Euer "Weltbild": Wie sind Menschen?

Wie sind Menschen?

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    • (1) 05.11.17 - 06:59

      Hallo urbia-Gemeinde,

      Da hier einige weise und lebenserfahrene Menschen sich tummeln, nun die Frage:

      Wie sind Menschen eigentlich?

      Versuche mal wieder mehr über die "Norm"und die Menschheit herauszufinden und da muss man generalisieren.

      Versuche hier einfach mal eine "platte, nicht so tiefsinnige" Antwort zu bekommen. Um es genauer zu "ergründen", müsste man die jeweiligen "Anforderungen" des Einzelnen an die Einzelnen kennen, dessen privates Wertesystem, persönliches wie sensibel/hart im Nehmen, Lebenserfahrung/Erlebnisse in Betracht ziehen usw. - deswegen so generell und allgemein wie möglich.

      Mir geht es hier um Deutschland, andere Kulturen/Länder nehme ich da mal außen vor.

      Man wird ja ab und zu mal im Leben "überrascht" (z.B. Exen, die sich vorher liebten und nun hassen; Kollegen, die hintenrum hinterhältig agieren um den Job zu bekommen; Kassiererin, die aufhört schnell zu kassieren, da jemand Altes bei ihr steht und sie trotz Gemosere der Warteschlange demjenigen Zeit gibt ... und vieles mehr).

      ... Gab es solche
      - einschneidenden Erfahrungen bei Euch (uups, das hätte ich jetzt nicht gedacht/erwartet),
      - welche Auswirkungen hatten diese auf Euer "Weltbild",
      - was denkt Ihr allgemein über Menschen (von Grund auf gut oder schlecht)
      - wie geht Ihr selbst mit Menschen um (vorsichtig, offen, ...)?
      - wie gebt Ihr Euch selbst als Mensch (ich bin einfach so wie ich bin und zeige das auch; manchmal/oft halte ich mich zurück und denk mir nur meinen Teil; ich zeige meine echten Gefühle (nicht)).
      - welche Auswirkungen haben Euer Denken und Eure Erfahrungen auf den täglichen Umgang mit Menschen?
      - habt Ihr Euer Weltbild mal komplett über Bord geworfen (vorher so gedacht, dann durch häufige Erfahrungen nun das komplette Gegenteil im Denken und Handeln)?

      Ich hoffe, man kann ungefähr verstehen, worauf ich hinaus möchte.

      Bin sehr neugierig, wie andere so ticken und mit manchem umgehen, man kennt ja bei vielem nur seine eigene Sicht der Dinge.

      • (2) 05.11.17 - 07:12

        Mist: eine Frage vergessen:

        - welches "Weltbild"/Menschenbild versucht Ihr Euren Kindern zu vermitteln?

        Guten Morgen, eine sehr interessante Frage. Ich versuche mal für mich darauf zu antworten.

        "Alle wollen individuell sein, aber wehe jemand ist anders". Das ist doch etwas, was ich sehr oft beobachte. Sei es bezogen auf die Art und Weise wie man lebt, wie man aussieht, etc. Ich glaube, obwohl wir mittlerweile das Jahr 2017 schreiben , fehlt es der Menschheit doch doch noch sehr an Toleranz und Akzeptanz anderer.

        Ich z.b bin jemand, der andere nicht verändern möchte. Wenn ich mit jemanden nicht zurecht komme, so wie er ist, ist es doch letztendlich eigentlich mein Problem und nicht das meines gegenüber.

        Ich habe zwei Kinder, ich bin deutsche, Papa ist Bosnier. Ich demnach Christ, er Moslem. Ich kann mit Religion überhaupt gar nichts anfangen und stehe dieser sehr kritisch gegenüber, mein Mann glaubt für sich in seinem Herzen. Muss das nach außen hin anderen nicht beweisen. Unsere Kinder sind muslimisch. Dennoch erziehe ich meine Kinder zu Toleranz. Sie gehen in den Religionsunterrricht, meine Kleine in einen katholischen Kindergarten, wo sie mit ganz viel Freude an allem was mit den Geschichten zu tun hat, teilnimmt. Meine Töchter bleiben auch an Zuckerfest nicht Zuhause. Als mich meine Tochter letztes Jahr danach fragte (sie hat eine türkische Freundin die dann daheim bleiben darf) sagte ich ihr "wenn es alle dürfen, dann darfst du es auch).
        Die wichtigsten Elemente meiner Erziehung sind somit Toleranz, Akzeptanz und Ehrlichkeit. Ich versuche ihnen gegenüber bei jeder Frage ehrlich zu antworten. Kindgerecht natürlich. Meine Kinder halten auch ganz viel von Versprechen. Welches sie von mir nur bekommen , wenn ich auch weiß dass ich es wirklich einhalten kann.

        Meine Kinder sollen möglichst weltoffen sein. Sich nicht als das Maß der Dinge sehen. Sie sollen lernen dass nicht alles auf der Welt selbstverständlich ist. Sie sollen nicht verschwenderisch sein (denn auch das ist die Welt leider genug ) und schätzen was sie haben (denn oft neigt der Mensch dazu, daran zu denken was er nicht hat, als sich an dem zu erfreuen was er hat ).

        Ich erlebe oft, dass die Menschen keine Zeit haben (wie oben in dem Beispiel mit der Warteschlange ). Sie werden schnell unfreundlich und ungeduldig. Der gegenseitige Respekt fehlt davor. Zum einen vorm Alter und zum anderen aber auch vor der Kassieren. Ein anderes Bespiel wäre die Straßenmusik. So viele Menschen gehen immer einfach nur vorbei.....

        Menschen fehlt es oft an Empathie, an dem Interesse für andere. Beispiel: obdachlosigkeit. Wir waren im Mai in Hamburg und da war es für meine Kinder ein großes Thema. Und ja, wir blieben dort stehen, ich habe es ihnen erklärt und es kamen auch Leute zu uns hin und nein, habe mein Kind nicht weggezogen.

        Es gibt so viele Dinge. Mein Selbstbild hat sich vor allem in einem Punkt verändert. Ich war immer davon überzeugt, dass jemand der hier lebt, der deutschen Sprache mächtig sein muss. Und ich wurde eines besseres gelehrt. Meine Schwiegermutter wohnt seit über 40 Jahren hier. Und sie beherrscht die Sprache nicht. Dennoch ist ihre Lebensgeschichte so beeindruckend und ich weiß, dass sie deshalb keine Schuld tritt. Daher würde ich nie auf die Idee kommen, sie in diesem Punkt zu kritisieren oder schief anzusehen. Früher wäre das anders gewesen.

        Ich halte mich sehr oft zurück, was mein denken über die Menschheit angeht. Weil es doch sehr speziell ist. Beispiel: ich lebe mongam, bin aber überzeugt, dass der Mensch nicht dafür gemacht ist. Warum? Niemand ist in der Lage einen anderen zu 100% so zu erfüllen, ohne sich selbst einzuschränken oder abzupassen. Das ist eine Denkweise , die nicht sehr gut ankommen würde. Aber.... Leben und leben lassen.

        Fazit: jeder kann und sollte sich immer wieder die Frage stellen, was eigentlich die Norm ist und wer entscheidet das überhaupt? Und würde es nicht vieles im Leben leichter machen, wenn wir an der Toleranz und Akzeptanz arbeiten würden und uns selbst nicht immer über allem stellen.

        • Sorry, aber nach 40 Jahren hier der Sprache nicht mächtig sein, na ich weiß nicht.
          Das hat mit der Lebensgeschichte doch wohl wenig zu tun ob man die Sprache lernt, sondern mit WOLLEN.
          Da ist schon ne gewisse Mitschuld.

          Was das mit der Monogamie angeht:
          Warum seine Meinung zurückhalten nur um keine Konfrontation mit anderen zu bekommen ?
          Naja.

          Gruß Birgit

          • Die Schreiberin hat einfach mal gesehen, dass es durchaus "Einzelschicksale" und evtl. plausible Gründe geben kann, warum denn jemand die Sprache nach 40 Jahren nicht kann ...

            Sie hat also mal in den "großen Topf geguckt" und erkannt, dass dort auch kleine "Stückchen" schwimmen ...

            Und ist dementsprechend vorsichtiger mit ihrer Meinung & Vorurteilen ...

            Ein Denkanstoß für Dich.

            • Hallo,

              Das Problem ist, was sind denn plausible Gründe ? Das kann man sehr dehnen und schnell als Ausrede nehmen.

              Und was die kleinen Stückchen angeht, dann könnte man auch erwarten das Homosexuelle, Transsexuelle usw. Mehr akzeptiert werden. Auch wieder so Weltbild.
              Und ein Denkanstoß.

              Gruß Birgit

          Mh... Mitschuld. Ein wenig. Sie ist in Bosnien 4 Jahre zur schule gegangen, danach hat sie sich Zuhause um die Geschwister gekümmert und auf dem Feld gearbeitet. Irgendwann kam sie dann nach Deutschland. Und auch da wurde eben bei der Arbeit (sie hat geputzt) und Zuhause kein Deutsch gesprochen. Mein Schwiegervater beherrscht die Sprache perfekt. Ob sie nicht wollte, glaube ich nicht. Es wurde ihr nie wirklich nahe gelegt, die Sprache zu lernen. Sie kann sich verständigen. Ja. Aber fließend deutsch spricht sie halt nicht. Und wenn ich ihr so zuhöre, mache ich ihr den geringeren Vorwurf.

          Ich halte meine Meinung nicht zurück. Ich kann schon ausdrücken, wie ich das sehe und scheue auch der Konfrontation nicht. Aber öffentlich steht man doch sehr alleine damit da..... so meine ich das

          • Naja, es wurde Ihr nie nahegelegt die Sprache zu lernen ?
            Sie ist doch erwachsen und sollte doch wissen dass man in einem fremden Land die Sprache lernen sollte.
            Das ist eigene Initiative.
            Dein Schwiegervater hat es ja auch geschafft

            Gruß Birgit

            • Ist das nicht auch wieder ein typisches Weltbild? Man erwartet von einer erwachsenen Frau dies und das. Ja, heutzutage mag das vielleicht so sein und auch früher, war es sicherlich so, dass es genug Frauen gab, die eigenständig genug waren. Sie war es nicht. Andere Zeit. Andere Kultur. Ich glaube, sie war froh aus dem Dorf entkommen zu sein. Und ja, ihr fehlte in diesem fremden Land der Weitblick. Sie hat auch nie einen Führerschein oder ähnliches gemacht. Sie war eigentlich immer nur Zuhause und dennoch sehr glücklich und zufrieden. Und für alles und jeden ihr bestes getan.

              Meine Schwiegervater war unter Tage. Mit deutschen anderen Kollegen. Das war doch etwas ganz anderes als das was sie gemacht hat.

    (11) 05.11.17 - 09:10

    Hallo,

    Ich bin der Meinung dass das was viele verkörpern eine Art von Doppelmoral ist.
    Viele halten sich für offen und zivilisiert, aber kommen dann andere die scheinbar nicht ins Weltbild passen, dann wird gemeckert und man will mit solchen nichts zu tun haben. Man will Menschen so verändern wie man sie selbst gerne hätte. Individualität ist Fehlanzeige.

    Auch mit der Offenheit ist das so ne Sache. Manche denken Sie sind offen weil Sie FKK machen oder bestimmte Praktiken usw. Das ist aus meiner Sicht ein Irrtum.

    Und politisch sind die meisten festgefahren. In Deutschland sind seit Jahr und Tag im Bundestag CDU und SPD die stärksten. Änderungen nicht in Sicht, zu feige für neues.

    Mehr will ich dazu nicht sagen.

    Ich hoffe ich kann meinen Kindern ein gutes Weltbild vorgeben. Das heißt, keine Heuchelei. Sich geben wie man ist und dazu stehen.

    Liebe Grüße
    Birgit

    • (12) 05.11.17 - 09:20

      Den Eindruck mit der Doppelmoral habe ich auch.

      Desweiteren auch immer mehr das Gefühl, dass Menschen einfach "falsch" sind (aus welchen Gründen auch immer: um nicht aufzufallen, um sich der Norm/Alltag anzupassen, Vorsicht, ...) -

      ein Bsp: im Prinzip absolut mit einverstanden, dass Kassiererin sich Zeit für Ältere nimmt, mosern aber mit oder trauen sich nicht offen die "Moserer" zurecht zu weisen

      Oder umgekehrt:

      Tut so, als ob freundlich und geduldig an der Kasse, steht aber im Bus nicht auf um Älteren Platz zu machen (also handelt nur wenn er meint gut wegzu kommen oder einen Vorteil zu erzielen (Anerkennung anderer)

      Furchtbar plattes Beispiel - aber mir geht's um die Norm.

      • Was ist den "die Norm"?

        Du hast das jetzt schon ein paar mal so geschrieben, als ob das etwas ganz erstrebenswertes ist.

        Ich finde befremdlich, Menschen in "die Norm" oder halt "nicht in die Norm" zu definieren #kratz.

        • Die Norm ist die Überzahl, die Mehrheit - Denken, Meinungen, Taten, Reaktionen, Anschauungen ...

          Wenn man nicht wie die Norm ist, ist die Norm manchmal erstrebenswert ;) - lebt sich anscheinend leichter.

          • Wozu denn?

            Lebt jemand anderes mein Leben?

            Nein? Na dann bin ich doch lieber so, wie ich mich leiden mag - "Norm" hin oder her.

            Und die Norm wäre ja nun auch in jedem Setting eine andere. An der Schule meines Kindes sind die "Streber" die Norm und das Idealbild, an dem sich orientiert wird.

            Das ist sicher nicht an jeder Schule so.

            Oder wenn ich auf einem Hippie-Festival in einer Kommune bin, bin ich wohl eher nicht die Norm ;-).

            Es gibt keine Norm. Die Norm, die Du vielleicht siehst oder sehen möchtest, gibt es nur für Dich.

            Für mich gibt es die nicht, weil ich nicht Du bin. Jeder lebt in einer anderen Realität. Weiter gedacht bedeutet das, dass es aufgrund der vielen Realitäten gar keine Norm geben kann.

            Es kann grundlegende Übereinstimmungen geben, aber um einen größeren, menschlichen Konsens zu finden, müsste man die Übereinstimmungen wieder so allgemein halten, dass wir ja doch alle dort rein fallen.

            Also: Was ist für Dich "die Norm"?

            Dann könnte man Dir vielleicht eher dazu antworten.

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