Bitte um eure Meinungen - Krebserkrankung beim Bekannten

    • (1) 07.09.17 - 18:50

      Hallo,

      ich habe lange nicht mehr in diesem Forum geschrieben, benötige aber einen Gedankenaustausch.

      Ich versuche mich knapp zu halten.
      Ich habe einen Bekannten, ein lieber Opa, den wir immer Samstags auf dem Markt treffen und gemeinsam schwatzen und Mittag essen (Bratwurstbude auf dem Markt). Wir haben uns alle näher kennengelernt und er ist ein wirklich sehr netter *älterer* Mensch - höflich, hilfsbereit, lustig - gefühlt wie der eigene Papi.

      Vor 3 Wochen erzählte er uns beim Mittagessen, das er im KH war, weil der Verdacht auf die Krebserkrankung Lymphom im Raum stand. Er erzählte, das bereits Biopsien gemacht wurden, die Befunde aber ok waren.

      Heute habe ich ihn in der Stadt getroffen und ich war leider in Eile, weil Kind und Katze im Auto (wir kamen vom Tierarzt).

      Ich habe ihn im Geschäft angesprochen, das ich ihn ja lange nicht gesehen habe und wie es ihm denn so geht. Tja, da meinte er: Nicht gut.
      Ich brauchte erst einen Moment, um den Sachverhalt zu verstehen.
      Ich: Ist mit der Untersuchung doch nicht alles in Ordnung? und er: Ja, der Knoten ist bösartig.

      Ich war sprachlos und perplex und leider auch in Eile #heul. In war einfach schockiert und hätte ihn am liebsten umarmt, aber ich habe mich nicht getraut.

      Ich habe ihn gefragt, ob er jemanden an seiner Seite hat und er verneinte. Ich bot ihm meine Hilfe an - das ich ihn 1x in der Woche im Haushalt unterstützen kann, den Einkauf erledigen oder Arztbesuche fahren könnte. Wir haben uns Samstag zum Mittagessen verabredet. Mein Mann weiß davon noch nichts.

      Ich habe diesen alten Mann furchtbar gern und mir tut es tierisch leid, das er ganz allein mit seinen Ängsten gegen den Krebs kämpfen muss, gern würde ich ihm *irgendwie* helfen, aber ich habe auch Bedenken .... ob es mich überhaupt was angeht (versteht mich nicht falsch).

      Wie schlimm muss das sein, als hilfebedürftiger alter Mensch solch eine Diagnose ohne Angehörige auf einem Tablett serviert zu bekommen.

      Wie würdet ihr Euch verhalten?

      Zeit und Kapazitäten sind bei mir vorhanden.

      Ich freue mich auf einen Gedankenaustausch mit Euch.

      VG

      • Hallo,

        zunächst: Ich finde es super, dass du helfen möchtest und ich denke, es ist richtig, ihm Hilfe anzubieten.

        Nun kommt das aber ... Wenn die Person wenig bzw. keine andere Unterstützung hat ist es sehr schwer, sich abzugrenzen, wenn er mehr Hilfe brauchen wird. Du sagst von dir aus, dass 1x die Woche Hilfe völlig okay wäre. Ich würde gleich in das Hilfsangebot klar formulieren, dass es so ist.

        Ggf ist es in so einem Fall einfach auch sinnvoll, irgendeine professionelle Stelle zu involvieren und einen sinnvollen Plan B zu haben. Wenn dann der Tag X kommt und du gefragt wirst, mehr zu machen, ist es irre schwer, "Nein" zu sagen.

        Ich kenne das (viel harmloser) von meiner Tante, die hier ohne Führerschein auf unserem Dorf festsitzt und zu Fuß auch nicht mehr besonders mobil ist. Da haben wir eigentlich auch klare Absprachen und bei mir ist es irre schwer, auch mal "Nein" zu sagen. Aktuelles Beispiel: Wir gehen 1x die Woche mit ihr Einkaufen, rufen noch nach dem Wochenende an um uns nach Stand bei Obst, Milch und Brot zu erkundigen und gehen eventuell ein zweites Mal. Damit sie unter Leute kommt, holen wir sie samstags oft ab und fahren auf den Wochenmarkt. D.h. Es sind 2-3 fixe Termine. Nun kann es aber sein, sie trifft auf dem Wochenmarkt jemand vom Nachbardorf der sie zum Kaffee einlädt in der folgenden Woche - an einem Mittag, wo ich überhaupt keine Zeit habe. Andererseits weiß ich, dass sie viel alleine ist ... Weißt du, was ich meine? Du gehst da schon eine Verpflichtung ein ... überlege auch, wie du dich abgrenzt und kommuniziere das von Anfang an klar.

        GLG
        Miss Mary

        • Hallo

          und danke für deine Antwort.

          Ja, ich mache mir auch darüber Gedanken, ob ich das überhaupt tragen kann und meinem Angebot gerecht werde. Ich schreib jetzt mal Opi muss natürlich auch zustimmen.

          Mir würde es nicht weh tun, wenn ich ihn mit zu einer Runde durch Dorf mitnehme ( wir wohnen in einer Kleinstadt) und wir einfach durch den Park laufen. Oder ich ihm einfach die Milch und das Brot mit vielleicht frischen Blumen vorbeibringe.

          Krebs ist ja schon schlimm genug, wenn man aber noch allein ist, isoliert man ja immer mehr und verliert auch schneller den Kampfgeist. Das ist so ein lieber Opi.

          Ich habe auch Angst, das mir die Situation über den Kopf wachsen könnte.
          Wegschauen möchte ich nicht, weil ich einfach finde, das man sich gegenseitig helfen sollte und wir hier eine tolle Kleinstadt sind, wo man sich kennt.

          Oh mann #schmoll

      Hallo

      am Samstag wirst du ja erfahren von wem und ob er überhaupt betreut wird.
      Falls das nicht geregelt ist ,kannst du ja die nötigen Kontakte herstellen ( Sozialstation , Diakonie u.s.w. )
      Psycho-Onkologische Betreuung erhält er hoffentlich durch das KH.
      Schön das du Zeit und Lust hast dem Mann zu helfen.
      Wöchentliche Besuche und Einkäufe sind eine gute Idee.
      In Notzeiten sind es nicht immer die engsten Freunde und Verwandte die zu Hilfe kommen.

      L.G.

      • Hallo,

        ja er hat heute erzählt, das er so eine Psycho-Onkologische Betreuung erhält. Ich habe die Bedeutung aber noch nicht gegoogelt.

        Ich kann ihm Samstag halt nur anbieten, das ich sehr gerne 1 oder 2x die Woche bei ihm klingeln und nach dem Rechten schauen könnte.

        Trotzdem tut es mir leid und er tut mir auch furchtbar leid.

        • Wenn Du von vornherein ehrlich und lieb sagst, was Du leisten möchtest, sehe ich kein Problem. Ich denke an eine Aussage wie: Herr Müller, ich bin zwar keine Ärztin oder ähnliches und kann Ihnen sicher bei Ihrer Krankheit nicht helfen. Gerne würde ich aber ein/zweimal in der Woche bei Ihnen klingeln und fragen, ob ich was besorgen kann oder mit Ihnen eine Tasse Kaffee trinken. Sind Sie einverstanden?
          Finde ich ganz toll von Dir. Ich habe auch schon etlichen Leuten helfen können, ohne dass ich sie gleich gepflegt hätte. Sei ehrlich zu ihm, immer. Kranke Menschen merken ganz schnell, wer es wie meint. Und wenn Du mal ratlos bist, sag auch das. LG Moni

    Hallo!

    Grundsätzlich ist das eine löbliche Idee bzw. ein tolles Angebot.

    Allerdings ist das nichts, was man in Eile mal eben regeln kann, was dir sicher klar ist. So was muss wachsen.

    Die Frage ist zu einem, was der Mann möchte oder annehmen kann und was er braucht. Diese Erkrankung ist ein bisschen auch ein Überraschungsei.

    Zum anderen wirst du allein nicht ausreichen, sollte er irgendwann sehr krank und hinfällig sein. Wenn er das nicht selber kann, solltest du anbieten, professionelle Hilfe von außen zu organisieren. Wie meine Vorschreiberin schon sagte: Es ist sehr, sehr wichtig, seine eigenen Grenzen zu erkennen und zu beachten. Allein schaffen das Angehörige schon nicht und du als Bekannte hättest da eine ganz doofe Rolle.

    Es geht dich was, wenn er dich in seine Geschichte hinein lässt, aber auch dann muss du sowohl seine als auch deine Grenzen beachten. Du wirst nicht immer hochmotiviert und er nicht immer ausschließlich dankbar sein. Das sollte dir auch vorher klar sein.

    Alles Gute!

    Hallo,
    Ich würde sagen: verlass dich auf dein Gefühl!
    Meine Eltern hatten auch ein alte Nachbarin. Diese war früher eine regelmäßige Kundin im Geschäft. Als sie immer rüstiger wurde, haben meine Eltern immer mehr geholfen. Die Kinder wollten von ihr nichts wissen, ihre Betreuerin kam sporadisch vorbei. Jedenfalls haben meine Eltern es nicht fertig gebracht, sie sich selbst zu überlassen. Es waren viele Dinge, wo Hilfe nötig war. Sauber machen, zu Friseurterminen fahren, Körperhygiene, Essen bereiten, Wäsche usw. Wie schon geschrieben wurde, es ist schwer ich ab einem bestimmten Punkt abzugrenzen. Dennoch haben sie es nie bereut... Deswegen, hör auf dein Herz!

    Wenn du ihm sehr verbunden bist und es dich zeitlich auch nicht aus den Socken haut, kann es nicht besser sein, als dass er deine Hilfe dankbar in Anspruch nehmen wird.

Top Diskussionen anzeigen