Jeden Tag eine neue Sau!

    • (1) 15.04.18 - 08:52

      Irgendwie wird jeden Tag eine Sau durch‘s Dorf getrieben. Ich ja wirklich sehr gerne mit, vor allem wenn ich auf Reisen bin. Aktuell wird für jede soziale und Intellektuelle Auffälligkeit bzw Abweichung diese seltsame „Vor-Pubertät“ als Ausrede in‘ Frld geführt. Es läuft hier immer etwa in Wellen ab. Eine Zeitlang hatten alle die nicht geradeaus laufen konnten entweder LRS, ADHS, ADAC, dann der ganz große Renner „Hochbegabung“, dann übersensibel und nun sind alle bereits mit 7 in der „Vor-Pubertät „. Eigentlich sind das bei vielen einfach nur vorgeschobene angenehm klingende Namen für mangelnde Erziehung, Planlosigkeit und oftmals völlig fehlende soziale Standards und Probleme in Familien. Bin schon auf die nächste Sau gespannt die hier durchs Dorf getrieben wird im anderen etwas vorzumachen. Wie es wohl heißen wird? Hat schon jemand Vorschläge?

      • (14) 15.04.18 - 17:02

        Das war ich mit der Wackelzahnpubertät. Ich bin darauf gestoßen, als ich im Gespräch mit etlichen Freundinnen feststellte, dass all unsere Vorschulkinder gerade etwas am Rad drehen, obwohl ich uns allesamt als kompetent in Erziehungsdingen erachte.

        Da kann man sich nun drüber lustig machen oder einfach zur Kenntnis nehmen, dass es bestimmte Entwicklungsphasen gibt, in der viele Heranwachsende “auffälliger“ sind.
        Ich hasse Pauschalisierungen und denke nicht, dass es eine Entschuldigung für saumäßiges Verhalten ist, wenn eine Phase einen Namen hat.
        Dennoch mag es viele Eltern, auch mich, beruhigen und einen anderen, etwas gelasseneren Umgang eröffnen, wenn sie merken, dass sie nicht allein mit ihrer Erfahrung sind, dass ihr ehemals nettes Kindergartenkind gerade zum Pulverfass mutiert.

        Entwicklungsphasen zu benennen und sich da um einen entsprechenden Umgang zu bemühen, hat für mich nichts damit zu tun, Krankheitsbilder oder Sonderbegabungen als Entschuldigung heranzuzitieren.

        • (15) 15.04.18 - 17:36

          ... „obwohl ich uns allesamt als Kompetenz in Erziehungsdingen erachte“ ...

          Oha, das macht mich neugierig. Wie kommt es zu dieser Feststellung?

          • (16) 15.04.18 - 17:58

            Im Vergleich zu anderen Kindern sind unsere sehr wohlgeraten. Empathisch, gelassen, wissbegierig, mit Tischmanieren und einer altersgemäßen Vorstellung davon, wie man sich in unterschiedlichen Kontexten benimmt. Und das bekommen wir auch in Entwicklungsgesprächen gespiegelt, insofern wage ich zu hoffen, dass mich nicht nur der mütterliche Stolz zu diesersein Lobhudelei hinreißt.

            Nur bemerke ich bei meinem Sohn, dass er momentan zarter besaitet ist als sonst, schneller weint, dafür aber ganz andere Überlegungen anstellt als noch ein paar Monate zuvor. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass er kopfmäßig gerade einen Sprung macht und das es tatsächlich so etwas gibt, wie eine Metamorphose vom Kindergarten- zum Schulkind.

            Ich gehe aber ganz fest davon aus, dass du nur gefragt hast, um irgendeinen Anhaltspunkt dafür zu bekommen, dass ich zu den überspannten Muttis gehöre, die ihrem verwöhnten Rotzblag die Hand vor den Arsch halten, damit du dich weiter lustig machen kannst.

            Viel Spaß dabei. Ich gönne jedem sein Hobby.

            • (17) 15.04.18 - 22:26

              Mein Sohn geht zb. seit er 4 ist problemlos allein zu anderen Geburtstagen.
              Seit November letzten Jahres (im Dezember ist er 6 geworden) hat er ganz plötzlich wahnsinnige Angst und weint und will nicht allein dableiben (wir müssen nun immer kurz dableiben und können dann gehn. Und nachher will er nicht abgeholt werden 😂 das war aber schon immer so 😝).
              Das geht ihm selbst bei meinen Eltern so (das hatte er noch nie!). Da ist mir das ganz krass aufgefallen...er schrie und wollte nicht aus dem Auto aussteigen...ich wollte ihn dann wieder zu meinem Mann nach Hause bringen, oh wollte ihn ja nicht zwingen, das wollte er aber auch nicht und brüllte, weil er nicht heim wollte 😓 er wusste überhaupt kicht, was er wollte und war innerlich so zwiegespalten... das hat er noch niemals in 6 Jahren gemacht. Ich erkannte mein Kind nicht wieder.
              Nun legt sich das gerade wieder...aber nur mit gaaaaaaanz viel Verständnis und Geduld 😂

        (18) 15.04.18 - 17:56

        Es gibt nicht umsonst ganze Bücherreihen über das Thema. Die sind auch nicht neu, sondern schon älter. Wie z.b "wackelt der Zahn, dann wackelt die Seele".

        • (19) 15.04.18 - 18:02

          Ach, du, ich höre da immer “Die Sterne“, wenn ich Posts von Psaga und Co lese:

          “Wie soll man euch Idioten das erklären, ich bin, was ich bin, und ich bin und ich bin es gerne.“

          https://youtu.be/CuosIDE2Ad0


          Es ist eigentlich sinnlos zu antworten, aber mir hat die Entdeckung des Begriffes “Wackelzahnpubertät“ so sehr geholfen, dass ich den jetzt nicht einfach dem Mob zum Fraß vorwerfen wollte.

      Dass es in der Entwicklung eines Kindes Phasen gibt, war schon immer bekannt. Aber vor einigen Jahren begrenzten sich diese auf die Trotzphase (die durchaus ein paar Jahre bis zur Einschulung dauern konnte#schwitz) und später kam eben die Pubertät, nicht zu Unrecht von unseren Großeltern Flegelalter genannt. Dass aber vom Babyalter an beinahe jedes Jahr eine andere Begründung für diverse chaotische Verhaltensweisen gesucht werden muss und die Bezeichnung Pubertät zutode strapaziert wird von 5 bis 25 Jahren(ironisch gemeint), das hilft doch weder Eltern noch Kindern. Wenn ich für ein aggressives Verhalten meines Kindes die "Erklärung" bekomme, dass das eine Art Pubertät ist, heisst das dann, dass ich es tolerieren muss, weil es ja "normal in dieser Phase" ist? Sicher nicht! Im übrigen haben weder meine Kinder noch die gesamte Kitagruppe meiner Enkelin diese Auffälligkeiten gehabt. Die freuten sich durchweg auf die Schule, durften ein paarmal "probesitzen" in der Schule und konnten es garnicht mehr erwarten; sie blieben auch im ersten Jahr "normal". Meine Tochter hatte noch lange Kontakte zu den Müttern und da war sowas kein Thema. Auch bei mir im Haus gibt es Schulanfängerkinder, die es vor der Schule kaum abwarten konnten und immer noch gerne gehen. LG Moni

      • (21) 15.04.18 - 18:03

        Thema verfehlt.

        (22) 15.04.18 - 18:10

        Stell dir vor: Mein Kind freut sich wie blöd auf die Schule.

        Und es ist doch fein, dass deine Enkelin und alle anderen Kinder, die du kennst, so wohlgeraten sind und ohne kleinere und größere Krisen groß werden.

        Aber nur, weil du das nicht kennst, heißt es ja nicht, dass es diese Phasen nicht gibt. Mein Sohn hat z.B. die so genannte “Trotzphase“ komplett übersprungen, trotzdem komme ich doch nicht auf die Idee, deren Existenz abzustreiten.

        Und ich entschuldige auch nicht das Verhalten meines Sohnes nach dem Motto “Ach, der brüllt gerade rum, weil Wackelzahnpubertät“ und belasse es dabei. Aber es hilft mir dabei, die Geduld zu bewahren und besser mit ihm umzugehen, dass ich mir vor Augen führe, dass er vermutlich gerade in einer Umbruchsituation steckt.

        Aber lass gut sein. Halte das ruhig für Quatsch oder neumodischen Kram.

        Nur weil man selbst etwas nicht kennt, heißt es nicht, dass es auch nicht existiert. Darauf können wir uns sicher einigen, oder?
        Die Psychologie ist noch eine relativ junge Wissenschaft und es gibt verschiedenste Gliederungen und Möglichkeiten, Entwicklungsaufgaben im Kinder- und Jugendalter systematisch zu gliedern. Wir können bei Piaget die Stufen der kognitiven Entwicklung und bei Blos eine deutlich feinere Gliederung der Entwicklungsphasen finden. Auch Freud sprach bereits von der Latenzzeit. (Meint aber etwas anderen Zeitraum.) Das man eher populärwissenschaftlich andere Termini wählt, ist doch nicht verwerflich. Und wenn man es denn besonders witzig findet, dann kann man die Adoleszenz meinetwegen auch als Spät- oder Nachpubertät bezeichnen.

        „Wenn ich für ein aggressives Verhalten meines Kindes die "Erklärung" bekomme, dass das eine Art Pubertät ist, heisst das dann, dass ich es tolerieren muss, weil es ja "normal in dieser Phase" ist?“
        Wer hat denn das behauptet? Aber zu wissen, was im jeweiligen Alter im Kind/Jugendlichen vorgeht, ist doch die Basis dafür, entsprechend reagieren und erziehen zu können.

        Falsch ist es auf jeden Fall, die sog. „Vorschulpubertät“ auf den bevorstehenden Schulanfang zu reduzieren. Es geht doch nicht darum, sich auf die Schule zu freuen! Es handelt sich hierbei - wie auch in dem, was wir als Pubertät bezeichnen - auch um einen hormonellen „Umbau“. Mag sein, dass das noch nicht allen bekannt ist, was ja kein Problem ist, solange man sich nicht anmaßt, trotzdem darüber zu urteilen.

        Bemerkenswert finde ich aber folgendes: Ich persönlich weiß nicht, welche Auffälligkeiten die Kinder in den Kita-Gruppen meiner Kinder hatten! Woher weißt du das?
        Und du weißt sogar, was bei den Müttern, zu denen deine Tochter (!) Kontakt hatte, KEIN Thema war?

        Wenn deine Tochter dir wirklich so haarklein Inhalte ihrer Gespräche mit Dritten wiedergibt, dann glaube ich dir sofort, dass du Pubertät und Adoleszenz wirklich nicht begriffen hast.
        Oder du suchst nach „Argumenten“ aus eigenen Erfahrungen und „konstruierst“ dann eben Wissen/Erfahrungen Dritter, um sie zu belegen? Das wäre die moralisch bedenklichere, dafür aber deutlich gesündere Erklärung.

    (25) 15.04.18 - 18:02

    "Entwicklungsphasen zu benennen und sich da um einen entsprechenden Umgang zu bemühen, hat für mich nichts damit zu tun, Krankheitsbilder oder Sonderbegabungen als Entschuldigung heranzuzitieren."

    Genau so sieht es aus!

Top Diskussionen anzeigen