Selbstmord wie steht Ihr dazu ?

    • (1) 26.06.17 - 10:01

      Guten Morgen,

      ich habe ja seit einiger Zeit eine Kindle-Flatrate und wie das so ist, man liest ein Buch und bekommt Vorschläge für das nächste und irgendwann landet man bei Büchern, die man sich selbst im Laden so vermutlich nicht ausgesucht hätte.

      Auf alle Fälle hatte ich nun letzte Woche ein Buch in dem es um einen jungen Mann ging, der nicht mehr leben wollte. Alle Selbstmordversuche wurden verhindert. Entweder durch Freunde, Nachbarn oder Kollegen.

      In dem Buch wurde aber auch geschildert, wieso der Mann nicht mehr leben wollte. Schlechts Elternhaus dadurch kaum sozialen Kontakte usw. Für die zwei Freunde, die er hatte, war es praktisch ein Full-Time-Job darauf aufzupassen, dass er sich nicht umbringt.

      Je länger ich in dem Buch gelesen habe, desto mehr kam in mir die Frage hoch, wieso das alles ? Wieso darf er sich nicht umbringen, solange er niemand anderes gefährdet ? Was gibt fremden das Recht dazu zu entscheiden, ob ich leben möchte oder nicht ?

      Wieso werden Menschen in die geschlossene eingeliefert, weil sie sich umbringen wollten ?

      Nachdem ich das Buch nun ausgelesen haben, bin ich für mich zu der Entscheidung gekommen, dass es eigentlich nicht fair ist, jemand der lieber sterben möchte, zwangshaft von seinem Suizid abzuhalten. Denn alle, die das zu verhindern versuchen, müssen ja nicht mit den Problemen des Selbstmörders leben.

      Ich bin mal gespannt, wie das Rest der Welt so sieht.

      Wie steht Ihr zu Suizid ? Findet Ihr man sollte ihn nur irgendmöglich verhindern um die betreffende Person heilen zu wollen ?

      Oder seit ihr eher Gegner, so nach dem Motto: Ich muss mir die Sch.. hier auch an tun, wieso sollte ein anderer fliehen dürfen.

      LG

      Tiffy

      • >>Wie steht Ihr zu Suizid ? Findet Ihr man sollte ihn nur irgendmöglich verhindern um die betreffende Person heilen zu wollen ?<<

        ihn heilen zu wollen würde ja voraus setzen, dass die Person krank ist. Dann müsste erst mal geklärt werden, bedeutet es krank zu sein, wenn man Selbstmord begehen möchte?

        Nun, wir werden nicht gefragt, ob wir geboren werden wollen, da ist auch gut so;-) Aber leider dürfen wir auch nicht entscheiden, ob und wann wir gehen wollen, weil "ein Leben zu retten" oberste Priorität zu haben scheint, völlig egal, ob der jenige gerettet werden will und aus welchen Gründen er aus dem Leben scheiden will

        (3) 26.06.17 - 10:26

        Ich bin der Meinung, dass jeder, der sich wirklich umbringen will, die Gelegenehit findet.
        Kein Mensch kann 24/7 permanent überwacht werden, so lange er sich in Freiheit befindet.

          Weil die meisten Selbstmörder in spe in einer emotionalen Ausnahmesituation sind, in der sie keine achtsamen Entscheidungen für sich selbst treffen können.. ich hab mal gelesen, dass 80% aller Selbstmorde in Deutschland von Depressiven begangen werden. Depression ist halt eine Krankheit. Also schützt man die Betroffenen im akuten Fall vor den Auswirkungen dieser Krankheit. Mir sagte mal einer, der in einer Psychiatrie gearbeitet hat, dass die meisten Patienten im Nachhinein froh waren, dass es nicht geklappt hat.

    (9) 26.06.17 - 10:27

    Vielleicht wäre er irgendwann sehr dankbar, dass ihn "damals" jemand abgehalten hat? Vielleicht geht irgendwann eine Tür für ihn auf, hinter der Positives steht und er ist sehr froh darüber?

    Ich kenne jemanden, der sich vor den Zug geworfen hat und Frau mit zwei kleinen Kindern hinterließ ........ das ist fast 20 Jahre her und die Kinder haben jahrelang gelitten und mussten mit dieser Bürde zurecht kommen. Das war damals ein sehr großes Drama und ich habe mich gefragt, wie man sowas seiner Familie antun kann.

    Natürlich kann man niemanden in den Kopf kucken, und niemand kann nachempfinden, wie hart es vielleicht sein muss, solch einen Schritt zu gehen.
    Aber man kann sich auch fragen, ob sowas nicht verdammt feige und mies den Angehörigen gegenüber ist, die damit leben müssen.

    Schwieriges Thema.

    • (10) 26.06.17 - 13:11

      Ich habe mich genau bei diesem Gedanken auch ertappt, dass ich wohl offensichtlich Unterschiede mache, ob der Selbstmörder weitestgehend alleine ist, oder gegebenenfalls vielleicht sogar noch Kinder hinterlässt. Letzteres finde ich nämlich auch egoistisch und feige. Allerdings bin ich in der glücklichen Situation, mich noch nie wirklich näher mit der Thematik auseinander setzen zu müssen. Weder ich, noch ein mir nahe stehender Mensch tragen sich, meines Wissens mit suizidalen Gedanken um.

      Allerdings hat ein Freund von mir vor 20 Jahren seinen Vater tot auf dem Dachboden gefunden, erhangen! Mir ist es unbegreiflich, dass man sich überhaupt umbringt, wenn man kleine Kinder hat, aber dass man dann sogar noch in Kauf nimmt, von eben diesen gefunden zu werden, macht mich unglaublich wütend.

      Wirklich ein schwieriges Thema.

      Liebe Grüße, Kokosmilch

(11) 26.06.17 - 11:10

Als Teenager war ich selbst Selbstmord gefährdet. Der Tod übte einen ungeheuren Reiz auf mich aus und es war unglaublich tröstlich zu wissen, dass ich das lebrn nicht zwingend ertragen müsste sondern mir der Tod immer als letzter Ausweg bleibt, wenn ich es gar nicht mehr aushalte. Eigentlich wollte ich auch nicht wirklich sterben sondern nur nicht mehr unglücklich leben. Von daher verstehe ich jeden, der den Wunsch nach Selbstmord äußert. Nun bin ich aber auch nicht mehr nur allein für mich verantwortlich sondern habe Menschen, die mich lieben und mich brauchen. Menschen, die ich durch meinen Tod unglücklich machen würde und dieser Punkt ist es, der mir seit ich erwachsen, erst bewusst wurde. Man würde durch seinen Tod andere unglücklich machen, die einen lieben. Als Teenager denkst du nur an dich selbst, bist halt egoistisch und überlegst gar nicht, was du allen, die dich lieben damit antun würdest. Inzwischen bin ich selbst Mutter und es würde mir das Herz brechen, mein Kind, meinen Mann und natürlich auch meine Eltern so dermaßen im Stich zu lassen. Diese Menschen lieben mich, sind teilweise auf mich angewiesen, da KÖNNTE ich niemals so dermaßen egoistisch handeln und mich bewusst für den Tod entscheiden. Nicht, dass ich jetzt noch solche Phasen hätte, aber selbst wenn würde mich die liebe zu meinem Kind und meinen Mann definitiv davon abhalten, es zu tun. Ich kann die Verzweiflung immer noch nachvollziehen und verurteile niemanden, der sich zu diesem Schritt entschließt. Denn schließlich ist es sein lebrn und somit auch seine Entscheidung, ob derjenige lebrn oder sterben will. Ich selbst sehe es nämlich auch so. Ich entscheide, ob ich leben oder sterben will. Aber die liebe zu meiner Familie ist ein Grund für mich zu leben. Lebrn zu wollen.

(12) 26.06.17 - 11:29

Bei definitiv tödlicher schwerer Krankheit mit Leiden ohne Ende bin ich dafür, dass dieser Mensch sein Leiden beenden darf, wenn er einfach nicht mehr kann.
Ansonsten würde ich dafür plädieren, einem Lebensmüden therapeutisch aufzuzeigen, wie auch sein Leben noch positiv weitergehen kann.
Ich würde mir nie anmaßen, über jemanden zu richten, der seinem Leben ein Ende gesetzt hat, aus Jux und Dollerei macht das keiner.
Ich selber würde es allerdings - nach heutiger Sicht - meiner Familie nicht antun, denn die leiden lange darunter und machen sich Vorwürfe.
Leider habe ich schon vollkommen sinnlose Selbstmorde aus Kurzschluß heraus im Bekanntenkreis miterleben müssen - einfach nur schrecklich, wie die Familien leiden.
Und nebenbei - mein erster Freund hat sich ebenfalls das Leben genommen, wegen eines Streits mit seinem Vater.....das lässt einen nie mehr los, da war ich 15, einfach nur schlimm.
LG Moni

  • (13) 26.06.17 - 11:39

    Hi
    die Frau meines Chefs hat Suizid gemacht, ABER davor war sie lange in Therapie wg. Depressionen und das war für die Familie noch schlimmer zu sehen, wie die Frau immer weniger wurde, immer kränker, ein Schatten von sich selbst, ....das hätte auf Dauer die Familie und Personen ebenfalls zerstört.
    Die Frau war einst eine extrem lebensbejahrende tolle Frau, die Krankheit kam urplötzlich.

    Nicht jeder kann oder will geheilt werden.
    Manchmal ist ein Ende mit Schrecken auch besser.

    Aber wegen eines Streites sich das Leben zu nehmen....dazu sage ich mal nix.

    LG
    Lisa

    >>Bei definitiv tödlicher schwerer Krankheit mit Leiden ohne Ende bin ich dafür, dass dieser Mensch sein Leiden beenden darf, wenn er einfach nicht mehr kann.<<

    ja, das sehe ich auch so. Aber leider darf man das nicht. Jeden falls nicht in Deutschland

    • Hallo!

      Doch, du darfst dich jeder Zeit umbringen, wenn du das möchtest. Wer sollte dich auch hindern? Problematisch wird es , wenn man das vorher mit den falschen Menschen bespricht.

      Aktive Sterbehilfe ist verboten. Assistierter Suizid ist u.U. erlaubt. Es gibt sogar eine juristisch gewollte Grauzone, die besagt, dass letztendlich alles eine Entscheidung zwischen Patienten und vertrautem Arzt sein darf. Wo kein Kläger, da kein Richter.

      Da gibt es feine Unterschiede, die ich persönlich sehr wichtig finde.

      Aus Erfahrung kann ich dir aber sagen, dass die meisten von uns propheten, dass sie im Falle einer todbringenden Erkrankung Sterbehilfe in irgendeiner Form haben möchten. Sind sie dann todbringend erkrankt, sieht alles wieder ganz anders aus. Den Zeitpunkt, an dem z.B. ein assistierter Suizid möglich und erlaubt wäre, verstreicht in der Regel ohne dass auch nur ein Gedanke daran verschwendet wird. Einen selbstbestimmten Suizid begehen nur sehr, sehr wenige, wenn sie unheilbar krank sind. Das ist ein in der Öffentlichkeit total aufgebauschtes Thema, das diskutiert wird von Menschen, die gesund sind.

      LG

      • >> Einen selbstbestimmten Suizid begehen nur sehr, sehr wenige, wenn sie unheilbar krank sind<<
        du meinst jetzt in der von dir genannten Grauzone?

        >>Den Zeitpunkt, an dem z.B. ein assistierter Suizid möglich und erlaubt wäre, verstreicht in der Regel ohne dass auch nur ein Gedanke daran verschwendet wird.<<

        du meinst jetzt den Erkranken, dass er dann im Grunde (noch) nicht so weit ist und wenn er so weit ist, geht es nicht mehr.

        • Nein, ein selbstbestimmter Suizid braucht keine Grauzone. Wenn jemand die Absicht hat sich wegen einer unheilbaren Erkrankung umzubringen, dann macht der das. Es gibt genug Möglichkeiten. Tatsache ist aber, dass es kaum jemand macht, wenn er es noch selbstständig und selbstbestimmt durchziehen kann. Die meisten begeben sich eben doch in die Krankheit und das Sterben. Zunächst, weil die meisten doch noch irgendwie Hoffnung haben, später, weil das meiste doch irgendwie aushaltbar ist. Irgendwann ist der Zeitpunkt, an dem man sich eigenverantwortlich umbringen könnte einfach vorbei. Dann wird es zu kompliziert, aber es ist dann sowieso kaum noch Thema.

          Meiner Meinung nach ist es viel wichtiger sich darüber Gedanken zu machen, wie wir alle eine würdevolle Begleitung und Symptombehandlung gewährleisten können und nicht, in welchem Rahmen aktive Sterbehilfe erlaubt sein sollte.

          Das beantwortet auch deine zweite Frage: Die wenigsten wollen den Zeitpunkt des Todes exakt selber bestimmen. Im Hospiz ist das so selten Thema, dass es eigentlich gar keines ist. Den Leuten ist klar, dass sie sterben werden. Es ist oft klar, dass sie nicht lebenssatt und abgeklärt sterben werden und trotzdem ist jeder Moment wertvoll. Bei manchen wird palliative Sedierung angeboten, wenn klar ist, dass der Zustand schon ganz schon belastend werden könnte. Den meisten genügt, dass sie sie haben könnten, kaum einer nimmt sie dann tatsächlich in Anspruch.

          Die Grauzone gibt es bei der aktiven Sterbehilfe und bei dem assistierten Suizid. Beides kommt natürlich vor und beides ist letztendlich eine Entscheidung zwischen Arzt und Patient. Oder Angehörigen und Patient.

          Nochmal: Diese Diskussion wird von Gesunden geführt. Kranke und Sterbende kommen kaum zu Wort, weil die mit anderen Dingen beschäftigt sind, z.B. mit Leben.

          • vielen Dank für deine aus führliche Antwort!

            >>Meiner Meinung nach ist es viel wichtiger sich darüber Gedanken zu machen, wie wir alle eine würdevolle Begleitung und Symptombehandlung gewährleisten können und nicht, in welchem Rahmen aktive Sterbehilfe erlaubt sein sollte.<<

            da stimme ich dir absolut zu!

(19) 26.06.17 - 11:35

Hi,

jeder kann mit seinem Leben anfangen was er möchte.

Es gibt viele Selbstmörder, die Langzeittherapien hinter sich haben und es hat nichts geholfen.

ABER wenn man schon Selbstmord macht, bitte keine zweiten/dritten...damit einbeziehen, sprich vor dem Zug werfen, etc.

Genauso finde ich Sterbehilfe wichtig!

LG
Lisa

(20) 26.06.17 - 11:37

Hallo,

ich sehe das so...

In erster Linie soll man versuchen dem suizidgefährdeten Menschen durch professionelle Therapie zu helfen. Wenn er dennoch sterben will, ist es seine Entscheidung dies zu tun.
Vielleicht handelt er im Affekt oder es ist ein Hilfeschrei...

Ich hatte 2 Fälle in der Bekanntschaft erlebt:
1. Fall. Teenager 19 Jahre alt hat den Tod des Vaters nicht verkraftet und hat 3 Therapien gemacht. Ohne Erfolg, letztendlich hat er sich das Leben genommen, in dem er von einer Brücke gesprungen ist.

2. Fall. Meine damals gute Freundin wollte sich das Leben nehmen, nachdem sie im Job extrem gemobbt wurde, dann ist noch ein Familienmitglied gestorben und sie wurde depressiv. Ihr Mann hat sie bei ihrem Vorhaben (Badewanne + Fön) beobachtet und sie in die geschlossene eingewiesen. Zum Glück! Das sagt sie auch selbst. Sie ist durchgedreht und wollte nicht mehr leben. Sie ist sehr froh, dass ihr Mann sie damals bei ihrem Vorhaben sich das Leben zu nehmen, daran gehindert hat.

LG

(21) 26.06.17 - 12:29

Hallo!

Wer sich wirklich umbringen will, schafft das auch früher oder später.

Gerade solche Menschen sind oft sehr intelligent, reflektiert und sensibel. Sie finden einen Weg auch gerade bei Ärzten und Therapeuten so gut "zu spielen", dass sie wieder "lebensfroh" sind und dann zack in der Freiheit, haben sie dann "Erfolg" beim Suizid.

Bestimmt hat jeder schon mal gehört: "XY ging es doch gerade besser! Warum hat XY es dann doch gemacht!"

Tja, weil geplant und gespielt!

Lg Sportskanone

  • >>Wer sich wirklich umbringen will, schafft das auch früher oder später.<<

    Menschen, die hilf los ans Bett gefesselt sind, ab hängig von Maschinen und die nicht mehr leben wollen, wie schaffen die es. Dieses früher

    • Da würde dann die passive sterbehilfe greifen. Man darf einen Menschen auf dessen eigenen Wunsch nicht töten (also aktiv etwas tun wie ihm die Pistole reichen), man darf aber Maschinen abstellen, WENN diese Person dies entsprechend einer patientenverfügung so notiert hat. Man darf den Patienten nicht umbringen, auch, wenn er sterben will es aber selbst nicht tun kann. Aber man darf die lebenserhaltenen Maßnahmen abstellen. Das hängt aber wirklich von der patientenverfügung ab. Genau dafür gibt es die nämlich. Passive sterbehilfe ist erlaubt, aktive nicht. Wobei ich das manchmal wirklich gut fände, aktiv sterbehilfe leisten zu dürfen.

      • >> Das hängt aber wirklich von der patientenverfügung ab. Genau dafür gibt es die nämlich<<
        wenn es so einfach wäre.......

        dies ist nur ein Beispiel, wer weiss, bei wie vielen es so ist
        http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/risiken-von-patientenverfuegungen-er-konnte-einen-hauch-zu-viel-das-war-sein-fluch-a-698186.html

        >>"Viele Patientenverfügungen, die wir in unserer Schiedsstelle verhandeln, sind meilenweit von unseren Empfehlungen entfernt - zu allgemein gehalten, zu unbestimmt, zu wenig individuell", berichtet Brysch. Viele ältere Menschen meiden die konkrete Auseinandersetzung mit dem Sterben: "Etwa 90 Prozent derer, die zu uns in die Beratung kommen, sagen, sie möchten die Formalitäten schnell hinter sich bringen. Aber so einfach ist es nicht", warnt der Experte. Eine Patientenverfügung brauche Zeit, Präzision und den Willen, "auch die dunklen Ecken auszuleuchten".<<

    Ich bezog das auf die Menschen von denen die Te sprach, die aus dem Buch. Die es aktiv versuchen und dann weggesperrt werden. Die schaffen es irgendwann, wenn sie noch wollen!

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