"Es sterben immer 3" (Altenpflegeheim, Klinik...)

    • (1) 15.11.19 - 14:45

      Guten Tag:)

      Ich habe diese Woche einen total interessanten Beitrag bei Instagram gelesen. Ich folge dort einer Krankenschwester, die über ihren Job schreibt und immer wieder sehr interessante Dinge zur Sprache bringt.

      Es ging in dem letzten Beitrag darum, dass es oft vorkommt, dass wenn ein Patient stirbt, eine sehr eigene Stimmung herrscht und sie vor 10 Jahren auch etwas gesehen hat, das etwa 5 Sekunden mit ihr im Raum war, gewartet hat Und genau in dem Moment weg war, als ihr Patient starb. Als hätte ihn etwas abgeholt.

      Daraus ergaben sich sehr viele Kommentare und es kristallisierte sich heraus, dass oft immer 3 Menschen gehen. Geht einer, folgen kurz darauf 2. Wer kann das bestätigen? Und kann mir das mal einer logisch erklären?

      Glaubt ihr, dass wir abgeholt werden, wenn wir sterben? Es ist Wahnsinn, wie viele die Erfahrung gemacht haben, dass sterbende Patienten Dinge wahrnehmen bzgl selbst so etwas gesehen haben.

      Ich wünsche euch ein schönes Wochenende

      Sophie

      • (2) 15.11.19 - 16:24

        Ich arbeite nicht im Altenheim oder in einer Klinik, aber im privaten Umfeld habe ich schon häufiger miterlebt, dass Menschen auf irgendetwas "gewartet" haben, bevor sie gestorben sind.
        - eine Krebskranke starb, nachdem es ihr von der Familie "erlaubt" wurde
        - eine alte Dame, nachdem ihr Enkel aus seinem Auslandsjahr zurückkam
        - mehrere Leute in dem Moment, in dem sie gerade allein waren
        - alte Ehepaare kurz hintereinander
        - lange selbstständig lebende kurz nach dem Einzug ins Pflegeheim

        Ich glaube, dass die Menschen ihren Tod ein Stück weit auch selber steuern. Dass manche z. B. nicht mehr kämpfen/leben wollen, wenn ihr Lebenspartner stirbt, oder, dass sie eben so lange kämpfen, bis sie eine bestimmte Sache noch erleben und dann ihren Frieden mit sich und ihrem Leben machen.

        Der Mann einer guten Bekannten ist ebenfalls gestorben, als sie gerade für einen Moment das Zimmer verlassen hat. Sie hat mir erzählt, dass es erst total schwer für sie war, dann hat ihr jemand gesagt, dass die Menschen, die Gott besonders liebhat, alleine sterben (wie auch z. B. Mose).
        Ich glaube nicht, dass Gott die Menschen, die nicht alleine sterben, weniger liebt, aber ich glaube, dass solche Geschichten einem Menschen viel Trost geben können.

        Ich glaube nicht, dass wir abgeholt werden. Ich glaube aber, dass wir im Sterben (und danach) ganz in Gottes Hand sind und dass der Tod überwunden ist.

        An dem Morgen, als mein Mann um 9.45 Uhr starb, saß ich vorher sehr lange an seinem Bett(er durfte zuhause sterben). Er hatte die Augen geschlossen, aber griff immer wieder mal in die Luft, wie wenn er nach jemand greifen wollte. Ich traute mich nicht, das zu stören. Als er sich wieder beruhigte, sagte ich zu ihm, dass ich mal in die Küche gehe, Essen machen, da die Kinder später kämen. Antwort bekam ich keine. Als ich die Türe schloss, ging er für immer. Bis ich vorne in der Küche war, hörte man kein Atmen mehr im Babyphon.
        Vielleicht wurde er abgeholt? Wäre doch schön; es waren schon so viele vorausgegangen, die er geliebt hatte.
        Dass drei Menschen sterben, kann ich Gottseidank nicht bestätigen, das wäre mir dann doch zuviel gewesen#heul
        LG Moni

        Hallo!

        Mmmmh...nein.

        Wenn jemand in meinem Beisein stirbt, ist das in der Regel emotional, aber jedes Mal anders. Es spielt immer eine Rolle, ob oder welche Beziehung ich zu dem Sterbenden hatte.
        Ob sie abgeholt werden? Keine Ahnung. Manchmal möchte ich das so deuten, manchmal ist mir klar, dass der Wunsch allein meiner ist. Da darf jeder glauben und denken, was ihm/ihr hilft, eine richtige Antwort wird keiner von uns bekommen. Allenfalls ganz am Ende.

        Dass immer drei sterben, das sagten wir im Krankenhaus auch oft. Aber eigentlich ist das ein doofer Aberglaube. In welchem Zeitraum sterben denn die drei? Es ist dann sehr subjektiv, ob die drei wirklich in einem zeitlichen Zusammenhang starben oder ob es vielleicht doch zwei waren oder fünf oder vier.

        Im Hospiz gibt es "Wellen", so kommt es uns vor. Vor und nach Weihnachten oft. Es gibt aber keine Regeln, manchmal ist eine Welle im Hochsommer, wenn niemand damit rechnet. Im November erscheint es uns irgendwie klar, dass mehr gestorben wird, im August fühlt es sich anders an.

        Fakt ist: Es gibt keine Regelmäßigkeiten, es gibt nicht DAS Sterben. Alles ist individuell, immer und immer wieder. Darum ranken sich viel Wunschdenken und Glauben und Ahnungen. Das darf alles sein, wird dadurch aber nicht zur Tatsache.

        LG

      • Bei uns im Ort sind innerhalb 2 Monate 3 Leute gestorben.
        Wenn bei uns jemand im Ort verstirbt, sterben meistens kurze Zeit später noch 1 oder 2 Leute ( meistens im Herbst)

        (6) 17.11.19 - 13:28

        Hallo,
        ich habe von Berufswegen mit Beerdigungen zu tun (Friedhofsverwaltung). Ja - ich kenne diesen Spruch auch und ich muss sagen: es trifft bei uns wirklich oftmals zu, daß drei Sterbefälle aufeinander folgen (ich sag mal innerhalb von ca. 3 Wochen) und dann wieder eine längere Pause eintritt. Aber IMMER ist es nicht so.
        Und aus vielen Erzählungen seitens der Angehörigen ist mir im Laufe der Zeit eines klar geworden:
        Die Sterbenden wollen von Ihren Angehörigen, die sie zurücklassen, losgelassen werden.
        Ich erinner mich z. B. an den schwerstkranken Familienvater, der nur gut 50 J alt werden durfte. Seine Frau sagte, erst als sie ihm gesagt habe "Du darfst gehen, ich schaffe das" wurde er weitaus ruhiger und starb am selben Abend.
        Oder die über 90jährige Mutter, deren Töchter abwechselnd an ihrem Bett weilten, - sie starb genau in den 10 Minuten, wo sie allein gelassen wurde. (Sie wollte bestimmt alleine sterben).
        Da gäbe es ganz viele Geschichten.
        LG

      • Ich glaube nicht daran, schließe es aber auch nicht aus.

        Das mit der Anzahl kenne ich nicht.
        In Altenheimen könnte ich mir vorstellen, dass es dann mit am Wetter liegt.
        Wenn meine Elterns ins Krankenhaus mussten, dann meist zu Zeiten, wo auch andere mit ihren Vorerkrankungen mussten. Manche Wetterwechsel machten ihnen schwer zu schaffen.

        Was ich eher kenne ist, dass Menschen aus Trauer sterben. Z.B. bei älteren Paaren, die schon seit Jahrzehnten gemeinsam viel erlebt haben. Wenn eine/r stirbt, dass der/die andere dann nicht mehr so recht möchte.
        Das ist nicht immer der Fall! Bei manchen merkt man , wie der Lebenswille dann weniger wird.

        In einem Familienzweig ist es so, dass es oft zu Geburtstagen ist. Also nicht Tante a zu urgroßcousine dritten Grades, sondern Tod/Geburtstag Ehepartner/Ehepartnerin Großelternteil/Enkel, Pate/Patenkind usw. also schon so sich nahestehende Personen.


        Ob wir abgeholt werden oder uns verabschieden, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob es damit zu tun hat, ob jemand daran glaubt oder nicht.
        Dass es manchmal so ist, dass es jemand spürt (obwohl weit weg) gibt es wohl wirklich.
        Als meine Mutter starb, hatte ich es schon im Gespür. Allerdings war das eher ein, weil ich spürte, dass sie es wohl spürte... eine andere Person sagte mir später, dass sie es gespürt hatte, obwohl sie zu dem Zeitpunkt noch nichts davon wusste. Auch das mit der Uhrzeit kam hin.

        Dass es eine andere Stimmung ist, wenn jemand stirbt, ist klar. Auch Pfleger und Menschen vor Ort verarbeiten es. Auch wenn es "dazu gehört" ist, es jedes mal aufs Neue etwas Besinnliches.

        Ein blödes Beispiel: auf Feiern ist es auch oft so, dass wenn einer geht, viele auch gehen. Ich habe keine Ahnung, ob das beim sterben in einem Altenheim ähnlich ist. Eine Art loslassen, ein nicht alleine gehen...
        oder ob es mit am Wetter liegt, dass es Faktoren gibt, die es begünstigen.

        Im Freundeskreis meiner Eltern wurde erzählt, dass viele derer Eltern/Großeltern auch an Weihnachten gestorben sind oder in der Dämmerung am Morgen. Es fühlte sich wohl so an, als würden sie den Tag abwarten, das Morgenlicht um dann loslassen zu können.

        Manche haben auch auf den Nachwuchs gewartet, weil sie, schon schwer krank, noch das Baby von .... erleben wollten. zum kennen lernen und auch als Hoffnung zum selbst gehen können.....


        Was ich glaube, weiß ich selbst nicht .....
        Was ich oft erlebt habe, ist die Stimmung, die auch beim Erzählen weitergegeben wurde. Besinnlichkeit. Festlichkeit (festlich von früher, besinnlich, besonders, Licht im Dunkel).

        Hallo,

        mein Sohn lag ja sehr lange auf der Kinderintensivstation (2,5 Jahre) und da bekommt man dann doch so einiges mit. Oft hat es sich leider bewahrheitet, dass wenn ein Kind gegangen ist es zwei weitere mitgenommen hat. Ich weiß nicht warum das so ist. Auffällig waren auch gehäufte Todesfälle jedes Jahr um die Weihnachtszeit rum. Wir hatten darüber diskutiert, ob man es dann eben nur irgendwie bewusster wahrnimmt, aber ich meine es waren wirklich mehr.

        LG Ruby

        Hallo...
        ich arbeite im Pflegeheim und kann bestätigen, dass wenn einer stirbt meist 2 "mitgehen". Erst diesen Monat wieder so gewesen. Mann 62 J. gestorben, dann eine Frau 97 einen Tag und ein Mann 93 J. zwei Tage später gestorben. Meist heißt nicht immer, aber bei uns geht auch der Spruch rum, dass auch immer 3 gehen.

        Zum anderen Thema: Meine Schwiegermutter ist erst "gegangen", als die Tochter (schwieriges Verhältnis zur Mutter) das Haus verlassen hat. Mein Mann war dabei und sagt sie sei in Frieden gegangen.
        Als meine Uroma gestorben ist, hat sie "gewartet" bis meine Oma noch einmal bei ihr war.

        VG xam.

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