Lügengeschichten im Alter?

    • (1) 13.11.17 - 11:16

      Vielleicht kann mir hier jemand einen Tipp geben:
      Wir wohnen mit meiner 74 Jahre alten Mutter in einem Haus. Vor zwei Jahren ist mein Stiefvater verstorben und sie hat sich ihr Leben um ihren Enkelsohn (4Jahre) aufgebaut. Jetzt wird sie für uns immer komischer:
      1) Sie gibt an, sich wie eine 17 Jahre alte Frau zu fühlen und kleidet sich auch so
      2) Dafür gibt sie richtig viel Geld aus um auf QVC und HSE24 alles mögliche an Klamotten zu bestellen
      3) sie mischt sich massiv in die Erziehung ein und gibt an, dass wir unfähig sind. Sie kann alles besser! Dafür erzählt sie überall Lügengeschichten...im Ort, den Nachbarn, der Familie, den Schwiegereltern...auf Ansprachen reagiert sie in Verteidigungshaltung
      4) uns ist aufgefallen, dass sie sich nur noch schwer konzentrieren kann und einige Sachen vergisst
      5) Kontakte hat sie nur zu Dienstleistern oder wenn wir sie mitnehmen, da sie schon immer ein schwieriger Mensch war und keiner ihren Kontakt wirklich will
      6) seit einiger Zeit geht sie in Reizwäsche, ich nenne es Hauch von Nichts, zum Briefkasten oder öffnet so die Tür
      7) Reflektieren ist ihr nicht möglich
      8) sie kocht nicht, putzt nicht usw. lässt sich nur bedienen (hatte schon mal Magersucht)
      9) ist uns gegenüber manchmal richtig gemein
      10) und sie hasst ihre 7 Monate alte Enkeltochter. Mit Ansage: Mädchen kommen ihr nicht ins Haus! Keine Frau darf mehr haben, schöner sein und so weiter....

      Wir fragen uns, sind das Anzeichen einer Krankheit? Es wird tatsächlich schlimmer und irgendwie ist es auch beängstigend. Kennt jemand so ein Verhaltensmuster und kann mir einen Tipp geben: was es sein kann?

      Ich kann ja nicht einfach mit ihr zum Arzt gehen, da macht sie nicht mit. Reden bringt auch nicht viel, da sie sich gleich verteidigt und nichts einsehen will. Einige Muster passen zur Demenz und andere eher zum Altersstarrsinn und dann denke ich an einigen Tagen, sie lügt sich einfach ihre Traumwelt zurecht.

      Kenn ihr das? Was habt ihr gemacht oder gibt es so ein Krankheitsbild?

      Danke für eure Ideen :-)

      • (2) 13.11.17 - 11:21

        Gesund klingt das irgendwie nicht, aber selbt wenn? Was willst Du machen?
        Es wird keine Medikamante geben, die sie "normaler" werden lassen. Ihr müsst also dann irgendwie damit leben.

        Fragt sich, ob man das will und ob sich die Situation ändern lässt, indem Ihr auszieht.

        • Das ist immer die Lösung, leider. Das Problem ist einfach, dass wir vor zwei Jahren das Grundstück mit Häusern geerbt und alles abbezahlt haben.
          Schriftlich wurde ein Wohnrecht auf Lebzeit vereinbart. Jetzt fragen wir uns, zieht man aus dem Eigentum aus und wohnt zur Miete...zahlt aber trotzdem fürs Haus, da sie weiter drin wohnt. Ich meine, die Mieten in Hamburg mit zwei Kindern sind nicht gerade gering.....

      Hallo,

      Es könnte eine Stoffwechselstörung im Gehirn sein. Die Frage ist welche und ob es für diese Form Tabletten gibt.
      Meine Empfehlung ist Du redest mit deinem Hausarzt und fragst für dich nach möglichen Hintergründen. Damit du das einsortieren und eventuell auch Maßnahmen starten kannst.

      Ihr Hausarzt darf mit dir nicht reden. Dein Arzt aber schon um dir zu helfen.

      Gruß Sol

      • Das habe ich schon probiert...leider läuft ihre Medikamentengeschichte nicht beim Hausarzt zusammen, sondern bei ihrem Schmerzarzt. Der gibt keinerlei Auskunft.

        • Darf er auch nicht.
          Und zufällig finden kann die Medikamente auch keiner? Schlecht eingestellte Medikamente können interessante Auswirkungen haben. Da kein Körper immer gleich ist müssen Medikamente öfter mal angepasst werden

    Hi,
    Da kann einiges zusammenkommen. Beginnende Demenz, Altersstarrsinn eine Depression.

    Selbst mit Untersuchungen lässt sich da oft nichts genaues feststellen und ohne mitwirken der Betroffenen sowieso nicht.

    Wir haben ähnliches mit der Großtante durch. Sie hat ihren Teil des Hauses geschenkt und dazu Niesbrauch eingeräumt bekommen. Ist noch eine Spur schärfer als nur Wohnrecht.

    Sie hat auch terrorisiert wo es nur ging.
    Mein Schwiegervater hatte ja bitte bei ihr mit zu essen oder es wenigstens abzuholen. Und natürlich hatte sich jeder bei ihr zu melden wenn er heimkam und sich abzumelden wenn er geht.
    Wir haben immer Bescheid gesagt, wenn sie alleine im Haus war, damit sie es weiß.
    Die neue Waschmaschine hat nicht so gut gewaschen wie die Alte (die war halt leider kaputt, weil wir ja viel zu viel Wäsche reinhaben nicht weil sie schon 15 Jahre alt war und schon 2x repariert.)
    Raus ging sie auch nicht, nicht Mal zu unserer Hochzeit kam sie mit.

    Es wurde mit den Jahren schlimmer.
    Das Essen meiner Schwiegermutter hat ihr nicht geschmeckt, sie hatte immer nur zu meckern.
    Es hat alle belastet, am meisten meine Schwiegermutter, die es ja den ganzen Tag abbekommen hat.
    Nach einem Sturz wurde sie dann zum Vollzeitpflegefall und kam ins Heim.

    Es war für alle eine Erleichterung.

    Wichtig ist, dass ihr als Familie zusammen haltet und eine einheitlich Linie verfolgt. Wenn einer dann doch wieder nachgibt aus Mitleid, oder weil es einfacher ist, macht es alles noch schlimmer.

    Spontan hätte ich an Demenz, Alzheimer oder ähnliches gedacht

    vielleicht auch schon eine vorherige psychische Problematik, die jetzt verstärkt wird, die sie besser "vertuschen" im "Griff halten" konnte oder auch gesund war, aber jetzt eben was entwickelt.

    Um den Arzt werdet ihr nicht drum herum kommen.

    Wenn ihr sie nicht hinbekommt, dann vielleicht mal selbst einen Termin machen. Für dich.
    Die Belastungen schildern, fragen was du für dich selbst tun kannst, damit umzugehen
    im zweiten Schritt fragen, wie ihr mit dem möglichen Krankheitsbild umgehen könnt.

    Von Arztbesuch/Diagnose, Hilfestellungen im Alltag, vielleicht auch mal bei Pflegediensten fragen. Bei Menschen die sich auskennen, wie man mit entsprechenden Verhaltensmuster umgehen kann.


    Wurde ihre Magersucht mal behandelt?
    Wisst ihr woher diese kommt?
    Magersucht z.B. durch Familienzwänge beim Essen (aufessen müssen, du bist zu dick) etc. können andere Ursachen haben, als z.B. durch Missbrauch entstandene (was z.B. die Abneigung den Hass gegenüber des Mädchens erklären könnte)
    in beiden Fällen nicht gesund, aber evtl. verstehbar.
    Das heißt NICHT, dass ihr alles hinnehmen müsst! Es macht vielleicht nur andere Wege möglich, wie ihr damit umgehen könnt.

    Jetzt macht sie vielleicht auch Dinge, die sie sich früher nie getraut hätte,
    weil sie keine Ressourcen mehr hat für Selbstbeherrschung oder nachdenken (z.B. weil der Teil des Denkens nachlässt)

    Bei manchen Erkrankungen in Richtung Alzheimer/Demenz kommt ja noch hinzu, dass sich Menschen an Sachen aus sehr viel früher noch erinnern, das aktuelle jetzt jedoch wie ausgelöscht zu sein scheint bzw. immer weniger wird.

    Um professionelle Hilfe werdet ihr nicht drum herum kommen.

    Daher vielleicht erst mal zum Hausarzt, du selbst für dich um dann Schritt für Schritt sich zu informieren, wer wie wo euch beim koordinieren helfen kann, beratne kann. Du für dich selbst, damit du langfristig unter der "neuen Aufgabe" (informieren, irgendwie damit klarkommen) nicht zusammen klappst.

Das klingt nach ner psychose.
Psychotiker lassen sich selten helfen, denn sie haben mit der sache ja kein Problem.
Schau mal nach einer angehörigensprechstunde in ner psychiatrie.

Evtl hat sie ja nen neuen schub.

6) seit einiger Zeit geht sie in Reizwäsche, ich nenne es Hauch von Nichts, zum Briefkasten oder öffnet so die Tür

Bis dahin hab ich noch gedacht, okay, alt und wunderlich, aber ab Punkt 6 wird's kritisch. Das ist alles nicht mehr im Rahmen und dass sie das Baby hasst mit DER Begründung, ist der Hammer.
Gesund ist die Frau ganz sicher nicht. Trotz Schweigepflicht würde ich ihren Hausarzt um Hilfe bitten, dieser kann sich ja alle Unterlagen beschaffen und notfalls einen psychiatrischen Dienst oder ähnliches einschalten. Wenn die Gefahr der Verwahrlosung droht, ist dies gerechtfertigt, war in meiner Nachbarschaft auch mal so ein Fall bei einer alten Frau, die auch verwahrloste. Sie kam dann in eine psychiatrische Klinik und von dort aus direkt in ein Pflegeheim.
Ich weiß nicht, inwieweit ihr wegen des Hauses verpflichtet seid, ihre Pflege zu übernehmen, aber Hilfe von außen würde ich mir auf alle Fälle holen. Du musst Deine Kinder ja auch schützen. Denen kann man ja auch nicht alles zumuten. LG Moni

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