Ich "glaube" nicht mehr...

    • (1) 01.05.18 - 15:19

      vielleicht geht es jemandem ähnlich...
      ich wurde recht katholisch erzogen und war auch immer sehr gläubig. durch einige schicksalsschläge - persöhnlich sowieso allgemeine in der welt - zweifel ich langsam am glauben. sicher mag es einen gott geben, aber ich verstehe nicht mehr, warum ich ihn noch anbeten und huldigen soll, wenn er so viel leid zulässt. ich gehe auch nicht mehr an feierntagen etc. in die kirche, auch wenn kirche und gott verschiedenes sind. von meinen mitmenschen höre ich nur: sei dankbar für das was du hast, du bist gesund, sieh das positive usw.
      gibt es jemanden, der auch seinen glauben "verloren" hat? wie haben die mitmenschen reagiert? ich hasse es ständig mich zu rechtfertigen - letzte diskussion war, warum ich bei der taufe meines sohnes keinen großen gottesdienst will, keine fürbitten, blabla... es war dabei schon ein kompromiss mit meinem mann, dass ich ihn taufen lassen (ich will ihn nicht in den glauben drängen, wie ich es wurde).

      • (2) 01.05.18 - 16:17

        Die Frage, an der du verzweifelt, findest du auch unter dem Namen Theodizee: Wie kann es das Böse geben, wenn Gott gut ist? Warum verhindert ein allmächtiger Gott nicht das Schlimme auf der Welt?
        Ich bin bis in die späte Jugend hinein sehr gläubig gewesen, war auf einer katholischen Klosterschule und hatte dort in der Oberstufe eine ganz tolle Religionslehrerin, die solche Fragen mit uns erörtert hat.

        Was ich verloren habe, ist der Glaube an einen interventionierenden Gott, an einen, der in unser Schicksal eingreift, an den man Fürbitten etc. richten könnte. Das hat sich zunächst wie ein Glaubensverlust angefühlt. Und hat viel Freiheit gebracht. Ich glaube nicht mehr an einen bestrafenden Gott, bei dem ich in Ungnade fallen kann.

        Trotzdem glaube ich noch an etwas, an einen Sinn, an etwas, das Größer ist als wir.

        Vielleicht gelingt es dir ja eines Tages, deinen Frieden mit dem Gott, an den du nicht mehr glaubst, zu machen.

        Ich gönne anderen ihren Glauben, welchen auch immer, von Herzen, wenn er ihnen gut tut. Christliche Werte kann ich gut mittragen und ich kann mittlerweile wieder einem Gottesdienst beiwohnen, ohne dass sich mir Zehnägel hochrollen. Das hat aber eine Weile gedauert.

        Ich musste Gott erst Mal verzeihen, dass er für mich nicht mehr der alte weise Mann mit Bart sein wollte, der als Hirte seine Schäfchen hütet.

        • Du sprichst mir aus der Seele. Ich glaube an ein "höheres Wesen" daher bin ich keine Atheistin. Mein Gottesbild hat sich nur geändert. Ich lebe nicht nach kirchlichen Geboten, sondern tue Gutes für mich und meine Mitmenschen statt für ein besseres Leben im Jenseits. Ich hoffe trotzdem ich finde noch irgendwann meine Ruhe. Im Moment fehlt mir der Halt. Ich habe nur gemerkt, dass das katholische Gottesbild ihn mir nicht mehr geben kann...

      Ich glaube an Gott. Ich glaube aber auch, das böses oder schlimmes passiert, damit man an das gute glauben kann. Ohne Licht gibt es auch keinen Schatten, wo es das eine gibt, muss es zwangsweise auch das andere geben. Kurz, wo es das gute gibt, gibt es auch das schlechte um das gute wertschätzen zu können.

      • Das verstehe ich. Ich hatte auch diesen Gedankengang. Nur verstehe ich nicht, warum so viel Leid gerade den hilflosen und guten passiert, die doch Gottes Schutz haben sollten.

        • Weil man daran wächst. Jeder schicksalsschlag macht einen stärker. Man lernt dadurch, mit leid umzugehen. Und niemand ist per se gut oder böse. Jeder ist mal in einer Situation gut, in der anderen böse. Es gibt keine "nur guten oder nur schlechte" Menschen. Jeder ist je nach Situation mal so und mal so. Selbst Mörder sind nicht nur böse. Auch sie haben Menschen, um die sie sich Sorgen. Niemand tut böses um böse zu sein, sondern weil jeder davon überzeugt ist, das das, was er tut, richtig ist.

          • Und wieso erleiden die einen, einen Schicksalsschlag nach dem anderen? Und wenn sie sich mühsam wieder aufgerappelt haben kriegen sie wieder so richtig vom Schicksal in die Fr..., während anderen alles in den Schoß fällt?
            Gott hat mir mehr als einmal klar gemacht, dass er auf mich keinen Wert legt, gut dann nicht.
            Ich kann nicht mehr an den katholischen Gott glauben.
            Momentan ziemlich verzweifelte Grüße
            ronja

            • Ich bin selber nicht katholisch sondern evangelisch und kenne mich nicht gut im katholischem Glauben aus. Ich denke mir einfach, dass Gott uns machen lässt. Er gab uns den freien Willen und was passiert, soll passieren. Ich denke, alles geschieht aus einem bestimmten Grund. Und den Sinn erkennen wir am Ende unseres Lebens. Es gibt so einen Spruch: "Alles, was dir im Leben passiert ist entweder ein Geschenk oder eine Prüfung." Entweder macht es dich glücklich oder du lernst daraus. Und eer weiss, wenn x nicht passiert wäre, wäre y nicht passiert und du hättest z nie getroffen. Ich glaube daran, dass alles, was uns passiert einen Sinn hat, wir aber erst sehr viel später den Sinn dahinter erst erkennen können.

              Ich verstehe dich Ronja. Ich denke an Myanmar, Damaskus... und vieles mehr.
              Es ist nicht so, dass ich als einzelnes Menschchen unglücklich bin und neidisch, weil es anderen gut geht. Ein großer Teil dieser Erde leidet.
              Ich engagiere mich sogar ehrenamtlich und merke, dass es viele Grenzen gibt, wo menschliche Kräfte nicht ausreichen.
              Ebenso hat das Schicksal mich momentan auch getroffen. Ich hatte eine Fehlgeburt. Wenn das noch zum Zweifel dazu kommen, weiß man gar nicht weiter.
              Zugleich fehlt mir Gott.
              Ich hoffe wir beide finden einen Weg und etwas, das uns Kraft und Ruhe gibt.

              Ich glaube an Gott, aber er ist wohl nicht so, wie ich es erhofft hatte

    (10) 01.05.18 - 16:34

    Wie kann man aufwachsen, ohne schon als Kleinkind von dem Leid zu wissen, das Menschen widerfahren kann und widerfährt? Da müsste doch dann schon immer ein Widerspruch zu deiner Vorstellung von Gott und seinen Absichten zu erkennen gewesen sein.
    Und wie sah dein Glaube überhaupt aus? Glaubtest du an einen alten Mann mit Bart, der auf 'ner Wolke im Himmel sitzt und Sims spielt, nachdem er das Game programmiert hat? Und diese ganzen Sims haben ein Bewusstsein und Gefühle und der alte Mann muss irgendwie dafür sorgen, dass alle Sims happy sind? Btw, wer oder was hat eigentlich diesen Gott gemacht, der die Menschen programmiert hat - und die Wolke und den Himmel- und deren Erfahrungen und Erleben steuert? Glaubtest du ans alte Testament, die Arche Noah oder Adam und Eva aus der Rippe?
    Deine Sicht auf diesen Religionskram ist ziemlich egozentrisch und ignorant. Dir hätte längst auffallen müssen, lange, lange, längst, dass Gott nicht dafür da zu sein scheint, jedem Menschen eine lebenslange Party zu schmeißen. Hiob musste eine Menge Sch... fressen und hat seinen Glauben nicht verloren. Also, wenn du glauben willst, musst du daran glauben, dass alles, was passiert, halt passieren muss, Gutes wie Schlechtes. Dass man auch ein guter Mensch bleiben muss, wenn einem Schlechtes widerfährt... Blah...
    Selbst bei den Zeugen Jehovas sorgt Gott nicht dafür, dass immer eitel Sonnenenschein ist aber die kommen wenigstens ins Paradies und wissen ziemlich genau, wie das aussieht. Vielleicht wäre das ja was für dich.

    • "aber die kommen wenigstens ins Paradies und wissen ziemlich genau, wie das aussieht. "

      eeeeecht????? #huepf Vorsicht, könnte womöglich jemand für bare Münze nehmen #freu
      so ähnlich wie die 72 Jungfrauen im islamischen Paradies;-)
      LG Moni

Herzlichen Glückwunsch! Es gibt doch nichts besseres, als sich aus den Zwängen der katholischen Kirche zu befreien.
Dort können Frauen bestenfalls Putzfrauen werden - ich kann sowieso nicht verstehen, dass jemand freiwillig diesen homophoben, sexistischen "Verein" unterstützt. Schon gar nicht als Frau.
Höre auf dein Gefühl und lass dein Kind nicht taufen!

Alles Gute!

  • "Dort können Frauen bestenfalls Putzfrauen werden"

    Nichts gegen den ehrenwerten Beruf einer Reinigungskraft, aber ein bißchen informierter könnte man heutzutage schon sein.
    Immerhin gibt es zahlreiche Berufe mittlerweile auch für Frauen in der kath. Kirche, nur eben keine Weihe-Ämter.
    Auf die Schnelle fällt mir ein die Religionspädagogin, Gemeindereferentin, Pastoralreferentin - es gibt sogar ein Forum katholischer Theologinnen (wissenschaftliche Bereiche), Kirchenmusikerinnen usw. usw.
    Also absolut nicht nur Putzfrau, Köchin, Mesnerin.
    Ich stehe "Gottes Bodenpersonal" durchaus auch oft genug kritisch gegenüber, aber ich würde mich aus Respekt vor anderen Gläubigen hier im Forum niemals so respektlos äußern.
    LG Moni

    • Liebe Moni,

      ich schätze deine frischen Antworten immer sehr, sie zeugen von Lebenserfahrung und sind oft witzig formuliert.
      Aber meine Meinung zur katholischen Kirche und zu fast allen Religionen steht fest - Frauen werden fast immer unterdrückt, klein gehalten und stehen hinter Männern zurück.
      Minderheiten werden benachteiligt. Ich träume von absoluter Gleichberechtigung.
      Und Reinigungsfachkraft steht als Synonym für Jobs mit wenig Verantwortungs- und Entscheidungsspielraum.
      Die von dir aufgezählten Berufe mögen gut sein, aber Frauen sind aufgrund ihres Geschlechts von einigen Jobs ausgeschlossen und das ist absolut nicht tolerierbar für mich.
      Deshalb - nieder mit diesem sexistischem, homophobem Verein! Und Punkt.
      Frauen aller Länder vereinigt euch gegen die religiösen Fesseln! 😉

      Liebe Grüße

      • Ich fühle mich in keinster Weise gefesselt, jeder Mensch kann doch bezüglich Glauben machen, was er will. Reißerische Aufrufe wie Deinen letzter Satz mochte ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Ist absolut nicht gegen Dich persönlich, ist nur inhaltlich gemeint und hat so einen radikalen kommunistischen Beigeschmack a la "Proletarier aller Länder vereinigt euch"....nein - nicht mit mir. Das ist doch genauso ein "vor einen Karren spannen" wollen, nur mit anderer Richtung. LG Moni

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