Auf nichts und niemanden Verlass...

    • (1) 12.12.17 - 12:18

      Hallo.

      Ich muss mal ganz gepflegt Dampf ablassen, so wütend bin ich gerade.

      Aktuell lässt mein Zahnarzt das Fass zum Überlaufen bringen. Zahlreiche Anrufe ergeben, dass man dort seit einem Monat nicht in der Lage ist, meine weitere Behandlung bei meiner KK zu beantragen. Ich hätte es ja selbst gemacht, mir wurde aber nur die Aufgabe zugewiesen, die entsprechenden Daten zu übermitteln, was ich getan habe. Nun steh ich da und warte und habe auch nicht die Möglichkeit, es selbst zu beschleunigen.

      Ok, alles noch kein Weltuntergang. Was allerdings wirklich schlimm wird, sind andere Stellen. Seit einem halben Jahr nun versuche ich meinem Lebensdilemma Abhilfe zu verschaffen. Bereits seit zwei Jahren leide ich an extremer Überforderung, die ich nicht abstellen kann. Sowas macht irgendwann wohl den Stärksten krank. Ja, wie gesagt, seit rund 6 Monaten der Versuch, daran wirklich etwas zu ändern, da erhoffte Änderungen von allein wohl nicht eintreten. Viele Schritte habe ich gleichzeitig in Angriff genommen: Hausarzt, Kinderarzt, Beratungsstellen, Erziehungshilfe, Jugendamt, Psychologe. Also wenn ich noch einmal höre, Jemand hat kein Verständnis "wende dich an Stelle xy, in Deutschland wird Jedem geholfen" dann hüpf ich aus der Hose.

      Ok, mein Hausarzt hat versucht mir zu helfen. Durchgecheckt von Kopf bis Fuß und Überweisung zum Psychologen. Als ich endlich Kraft UND Gelegenheit in Kombination aufbringen konnte, den epfohlenen Pschologen zu kontaktieren, wurde ich wirklich unfreundlich und konsequent von der Vorzimmerdame abgewiesen. Ich frage mich, was so etwas in einem wirklich psychisch labilen Menschen anzurichten vermag. Mich hat es nur entmutigt, mich weiter um einen Termin für mich zu kümmern.

      Da meine Überforderung zum Großteil an den (leider selten) lieben Kinderlein liegt, die oben erwähnten Beratungsstellen. Ok, das war wirklich Zeitverschwendung. Leider. Also parallel den Kinderarzt befragen und mal das Jugendamt aktivieren, denn 1.5 Jahre überm Limit tragen doch wirklich schlechte Verhaltensweisen gegenüber den Kindern zutage, was ich doch so so gerne wirklich abstellen möchte.

      Das Jugendamt bietet da auch nur begrenzte Hilfe und wenn die nicht passt, kommt da auch nichts mehr. Ok, ich habe nicht gesagt, ich werde bei nichthilfe bald mich oder die Kinder oder uns alle erschießen, das entspräche auch nicht der Wahrheit. Aber anschreien und an h mal grob behandeln werde ich sie wohl weiterhin, solange die Extrembelastung nicht aufhört. Das reicht wohl aber nicht.

      Der Kinderarzt kennt mich ja nun ein paar Jahre und sieht, wie schlecht es mir geht, nimmt mich also ernst. Was für ein wärmendes Gefühl. Er verweist uns zum Kinderpsychiatrischen Dienst. Auch das Gespräch dort...Mensch, ich fühlte mich mal verstanden. Da sitzt Jemand der sofort einsieht, dass man das nicht lange aushält und das da mal was geändert werden sollte. Erste Ideen sind auch da, was man da machen kann. Ich war echt erleichtert. Ein Lichtblick. Die liebe Therapeutin hat einen persönlichen Kontakt, aber auch eine zweite offizielle Stelle, wohin sie sich für weitere Maßnahmen wenden möchte. Sie wird mich anrufen, vielleicht können wir schnell einen Platz für sie arrangieren....

      Ja...auch das ist nun ca 8 Wochen her. Der versprochene Rückruf blieb aus. Auch, nachdem ich mich dort nochmals meldete, alles schilderte und man mir abermals versprach, sich zu kümmern. Keine Teaktion mehr. Schade eigentlich.

      Ich bin so müde, dem allem weiter hinterher zu rennen.

      Wir sind wohl an mehreren Stellen ein Aktenvermerk. "Man kümmert sich". Aber erinnern daran tut sich irgendwie keiner. Doch, wenn die Rechnung fällig wird, dann erinnern sie sich. Das vergessen die lieben Ärzte nicht. Sollte auch der psychiatrische Dienst wagen, eine Rechnung zu schicken, dann hagelt es aber ein Donnerwetter.

      Ja. Etwas gewirkt hat es, das hier niederzuschreiben. Sauer bin ich jetzt nicht mehr so sehr. Mehr enttäuscht. Ich bin wirklich ein starker Mensch, nicht auf den Mund gefallen. So sehr habe ich mich in den letzten Monaten bemerkbar gemacht, dass ich Hilfe bräuchte, gebessert hat sich leider nichts. Wenn ich nun daran denke, wieviele schwache, wirklich schwer kranke Menschen oder Kinder Hilfe brauchen, die nicht die Kraft oder die Möglichkeit haben, deutlich um Hilfe zu bitten, wird es mir schlecht.

      Danke fürs zuhören. Habt möglichst ruhige Wochen in dem verbleibenden Jahr!

      • Hallo Motzgurke,

        das klingt ja wirklich alles andere, als super.
        Ich kenne das von meinem Bruder, irgendwann rafft er sich auf und will selbstständig zu Arzt gehen, wird abgewiesen und geht wieder nach Hause (KK-Karte abgelaufen).
        Er wäre fast gestorben. Danach wieder das gleiche, wenden sie sich da und da hin. Überfordert, aufgegeben. Den Tritt bekam er jetzt letzmalig von mir und mitlerweile scheint es zu laufen.
        Hast Du so gar keine Unterstützung? Nimmst Du Dir mal ne Ausszeit? Kannst Du mit Freunden reden? Oft haben auch diese Ideen.
        Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Kraft und gib nicht auf, irgendwann kommst Du an Dein Ziel. Der Weg ist beschwerlich, sicher, aber das schaffst Du!

        LG #liebdrueck

        • Danke für deine liebe Antwort.

          Nein, leider gibt es keinerlei Unterstützung. Natürlich habe ich Freunde. Mal ausquatschen ist da auch drin, aber berufstätig und/ oder an eigene Familien und zahlreiche Verpflichtungen gebunden sind sie ja auch alle. Selten ist mal eine kurze Babysitterauszeit möglich, aber bei täglichem Dauerstress ist das natürlich ein sofort verpuffter Tropfen. In 9 Monaten geht die jüngste in den Kindergarten. Wenn dann noch der erste, vermutlich infektreiche Winter durch ist, rechne ich erstmal mit einer deutlichen Entlastung. Solange werde ich noch durchhalten müssen.

          Aber so schlimm, wie bei deinem Bruder ist es nicht. Es ist echt furchtbar, wie sehr Menschen im System unterheben. Sobald offizielle Stellen formal nicht zuständig sind, scheint sich da kaum noch Jemand zu interessieren. Es ist wirklich traurig.

          LG

          • Gib Dir jeden Tag einen neuen Ruck und raff Dich auf, nicht nachgeben, das wird es nicht besser machen, dran bleiben und vorallem immer freundlich bleiben, nicht motzen, auch wenn Dir danach ist. Mit Freundlichkeit kommt man oft noch am weitesten.

            LG

            • Mein Name ist eigentlich nicht Programm;-)
              Der bezieht sich auf einen Spross.

              Ich bemühe mich stets, Jedem gegenüber freundlich oder wenigstens sachlich zu sein.
              Trotzdem ist es ermüdend, dem allem so hinterherzurennen.

              LG

      (7) 12.12.17 - 12:32

      Hi,
      du hast 1000 Baustellen und nicht eine wirklich verfolgt.
      Nur weil die Vorzimmerdame beim Therapeuten blöde war, kippst du das Thema
      Kinder sind das Spiegelbild der Eltern und deren Erziehung...da kann ein Kinderpsychologe auch kein Wunder bewirken.

      Du hast anscheinend überall angeklingelt aber nicht den roten Faden verfolgt oder bist dran geblieben.

      Hast du noch keine Mutter-Kind Kur beim Arzt beantragt? Das ist doch der erste Weg, wenn alles zu viel wird. Und wenn der Arzt sieht, das es dringend ist, bekommst du auch recht schnell einen Termin.

      Was macht dein Partner, kann er dir was abnehmen? Kann er für dich die Termine koordienieren, wenn du nicht immer Kraft und "Gelegenheit" hast.
      Kannst du deinen Alltag anders koordienieren, Zeit für Dich nehmen (Sport, Hobby...)

      lisa

      lg
      lisa

      • Hier muss ich Dir mal ins Gewissen reden. Gerade bei Menschen, die labil sind und sich endlich aufraffen, versuchen, etwas zu schaffen, wird jeder Stein, der in den Weg gelegt wird, ein Drama verursachen. Glaube mir, wenn das wirklich alles so einach wäre, gäbe es nur noch glückliche Menschen. Mein Bruder wäre fast gestorben, weil immer wieder jemand da war, der ihn von A nach B schickte, anstatt vielleicht sofort mal ein zu weisen oder ähnliches. Sei froh, daß es Dir nicht so ergeht, auch ich kann alles erledigen, mir wird auch mal etwas zu viel, aber ich bleibe am Ball. Das kann aber nicht jeder.

        (9) 12.12.17 - 12:39

        Liebe Lisa, sei mir nicht böse, aber ich bin auch zu müde zu schildern, was ich bereits alles getan habe und dass die Standardtipps alle wirkungslos sind.

        Auch ist es nicht So, dass ich ohne weitere Verfolgung sofort aufgebe.

        Eine Mutter-Kind-Kur wurde mir oft geraten. Die ist über die freie Heilfürsorge mal gar nicht so leicht beantragt. Da bin ich dran. Allerdings vor mir der Kinderpsychiatrische Dienst eine viel bessere Maßmanhme an. Die hätte ich ja nun in den vergangenen Monaten versucht anzunehmen, aber wie ich schrieb, auch auf eigene Initiative und Nachfrage, reagiert man dort nicht mehr.

        LG

        • (10) 12.12.17 - 12:48

          dann lass dein Arzt mal bei der Kur nachfragen....
          Ich habe meine Bestätigung innerhalb von zwei Wochen gehabt uud ich war nicht krank!!! Der Arzt meinte nur"das tut gut" bin aber nicht gefahren, weil ICH es für mich als sinnlos erachtet habe.
          Bei Absagen kannst du Widerspruch einlegen,

          Haben die Kids wirklich echte Baustellen oder reagieren sie auf dein Stress, auf dein Geschrei, auf dein nicht mehr können?
          Kennst du die alte "Supernanny" aus dem TV? Die kam in haos Familien, wo die Eltern alles auf die Kids geschoben haben. Wer wurde am Ende Verhaltenstherapiert? Die Eltern und es lief mit den Kids wieder besser!!!!

          Wenn du beim Jugenamt sagst, WO du derzeit überall Hilfe suchst denken die sich wohl auch....naja, dann wird es ja irgendwo klappen und stürzen sich nicht in Arbeit

          lg
          lisa

          • (11) 12.12.17 - 13:04

            Achja.

            Weißt, ich selbst bin eher dagegen, Kinder in Schubladen zu stecken ala AD(H)S und bin sogar der Meinung, dass meine Kinder gesund sind. Denn Diagnosen in dieser Richtung habe ich nicht verfolgt. Ich versuche ja Hilfe zu bekommen, unseren Alltag zu entzerren oder Hilfe zu bekommen, OB ich ihn überhaupt entzerren kann. Das heißt aber nicht, das gesunde Kinder nicht brutal anstrengend sein können. Und so ist es halt. Natürlich ist das meine/unsere Schuld, aber nur auf genetischer Ebene.

            Es hat was von dem Spruch gelassene Eltern= gelassene Kinder. Das ist aber meiner Ansicht nach nur ganz bedingt so. Und das Eltern gelassener Kinder sich das selbst zuschreiben ist auch oft so. Hier las ich dann mal, dass vielmehr gelassene Kinder Eltern gelassen machen, während anstrengende Kinder eben nicht gelassene Eltern bedingen.

            Ich habe nicht durch mein Verhalten ein Schreikind kreiert. Vielmehr hat mein mittlerweile fast 2 Jahre altes immernoch Schreikind parallel zu ihrer überaus anspruchsvollen, temperamentvollen, nimmersatten Schwester (zusättlich zu weiteren inneren und äußeren Faktoren) mein Nervenkostüm gänzlich zerfetzt.

            Aber egal. Darum ging es mir nicht. Und von Unbekannten nun irgendwelche Erziehungsfehler oder ähnliches prognistiziert zu bekommen, macht meine Laune grad auch nicht besser. Also sei mir nicht böse, wenn ich nicht weiter drauf eingehe. Ich habe mich hier kurz gefasst. Und eigentlich ist auch am Ausgangspost erkennbar, dass ich eben nicht nachlasse, aber genau das mich nervt. Mir wird Hilfe zugesagt, aber an Zusagen wird sich nicht gehalten. Das nervt.

            • (12) 12.12.17 - 13:30

              mit zwei Jahren noch ein Schreikind zu haben ist relativ selten. Warst du bei der Schreiambulanz oder bei Osteopathen?

              Naja, du willst von Unbekannte Hilfe haben und wenn wir hinterfragen ist es auch nicht recht.

              Kannst du ein Kind schon in die Krippe geben, so dass du hier Entzerrung hast?
              Was macht denn Dein Partner /Vater der Kinder zur Entlastung?

              lg
              lisa

              • (13) 12.12.17 - 14:17

                Lisa.

                Das ist wirklich lieb von dir, dass du mir Tipps geben möchtest.

                Beantrage eine Kur, lass deinen Arzt nachhaken.

                Ist dein Kind gesund, zwei Jahre schreien ist nicht normal, Osteopat etc.

                Kann das Kind schon in die Krippe, Tagesmutter, Babysitter, Leihoma, Vater....

                Meinst du nach fast zwei Jahren Schreikind habe ich diese Basistipps nicht schon längst durch? So was macht doch jeder normale Mensch, bevor er sich beispielsweise ans JA wendet.

                In meinem Post habe ich mich aufgeregt, dass Ärzte trotz mehrmaliger Nachfrage nicht ihre versprochene Leistung erfüllen. Würde ich nicht überall mehrfach hinterher telefonieren, würde alles im Sande verlaufen, selbst beim Zahnarzt. Das war der rote Faden meines Beitrags.

                Ich fragte NICHT nach Tipps, meinen Alltag zu verbessern, weil ich alle Tips bereits kenne. Aber egal was man wo schreibt, man bekommt Tipps und alles wird hinterfragt. Aber da es mir weder darum ging, noch ich dazu Lust habe, es zum hundertsten Mal durchzukauen, deshalb gehe ich nicht in der Tiefe darauf ein.

                Leg mir das bitte nicht zum Nachteil aus.

                • (14) 12.12.17 - 14:30

                  naja, viele reden und machen halt nix oder kennen Osteropathie bei Schreikindern nicht...

                  Und ehrlich...wenn du schon 1000 Dinge gemacht hast, bzw. auch machst und keine Anregungen benötigt, dann muss es doch besser sein. Kann es gerade nicht vorstellen.
                  Entweder bist du schon so abgestumpft, das wirklich nichts mehr helfen kann!

                  OK, alles auf NULL, zurück zu Deinem ersten Posting

                  Genauso dein roter Faden, das du IMMER und ÜBERALL hinterher laufen musst.
                  1. Entweder machst du gravierende Fehler in Deiner Kommunikation, dass die Mitmenschen Dir nicht helfen wollen,
                  2. nicht verstehen was du willst oder
                  3. du kontaktierst die falschen Leute.

                  Wie ich schon gefragt habe und keine Antwort erhalten haben, kann Dein Partner dir bei den Terminen helfen? Vielleicht hat er einen anderen Draht zum Amt, Arzt, etc.

                  Naja, vielleicht ist auch irgendwoanders das Problem.

                  lg
                  lisa

                  • (15) 12.12.17 - 14:47

                    Nein, ich regele alles und bin kommunikativ sehr gut drauf.

                    Aber ja. Vermutlich Geräte ich an die falschen. Aber was soll ich da tun? Zwei Telefonate beim Zahnarzt und die Telefonkraft leitet anscheinend nicht, wie versprochen mein Anliegen weiter. Was mache ich falsch?

                    Genauso beim Kinderpsychologen. Offenbar hat die behandelnde Psychologin ihr Versprechen vergessen, also habe ich telefonisch nach. Wiederum wird mir versprochen, sich zu kümmern, aber wiederum passiert nichts. Was mache ich da falsch? Ich sehe zumindest da nicht den Fehler bei mir. Offenbar besteht dort zuviel Stress und Patientenanliwgen werden vergessen. Genau darüber habe ich mich beschwert und ausgekotzt.

                    Und ja, alle Standarderziehungstipps habe ich durch. Ich erhoffte mir bei der Therapeutin eben tiefer gehende Hilfe, die ich wohl leider nicht mehr erhalte. Da die Zeit für mich spielt und irgendwann automatisch Erleichterung zu erwarten ist, habe ich eben aufgegeben.

                    Ob später andere Baustellen wie zB ADS beo der Großen auf mich zukommen werde ich sehen, damit rechne ich aber nicht. Beim nächsten Kinderarzttermin werde ich den Doc nochmals ansprechen, auch auf die geplatzte Hilfe bei seiner Empfehlungstherapeutin. Vielleicht bringt das noch etwas.

                    Zu meinem Mann schrieb ich schon an anderer Stelle.

                    LG

            (16) 12.12.17 - 13:32

            Ich war selber lange in dieser Stress-Spirale.

            Jetzt nicht mehr und ich muss sagen: Mein Kind ist sehr gelassen und fröhlich, seit ich nicht mehr so zusammengeballt unter Stress stehe.

            Ich denke schon sehr, dass der Spruch "gelassene Eltern - gelassene Kinder" eher stimmt, als anders herum. Denn Kinder orientieren sich an uns als Vorbilder und nicht anders herum.

            Hängt im Familienleben etwas schief, sind meist die Kinder als "schwächste" Mitglieder nur die Symptomträger, aber selten die Verursacher.

            (17) 12.12.17 - 13:51

            Ich hab kürzlich das Buch "Sieh mich an" gelesen, in dem das Leben einer Mutter beschrieben wurde, die nebst eines weiteren Kindes ein Kind mit ADHS hatte. Ich finde, in dem Roman wurde der kräftezehrende Alltag so plastisch beschrieben, dass ich tiefes Mitgefühl empfunden habe. Vielleicht hilft dir, dass zu lesen, um zu merken, dass du nicht allein bist? Mir hilft das immer, aber ich hab es auch nicht so schwer.

            Was ist denn mit Selbsthilfegruppen oder mit entlastenden Maßnahmen? Als der Sohn frisch geboren war, war der Schwiegervater ein Pflegefall und ich wochenweise mit der Pflege betraut. Ich habe in der Zeit einen Aushang in einer Seniorenresidenz gemacht und eine Leihoma gesucht und gefunden. Nun weiß ich nicht, ob sich deine Kinder von nicht geschulten, körperlich nicht mehr jugendlichen Menschen händeln lassen.
            Es gibt sonst auch den Hilfsdienst "Welcome". Vielleicht kontaktierst du den?

            Was tust du im Alltag konkret für dich? Hast du einen Partner?

            Priorisierst du deine Baustellen? Mir deucht, du kämpfst an vielen Fronten. Das ist sicher sehr kräftezehrend. Kannst du nicht Stück für Stück eine Liste abarbeiten?

            Hast du Geld übrig, zumindest ein bisschen? Ich weiß, meine Platte hat einen Sprung, aber mir hat seinerzeit ein MBSR-Kurs enorm geholfen, weil er Raum schafft, die Pausetaste im Alltag zu drücken und man dort Impulse bekommt, wie man sein Leben zum besseren wendet.

            Außerdem entwickeln sich in solchen Kursen häufig Netzwerke, die wirklich helfen, weil dort Menschen sitzen, die aus eigener Erfahrung wissen, wie es ist total kaputt zu sein und nicht weiter zu sitzen. Mir hat diese echte Empathie mehr geholfen als ein Psychologe, der dafür bezahlt wird, zu helfen.

            Was ist mit Nachbarn, Freunden? Lässt sich ein Netzwerk aufbauen, dass dir Entlastung schafft?

            Ich wünsche dir viel Kraft!

            • (18) 12.12.17 - 18:53

              Hallo. Ich habe dich übersehen. Tut mir leid.
              Danke für den Buchtip.

              Ja Netzwerk. Abgesehen davon, dass die Kleine sich kaum fremdbetreuen lässt, sind seltene Auszeiten sofort verpufft, wenn ich ihr Geschrei höre. Ich habe den Eindruck, meine Akkus sind nicht leer sondern kaputt. Wirkliche Entlastung würde vermutlich nur ein mehrwöchiger Urlaub bringen. Das ist aber einfach undenkbar. Tatsächlich laufe ich zur Zeit einzig und allein im Alltag-überleben-modus. Natürlich habe ich auch mal gute Tage, wenn ich mal ein paar Nächte nicht zigmal geweckt werde. Oder wenn mal wieder super Wetter ist und man richtig Sonne tanken kann und die Kleine draussen nicht permanent heult. Aber überwiegend ist es treibsandartig anstrengend.

              Wirklich bessern wird sich das erst zum Kindergartenstart im September. Eine Tagesmutter ist an ihr ja auch bereits gescheitert und Erleichterung brachte das leider überhaupt nicht, weil sie davor und danach noch anhänglicher und motziger war.

              Mein Mann unterstützt natürlich auch wie er kann, aber auch er leidet unter diesem Dauerstress. Und er steckt das bedeutend schlechter weg als Ich, also kann ich ihn tatsächlich nur stundenweise mit beiden alleine lassen, sonst würde es eskalieren. Das hört sich alles immer so unglaubwürdig an, aber gerade bei ihm nimmt der Wahnsinn hier ungeahnte Züge an, da er es auch trotz hundertfacher Ermahnung nicht hinbekommen hat, mit unseren Kanonen mal ausreichend konsequent zu sein. Also bei ihm die Beiden noch dreimal bekloppt.

              So. Die Pflicht ruft gerade wieder.

              LG

(19) 12.12.17 - 13:29

Das klingt ja furchtbar, vor allem dass Du Deine Überforderung an den Kindern auslässt #zitter.

Ich würde Dir raten, aufzuhören ... mit allem. Es ist massiv an der Zeit, alle Anforderungen schlichtweg abzustellen.

Ich habe das hinter mir und habe mich krankschreiben lassen und dann erst mal nicht mehr funktioniert. Und obwohl ich das nicht glauben konnte vorher, habe ich meinen Job nicht verloren, meiner Familie geht es gut und mir geht es auch wieder besser.

Im ersten Monat musste ich noch "Rückstand" aufarbeiten (Arzttermine, putzen, sonstige Termine) - danach wurde es massiv weniger und das war gut so. Zeit zu schlafen, zu ruhen und sich selbst entdecken. Alles mit begleitender tiefenpsychologischer Therapie. Mein Hausarzt hat mir da innerhalb einer Woche eine tolle Therapeutin besorgt, zu der ich gleich von Anfang an einmal pro Woche hin konnte.

Wenn Dein Hausarzt Dir da nicht helfen kann, dann wechsele doch mal zu einem anderen. Bei mir hat das die Veränderungen gebracht, die ich brauchte und ich wurde auf meinem Weg durch das Burnout sehr gut unterstützt.

Nachdem ich erst mal richtig zusammen gebrochen war, war der Weg zurück ins Leben viel einfacher, weil ich quasi mein "Leben" neu aufbauen konnte. Ich habe es nicht mehr zu solchen Überforderungssituationen kommen lassen, denn ich bin wichtig. Ich habe mich viel besser gepflegt (vor allem psychisch) und mir Raum für MICH eingeräumt.

Seit dem läuft es hier sehr viel anders und viel harmonischer und schöner.

Du hörst Dich furchtbar verzweifelt an und bist das wahrscheinlich auch. Die Welt dreht sich auch weiter, wenn Du nicht mehr kannst, wenn Du nicht mehr all das machst, was Du machst.

Natürlich muss man sich trotzdem um seine Kinder kümmern, aber das geht auch mal mit Fertig-Abendessen statt kochen (Pizza, Brote usw.) und die Kinder können sich auch mal alleine beschäftigen. Es geht auch sehr gut mit sehr viel weniger Aufwand. Auch in viele andere Dinge muss man sich nicht so rein hängen. Wir machen uns den Stress selbst - das ist nicht die Umwelt, sondern wir selber, weil wir uns die Sorgen und Probleme aufladen, die in Sichtweite sind.

Perfektion ist kein Anspruch, der gesund ist. "Gut genug" reicht vollkommen aus für ein gesundes Mittelmaß.

Also: Hör auf. Hör einfach mal eine Weile auf. Du wirst sehen, das Leben geht weiter. Es ist ok, auch mal k.o. und kaputt zu sein.

Alles Gute Dir!
monkiwi

  • (20) 12.12.17 - 14:07

    Hallo monkiwi

    Du hast absolut Recht. Nur ist es leider So, dass viel mehr aufhören nicht mehr geht. Es ist finanziell drin, dass ich nicht zu arbeiten brauche. Da mein Mann tatsächlich weniger belastbar ist, er war bereits zur Kur und beginnt nun eine Therapie, aber er hilft, wo er kann. Er geht auch einkaufen und kocht.

    Ich mache den nötigsten Haushalt und auch ans Kochen habe uch keine Riesen Ansprüche, das ist auch nicht das Problem. Die Kleine schreit halt seit Geburt einfach ohne Ende. Es gibt soviele Entwicklungsstationen an denen ich hoffte, es würde besser, aber diese Besserung ist bislang nur minimal.

    Sie ist gesund aber schwer zufrieden zustellen. Genauso (auf andere Weise) die Große. Aber das ist auch laut Psychologe und Erziehubgsberatung einfach Typsache. Sie sind nicht verhaltensauffällig, auch nicht im Kindergarten. Sie sind einfach zwei absolut geballte Powerpakete. Da gibt es im Alltag einfach nichts mehr wegzurationalisieren.

    Das Geschrei beginnt beim Augenaufschlag, wenn ich auf der Toilette Sitze, mich fertig mache, der Großen helfe, das Frühstück mache, mein Frühstück esse, wir in die Kita fahren, zurück fahren...bis abends, bis sie im Bett liegt. Es gibt zwischendrin Minuten(!) der guten Laune.

    Eine Tagesmutter ist leider gescheitert. Also die Kleine ist einfach nicht ohne. Daher ist es mit Fremdentlastung so eine Sache. Familie ist nicht vorhanden.

    Ich lasse nicht meine Laune an den Kindern aus, irgendwann platzt mir mal der Kragen, wenn ich den jeden Tag den ganzen Tag zusammengebrüllt werde.

    Die Große war absolut nicht so. Sie ist eher jetzt anstrengend, sie muss eher darunter leiden, dass ihre kleine Schwester keine Kapazitäten übrig lässt.

    LG

    • (21) 12.12.17 - 15:00

      Ich kann das total verstehen.

      Mein Kind war auch immer so eine komplett anhängliche, ängstliche, aber dickköpfige Schreimaschine #aerger!

      Was der schreien konnte - und in welcher Lautstärke #schock.

      Es macht einen einfach fertig. Ich hab damals einfach NICHT "erzogen". Dann bekam das Kind erst mal ne Weile, was es wollte. Das hat ihn nicht verzogen, aber ich hatte ne Weile meine wohlverdiente Ruhe. Ich hatte einfach keine Kraft mehr - und als es sich entspannte, konnte ich mit "gutem Beispiel" voran gehen und mein Kind besser lenken.

      Vielleicht hilft es Dir, die Zügel wirklich einfach locker zu lassen. Oder auch einfach mal sagen: Mit Deinem Jammer kannst Du in Dein Zimmer gehen, aber nicht zu mir. Mitunter muss man den Unmut dann einfach ein paar mal ertragen, bevor es besser wird.

      Ich wünsch Dir auf jeden Fall gute Besserung.

      monkiwi

      • (22) 12.12.17 - 16:02

        Wann wurde das bei euch denn besser? Wie alt sind deine Kinder?

        Ich frage mich das immer wieder, soll ich sie machen lassen um mal Ruhe zu haben, wo erziehen, wo nicht...

        In den ersten Monaten ja sowieso nicht wirklich. Hunger und Nähe wird gegeben. Sie wollte zB IMMER getragen werden. Natürlich habe ich das oft getan, aber meine Kraft ist auch nicht grenzenlos. Also gab es Situationen in denen ich sie schreien ließ, neben ihr liegend und tröstend, den Kinderwagen schiebend aber ich habe sie nach Stunden des Schreiens auch seltene Male alleine schreien lassen um nicht verrückt zu werden.

        In diesem Jahr wurde es dann natürlich immer mehr mit Erziehung. Abgesehen von Situationen wo ich mich einfach mal mit ihr vor die Glotze pflanze oder eben beim Mittagschlaf bei ihr bleibe um etwas länger etwas Ruhe zu haben, versuche ich den Rest sehrwohl durchzugreifen. Aber das hilft nur schleppend, weil sie dermaßen willensstark und ausdauernd ist. Ihre große Schwester war da ein Kinderspiel, eine Zeitlang konsequent Nein gesagt, hat sie es akzeptiert. Die Große ist schon meistens sehr geduldig mit der kleinen Wutbrummse und wir erklären ihr alles immer wieder und zeigen Alternativen, aber die Kleine ist auch so stark. Nicht selten packt sie ihrer Schwester dermaßen ins Haar und lässt auch nicht ab, so hat sie auch schon den Nachbarshund gepackt und nicht losgelassen, der vor Schmerz schrie. Also bei ihr greife ich wirklich immer mit aller Konsequenz durch und da darf ich auch nicht von abrücken. Das kleine Monster kann man wirklich kaum aus den Augen lassen, nicht beim essen, beim spielen, mit ihrer Schwester, draussen, überall hinterher, weil sie permanent groben Mist macht und es auch sonst gefährlich für sie und Andere wird. Sie begreift sehr viel, aber sie versucht es dennoch immer und immer wieder. An ihr beisst man sich wirklich die Zähne aus. Wenn das in der Pubertät so werden sollte, kann ich mich gleich einweisen lassen. Und Angst kennt sie gar nicht. Sie verscheucht im Kindergarten ihrer Schwester schon die Vorschulkinder von ihren Spielgeräten. Ich bin wirklich gespannt, ob/was da ab nächstem Sommer auf mich und die Erzieher und die anderen Kinder zukommt.

        Die Große ist schon forsch und draufgängerisch, die Kleine aber dagegen ist ein absolutes Harakiri-Monster.

        Danke dir.

(23) 13.12.17 - 12:32

Weise Worte 😘

(25) 12.12.17 - 17:11

Oh man. Unser Großer war ein Schreikind, das ging aber 'nur' ein knappes halbes Jahr und ich dachte schon, ich halte das keinen Tag länger aus. Ich glaube nicht, dass ich das so lange durchgehalten hätte, wie du. Zumal es bei euch ja kein Hunger/Bauchweh oder sonstwas ist.

Einen echten Rat kann ich dir keinen geben. Du hast ja schon alles gemacht, das mir einfallen würde und ja, ich verstehe, dass man irgendwann einfach keine Kraft mehr hat. Nicht einmal mehr, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen, wenn einem schon die vorhergehenden Ausflüchte wieder im Ohr klingeln. Überforderung, Schlafmangel, Selbstzweifel (ich zumindest habe ich immer gefragt, was ich soooo falsch mache), das zermürbt einen Menschen und irgendwann ist alles zu viel.

Ich habe mir damals, als ich in einer Woche auf fünf Stunden Schlaf gekommen bin und kurz vorm Kollaps stand, eine Auszeit genommen. Hab meinen Sohn Freitagabend meinen Mann in die Hand gedrückt und bin ins Hotel geflüchtet. Nur ein paar Kilometer weiter, aber das hat geholfen. Kein Handy, kein Telefon, kein gar nichts. Die erste Nacht war die Hölle, weil ich böse Rabenmutter mein Kind 'alleine' gelassen habe, aber im Endeffekt habe ich das dringendst gebraucht. Nicht nur, um Schlaf nachzuholen, sondern um wieder runter zu kommen.
Vielleicht würde dir das auch ein bisschen helfen? Auch mal Abstand zu den Kindern zu haben? Mag sich in manchen Ohren böse anhören, aber es gibt Situationen, da braucht Frau das. Vielleicht findest du so die Kraft, noch einmal zur Beratungsstelle zu marschieren (ohne Kinder, ohne Druck der Kindergartenabholzeiten und dergleichen) und darauf zu pochen, dass man dir sofort hilft. Sowas wie 'ich bleibe jetzt hier stehen und Sie nehmen das Telefon in die Hand und kümmern sich um einen Therapeuten' oder was auch immer dir dort versprochen wurde.

Ein Bekannter von uns hat nach dem Tod seiner Frau gute Erfahrungen mit der Beratungsstelle der Caritas gemacht. Aber ich denke, eine ganze Organisation ist schwer zu empfehlen oder abzuraten, da es auf die Menschen ankommt, die dort arbeiten.

Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute.

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