebraucht - vermutlich auch, weil viele schon nach kurzer Zeit wieder abspringen, weil sie eben den psychischen Druck nicht aushalten.

"Suchen Sie sich gefälligst eine richtige Arbeit!" wird einem da ins Ohr gebrüllt. Das ich nicht lache.

Naja, wie auch immer, du hast natürlich Recht: Um diese Zeit noch bei den Leuten anzurufen ist schlichtweg eine Frechheit. Und die seriösen Marktforschungsunternehmen machen das eigentlich auch nicht, da ist grundsätzlich um 21 Uhr Schluss. Und selbst das finde ich persönlich schon zu spät, aber ich bin ja nicht der Boss.

LG
Annika

PS: Die Nummern werden tatsächlich per Zufallsgenerator erstellt, man hat nämlich auch oft Faxe dran, oder gar nichts, oder eine Firma (und die befragt man ja nur in speziellen Firmenumfragen).

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