Wie kann ich lernen, "nein" zu sagen?

    • (1) 08.05.17 - 17:16

      Hallo alle Zusammen,

      ich habe ein großes Problem, ich kann nicht "nein" sagen.

      Zunehmend merke ich, dass es mir damit nicht gut geht, da ich immer wieder zwischen den Stühlen sitze. Dieses Problem ist bei mir allgemein, also nicht nur in bestimmten Situationen. Ich habe damit im Privaten und auch im Berufsleben Probleme. Ich erwische mich dabei, dass ich mich immer wieder in mein Gegenüber versetze, es immer anderen Recht machen möchte. Ein "Nein" aus egoistischen Gründen gehört sich nicht, so bin ich erzogen worden.

      Könnt ihr mir Tipps geben, wie ich das lernen kann? Es geht mir nicht gut damit, aber ich schaffe es nicht, über meinen eigenen Schatten zu springen.

      Vielen Dank für eure Meinungen zu diesem Thema!

      Liebe Grüße, kleinekecki

      • Keine leichte Aufgabe. Im Grunde würde ich Dir da echt zu einer Therapie/einem Coaching raten, weil die Ursache, warum Du nicht nein sagen kannst, erst einmal aufgedeckt werden muss.

        Generell gibt es aber Methoden, ein "nein" abzuschwächen bzw. sich darauf vorzubereiten. Beruflich beispielsweise erbitte ich mir immer erst einmal Bedenkzeit, wenn es sich um eine Bitte handelt, die ich nicht sofort erfüllen muss. Ich sage dann sowas wie "darüber muss ich unbedingt erst einmal schlafen" oder "reicht es Dir, wenn ich Dir später/morgen/demnächst Bescheid sage?". Klappt.
        Privat unterscheide ich schon einmal zwischen Menschen, die mir nahe stehen und Menschen, denen ich nichts und sie mir ebenso wenig bedeuten. Bei Letzteren sage ich dann auch viel häufiger ab oder schlage eine Bitte aus, wenn mir das nicht passt. Ohne zu lügen allerdings, das kann ich nämlich wiederum nicht ausstehen. Wenn ich keine Lust habe, hab ich keine Lust und formuliere das auch mehr oder weniger deutlich.
        Meiner Familie gegenüber schlage ich sehr wenig aus, ist auch nicht nötig. Falls ich mal etwas wirklich nicht möchte arbeiten wir einen Kompromiss aus. Naja und meine Kinder müssen natürlich aus erzieherischen Gründen schon mal ein Nein verkraften, aber ich erkläre dann halt auch, warum es so ist.

        Hilft das schon weiter?

        Lernen kann man das nicht, dass muss man ausprobieren und auch mit den entsprechenden Reaktionen des Gegenüber zurechtkommen.

        Hallo,

        ich hatte das Problem auch und ich musste echt ein paar miese Erfahrungen machen und aus der Retrospektive erkennen, dass ich total ausgenutzt wurde, die Schuld aber auch bei mir lag, weil ich das nicht "abwenden" konnte.

        Ich habe mich dann selbst gezwungen, nein zu sagen - ich scheue Konflikte und habe oft auch Sachen gemacht, um den Konflikten aus dem Weg zu gehen, die ich befürchtet habe. Es war am Anfang wirklich schwierig, aber als es dann mal wirklich zu einem Konflikt kam und ich den "ausgehalten" habe, war es um einiges einfacher.

        GLG
        Miss Mary

      • Schwierig aber möglich kann ich dir aus Erfahrung sagen.
        Bei Kleinigkeiten anfangen zu üben. Vielleicht bei Menschen wo es dir nicht so wichtig ist wie sie über dich denken, wenn es dann zu Konflikt kommt.
        Denn im Grunde ist es ja die Angst vor Ablehnung, Ungeliebtsein, als "falsch" zu erscheinen.
        Wenn du selbstbewusst bist, weißt wer du bist, hast du keine Angst mehr vor den Reaktionen.
        Was mir Anfangs am schwersten fiel war das schlechte Gewissen auszuhalten und aus Schuldgefühlen heraus (obe eigene unbegründete oder wirklich von aussen eingeredete) nachzugeben.
        Aber das wurde mit jedem Nein und jedem Konflikt besser.
        Es ging soweit, dass ich sogar meiner Mutter gegenüber ehrlich und offen meine Meinung sagte, woraufhin sie monatelang nicht mit mir sprach.
        Ich sag dir, das war der Härtetest. Aber ich habe ihn bestanden und das hat einen Knoten platzen lassen und macht mich zusehends mutiger. Klappt noch nicht immer - auch weil ich oft um die richtigen Worte ringe um den Anderen nicht vollkommen vor den Kopf zu stossen, denn auch seine Anliegen und Wünsche können ja berechtigt sein! - aber ich habe zunehmend weniger Angst und Schuldgefühle.
        Aber wie gesagt: die musst du am Anfang aushalten können.
        Viel Glück und Erfolg dabei !! :-)

        Hallo,

        in welchen Situationen ist das denn? Würde mir erstmal überlegen, in welchen Situationen du das "nein" Sagen brauchst bzw. ändern möchtest, also in welchen im beruflichen und privaten? Notiere dir doch mal solche Situationen, kannst diese auch mal daheim "nachspielen" mit dem Spiegel oder so und üben, was du lieber gesagt hättest. Dann finde ich, ist es gut, wenn man um etwas Bedenkzeit bittet, "ich möchte es mir überlegen und gebe Ihnen morgen Bescheid" oder "Ich kann jetzt noch nicht fest zu sagen, schaue aber nach und gebe dir Bescheid" oder so, dann kann man auch das "nein" daheim mal mit dem Partner "üben" oder mit etwas Zeit, fällt es oft leichter, meist ist man eben überrumpelt und sagt dann zu schnell "ja". Und mit jedem "nein" wird es besser werden. Sonst könntest du auch einen Gegenvorschlag machen oder eine Alternative anbieten, das klappt meist auch ganz gut. Probiere es aus!

        LG

      • Das Problem hatte ich aufgrund meiner elterlichen Erziehung ebenfalls, es hat sich mit den Jahren von alleine gelöst:

        Es kommt irgendwann eine Person/Situation in deinem Leben, in der du derart ausgenutzt und deine Hilfsbereitschaft nicht wertgeschätzt wird, dass du von da an spontan egoistisch(er) wirst. Wie so ein Hebel, der sich umlegt. Das kann dann aber auch Verbitterung oder Menschenhass sein.
        Helfen wirst du dann immer noch ab und an, wenn dich jemand fragt. Das wird aber nur noch sporadisch der Fall sein.

        Jedenfalls ging es dir bisher mit deinem guten Willen nicht schlecht genug...

        Das kann man lernen - durch üben üben üben. Ich war auch mal so blöd - vor vielen Jahren. Aber als mir alles über dem Kopf zusammenschlug und ich keine Minute mehr für mich hatte, war Schluß. Zuerst schauen die Leute blöd, wenn man strikt nein sagt - und zwar ganz ohne Begründung, einfach nein - aber sie gewöhnen sich daran.
        Ich habe aber auch schon festgestellt, dass "nicht nein sagen können" manchmal auch heißt, nicht nein sagen WOLLEN, weil man zu feige ist, nein zu sagen - und notfalls eine kurze Begründung abzugeben. Das ist unbequem und davor drückt man sich.
        Das kannst Du nur selber wissen, was für Dich zutrifft.
        Erziehung ist nicht immer eine Entschuldigung - es sind die meisten so erzogen worden, dass man nett und höflich ist. Aber deswegen sich ausnutzen lassen zu müssen, heißt das noch lange nicht. Du bist erwachsen und kein kleines Kind mehr, welches Mutti folgen muss.
        Fang an zu üben - am besten heute noch.
        LG Moni

        OK, heute mal provokant, aber keinesfalls böse gemeint: Warum ist Dein Nick hier KLEINEkecki? Ist der Name Programm? Bist Du ein kleines braves Mädchen, das es immer allen recht macht? Das niemanden verärgern will und das für einen Lolli (ein Lächeln, ein Lob, ein Danke...) ALLES tut? Das Mama glücklich und Papa stolz macht, weil es schon so viel kann? Ja? Dann mach Dich groß, werde kecki und zeig Zähne. Das geht sogar mit einem freundlichen Lächeln.

        LG basta.pasta
        die ziemlich sicher ist, dass kein Mann je auf die Idee käme, sich ...-chen, ...-lein oder kleiner... zu nennen. Eher schon Napoleon oder Dampfwalze.

        Klein anfangen, dann langsam vorarbeiten uns sich gar nicht erst lange Erklärungen angewöhnen.

        Probierstände im Supermarkt, Flugblattverteiler, Telefonumfragen, ein kurzes "Nein danke."

        Wenn das gut klappt, nächste Aufgabe suchen.

        Und dann kann man irgendwann sogar gezielt auf andere zugehen und an diese noch Aufgaben abgeben, bzw. gezielt selbst um Hilfe bitten.
        Wenn mein Kind mir sagt "xy kann ich nicht", dann antworte ich oft "Das kannst Du noch nicht. Jetzt musst Du nur entscheiden, ob Du es lernen möchtest oder nicht."
        Setz Dich nicht unter Druck und lass Dich nicht entmutigen, Veränderungen brauchen immer Zeit.

        Ich halte übrigens auch nichts von der "ich denke drüber nach Taktik", die verschiebt nämlich das Problem nur nach hinten und schwirrt dann munter weiter im Hinterkopf rum. Ein direkt ausgesprochenes Nein ist zwar erstmal auch gewöhnungsbedürftig, aber der Kopf ist schneller wieder frei, weil man es direkt hinter sich gebracht hat.

        Hallo...
        Zwei,drei mal ausgesprochen geht es schon viel leichter. Nein sagen kann man lernen,muss man sogar (sonst wird man immer ausgenutzt)
        Habe früher auch nie nein gesagt, aber mittlerweile geht das hier und da ganz gut. Und schlecht fühlt man sich dabei irgendwann auch nicht mehr. Es macht dich selbstbewusster.

        Ganz wichtig ist nur,ein NEIN,ohne es zu rechtfertigen auszusprechen.
        Nur Mut!

        Viel Glück

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