Täusche ich mich - Löhne und Gehälter niedriger als vor 10 Jahren?

    • (1) 05.08.17 - 10:45

      Guten Morgen, ich muss hier mal fragen, ob auch andere diesen Eindruck haben oder ich spinne? Folgendes, mein Bruder (Bauingenieur) sucht aktuell eine Stelle. Freie Stellen auch ab sofort gibt es bei StepStone, Monster etc. genug. Wenn er also eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhält fällt ihm regelmäßig die Kinnlade herunter, da die angebotenen Gehälter auch in teuren Ballungsgebieten wie vor 10 Jahren sind. Ich weiss dies deswegen, weil mein Mann selbst auch Bauingenieur ist und vor 10 Jahren schon brutto mehr verdiente, als mein Bruder als Projektleiter, der jedoch nur 3 Jahre jünger ist. Welche Erfahrungen habt ihr damit. Sind die Löhne und Gehälter nicht gestiegen oder ist das ein Problem der boomenden Bauindustrie die dringend Leute sucht aber nix zahlt.

      • Das ist leider die Realität.

        Mein Bruder hat keine Ausbildung, ich habe eine Ausbildung als Bürokauffrau... was soll ich sagen, er arbeitet in der Gastronomie und bekommt mehr Stundenlohn als ich ( 11,90 / 9,80€...).
        Da fragt man sich dann wirklich warum man eine Ausbildung gemacht hat.

        Eine Arbeitskollegin von mir ist schon seit 15 Jahren im Betrieb. Durch Zufall habe ich erfahren, dass ihr Einstiegsgehalt bei 13!€ lag ( gleiche Ausbildung/ Voraussetzungen)... da soll man nicht depri werden... ich erreiche die 13€ vielleicht in 7,8 Jahren, aber ich werde dort bald aufhören...

        • Das kann ich gut verstehen. Viel Glück und Erfolg beim Wechsel.

          (4) 05.08.17 - 21:22

          Bin Fachkraft (Krankenschwester) mit Weiterbildung (gerontopsychiatrische Pflege).

          Die Weiterbildung hat sich auf mein Gehalt null ausgewirkt. Hilft mir aber in meinem Arbeitsalltag ungemein weiter.

          Dass ich hier in München um einiges mehr verdiene als eine gleichwertig ausgebildetete Kollegin im mecklenburgischen Hintertupfinghausen ist Tatsache. Das weiß ich zuverlässig und sicher von einer Kollegin die vom "Ossiland" zu uns kam.
          Aber: in M sind die Mieten und sogar der Friseurbesuch auch erheblich teuerer.

          • <<Dass ich hier in München um einiges mehr verdiene als eine gleichwertig ausgebildetete Kollegin im mecklenburgischen Hintertupfinghausen ist Tatsache. Das weiß ich zuverlässig und sicher von einer Kollegin die vom "Ossiland" zu uns kam.>>
            Also im 1. Moment, wenn man das hört und liest, kommt einem das TOTAL UNGERECHT vor! Und NEIN, ich komme NICHT aus dem Osten, sondern bin waschechte Wessi.
            Aber wenn man DAS dann liest:
            <<Aber: in M sind die Mieten und sogar der Friseurbesuch auch erheblich teurer.>>
            dann ist das schon wieder "gerecht(er)".

            Und das klingt total witzig: <<im mecklenburgischen Hintertupfinghausen>> #rofl#huepf#cool:-)

        Was die Überschrift/den Betreff anbelangt - ja, das kommt mir tatsächlich auch so vor. Und niedriger als vor 20, 25 Jahren erst recht. Mir kommt es nämlich auch immer wieder so vor, als ob ich heute deutlich weniger in der "Kippe" als vor 20, 25 Jahren hätte. Oder sagen wir mal so - die damalige Kaufkraft war einfach eine ganz andere; sprich; weitaus bessere.

        <<Mein Bruder hat keine Ausbildung, ich habe eine Ausbildung als Bürokauffrau... was soll ich sagen, er arbeitet in der Gastronomie und bekommt mehr Stundenlohn als ich ( 11,90 / 9,80€...)>>
        *STAUN* - das hätte ich jetzt wirklich nicht gedacht. #gruebel#schein#kratz Ich dachte immer, umgekehrt wäre der Fall; nämlich; dass man in der Gastronomie weniger verdient. Aber nun wurde ich gerade hier eines Besseren belehrt... Aber das ist gar nicht so abwegig, denn ich arbeite selbst im Büro und meine Freundin geht putzen in diversen Privathaushalten - und bekommt auch überall einen höheren Stundenlohn als ich. Nicht, dass ich da (auf sie) neidisch wäre (nein, bin ich beleibe nicht!), aber es ist kaum zu glauben. Und ich gönne es ihr auch, denn putzen ist doch schon oftmals eine körperliche Knochenarbeit - und da "darf" man gerne auch gut verdienen.

        <<Durch Zufall habe ich erfahren, dass ihr Einstiegsgehalt bei 13!€ lag.>>
        Ganz ehrlich - das hätte ich (natürlich!) auch gerne. Aber davon können wohl manche nur träumen... :-(#schmoll

    Mein Mann hat vor einem Jahr auch eine neue Stelle als Betriebswirt gesucht, bzw. suchen sen. Er hat un ca. 20% weniger als bei seiner letzten Stelle. Er hatte unter anderem auch Angebote mit Jahresgehalt 35 T€ für einen Betriebswirt mit über 20 Jahren Berufserfahrung, Produktverantwortung etc. Und auch diese Unternehmen werden jemand finden.

    Auch bei mir in der Firma weiß ich, dass die Neueinstellungen weniger als ich bekommen und ich bekomme schon weniger als die Leute, die seit 20-30 Jahren dabei bei vergleichbarer Stelle, Berufserfahrung etc.

    LG

    • Ja das ist auch meine Beobachtung

      Mich erstaunt, dass gerade die Jungen gut ausgebildeten Leute sich so leicht wegbügeln lassen und diese niedrige Bezahlung akzeptieren. Solange aber das Smartphone brummt ist scheinbar alles in bester Ordnung. Letzens fing ein junger Ingenieur in der Firma meines Mannes an der heute weniger verdienst als mein Mann vor 20 Jahren als Einstiegsgehalt hatte. Kein Aufschrei, es wird nur genickt und das war es.

      • Ich muss sagen ich würd auch nicht auf die Idee kommen als berufseinsteiger über das Gehalt zu diskutieren. .. Dann nehmen die doch wen anders und man selbst bleibt arbeitslos

        • Genau das ist mir vor etwas über 2 Jahren (leider!) passiert. Und ich war/bin keine Berufseinsteigerin, denn ich hatte diese Tätigkeit schon jahrelang gemacht. Da habe ich beim 2. Vorstellungsgespräch (ja, es gab sogar 2 Vorstellungsgespräche) gefragt, ob ich auch "so und soviel" Stundenlohn bekommen könnte (mehr natürlich!). Tja, das hat mir dann soz. das "Genick gebrochen", denn die Stelle bekam ich dann nämlich NICHT! :-(#schmoll Aber das soll mir auch eine Lehre sein - ich "bitte" nicht mehr um mehr Stundenlohn - zumindest nicht GLEICH; sprich; im Vorstellungsgespräch. Nach einiger Zeit Firmenzugehörigkeit sieht das schon wieder anders aus. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. Und eine Stelle habe ich nun auch.

(12) 05.08.17 - 15:32

Hi,
Genau das haben eben meine Freundin und ich auch gesagt.

Bürojobs, Industriekauffrau mit 23 Jahre Erfahrung oder Umschüler mit 2 Jahre Erfahrung, kein 12 Euro brutto/Std.

Und dann beschweren sich immer die Erzieherinnen in unserem Freundeskreis. Die haben ja nur 2000 brutto im Monat bei 28 Std/Woche. 1800 brutto wurde meinem Mann für eine 40 Std/Woche angeboten: Speditionskaufmann, Industriefachwirt, Assistenz der Geschäftsführung und 75% Ausbilderin eine, 18 Jahre Berufserfahrung mit LKW Führerschein.

Jeder Arbeitgeber geht von aus, das der Arbeitgeber des Partners ja mal ruhig ordentlich bezahlen soll, er muss ja sparen :-[

Ich bin auf der Suche nach einem Schreibtisch in der Buchhaltung, Versand etc. Zum Mäusemelken.

Gruß Claudia

  • Mein Bruder erzählte mir auch, dass der "Futzi" beim Bewerbungsgespräch danach fragte ob ein zweites Gehalt der Frau besteht. Ja das ist die Kalkulation - der Partner des Angestellten wird schon genug verdienen. Naja, traurig, letztens hörte ich im TV die Bundesstatistik das ein Single im Schnitt 47.000,- brutto verdient also warum wird eigentlich gejammert :-)))))

Hallo,

ich arbeite in meinem Bereich seit fast 15 Jahren inkl. Ausbildung.

Nach der Ausbildung habe ich mit 8 €/Std. brutto angefangen. Heute verdiene ich 18 €/Std. (Büro)

Mein Mann verdiente nach der Ausbildung (vor 20 Jahren) 7,20 €/Std. brutto. Heute hat er 41,50 €/Std. (Handwerk)

Ich habe über die Jahre auch viele Arbeitnehmer kommen und gehen sehen. Viele von ihnen haben Möglichkeiten, die sich ihnen boten, einfach nicht beachtet, weil sie sich nicht fortbilden wollten. Die meisten wollten in ihrem gelernten Beruf arbeiten bis zur Rente - ohne nach der Ausbildung noch etwas dazu zu lernen. Das brach Ihnen 10 Jahre später im Beruf das Genick.

Mein Mann hat sich auch erst mit 35 weiter gebildet. Vor der Fortbildung verdiente er 1/4 von dem, was er jetzt hat. Dabei sind seine Arbeitsbedingungen heute weit besser als damals.

Auch meine Arbeitsbedingungen sind weit besser, als damals - die Vereinbarkeit mit der Familie ist mir sogar noch wichtiger, als mein Verdienst. Dafür habe ich aber auch 10 Jahre Fortbildung (Software, Fremdsprachen, Buchhaltung usw.) hinter mir. Und mit meinem Gehalt bin ich auch noch nicht an der Spitze angelangt. Meine Fortbildungen erlaubten mir aber die Möglichkeit, freiberuflich erfolgreich tätig zu werden. Hier ist der Stundenlohn im Schnitt sogar höher, als bei meinem "normalen" Beruf.

Oft sind Arbeitnehmer in Deutschland froh, "überhaupt etwas zu bekommen", hört man hier ja sehr oft. Sie nehmen sich selbst die Verhandlungschancen, weil sie sich einreden, sie haben schon etwas geschafft, nur weil ihnen ein Job angeboten worden ist. Das Gehalt und alle anderweitigen (oft nicht vorhandenen) Vergünstigungen werden einfach abgenickt.

Dieses mangelnde Selbstbewusstsein, gepaart mit dem Unwillen, sich fortzubilden und es "weiter" zu bringen, sorgt dafür, dass das deutsche Arbeitnehmer-Schaf brav jeden Morgen in seine Zelle wandert und dort seine Zeit absitzt bis zur Rente. Deprimierend!

LG

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