Wer will sich das eigentlich noch antun?

    • (1) 02.02.19 - 09:49

      Ja die Frage stellte ich mir heute beim Frühstück. Ich bin ja erst seit wenigen Stunden hier und lese gerne in den Foren. Wenn ich jedoch sehe über was sich hier die Mütter aufregen und in Konfrontation zur Schule und Lehrkräften stehen, frage ich mich wer das größte Problem in einer Schule ist. Selten in das eigene Kind „Schuld“ sondern meist und natürlich die Anderen und bevorzugt die LehrerInnen. Als Mann bin ich vielleicht entspannter und es interessiert mich einfach nicht ob mein Sohn im Sport Unterricht barfuß läuft oder sich mal kloppt.

      Ich bin Baujahr 1969 und irgendwie waren die Eltern dieser Zeit deutlich entspannter.

      • Ich bin Baujahr 1987 und bei uns war es damals es entspannt und die Kinder klärten alles alleine.
        Jetzt machen das die Eltern, was mich echt sehr nervt.
        Aber ich mische mich einfach nicht ein.
        Ich sehe ja auch selber das mein Kind kein Engel ist.
        Meine Kleine sagt oft ich soll doch mal die Eltern von XY anrufen weil das Kind etwas gemacht hat.
        Was ich natürlich nicht mache und am nächsten Tag sind die Kinder dann wieder beste Freunde.
        Das kam in letzter Zeit so oft vor.
        Leider sehe ich aber Eltern die genau das machen.
        Und auch ich würde von so einer Mama mal angesprochen und am nächsten Tag haben die Kinder wieder Miteinander gespielt

        Ich bin Baujahr 1979. Wir mussten damals die Schulordnung abschreiben, wenn wir Mist gemacht haben. Einige Schüler haben sich dann schon mal beschwert, dass Strafarbeiten verboten seien. Daraufhin antworteten die Lehrer nur: „das ist keine Strafarbeit, sondern eine Charakterfestigungsaufgabe.“ Damit war das Thema dann für alle erledigt. Wir wären vor Scham in Grund und Boden versunken, wenn unsere Eltern sich da eingemischt hätten.

        • Ach, wenn ich mal eine Strafarbeit für total daneben halte, sag ich das auch.
          Meistens find ich sie aber total gerechtfertigt. Mein Kleiner hat diese Woche auch die Schulordnung abgeschrieben.

        • Meine Tochter musste einmal einen 1seitigen Text (gedruckt, handgeschreiebrn waren es 2,5 Seiten) mit mehr als zweifelhaftem Inhalt als Strafarbeit abschreiben. Ich war an dem Nachmittag nicht zuhause, als ich kam, war sie zwar sauer, hatte den Text aber abgeschrieben. Die Klassenlehrerin hat den Text hinterher gelesen und mir später wörtlich gesagt "Meine Kinder hätten diesen Text nicht abgeschrieben, das hätte ich nicht zugelassen!" Der Lehrer, der den Text aufgegeben hatte, hatte daraufhin auch noch ein Gespräch mit der Schulleiterin.
          Ich muss aber dazu sagen, dass meine Tochter erst in der 4. Klasse ist. Normalerweise mische ich mich in solche Sachen auch nicht ein, aber manche Sachen gehen einfach zu weit.
          LG

      Ich hab jetzt nicht gelesen, dass sie die Lehrerin verklagen will, sondern nur, dass sie sich erkundigt, wie das gehandhabt wird.
      Bei uns früher musste man auch ohne Sportzeug mitmachen, meine Kinder dürfen das nicht. Wird wohl unterschiedliche Regelungen geben, so what...
      Ich hab ja den Eindruck, dass die Lehrer im Vergleich zu früher etwas unentspannt geworden sind;-).

      • Ja, als Lehrer kann man heute nur sehr unentspannt sein. Die Eltern mischen sich einfach viel mehr ein, als ich das aus meiner eigenen Schulzeit erlebt habe und es ältere Kollegen berichten... Das ist nicht immer schlecht, nein. Aber das Gefühl es nie allen Recht machen zu können ist für mich(!) eine der größten Belastungen in meinem Job. Doch, ich kann mit Kritik umgehen, allerdings vergreifen sich manche Eltern im Ton oder "drohen" bei Kleinigkeiten mit Anwalt oder Schulamt.
        Mal ein Beispiel, über das ich noch heute schmunzeln muss: Wir wollten mal wandern gehen, es nieselte morgens leicht, die Aussicht auf Besserung war aber da. Die Eltern diskutierten beim Bringen der Kinder und beschlossen dann, dass ich nicht gehen soll. Jung und unerfahren hab ich mich überreden lassen nicht wandern zu gehen. Nachmittags kam eine Mutter und meckerte mit mir, warum wir nicht wandern waren, Regen hätte noch keinem Kind geschadet...
        Ist jetzt kein Drama gewesen aber die Situation lässt sich auf so vieles übertragen. Die Eltern kommen mit so unterschiedlichen Erwartungen, da kann man nur unentspannt sein, außerdem ist man als Lehrer heute oft keine Respektsperson mehr... Nicht, weil ich mich nicht durchsetzen kann, sondern weil die Kinder früh eingetrichtert bekommen, dass ihnen niemand etwas zu sagen hat.

        • Kann schon sein, dass das auch an manchen Eltern liegt.
          *Wir* hatten zum Beispiel damals nicht mal ein Mitteilungsheft, heute steht da lauter Kleinkram drin, der unterschrieben werden muss. "Ihr Kind hat dieses, Ihr Kind hat jenes nicht, bitte reden Sie mit ihrem Kind, Ihr Kind hat den Radiergummi vergessen, Ihr Kind hat sein Mathebuch nicht dabei...." Früher haben das die Lehrer mit uns selbst geklärt, da gab es einen Anschiss oder auch mal eine Strafe oder es hieß, guck halt mit dem Tischnachbarn ins Buch und wer nicht mitarbeiten konnte, musste es halt nachnachen oder bekam mal eine schlechte Note eingetragen und die Eltern haben es oft nicht mal erfahren.
          Ich fand es übrigens auch schade, wenn wegen nicht so tollen Wetters der Wandertag ausfiel, hab aber nichts gesagt.

          • Die Zeit zum Einschreiben habe ich gar nichts. Trage nur gravierende Sachen ein oder Dinge, die neu gekauft werden müssen - da die Kinder dies meist vergessen. Aber auch hier zum Thema "Unsicherheit": Es gibt tatsächlich Eltern, die sich wünschen, dass ich alles mitteile und am liebsten jeden Tag ein kurzes Gespräch suchen, um über jeden Pups informiert zu sein. Die einen fühlen sich durch die Zettelflut / Elterninfos belästigt und anderen ist es zu wenig...

      (10) 02.02.19 - 14:53

      Das sehe ich Gesang umgekehrt. Solche aufdringlichen, unerzogenen und penetranten Eltern sind mir von früher unbekannt. Ich glaube, dass unsere Schulen nicht o grässlich wären, wenn es viele Eltern nicht gäbe, die nicht nur alles glauben zu wissen, sondern es auch noch prinzipiell „besser“.

      • Ich bin Jahrgang 1973 und hatte durchaus Schulkameraden, deren Eltern bei jeder Kleingkeit beim Lehrer aufgeschlagen sind. Das gab es damals also durchaus schon. Der in dieser Hinsicht schlimmste Vater war übrigens selber Lehrer - allerdings an einer anderen Schule.
        LG

    (12) 02.02.19 - 21:39

    ja, sie sind unentspannter, denn jede Bemerkung, jedes Tun, jede Aktion kann schon den Anwalt auffahren lassen.

    Da verklagen Eltern die Schulen, warum das Kind im Unterricht nichts trinken darf, das es Verletzung der Aufsichtspflicht ist, wenn das Kind zur Strafe mal raus muss, etc. etc. sogar auf der Weiterführenden Schule passieren Dinge, wo man nur mit den Ohren schlackern kann. Im Endeffekt Eltern, die tagsüber keine Zeit haben für die Kids haben und meinen, dass in der Schule nachholen zu müssen, wenn den armen Kleinen in ihren Augen Unrecht passiert.

    Das Schöne ist dann, wenn die Eltern meinen, das die Lehrer einen Erziehungsauftrag erfüllen müssen, den die Eltern versuchen zu vermeiden#rofl

    • (13) 03.02.19 - 14:33

      Na, das ist aber allgemein sinnvoll, mir bevor ich was sage oder mache, zu überlegen, ob ich dafür verknackt werden könnte. Wegen irgendeines Popelkleinkram wird kein Richter überdrehten Eltern rechtgeben.

Ich habe schon zig Eltern in meiner Karriere erlebt, die sich null um ihre Kinder gekümmert haben. Mir sind Eltern lieber, die genauer nachhaken und nachfragen. Was ist schlimm daran? Schule und Kindergärten gleichen heute Blackboxen. Kaum einer weiß, was hinter den geschlossenen Türen passiert. Die Eltern sind verunsichert und wissen es manchmal schlichtweg nicht besser. Dann kann ich Ihnen die Dinge erklären und mit ihnen ins Gespräch gehen.

  • Danke, es freut mich zu hören, dass Lehrer mit der Situation zufrieden sind und dies sogar wünschen. Versteh nur nicht warum sie dann von Überlastung und an dieser neumodischen Krankheit leiden. Ach ja genau, Blackout oder so ähnlich.

(16) 03.02.19 - 07:06

Ich für meinen Teil hätte damals als Schüler lieber gehabt, dass meine Eltern hinter mir gestanden hätten (Stichwort Elternsprechtag. Ich würde heute meine Kinder mit dort hin nehmen) und in ein paar Dingen wäre auch die Unterstützung der Eltern sinnvoll gewesen.
Als heranwachsender war ich z.B. schüchtern und "Obrigkeitshörig", mit der Erfahrung von heute würde ich so manchem Lehrer in der Situation damals die Hölle heiß machen, da es manchmal um wichtige Dinge ging, um die sich diese Leute einen Scheiß geschert hatten.

(17) 03.02.19 - 16:16

Kann ich so eigentlich nicht feststellen. Wir haben eher eine Elternschaft, die sich gar nicht kümmert. Das ist auch nicht schön.

Was ich selbst als Elternteil erlebe, ist, wie die Stimmung in Whats App-Elterngruppen gerne schnell hochkocht. Soziale Netzwerke machen auch hier oft aus Menschen einen Mob und dann fällt der Rädelsführer über die nichtsahnende Lehrkraft her, die einen Zahlendreher in der Kopie für die Mathehausaufgaben hatte.

Daher ist meine Bitte an die Eltern: bitte kurz überlegen, wie relevant das vermeintliche Problem wirklich ist, dann an die gute Kinderstube erinnern und dann, wenn noch nötig, sachlich mit dem Lehrkörper reden. Meistens sind wir ganz kooperativ und lösungsorientiert.

Burnout kriegen m.E. vor allem Kollegen, die ihr Lehrerdasein nicht als Rolle sehen. Ich bin sicherlich authentisch in meiner Rolle, aber Kritik trifft halt eben noch als Lehrerin, nicht mich als Person. Das ist ein himmelweiter Unterschied und als Lehrerin überlebe ich sogar Anwaltschreiben und brüllende Eltern, ohne das sie mich im Kern anfressen.

Hab sozialistische Disziplin live und in Farbe erlebt. Auch wenn es einem streng vorkam, waren die Methoden dennoch produktiv.
Hausaufgaben nicht gemacht: sofort eine 5. Zu spät zum Unterricht: da durfte man die Stunde allein im Flur verbringen und den Stoff nachholen. Fand ich als Kind kecke, hab meine HA nur ein mal versäumt, danach nie wieder. Was ich dann in Deutschland in der Schule erlebt hab war ein reiner Chaos: Lehrer erscheinen nicht zum Unterricht und benachrichtigen nicht die Schüler trotz der Telefonkette, Schüler sitzen kaugummikauend mit den Füßen auf dem Tisch im Unterricht und auf die Frage der Lehrkraft warum einer plötzlich zur Tür geht gab's die Antwort: "Meine Karre steht etwas ungünstig, parke sie schnell um, rauche eine und komme wieder rein"... Da ist mir schon die Kinnlade runter geklappt...

(19) 04.02.19 - 09:43

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(20) 08.02.19 - 14:20

Kann ich unterstreichen. Ich war Vertretungslehrerin an einer Gesamtschule. Dort hat eine Klasse derart Scheibe gespielt, dass ich sie dazu verdonnert habe, die Aufgaben, die wir eigentlich locker geschafft hätten, als Hausaufgabe zu machen und in mein Fach werfen zu lassen. Das war kurz vor Weihnachten und hätte sie vielleicht eine halbe Stunde gekostet (es war nur Wiederholung). Ich habe sie sogar extra daran erinnern lassen, damit es im Weihnachtsstress nicht untergeht. Es war die Ansage: Entweder ab ins Fach oder es wird nachgesessen.

Selbst die chaotische Klasse, in der ich damals war, hätte das gemacht und wir waren keine Lämmer. Bei den Kids haben gerade mal vier Mann abgegeben. Somit sollte halt die restliche Klasse nachsitzen. Aber: Ich wurde dann tatsächlich von der Mutter des - sorry - dümmsten und dreistesten Schülers der Klasse angerufen. Ihr Hasipupsi hätte jetzt ja frei, weil ein Lehrer krank sei. Ich könne doch nicht von den Schülern erwarten, dass sie jetzt eine Stunde warten, bis sie nachsitzen können. Doch, ich hätte das eiskalt durchgezogen. Aber nein, die Klassenlehrerin ist vor den Eltern eingeknickt. Das fand ich total dämlich! Wenn Mami da nur anrufen muss und schon wird aus dem Nachsitzen einfach eine Vertretungsstunde, was lernen sie denn draus? Nichts.

(Übrigens hatte ich mit der Klasse beim nächsten Mal eine wirklich nette Stunde, auch wenn sie anfangs mächtig geschmollt haben. ;-) )

Aber heute muss ja gefühlt jedes Kind aufs Gymnasium und jeder ist hochbegabt. Ich weiß nicht, woher der Trend kommt. Vielleicht auch (!) daher, dass viele ziemlich spät ein Kind bekommen - wohlgemerkt eines -, das dann die hochgesteckten Erwartungen erfüllen soll. #schwitz

(21) 11.02.19 - 09:03

Ja, früher wurde sich allgemein von Seiten der Eltern weniger gekümmert.
Die standen nicht wegen jedem Kleinkram beim Lehrer auf der Matte, und wenn die Kinder Mist gebaut hatten, mussten sie eben mit den Strafen leben.
Das finde ich vernünftiger, als heute.

Andererseits standen viele Eltern aber auch nicht auf der Matte, wenn es wichtig gewesen wäre.
Mein Mann wurde in der Schule jahrelang massiv gemobbt, und seine Eltern haben sich von den Lehrern damit abspeisen lassen, dass sie von nichts wüssten und dass Hänseleien eben vorkämen.
Wenn die Eltern heute in solchen Fällen Terror machen, finde ich das absolut richtig.

Unser Sohn hatte eine Lehrerin, die kein Verständnis dafür hatte, dass er unterfordert war, und obendrauf auch noch angefangen hat, ihn zu mobben, indem sie grundsätzlich ihn bestraft hat, wenn er Probleme mit anderen Kindern hatte. Die hatten natürlich ganz schnell raus, dass er so ein prima Opfer abgab.

Das klingt zwar nach dem Klischee "nicht erzogenes Kind wird von den dummen Eltern für hochbegabt erachtet", ist es aber nicht.
Unser Sohn hat letztendlich erfolgreich eine Klasse übersprungen und hat in der neuen Klasse keinerlei Probleme mit der Lehrerin.

So schwarz-weiß, wie Du sie darstellst, ist die Sache nicht.

(22) 15.02.19 - 23:49

Seien wir doch ehrlich, als Lehrer steht man immer mit einem Bein im Gefängnis.
Da ist leider echt was dran.
Sagt oder tut man heute als Lehrer auch nur ein Stück zuviel ( laut Eltern oder Schülern ) hat man sofort Ärger.

Daher will auch kaum noch jemand Lehrer werden.

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