Thema rassismus

    • (1) 09.08.18 - 22:23

      Eine Frage: wenn ein Ausländer in Deutschland lebt und deutsch spricht. Gar hier geboren und aufgewachsen ist. Aber deutsche und Deutschland hasst, wer ist dann rassistisch? Der Ausländer der deutsche hasst oder ein deutscher der ihn Ausländer nennt, weil er mehr als deutlich zeugt dass er von all dem nix hält?

      Ich weiß ne doofe Frage. Aber das beschäftigt mich Grad sehr da ne bekannte so ist. Sie kann zwar deutsch und ist hier geboren aber sie lebt so isoliert und zeigt es auch mehr als deutlich dass sie von Deutschland und den deutschen nichts hält. Auch wenn sie nett und höflich ist.

      Wer ist also rassistisch? Ich die sie immer als Ausländerin sehen wird weil sie sich seit 20 Jahren so verhält oder sie die seit 20 Jahren hier lebt, sogar geboren ist, aber nix mit uns zu tun haben will? Sie will halt nur mit "ihrem Volk" (Ihre Worte) was zu tun haben.

      • Hallo!

        Ich finde deine Frage gar nicht doof!!! Mir begegnen solche Menschen auch sehr häufig. Ich würde den Begriff rassistisch hier aber nicht verwenden. Ich tue mich schwer mit denjenigen, die freiwillig hierher gekommen sind und auch eine andere Entscheidung hätten treffen können. Wenn deren Erwartungen nicht erfüllt werden und sie deshalb meckern und schimpfen, habe ich wenig Verständnis. Anders jedoch bei Menschen, die hier geboren sind und innerlich trotzdem woanders verwurzelt sind.

        Mir ging es jahrelang ähnlich wie deiner Bekannten, aber innerhalb Deutschlands. Ich wurde in eine Region geboren, wo ich mich NIE glücklich und zu Hause gefühlt habe. Ich hatte immer Sehnsucht nach der Heimat meines Vaters (Norddeutschland), obwohl der schon lange von dort weggezogen war. Ich habe die Leute und den Dialekt dort, wo ich aufgewachsen bin, auch gehasst und wollte da nicht sein, nicht gemocht werden etc. Ich habe mich lange sehr feindlich verhalten, aber nicht rassistisch.
        Als ich selber Geld hatte und entscheiden konnte, habe ich alles drangesetzt, dort hin zu kommen, wenigstens immer wieder für einige Zeit, bis ich dann ganz dorthin hätte gehen können. Bin jetzt an einem Dritten Ort endlich „angekommen“. So geht es ganz vielen Menschen, weiß ich inzwischen.
        Grundsätzlich kann aber jeder Erwachsene und gesunde Mensch sein Leben dahingehend verändern das zu bekommen, was er oder sie will. Wem hier was nicht passt, soll aktiv was zur Verbesserung der eigenen Situation tun oder Kritikpunkte bearbeiten, alternativ seinen Kram packen und woanders sein Glück versuchen. Die meisten Menschen sind einfach nur undankbar, und da komme ich an meine Grenzen der Akzeptanz und Toleranz.

        Ich denke, dass du mit jemandem zu tun hast, der dir einfach fremd bleiben wird. Rassistisch bist du deshalb nicht. Rassismus wird anders definiert. Wenn deine Bekannte Deutschland und die Deutschen hasst, geht das je nach Verhalten eher in die Richtung. Nach dem, was du beschreibst, ist sie halt nicht zur Integration bereit und möchte nicht Teil der Gesellschaft/Gemeinschaft sein oder werden. Das ist für sie schade, finde ich. Sie bleibt dann in meinen Augen die Auslänerin, die Fremde.

        Liebe Grüße und Danke für den Gedankenanstoss!

        Judith

        • Ok. Das Problem ist da aber eine andere. Wie gesagt: sie lebt seit 20 Jahren hier. Und wurde hier sogar geboren. Aber sie lebt dennoch irgendwie nicht in Deutschland und man muss sie dennoch als deutsche anerkennen. Irgendwie widersprüchlich 🙈 ihr volk lebt ja auch hier. Schon seit Generationen.

          Es ist halt irgendwie traurig. Weil sie eben Deutschland als rassistisch bezeichnet (deswegen den Begriff). Weil man sie und ihr volk als Ausländer sieht. Aber sie machen sich ja selber zum Ausländer 🤷‍♀️

          Aber ist gut dass ich anscheinend normal denke. Also dass ich nicht rassistisch bin 😅 aber schade dass es dennoch solche Menschen gibt die freiwillig und gern hier leben aber gleichzeitig Deutschland und deutsche so abwertend und schlecht finden.

          • „Aber sie lebt dennoch irgendwie nicht in Deutschland und man muss sie dennoch als deutsche anerkennen.“
            Wie genau meinst du das?

            Wenn sie einen deutschen Pass hat, dann ist sie Deutsche und es gibt keinen Grund, sind nicht als Deutsche anzuerkennen.

            • Naja, aber offensichtlich sieht sich diese Frau ja selbst nicht als Deutsche #kratz. Nach der Beschreibung der TE distanziert sich die Frau ja von allen und allem Deutschen, will keine Deutsche sein, obwohl sie einen deutschen Pass hat. Man kann es doch dem Umfeld nicht ankreiden, dass es einen nicht als seinesgleichen anerkennt, wenn man sich selbst immer in seinem Schneckenhaus verkriecht und dem Umfeld deutlich zu verstehen gibt, dass man mit ihm nichts zu tun haben möchte.

              LG

          Was für ein Volk ist das denn, dem sie sich zugehörig fühlt? Zahlreiche Angehörige von Minderheiten fühlen sich immer diskriminiert, nicht anerkannt etc. Viele von ihnen leisten nicht ihren eigenen Beitrag zur Integration und erwarten immer nur das Entgegenkommen der Anderen. Wenn das dann nicht in ausreichendem Maße kommt, sind die Anderen dann halt rassistisch etc. Hat sie die deutsche Staatsbürgerschaft?

    Klar ist das auch Rassismus, wenn man von "mein Volk" spricht und mit "den Deutschen" nichts zu tun haben will. Rassismus funktioniert ja nicht wie eine Einbahnstraße.

    (8) 10.08.18 - 10:54

    Hallo,

    vielleicht ist Deutschland einfach nicht ihr "Land" sowie dessen Bewohner.
    Ein Stück nachvollziehen kann ich das durchaus.

    Rassistisch würde ich das jetzt nicht nennen, es ist eher eine Art Abneigung.

    Rassismus, Hass, das sind in meinen Augen sehr gewichtige Worte, die man wohlüberlegt einsetzen sollte.

    Ich weiß nicht, inwieweit der Begriff 'Hass' gerechtfertigt ist. '(...) zeigt, dass er von all dem nix hält' reicht meines Erachtens dafür nicht aus. Aber gut. Ist das Rassismus? Dafür müsste man erstmal wissen, worin diese Ablehnung begründet liegt. Findet sie unsere - überwiegend - helle Haut abstoßend? Ist es unser Hang zur Bürokratie? Hat sie ein Problem mit dem Christentum oder der nicht ganz so kleinen Gruppe der Religionslosen unter uns? Mag sie alle Deutschen nicht oder nur diejenigen, die auf eine über mehrere Generation nachzuvollziehende deutsche Ahnengalerie verweisen? Ich möchte ja nicht wissen, wie viele Deutsche - Pass, Herkunft, Ahnengalerie, Haarfarbe, was weiß ich - wettern gegen 'den Staat'? Fühlen sich in diesem Land nicht wohl und werde nicht müde, auf die Regierung zu schimpfen? Ist das dann auch Rassismus? Oder ist Rassismus nur denen vorbehalten, die gegen eine andere Bevölkerungsgruppe schimpfen als der, der sie angehören?

    'oder ein deutscher der ihn Ausländer nennt'

    Du kannst mich 'Ausländerin' nennen, so oft du möchtest. Dadurch fühle ich mich weder beleidigt noch (rassistisch) angegriffen, weil es zum Teil ja stimmt. Mein Vater stammt aus dem Ausland, folglich ist auch er Ausländer. Schade, dass viele einfache Worte so negativ behaftet sind, dass sie schon als beleidigend wahrgenommen werden.


    'Wer ist also rassistisch? Ich die sie immer als Ausländerin sehen wird weil sie sich seit 20 Jahren so verhält oder sie die seit 20 Jahren hier lebt, sogar geboren ist, aber nix mit uns zu tun haben will'

    Wie gesagt, wenn sie Ausländerin ist, ist sie es, als was willst du sie sonst sehen? Das ist nicht rassistisch. Dass sie mit 'uns' (gehöre ich da eigentlich dazu?) nix zu tun haben will, ist ja an sich nicht rassistisch. Ich habe jemanden in der Familie, der mit Menschen nix zu tun haben will, weil die alle böse sind und überhaupt und sowieso. Sie umgibt sich nur mit Hund und Katz. Das ist eine Form von Rassismus, wenn wir es mal genau nehmen.

    Aber natürlich weiß ich, worauf du hinaus willst. Rassismus kennt keine Grenzen, lässt sich durch sie weder aus- noch einsperren. Jeder kann rassistisch sein. Egal, welcher Nationalität er angehört, egal, wo er lebt, egal, gegen wen sich der Rassismus richtet.

    Nun, Rassismus gibt es ja auch in anderen Kulturen. Meine Grossmutter mütterlicherseits wollte bis ins hohe Alter nichts mit mir zu tun haben, weil meine Mutter einen Europäer geheiratet und ihre Heimat verlassen hat, anstatt jemanden aus ihrem angestammten Kulturkreis zu suchen. Man hat mir bei den wenigen Familienanlässen, zu denen ich als Kind oder Jugendlicher noch mitgeschleppt worden bin, auch klar zu spüren gegeben, dass ich nicht zur Familie gehöre. Soweit ich es mitgekriegt habe, hat meine Mutter jeweils die Geschenke für mich an solchen Anlässen vorgängig abgegeben, damit nicht die peinliche Situation entsteht, dass ich im Gegensatz zu meinen Cousins nichts kriege.

    Ich weiss auch nicht, was man da machen kann. Ich denke mir, für gewisse Dinge braucht es einfach Zeit oder vielleicht sogar eine neue Generation, die geistig etwas beweglicher ist und zu Einsichten kommt, die ihren Eltern noch verwehrt geblieben sind.

    Rassismus trifft das Thema hier vielleicht auch nicht direkt muss ich sagen. Aber die Frage ist dennoch interessant.Was hält sie dann hier in Deutschland wenn sie persönlich von den Deutschen nichts hält. Wieso hat oder wollte sie denn dann die Staatsbürgerschaft ( sofern sie eine Wahl hatte)??
    Hat sie geplant möglicherweise wieder in ihre "Heimat" zurückzugehen oder will sie hier dauerhaft nicht bleiben?

    Ela

    (12) 11.08.18 - 18:00

    Also du sprichst von einer 20jährigen Frau, die in Deutschland geboren wurde und seitdem hier lebt? Wieso bezeichnest du sie als Ausländerin?

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