Rollenmuster immer noch in den Köpfen?

    • (1) 28.07.17 - 17:38

      Hallo,
      Aufgrund eines persönlichen Erlebnisses möchte ich hier die Frage aufwerfen, welche Verhaltensweisen oder Lebensweisen heute von einer Frau/ Mädchen erwartet bzw. wenigstens akzeptiert werden und welche nicht.

      Bzw, was wird von Männern erwartet, was tut ein richtiger Mann bzw. was eben nicht?

      Oder was gehört sich für eine Mutter bzw.einen Vater?

      Sind die Grenzen heute weniger eng als noch vor 40 Jahren oder einfach nur anders bzw scheinbar gelockert?

      Was ist gesellschaftlich akzeptiert als weibliches bzw. männliches Verhalten?

      • Wie soll man darauf denn eine pauschale Antwort geben? Frag doch wenigstens die Leute nach ihrer persönlichen Meinung, wenn Du schon eine Art Umfrage machst. Oder hilft es Dir, wenn ich Dir sage, was meine Mutter, meine Tochter und meine Nachbarn darüber denken?

        Ich erwarte von den Menschen, dass sie ihr Leben so leben, wie sie es für richtig halten und mich dasselbe tun lassen. So einfach kann das sein.

        (3) 28.07.17 - 19:07

        Hallo,

        ich denke, dass es da deutliche Umfeldunterschiede geben dürfte, zum Beispiel rein hinsichtlich Stadt- und Dorfbewohner.

        Ich selber komme aus einem Dorf, wohne aber nun seit Jahren in der Stadt. Mein Partner wohnt auf dem Land und dort im Dorf sind die Menschen, nunja, sehr rollen"bewusst". So sehr, dass selbst ich als ursprüngliches Dorfkind staune. Das platteste Beispiel ist sicherlich, dass man schräg angeschaut wird und entsprechende Kommentare erntet, wenn man in geselliger Runde als Frau ein Bierchen dem Prosecco vorzieht.
        Auch gilt dort noch die goldene Regel für Frauen: Küche, Kirche, Kinder.

        LG

        Hallo, interessante Frage :-) Danke!

        Mir persönlich fällt am meisten auf, dass Frauen immer mehr männliche Züge annehmen dürfen und dafür besonders geschätzt werden, während dies andersherum häufig eher zu Kritik und Abwertung führt.

        Offensichtlichstes Beispiel schon bei Kindern: Mädchen können alles tragen - Latzhose, Cars-Shirt, Farben rot, blau, grün. Jungs mit Kleid oder Rock, im rosa Shirt, mit einer Disneyprinzessin? Fehlanzeige oder viel Gegenwind. Auch Hobbys, die eher Jungs nachgesagt werden, sind bei Mädchen "cool" und mutig. Jungs mit Hobbys, die sonst eher Mädchen betreiben, sind da häufiger Spott und Häme ausgesetzt. Obwohl das heute meinem Empfinden nach schon etwas besser wird.

        Bezüglich des klassischen Rollenmodells hat sich mit den zwei Vätermonaten, mit denen sich ja auch die Länge und Höhe der Auszahlung des Elterngelds erhöht, ein klein wenig das Bild gewandelt. Immer mehr Papas bleiben diese zwei Monate zu Hause. Ein paar mehr trauen sich auch noch etwas längere Zeiten zu. Väter in Teilzeit sind aber eher noch ein sehr ungewohntes Bild. Das Thema Rollenbild ist damit meinem Empfinden nach in den Familien angekommen. Viele Arbeitgeber und auch Kollegen scheinen da aber noch etwas Zeit zu brauchen, denn viele Väter ernten für Engagement in der Familie anscheinend noch einiges an Hohn und Abwertung. Vielleicht verwächst sich das aber auch mit den Generationen.

        Ansonsten habe ich den Eindruck, dass es so ganz starre Vorstellungen immer seltener gibt. Mir fällt noch auf, dass Mädchen anscheinend Schulgewinner und Jungs Schulverlierer sind. Unser Schulsystem ist geeignet für brave, anpassungsfähige und folgsame Schüler, weniger für energiegeladene, kreative Chaosmenschlein. Mädchen scheinen da - warum auch immer - häufig besser mit zurecht zu kommen. Ich befürchte, irgendwann bald wird uns das auf die Füße fallen, denn die anpassungsfähigen, die genau das tun, was man ihnen sagt und wenig kreativ sind, können wir bald immer weniger brauchen. Wir brauchen Menschen, die sehr schnell all das Neue, auf das wir tagtäglich stoßen selbständig erarbeiten und weiterentwickeln können - also neugierige, kreative Köpfe. Aber das weicht nun ein bisschen doll vom Thema ab :-) Entschuldige.

        So far,
        blue-butterfly

      • Ich habe bezüglich rollenklischees noch nie die Erfahrung gemacht, dass heute bestimmte Erwartungen an ein bestimmtes Geschlecht hängen. Jungs dürfen genauso rosa tragen wie Mädchen blau, Jungs dürfen mit Puppen spielen ohne schief angesehen zu werden, Mädchen dürfen genauso Fußball oder lego toll finden wie Jungs Ballett. Männer in meinem Umfeld nehmen bewusst Elternzeit und zwar mindestens 2 Monate, einige sogar 8 oder übernehmen die Elternzeit komplett. Männer holen die Kinder vom Kindergarten ab und kochen, frauen wird kein Vorwurf gemacht, arbeiten zu gehen oder zu hause zu bleiben. In meinem Umfeld wird keiner schief angesehen, wenn er sich nicht rollenkonform verhält. Männer werden stärker in alles, was familienabläufe betrifft mit eingebunden als noch vor 30 Jahren, als ich klein war. Ich habe in den letzten 10 Jahren nie Anfeindungen im wirklichen Leben erlebt, die sich auf bestimmte rollenklischees beziehen. Jeder darf, was ihm gefällt und solange es allen Beteiligten dabei gut geht. Toleranz ist normal, maximal die Generation meiner Großeltern (Jahrgänge um 1930/1940 rum) ermahnen noch, dass sich dieses und jenes nicht für Mädchen/Jungen gehört. Aber alle ab dem Jahrgang 1950 rum haben mit dem typischen klischeedenken gar nichts am Hut, sind selbst tolerant und finden es super, dass es keine stark vorherrschenden Klischees wie noch zu ihrer Kindheit und Jugend mehr gibt. Eine Frau oder ein Mädchen darf heute alles tun, solange es ihr dabei gut geht. Jungen und Männer müssen zwar mehr darum kämpfen, aber auch sie dürfen alles tun, was ihnen gefällt.

        Ich muss zugeben, daß es für mich immer noch einige Dinge gibt, die ich klar Männer oder Frauen zuordne.
        Wenn ein Mann einen Sekt trinkt oder eine Frau ein Bier, das passt für mich irgendwie nicht.
        Ebenso fände ich kleine Jungen in Mädchenkleidern befremdlich. Fußball ist für mich immer noch ein Männersport.
        Für mich gehören ebenfalls die Kinder die ersten drei Jahre nach Hause (am besten zur Mutter, Vater wär die zweite Wahl).
        In der Gesellschaft ist es auch immer noch so, daß Männer, die viele Frauen abschleppen, Frauentypen sind, Frauen im Gegenzug sind dann Schlampen.

        Ich finde es überhaupt nicht schlimm, daß man manche Dinge auf Männer/Frauen projeziert..............man muß ja nicht immer alles gut finden, was einem die Gesellschaft so vorgibt, nur weil man im Jahr 2017 lebt

        • Ich denke es ist ok wenn man seine eigenen Ansichten hat, diese aber nicht auf andere projiziert.

          Ich halte nichts davon dass Frauen drei Jahre bei den Kindern bleiben, und handele dann auch entsprechend wenn es meine Familie betrifft.
          Was andere tun ist deren Sache.
          Eine Freundin von mir hält drei Jahre für viel zu kurz , ihre Kinder gingen nie in den Kindergarten und besuchen auch keine Schule.
          Sie findet die ersten 10 Jahre sind das Minimum und lehnt jede staatliche Einmischung ab.
          Auch gibt es einige die 6 Jahre für angemessen halten.
          Sollen sie doch so tun.
          Mein Mann schmeißt hauptsächlich den Haushalt neben seinem Job, kocht und wäscht weil er mehr Zeit hat als ich. Und die Kinder helfen natürlich mit.
          Meine große Tochter spielt sehr erfolgreich in einer Mädchenfussballmannschaft und mein Sohn turnt, interessiert sich fürs Kochen und strickt. Fussball findet er langweilig, genauso wie Autos.
          Er hat immer mit Puppen gespielt und liebt rosa.
          Ich selbst bin Biertrinker, Wein mag ich auch, aber ein Bier ist mir lieber.

          Ich fahre Motorrad und hab einen Sportwagen.

          Mein Mann besitzt nur ein Fahrrad und hat für Autos gar nichts übrig.

          Etwas befremdliches Weltbild, das du da durchscheinen lässt. Diese Aussage, dass man nicht alles gut finden muss, was einen "die Gesellschaft" "vorgibt" klingt für mich nach einem ganz bestimmten politischen Lager. Das ist nur so ein Gefühl, aber das täuscht mich selten.

          Männer, die Sekt trinken, hältst du wahrscheinlich für schwul und Frauen, die Fußball spielen, für lesbisch. Und "schwul" und "lesbisch" sind auch so Dinge, von denen du meinst, dass "die Gesellschaft" sie "vorgibt" und die du nicht gut finden musst, richtig?

          • "Männer, die Sekt trinken, hältst du wahrscheinlich für schwul und Frauen, die Fußball spielen, für lesbisch. Und "schwul" und "lesbisch" sind auch so Dinge, von denen du meinst, dass "die Gesellschaft" sie "vorgibt" und die du nicht gut finden musst, richtig?"

            Falsch:-)

            soviel zu deinem Gefühl..........

      Hallo,

      die Grenzen in den Köpfen sind grenzenlos. Deshalb müssen wir uns auch immer wieder erklären warum mein Mann bei den Kindern ist und nicht volltagsberufstätig während ich als Mutter fast eine Vollzeitstelle habe. Ich finde das traurig. Wenn wir unser Leben so geregelt bekommen und es für alle gut ist, dann ist doch alles bestens oder?

      Als es jahrelang anders herum war und ich Zuhause war, war es für Außenstehende in Ordnung. Das Problem war nur, dass ich das einfach an irgendeiner Stelle nicht mehr gestemmt bekam. Wir haben einen besonderen Jungen und das hat mich an meine Grenzen gebracht. Deshalb ist für uns der Wechsel einfach richtig. Aber selbst das verstehen nur die wenigsten Menschen. Mein Mann wird immer wieder gefragt und was ist mit deiner Arbeit? Kinder sind auch Arbeit.

      LG

      Carola

      • Bei uns war vin vornherein klar, dass mrin Mann der bessere " Familienmanager" ist.

        Ihm liegt der Umgang mit den Kindern einfach und hat mehr Geduld.
        Ich bin eher explosiv und sehr ungeduldig, hab Hummeln im Hintern und finde dauerhaft zu Hause zu sein sehr langweilig und anstrengend.

        Das war schon vor den Kindern klar, man kennt sich ja gegenseitig doch ziemlich gut.
        Im direkten Umfeld hat es daher auch niemanden gewundert dass ich nach 8 Wochen wieder arbeiten gegangen bin und mein Mann seine Arbeitszeiten etwas reduziert hat.
        Auch die Tatsache dass er mehr zu Hause macht, wird nicht kritisch gesehen.
        Meine Familie und Freunde wissen ja wie ich bin undxdaher hat das niemanden gewundert dass ich den" männlichen " Part übernehme und mein Mann den eher " weiblich " besetzten Part Haushalt und Kinder.
        Im Job gibt es schon mal Bemerkungen oder Fragen von Kollegen, wo denn die Kinder sind wenn es abends spät wird oder ich ein paar Tage beruflich unterwegs bin.
        Als ob die Kinder nur eine Mutter hätten....#augen .
        Und wenn die nicht da ist sind die Kinderlein verloren und auf sich selbst gestellt. #schock
        Ich lächle darüber, und denke mir : wie beschränkt kann man sein?

    Na, mal wieder die gleiche doofe und langweilige Story im neuen Gewand?
    Lass doch die Leute leben und hör auf, dein Lebensmodell ständig und immer auf penetrante Art und Weise zu präsentieren, das nervt!
    Und dann immer diese Extrembeispiele #augen--klar, Kinder die nicht in die Schule gehen gibt es doch haufenweise und 10 Jahre bei Mutti ist doch üblich #klatsch

    hallo!

    was sich für eine mutter oder einen vater gehört?

    am morgen wird eines direkt geklärt: schatz, wer füttert heute die trolle? ;-) (da verfolgen wir kein festes rollenmodell und entscheiden situationsabhängig...)

    liebe grüße
    hopsi

    Hallo,

    das mit dem Bier und dem Sekt finde ich lustig.
    Wir wohnen auf dem Dorf, und ich hasse Sekt. Den trinke ich genau einmal im Jahr zu Silvester. Aber hier trinken die meisten Frauen genauso Bier wie die Männer, und es stört keinen oder zumindest sagt keiner was.

    Aber ich kann mit diesen ganzen Frauen-Ritualen, wie Prosecco hier und Wangenküsschen da sowieso nichts anfangen. #schwitz
    Zum Glück habe ich mit diesen Frauen wenig zu tun. Meine Kollegen sind hauptsächlich Männer, und meine Freundinnen und engeren weiblichen Bekannten sind auch keine Prosecco-Trinkerinnen und Wangenküsschen-Verteilerinnen.

    Grundsätzlich habe ich den Eindruck, als sei man Mädchen gegenüber toleranter. Die Mädchen dürfen mit kurzen Haaren in Hosen durch die Bäume toben und Technik toll finden, aber die Jungs dürfen kein rosa tragen, lange Haare haben und mit Glitzer-Einhörnern spielen oder zum Ballett gehen.
    Unser Sohn hatte im Kindergarten mal lange Haare, weil die Wikinger und Piraten lange Haare hatten, und da kamen zig Kommentare, man könne einen Jungen doch nicht mit langen Haaren herum laufen lassen. Ich hatte gedacht, so etwas sei im 21. Jahrhundert vorbei. #kratz

    In den Grundschule ist mittlerweile leider alles auf Mädchen zugeschnitten. Da wird ganz viel gemalt, was die meisten Jungs hassen, und dann auch noch so gut, wie nie Fahrzeuge oder Monster. Viele Lehrerinnen können mit dem kreativen Chaos vieler Jungs nicht umgehen und auch nicht damit, dass Jungs gerne Blödsinn machen, wenn sie sich langweilen (Die Mädchen beschäftigen sich dann meistens unauffälliger.). Dass sich Jungs öfter mal körperlich messen, ist heute eine absolute Katastrophe für die Lehrerinnen. Bei uns früher wurde das deutlich entspannter gesehen.
    Man kann fast schon sagen, wer einen Jungen hat, kann sich in der Schule auf Probleme einstellen.
    Wir haben übrigens beides und kennen daher beide Seiten.

    Bei den Erwachsenen übernehmen immer noch meistens die Frauen die Kinder und den Haushalt. Bei den Kindern denke ich aber, dass das daran liegt, dass meistens die Frauen weniger Lust auf Karriere und mehr Lust auf die Kinder haben, während es bei den Männern meistens umgekehrt ist. Ich kenne es aus meinem Bekanntenkreis jedenfalls nicht, dass die Frauen sich beschweren, weil sie mehr für die Kinder zuständig sind.

    Beim Haushalt sieht es anders aus, aber wer mehr zu Hause ist, hat eben auch mehr Zeit dafür, bzw. die meisten Männer sind beim Haushalt nicht so pingelig, wie die meisten Frauen. Die stört Unordnung und Staub meist weniger. Deswegen sehen die da weniger Handlungsbedarf. ;-)

    Ich kenne nur einen einzigen Vater, der mehr für das Kind zuständig ist, als die Mutter, weil er weniger arbeitet. Schief angeguckt wird er deswegen offenbar nicht, oder er erzählt nichts davon.

    Vor 40 Jahren waren die meisten Frauen ja tatsächlich Hausfrauen. Heute gibt es die ja kaum noch. Insofern hat sich da schon viel geändert.

    Andererseits war man vor 40 Jahren eher darauf bedacht, die Geschlechter möglichst gleich zu erziehen. Da gab es z.B. viel mehr neutrale Kinderkleidung und neutrales Spielzeug als heute. Lego für Mädchen hätte damals vermutlich wenig Chancen auf dem Markt gehabt, weil das von den Eltern als wenig förderlich angesehen worden wäre.
    Heute gibt es fast alles an Kleidung und Spielzeug einmal für Jungs und einmal für Mädchen. Das finde ich ziemlich rückständig.

    LG

    Heike

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