Jobverlust bei Männern - wie damit sensibel umgehen?

    • (1) 09.10.17 - 23:37

      Ich weiß gar nicht, ob es Zufall ist, aber in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist im Moment gerade bei ganz vielen Leuten aus unterschiedlichsten Gründen die berufliche Laufbahn "unterbrochen" worden.

      Einer hatte eine Umschulung gemacht und ist am Ende durch die Prüfung gerasselt, einer wurde ganz blöd nach 30 Jahren Betriebszugehörigkeit einfach wegrationalisiert, und er hat damit überhaupt nicht gerechnet.

      Einer hatte sich selbstständig gemacht und musste jetzt leider einsehen, dass sein Unternehmen alleine nicht genug abwirft und er muss sich jetzt wieder ein zweites Standbein suchen, zumal er auch eigentlich eine Familie gründen wollte.

      Und einer ist in seinem neuen Job in der Probezeit gekündigt worden, weil es doch nicht das war, was der Arbeitgeber sich so vorgestellt hat.

      Und es erschüttert mich total, wie heftig persönlich die das nehmen. Für die alle ist das ein richtiger Weltuntergang, weil sie alle befürchten, dass sie keinen Job mehr kriegen werden. Also ist das Selbstvertrauen, einen anderen Job zu finden, irgendwie auch ganz am Boden.

      Ich weiß gar nicht genau, wie ich damit umgehen soll. Für mich war das erstmal nur eine Information und ich fand es beim ersten Hören auch gar nicht so schlimm. Denn ich denke ja so: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

      Aber die reden auch alle so nach dem Motto "Mit 40+ bist du arbeitsmarkttechnisch weg vom Fenster." :-(

      Und ich denke dann immer so: Das ist alles nicht logisch - man soll bis 67 arbeiten, aber man kriegt mit 40 dann keinen Job mehr, weil man zu alt ist?!? Wie soll das denn aufgehen?

      Ich würde gerne irgendwas Mitfühlendes sagen, aber ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Mein Exmann hatte immer einen relativ krisensicheren Job und er ist da ja auch heute noch seit mittlerweile 17 Jahren.

      Und dann geht das jetzt schon so los, dass die Panik schieben und so Sachen sagen wie, dass sie ihr Auto verkaufen müssen oder sich die Inspektion nicht mehr leisten können und dass Weihnachten dieses Jahr ganz dünn ausfallen wird... und sämtliche Katastrofenfantasien.

      Man kann gar nicht mal mehr ganz normal nachfragen, wie es denen so geht, denn dann kommt nur:"Tja, wie soll's mir schon gehen?!?" oder "Ich sch... auf die ganze Welt da draußen! Alles verlogene Bastarde!" und dann wird auf die Politik geschimpft.

      Dann will man die mal rausholen und sagt: "Wir können ja mal zum verkaufsoffenen Sonntag in die Stadt." und dann heißt es sofort:"Was soll ich denn da?! Ich kann mir doch eh nichts kaufen...!" usw. Ich hätte mir wahrscheinlich selber auch nichts gekauft, aber da ist ja meistens immer was los und es gibt was zu gucken.

      Kennt ihr das auch und wie geht ihr dann damit um?

      • Nee, so kenne ich das nicht. Klar verliert hier immer mal wieder einer seinen Job, auch nach vielen Jahren. Aber groß gejammert wird hier nicht. Obwohl, doch ein paar haben gejammert, aber da weiß man eigentlich was dahinter steckt. Es waren generell Typen, die gerne anderen die Schuld in die Schuhe schieben, denen hat man halt klar Grenzen gesetzt.
        Ja, auch gewisse Neustartschwierigkeiten kommen vor. Stichwort Berwerbungsschreiben, Amt. Aber die Probleme bekommen sie schnell in den Griff und jammern deswegen nicht, sie berichten halt nur.
        Ich für mich sehe da jetzt keinen Anlaß extrem sensibel mit den Menschen umzugehen. Allerdings würde ich auch nicht auf die blöde Idee kommen, einem Arbeitslosen auf einen Stadtbummel einzuladen#kratz, also so sensibel bin ich dann doch schon.

        Wenn das Herz voll ist, geht der Mund auf.

        Die Menschen, die Du beschreibst, befinden sich offenbar recht plötzlich in einer Lebenssituation, in der sie sich vorher nie vorgestellt haben. Das braucht seine Zeit, bis man sich dem anpasst und den Kopf aus dem Sand zieht.

        Das solltest Du doch sehr gut wissen, oder?

        Du kannst empathisch reagieren, wenn Du das noch kannst und ihnen viel Glück und Erfolg bei der Jobsuche wünschen. Dabei hilft es, ihnen auch innerlich aus vollstem Herzen das Beste zu wünschen, sofern Dir das möglich ist. Der andere wird das merken und sich etwas besser fühlen.

        Ansonsten Smalltalk und guten Tag/guten Weg.

        LG

        Hallo,

        ein Jobverlust ist ein traumatisches Erlebnis, v.a., wenn man nicht damit rechnet. Es wiegt bei vielen Männern noch schwerer, da sie meistens die Verdiener in der Familie sind, oft auch mehr verdienen und die Gesellschaft klar suggeriert, dass man beruflich auf jeden Fall erfolgreich sein muss.

        Es ist tatsächlich in manchen Branchen nicht so einfach, etwas Neues zu finden. Bei mir arbeiten zwei Familienväter, die beide 300km entfernt wohnen, gerade Häuser renoviert hatten und den Standort nicht aufgeben wollen - sie bemühen sich auch wirklich, etwas Näheres zu finden. Bei uns hatten sie auch riesig Glück, da die Personalabteilung zunächst auch abwinkte und sagte "nö, die sind eh balb wieder weg".

        Ich war nach dem Studium auch eine Weile "arbeitslos", ich habe es dadurch kaschiert, dass ich noch ein Aufbaustudium gemacht habe, aber diese ständige Ablehnerei hat mich total runtergezogen ... da schreibst du Bewerbungen, die wirklich fast 100% auf dein Profil passen, machst dir Hoffnungen ... und hörst nie mehr was. Oder eben die Absage landet im Briefkasten. Da ist es schwer, positiv zu bleiben.

        Daher würde ich einfach geduldig zuhören, versuchen, Mut zu machen und sie gar nicht mit Situationen konfrontieren (wie der verkaufsoffene Sonntag), die auf Kommerz ausgerichtet sind ....

        GLG
        Miss Mary

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