Werden Menschen im Altersheim sofort vergessen?

Über das Leben im Altersheim macht man sich meist nur flüchtig Gedanken. Hier habe mal einige Frauen, die wirklich selber Berührungspunkte mit Altenheimen haben, ihre Eindrücke und Gedanken dazu zusammengetragen.
Ein Tipp vom urbia Team

    • (1) 28.08.17 - 07:24

      Werden Menschen im Altersheim sofort vergessen?

      Ich hatte gestern ein Erlebniss ,das muss ich mir mal von der seele schreiben.

      Ich fange mal von vorn an. meine Onkel hat aggressive Demenz und musste in ein Heim.Nun hatte er am Sonntag seinen 80. Geburtstag.Gut er versteht und weiß es nicht.

      Meine Tante hatte beim letzten Besuch im Heim gefragt wie es aussieht ob Geburtstage gefeiert werden und ob sie da etwas ausgeben kann.
      Es wurde vereinbart das meine Tante am Sonntag Torte für alle mitbringen kann und Sie solle beim Kaffeetrinken dabei sein.

      Da Sie nicht alles wegbekommen hat hat Sie mich gebeten mitzukommen.So und nun muss ich sagen.Ich war geschockt und traurig.
      Ich bin als Hausfrau immer mal in ein Altenheim um dort Anwohner ohne Familie zu Besuchen. Das diese Leute sich gefreut haben war ja klar. Aber was ich gestern erlebt habe......Einfach nur traurig.

      Meine Tante hatte 5 kleine Torten die es so eingefroren im Supermarkt gibt gekauft(nichts besonderes worüber sie sich später auch geärgert hat) Es waren 27 Bewohner eine Schwester half uns beim rein tragen und man hatte gedacht nicht mein Onkel hat Geburtstag sondern mehr als die Hälfte der Bewohner.
      Große Augen ein erstaunen und viele Freudentränen als es hieß die Torte ist für alle da.

      Ein Mann erzählte er ist schon 9 Jahre dort seine Kinder kommen nur mal kurz um Geburtstag oder vor Weihnachten.(Er sitzt im Rollstuhl und ist noch geistig fit)Seit dem er dort ist ist das sein erstes Stück Torte. das hörten wir dann auch von vielen anderen.
      Später kamen dann auch so Sehnsüchte oder Wünsche.Ein alter Mensch hat ja alles und keine Wünsche denkt man.
      Ganz oben auf der Wunschliste stand Schokolade,Tic Tac ,Lakritze und eine Bewohnerin meinte sie würde wahnsinnig gern mal frische Blumen bekommen. keine Topf sondern einfach Wiesenblumen oder Tulpen diese hat Sie sich immer im Penny gekaut weil sie billig waren.
      Einige erzählten sie hätten das schon oft ihren Angehörigen erzählt aber Weihnachten bekommen Sie dann wieder Gebrauchsgegenstände,gebasteltes und Fotos worüber sie sich freuen. aber manche können nicht mehr gut sehen und können keine Bilder mehr anschauen oder machen aus versehen das gebastelte kaputt, worüber Sie auch traurig sind, aber eine Schokolade haben Sie nie bekommen.

      Ich fand das so traurig und mich hat das so berührt. Klar war ich früher in einem Altenheim habe dort mit den Leuten gespielt, vorgelesen, ausgefahren aber ich habe nie nach deren kleinen Wünschen gefragt.

      Als ich das gestern zu Hause erzählte meinte meine Tochter. Sie bekommen doch Taschengeld warum kaufen sie sich dann nichts?So habe ich früher auch gedacht, Die Altenheime die ich so kenne habe einen Kiosk oder Bäcker oder auch einen Supermarkt in Reichweite.Da sieht man nur die Leute die noch gut laufen können.

      Aber dort wo ich gestern war, liegt zwar in der Stadt aber es ist keine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe, da nützt denen das Taschengeld auch nichts.

      Also wer mal Lust , Zeit und etwas Geld über hat.es ist bald Weihnachten und Altenheime gibt es überall;-)

      • Kurz vorweg: Ich finde die Situation in Altenheimen auch bedrückend und teile ganz viele deiner Eindrücke, muss aber auch folgendes anmerken.
        Meine Oma lebte die letzten neun Jahre in einem Alten-/Pflegeheim. Viele waren auch bettlägerig und konnten nichts mehr machen. Die, die besser dran waren, dürften an Ausflügen teilnehmen, wenn auch nur in die nähere Umgebung. Es gab Sommerfeste, im Winter Adventsnachmittage und natürlich auch Kaffee und Kuchen um die Nachmittagszeit. Nichts tolles, aber immerhin.

        Was ich allerdings als schlimm empfand war diese Krankenhausatmosphäre und das, obwohl meine Oma ein Einzelzimmer hatte mit ihren eigenen Sessel von zu Hause. Dieser leicht abwaschbare Linoleumboden, kein Teppich, dieses Krankenhausbett...aber zurück zum Thema.
        Natürlich ist es traurig, wenn man hört, dass derjenige als größten Wunsch hat, Lakritz zu bekommen oder Blumen oder Besuch.
        Aber wer weiß, möglicherweise darf derjenige nicht viel Süsses essen (hat es aber aufgrund Demenz vergessen). Vielleicht sind Blumen nicht erlaubt, weil einige Bewohner schon die Vasen von Tisch gefegt haben und dann auf dem verschütteten Wasser ausgerutscht sind oder sich an den Scherben geschnitten haben?

        In der Regel sind die Altenheime keine Horroranstalten und das, was für uns befremdlich ist hat oft doch eine Erklärung. Nicht alles natürlich, aber vieles.

        Wer weiß, vielleicht war der ältere Mann der nie Besuch bekam zu früheren Zeiten auch nicht grün mit seiner Familie? Vielleicht lebt die Familie sehr weit weg und kommt deshalb nur so selten?
        Letzteres war bei meiner Oma der Fall. Als sie ins Altenheim kommen sollte, haben wir auf sie eingeredet, dass wir ihr eines in unserer Nähe suchen, aber nichts zu machen, sie wollte unbedingt dort bleiben, wo sie wohnte obwohl wir ihr vorher gesagt haben, dass wir dann eben nicht mal jede Woche vorbei kommen können...nach dem Motto einen alten Baum verpflanzt man nicht.
        Was ich aber auch gemerkt habe in der Zeit, dass es für die alten Menschen das schönste ist, ein stückweit am normalen Leben teilzunehmen. Meine Tochter war damals ein Kleinkind und lief unheimlich gerne über die Flure. Allein die Tatsache, dass ein Kind im Altenheim war, war für sehr viele ältere Leute einfach toll. Denn Kinder sehen sie dort so gut wie gar nicht.
        Man müsste wirklich einfach öfter dort etwas eherenamtlich machen, vorlesen oder einfach nur zuhören, da hast du sicher Recht, denn das Pflegepersonal hat weder die Zeit, noch die Muße, sich neben die Bewohner zu setzen und ihre Sorgen zu teilen. Wichtig finde ich auch, dass die Bewohner Telefon haben, dann kann man zumindest telefonieren (wenn derjenige noch geistig fit ist und hören kann).
        Es bleibt immer ein fader Beigeschmack nach einem solchen Besuch, zumal man sich irgendwie hilflos fühlt und weiß, dass man irgendwann vermutlich auch da landet....

        • Hallo :)
          Zum Thema Teppiche

          Teppiche sind ganz oft Stolperfallen,natürlich ist es mit wohnlicher aber auch gefährlicher

          • Das weiß ich.
            Trotzdem macht es das Leben nicht lebenswerter, wenn alles darauf ausgelegt wird, praktischer, leicht abwaschbarer, desinfizierbarer und weniger störanfällig zu sein.
            Es ist ein Überleben dort für die letzten Jahre, kein Leben.
            Die Dinge sind aber nicht zu ändern.
            Aus Sicht eines Pflegeheims würde ich genauso verfahren.
            Wenn ich mich aber selbst dort sehe in 40 Jahren, dann kann ich mir nur wünschen, dass ich dann nicht mehr viel mitbekomme.

        Ist leider so. Ich weiß nicht warum manche Menschen ihren Krankenangehörigen nicht besuchen? Ich möchte nicht in der Pflege arbeiten.

        Mein Papa ist Dement. Das Heim ist nicht lieblos. Da wird alles mehrmals im Jahr neu dekoriert. Also, Frühling, Sommer , Herbst und Weihnachten , Ostern usw.. Dort gibt es Feste und es gibt jeden Monat einen Gebrutstagskaffee für die Bewoher mit einem Angehörigen die in dem Monat Geburt haben . Es gibt Malen, Singen und besuch von Therapiehunden usw... Das es nicht so viel zu Essen gibt , ist gut so . mein Vater hat eine Demenzform in den er alles aufgegessen hat. ( und natürlich nicht mehr wußte m das er alles gegessen hat). Er will aber nur noch seine Ruhe , 10 Minuten besuch reichen ihm vollkommen. Er will kein Telefon, keinen Fernseher usw.. . Meine Mutter konnte meinem Vater nicht mehr zuhause betreuen. Sie ist selber schwer Krank.

        Vorher war er in einem Heim das auf Bewoher mit Fluchttedenzen ausgelegt war, Das war so grauenvoll. Aber wo sollen diese Kranken hin? Menschen die abhauen und vielleicht noch gewalttätig werden?

        Ich glaube hier muß zwischen Menschen mit Demenz oder Wachkomma und den fitten Altern unterschieden werden. Mein Schwiegermutter wohnt im betreuten Wohen. alledrings ist sie geistig und körperlich noch fit. Ich gaube nicht, dass so eine Einrichtung dir Hilft wenn du wirklich pflegebedürftig bist.
        Da kann der Pflegedienst oft auch zu dir nach hause kommen. Die duschen, machen diene Wohnung sauber. Allerings sind das fast immer Pflegehelfer die sehr wenig verdienen und immer unter druck stehen.
        Richtig trauig geamcht hat mich, das so viel geklaut wird. Ich habe ein Bild für meinen Vater gemalt und gerahmt. Das Bild worde geklaut, ein Gesteck zu weihnachten worde geklaut.

    (6) 28.08.17 - 09:49

    Hallo,

    ich dachte auch, ein tolles Altenheim für meine Oma gefunden zu haben, das Personal ist toll, wirklich, aber das Konzept furchtbar. Sie hat ein Doppelzimmer und schon 3 Frauen sterben sehen, sie geistig voll da, nur körperlich kann sie kaum noch. Sie hat Krebs und ein Stoma, lange Geschichte. Ich gehe 2 mal die Woche zu Ihr und sie fleht mich jedes mal an, sie da raus zu holen. Das tue ich jetzt. Ich habe ein betreutes Wohnen gefunden, da passt einfach alles (hoffe ich jetzt mal, der erste Eindruck war toll und sie hat da ihre eigene Wohnung).
    Ich hatte gebeten, nach einem Arzt zu schicken, da sie depressiv wirkt. Der Hausarzt war da und hat ihr die Therapie ausgeschlagen. In dem Alter brauche sie das nicht :-( Ne, ich möchte, daß sie ihre letzten Tage etwas zufriedener verbringt.

    LG

    • Das klingt ja furchtbar #schock

      Gut, dass du sie da rausholst!

      • Ja, irgendwie zahlt man da einen Haufen Geld, aber die Psyche bleibt auf der Strecke.

        Im betreuten Wohnen kann man die Module, je nach Alter und Krankheit, immer weiter zu buchen und ist immer noch günstiger, wobei mir der Preis hier keine Rolle spielt, aber der Mensch an sich. Hoffentlich wird es jetzt besser.

    (9) 17.10.17 - 14:34

    Ich finde es toll, dass du dich so kümmerst #pro! Bleib dran an einem Hausarzt. Auch mit 80, 90, 100 sollte man Zugang zu notwendigen, lebensverschönernden Medikamenten haben!

(10) 28.08.17 - 12:49

Bin seit 21 Jahren in der Altenpflege tätig.

Also freudentränen wegen Torte habe ich noch bei keinem gesehen, aber es gibt schon alte Menschen, die sich über Kleinigkeiten sehr freuen. Andere dagegen haben an allem und jedem was auszusetzen.

Manche bekommen sehr oft Besuch und haben Kinder/Enkel/ Neffen/ Nichten die sich vorbildlich und mit Herz kümmern.
Ander kriegen zwar Besuch, aber man merkt, dass es "Pflichtbesuche" sind.
Wieder andere bekommen gar keinen oder äußerst selten Besuch, weil Angehörige z.B. weit weg wohnen oder selber schon alt und gesundheitlich eingeschränkt sind. Eine 98jährige Mutter hat in der Regel Kinder, die auch schon gut über 70 sind.
Man sollte sich hüten, Angehörige die nie oder selten kommen zu verurteilen, man weiß nie, wie Vater/Mutter/Oma usw. sich früher verhalten haben.

Wir organisieren für Menschen die wenig Besuch bekommen ehrenamtliche Helfer, die sind meist hoch engagiert und leisten sehr gute Arbeit.
Einige meiner Kolleginnen und ich selber auch haben auch schon mal privat was für Bewohner gekauft. Z.B. kleine Geschenke für die monatliche Geburtstagsfeier oder ein Duschgel o.ä.
Wie hoch das Tschengeld ist, weiß ich jetzt nicht, aber minimal.

(11) 28.08.17 - 13:50

Hallo,

ich finde es vermessen über eine Momentaufnahme sich ein Urteil zu bilden.

Ich kenne Senioren:

- welche kein Essen bekommen

- welche keine Therapien erhalten

- welche nicht geduscht/gewaschen werden

- keinen Besuch erhalten, sagen sie zumindest. Schriftlich alles wiederlegt, nur beim Senioren aus dem Gedächtnis verschwunden.

Es gibt Senioren, die keinen Besuch erhalten können, da die Angehörigen/Bekannten verstorben, selber krank, nicht mobil etc. sind.

Es gibt Senioren, die sieht man am liebsten von Hinten.

Und bei vielen weis man auch nicht was in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter vorgefallen ist, dass Angehörige mit demjenigen gebrochen haben.

Daher immer langsam mit Unterstellungen.

LG Reina

  • Mein Mann war auch nicht der beste Freund seiner ältesten Schwester, aber als sie ins Heim kam, haben er und ich sie trotzdem regelmäßig besucht(sie war ledig und hatte keine eigene Familie). Er hätte es als absolut schäbig angesehen, sich im Alter an ihr zu rächen, was sie früher an Auseinandersetzungen hatten, und das war auch nicht wenig, da sie ihm die Scheidung von seiner 1. Frau aus Glaubensgründen nie verziehen hat.....und auch mich das spüren ließ. Aber ich hab mich seiner Ansicht angeschlossen und ihn immer bei seinen Besuchen begleitet.
    Rache im Alter ist jämmerlich, keiner von euch weiß, was ihm mal in 30 Jahren so alles vorgeworfen wird, was er doch nicht alles falsch machte.Die Fälle von echter seelischer Grausamkeit und Misshandlungen sind garantiert in der Minderzahl. LG Moni

(13) 28.08.17 - 17:39

So ist es ja nicht unbedingt. Wir haben meine Schwiegermutter nach einem halben Jahr aus einem schlecht und lieblos geführten Heim geholt, das gewinnorientiert arbeitet und darum am Personal spart (wenige examinierte Kräfte). Freizeitangebote für die Bewohner durften nichts kosten, die betreuende Person in den Freizeitangeboten war nicht ausschließlich dafür zuständig, sondern während der Spiele oft mit dem Diensthandy beschäftigt. Die Missstände (auch pflegerisch, nach dem Geruch im Haus zu urteilen #schwitz) haben wir uns nicht lange angesehen und uns auf die Suche nach einem anderen Heim gemacht. Jetzt lebt sie in einem DRK-Heim, bestens versorgt und mit der Möglichkeit, schöne und mit Liebe und Phantasie ausgerichtete Freizeitangebote wahrzunehmen.

Sie ist leicht dement und vergisst, wer sie wann besucht hat. Die Folge: Ihrer Meinung nach bekommt sie keinen Besuch. Nie, von niemandem.

Viele Heime haben einen Kreis ehrenamtlicher Helfer oder auch BuFDis/ FSJler, die kleine Besorgungen für die Bewohner oder mit ihnen erledigen. Und wenn sich Angehörige nicht kümmern: Ein Tag hat 24 Stunden. Die meisten Menschen sind 10 Stunden mit Arbeit beschäftigt, die eigene Familie hat Bedürfnisse, jeder hat so viel um die Ohren. Man muss auch alles schaffen können!

Nein, wir haben kein schlechtes Gewissen, auch wenn meine Schwiegermutter lieber nicht in einem Heim wäre. Und die Bewohner im Heim meiner SM, die keinen Besuch bekommen, haben oft einfach niemanden mehr.

LG, basta.pasta

(14) 28.08.17 - 17:45

Ich komme schon viele Jahre in Altersheime, meine Schwägerin war dort viele Jahre und auch eine Bekannte. Meine Tochter arbeitet in einem und dort besucht sogar meine Enkelin einen alten Herrn,,der sie an ihren Opa erinnert und eine liebe alte Dame. Deren Verwandtschaft? Vergiss es. Es sind leider nur ganz wenige Heimbewohner, die regelmäßigen Besuch erhalten. Sicher mag der eine oder andere in seinem Leben schwierig gewesen sein, aber ganz sicher nicht alle. Die alten Leutchen sitzen ab dem Frühstück rum und warten.....auf das nächste Essen...und den Tod. Das Beschäftigungsprogramm ist nicht jeden Tag und einen Mann, der sein Lebtag ein g'standner Handwerksmeister war, kannst Du mit Bällchen zuschmeißen und Absingen uralter Volkslieder nicht wirklich beschäftigen oder aufmuntern. Es sind ja nicht alle voll dement sondern oft eben nach einem gesundheitlichen Problem nicht mehr in der Lage, allein zu leben. Kein Wunder, dass ich schon so oft hörte "warum darf ich nicht sterben, das ist doch kein Leben mehr".Ich könnte dann heulen, weil ich keine Antwort weiß....und manchmal richtig Angst vorm Alter kriege. Was nutzt auch der Kiosk und die Cafeteria.....was sollen sie sich denn kaufen....oder dort alleine rumsitzen? Das einzige, was alle möchten, ist einmal Besuch von einem Familienangehörigen......aber das ist oft nicht mal Weihnachten der Fall, auch wenn sie mehrere Kinder und Enkel haben. So auch der alte Herr, den ich nun regelmäßig besuchen werde, auch wenn es wehtut, weil er viele Gesten und Ansichten usw. meines verstorbenen Mannes drauf hat. Und er liebt meine Enkelin fast wie ihr eigener Opa es tat - und hält immer ihre Hand. LG Moni

(15) 28.08.17 - 20:44

Hallo ,

ich möchte hier mal auf einige Antworten zu diesem Tread antworten , auch wenn es nicht um die ursprüngliche Frage geht.

ja , der Alltag in Heimen ist oft bedrückend und traurig....

Es ist die letzte Station im Leben, dannach kommt nur noch der Tod.

Deswegen haben die meisten Bewohner wenig Lebenswille/ Freude und der Tag strukturiert sich an den Essenszeiten.

Torte gibt es tatsächlich so gut wie nie . Der Grund dafür ist relativ einfach:

Torten enthalten Sahne und Ei und müssen gekühlt werden .
In der Regel kommt der Kaffeewagen nach dem Mittagessen auf Station. Das heißt , die Torte muss sofort in den Kühlschrank , damit die Kühlkette eingehalten wird.

Dann sollte sie vom Kühlschrank direkt auf den Teller, was logistisch auf der Station nicht bei allen gewährleistet werden kann. Daher gehen viele Heime den einfachen Weg und verteilen keine Torte.

Ebenso gibt es seit einigen Salmonellenfällen vor vielen Jahren kein Frühstücksei.
Würde es nur einmal eine Lebensmittlvergiftung aufgrund solcher Lebensmittel geben , wäre das Drama in den Medien groß.

Aber sehr schade für die Bewohner.

Ich habe Angehörige kennengelernt, die sich so organisiert haben das täglich jemand vorbei kam und ich habe Bewohner gehabt , deren Angehörige nur alle paar Wochen mal vorbei kamen. Viele scheuen sich auch , weil man so geballt mit dem Thema Tod und Alter konfrontiert wird.
Das ist traurig , aber nicht änderbar.

Die Pflegekräfte sind für die Pflege da. Deren Stellenplan wird nach den Pflegestufen berechnet und darin sind leider keine zusätzlichen Zeiten für Einzelbetreuung etc. vorgesehen. Zuwendung und Ansprache wird während der Pflege gemacht , aber alles Andere muss von Anderen geleistet werden.

Daher ist es auch so immens wichtig , daß es Ehrenamtliche gibt die ins Heim kommen und Singen/ Basteln/ Spazieren etc.

Trotzdem wird in den Heimen die ich kenne von den Pflegekräften bei weitem mehr gemacht ( so gut es die Zeit zulässt) .Da wird Wäsche zum Flicken mit nach Hause genommen, kleine Einkäufe gemacht oder auch mal ein Spaziergang( natürlich in der Freizeit)

Als Außenstehender sieht man immer nur , daß man ja sooo viel Geld zahlt und so wenig gemacht wird. Die dürfen gerne alle mal 3 Tage auf Station mitarbeiten und dann kann man nochmal miteinander reden.

Pflegebetten sind nötig , damit man rückendschonend arbeiten kann. Heute sehen die Betten auch sehr wohnlich aus mit Holzdekor.

Teppiche sind wie schon erwähnt Stolperfallen und sind daher nicht gern gesehen. Bei jedem Bewohner muss ein Sturzrisiko erhoben werden und vorhandene Risiken ausgeschlossen werden.Wenn jemand fällt und sich etwas bricht wird kontrolliert , ob man etwas versäumt hat.

Ebenso wäre Teppich im Heim , wenn auch von der Optik her schöner, mehr als unpraktisch , weil nicht abwaschbar und desinfizierbar.

Zu dem Thema kleine Wünsche: oft ist es so , daß man seinen Nächsten diese Wünsche nicht äußern mag, weil es einer Forderung gleich kommt.

Manche Bewohner " ersaufen " in Schokolade, andere dürfen sie gar nicht essen. Wenn es an Weihnachten/ Geburtstag um Geschenke geht , sagen viele , daß sie nichts brauchen und bekommen halt wieder etwas , was sie nicht unbedingt wollten...
Ein Kommunikationsproblem.

Und Taschengeld bekommen nur die , die Sozialhilfe bekommen.Die Selbstzahler bekommen nichts.

Aber manchmal ist ein Leben im Heim immer noch besser , als alleine in der Wohnung zu sitzen , wo außer morgens und Abend die Sozialstaion kommt den ganzen Tag gar nichts los ist. Denn auch daheim wären viele nicht aktiver.

LG

Tina

  • (16) 28.08.17 - 20:59

    Da schließe ich mich doch mal zu 100% an!!! Sehr gut beschrieben.

    Die Altenpfleger haben meine volle Hochachtung, ich weiß schon, was sie leisten - würde ich auch nie kritisieren, denn der Personalschlüssel ist ein Witz. Ohne Praktikanten kämen sie im Heim meiner Tochter garnicht hin. Sie selber arbeitet in der Reinigung, aber springt bei, wo sie nur kann, wenn mal schnell jemand in den Rollstuhl gesetzt werden muss oder ähnliche Kleinigkeiten. Sie kennt das ja auch von meinem Mann, als er so krank war.
    Meine Kritik galt allein den Angehörigen, die ihre Mutter/Oma/Tante im Altenheim einfach vergessen - obwohl sie sicher oft lebenslang von ihnen profitiert haben - wie auch immer.
    Das ist so ein mieser Charakter. Ich habe auch schon erlebt, dass jemand gemault hat, dass man "die Alte nun ins Altersheim geben muss und das ganze schöne Geld draufgeht".
    Solche Leute könnte ich ohrfeigen und wünsche ihnen von Herzen, dass wirklich kein Cent übrigbleibt vom Erbe.
    LG Moni

    • (18) 28.08.17 - 23:39

      Ohja, diese raffgierigen Angehörigen, die dem Opa oder der Oma oder wem auch immer die Luft zum Atmen nicht mehr gönnen, auch die gibt es.

      • (19) 29.08.17 - 13:08

        Hallo,

        bei uns in der Familie heißt es immer: sei nett zu deinen Kindern, die suchen dir später deinen Heimplatz aus! Daran halten wir uns auch ..... nur, bei uns wird keiner ins Heim gegeben sondern wir werden versuchen unsere Angehörigen (es ist eigentlich nur noch meine Mutter) solange wie es geht selber zu betreuen. Da setze ich dann auf die Hilfe meiner Kinder (Tochter ist exam. Krankenschwester und in der ambulanten Altenpflege tätig). Ich finde es nicht schön wenn man seine Angehörigen im Heim "versauern" lässt.

        LG

        • Ich kann es absolut verstehen, wenn es jemand nicht mehr schafft, Pflege zu leisten. Wir wissen beide, dass das kein Zuckerschlecken ist, gar über lange Zeit. Habe ich erst kürzlich in der Familie meiner Nichte und einer anderen Familie auch noch miterlebt. Aber, dann kann ich doch ganz entspannt die Angehörigen wenigstens besuchen, wenn ich die eigentliche Pflege nicht leisten kann. Aber ins Heim bringen und dann vergessen ist die Schweinerei. LG Moni

          • Hallo Moni,

            DAS geht gleich 3x nicht.... aber wie du weißt.... Heim ist bei uns kein Thema, jedenfalls nicht, solange wir die Pflege packen können. Das es an unsere Substanz gehen wird darauf bin ich dann eingestellt. Nur bei Demenz werde ich es nicht leisten können, auch nicht mit Hilfe. Aber noch ist es nicht soweit, GsD.

            LG

(22) 29.08.17 - 15:49

Ich stimme dir als Angehörige voll zu. Meine Oma war auf Grund ihrer Demenz die letzten Jahre im Heim. Die Kosten, trotz "nur" Pflegestufe 1, spotteten jeder Beschreibung. Und das Personal dort war immer am Limit. Aber- sie hatte jeden Tag Programm. Die holten sie, obwohl sie sich aus Prinzip weigerte. Wenn sie dann mal da war, machte sie auch mit! Daheim wäre sie völlig alleine gewesen. Immer!

Teppiche- hatte sie. Bis sie mehrfach stolperte und mit zunehmender Demenz immer draufpinkeln wollte. Also, Teppiche flogen raus.

Essen- gab es dort nie. Laut meiner Oma. Also gab es auch nie Torte. Lol

Deprimierend, ja. Nach jedem Besuch hätte ich heulen können und hatte vor Anspannung oft Kopfschmerzen. Aber es gab einfach keine andere Lösung für sie! Wir sind keine grosse Familie, und niemand hätte sie pflegen und beaufsichtigen können. Dort, in ihrem Einzelzimmer mit ihren Möbeln und sogar eigenem Bad, war sie am besten aufgehoben.

Super Antwort!

Möchte noch ein paar Dinge hinzufügen:

Dass ein Altenheim "Krankenhaus Athmosphäre hat, dem kann ich nicht wirklich zustimmen.
Klar, es ist ne öffentliche Einrichtung und keine private Wohnung, aber auch bei uns dürfen die Bewohner teils eigene Möbel mitbringen. Eine Bewohnerin hat bis auf das Bett alle Möbel von zuhause mitgebracht.
Aber Pflege Bett ist nunmal Pflicht. Und soo hässlich sind die jetzt auch nicht.
Normale Betten, so wohnlich sie auch sind , wären schier unmöglich für uns Pflegekräfte. Manche Bewohner müssen ja komplett im Bett gewaschen transferiert usw werden und ich möchte nicht wissen wie es da dann unserem Rücken geht.
Ebenso mit den Teppichen. Hübsch aber deutlich empfindlicher als pflegeleichter PVC.

Zum Thema Wünsche:
Bei uns im Heim machen unsere beiden Hausmeister 2x die Woche Einkaufs Fahrten um für die Bewohner Pflege Artikel wie Duschgel etc.. mitbringen (wo es keine Angehörige mitbringen können zb). Er geht auch von BewohnerZimmer zu BewohnerZimmer und fragt die Leute was er mitbringen soll, sei es Schokolade, Saft, ne Zeitschrift etc.. was die Leute eben grade möchten.
Bei dementen Leuten übernehmen wir das, da wir ja wissen was sie gerne mögen.

Bezahlt wird das ganze vom Taschengeld dass die Leute zur Verfügung haben.

weiter oben schrieb jemand dass die Leute im Heim "versauern" würden.
Ich kann von einem Gegenteil berichten. Wir haben eine Bewohnerin die zuhause in ihrer Wohnung versauert ist weil sie kaum noch aufstehen WOLLTE.
Hier bei uns blüht sie so richtig auf!

LG Miss (ebenfalls Pflegekraft in einem Altenheim)

  • (24) 29.08.17 - 22:52

    Aus meiner 21 jährigen Berufserfahrung in der Altenpflege kann ich sagen: zu uns kamen schon völlig abgemagerte Menschen, die zuhause keinen Appetit hatten: Nach ihrem Einzug bei uns haben die angefangen zu futtern und in kurzer Zeit ein normales Gewicht erreicht.
    Andere konnten zuhause Monate oder jahrelang die Wohnung kaum verlassen (5 Stock Altbau ohne Aufzug) und werde nun bei uns so oft es geht draußen spazieren gehfahren (also nicht von uns Pflegekräften sondern vn der sozialen Begleitung und den Ehrenamtlichen). Klar, viel Menschen bauen nach Umzug ins Altenheim auch rapide ab, Aber ebensoviele erholen sich und blühen auf und gehen sogar wieder ein paar Schritte.
    Leider zeigen die Medien ja immer nur die Negativbeispiele, ein Heim in dem es einigermaßen gut läuft, interssiert die Öffentlichkeit nicht, Skandale sind gefragt. Am besten verdreckte Zimmer und bösartige Pflegemonster.

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