Freundschaft, die nicht gut tut - beenden?

Hallo,
ich bitte mal um eure Meinung zum Thema Freundschaften.

Ich bin seit fast 20 Jahren mit einer Frau befreundet. Als wir noch kinderlos waren haben wir zu viert mit unseren Partnern viel unternommen, es war immer sehr lustig.
Es war war aber nie eine Busen-Freundschaft, besser so gute Kumpels-Freundschaft.
Als wir unsere Kinder bekamen war das die ersten Jahre noch okay, wir trafen uns weiter regelmäßig mitsamt den Kindern.

Als unsere Kinder vor drei Jahren in die Schule kamen (nicht gemeinsam), veränderte sich unsere Freundschaft. Die Kinder fanden in ihren separaten Schulen neue Freunde und besagte Freundin freundete sich auch mit zwei anderen Müttern dieser Kinderfreunde an. Das tat ich auch, zwischendurch trafen wir uns aber weiterhin oder unternahmen Dinge.

Das wurde plötzlich immer weniger, sie unternahmen nur noch mit den anderen und fragte uns gar nicht mehr. Wenn ich sie fragte, hatte sie schon ausgemacht oder konnte nicht fix zusagen... manchmal klappte es dann, meist nicht. Tja. Ich bin eine treue Seele und habe dieses Spiel lange mitgespielt auch wenn ich immer mehr das Gefühl bekam, dass ich eh nur der Lückenbüßer bin, wenn die anderen Freunde nicht können.

Es kamen dann mehrere Dinge vor, etwa dass wir ausgemacht hatten, dass wir gemeinsam wandern gehen sie sagte, sie melde sich. Und als wir sie dann mal trafen erzählten sie wie toll das Wandern mit ihren neuen Freunden waren. Leider habe ich nie was gesagt sondern immer so getan als würde es mir nichts ausmachen. Das war mein Fehler, das weiß ich jetzt. Womöglich war es ihr gar nie bewusst wie sie mich damit verletzt. Ich habe sie aber immer vor mir selbst entschuldigt und mir gedacht, vielleicht hab ihc was falsch verstanden oder vielleicht war das ja etwas ganz spontanes und sie konnte mir nicht mehr Bescheid geben... bin einfach ein gutmütiger Depp.

Nun ist heuer etwas passiert, das ich nicht mehr schönreden konnte. Ich hatte schon monatelang versucht, eine gemeinsame Unternehmung zu organisieren und immer wieder hat sie mir kurzfristig abgesagt. Bei meinem letzten Versuch in einer bestimmten Woche einen Termin zu finden meinte sie, sie hätten in dieser Woche leider keine Zeit weil sie da auf zwei Kindergeburtstage müssen und ihr Kind zwei Tage bei einer Freundin übernachtet und zur Oma müssten sie auch noch....

Tja und dann treff ich sie in dieser Woche und sie erzählt mir entrüstet dass ihr Kind heute spontan mit einer anderen Mama in den Spielpark gehen könnte und sie ihren Mann nicht erreicht, der mit dem Kind grad unterwegs war und die Unternehmung damit flach falle.
Da ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe ziemlich barsch gefragt, ob sie eigentlich überhaupt mit uns was unternehmen möchte, denn zu mir sagt sie, sie haben keine Zeit und kaum ruft eine andere an, setzt sie alle Hebel in Bewegung um Zeit zu finden. Sie versuchte sich zuerst herauszureden. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich mir ziemlich verarsch.... vorkomme und dass ihr Verhalten verletztend ist. Ich war sehr wütend und das war unübersehbar. Als ihr kein Argument mehr einfiel ließ sie mich einfach stehen und ging davon. Für diese Reaktion hätte ich noch Verständnis, schließlich war ich sehr aufgebracht. Aber dass sie sich bis heute weder entschuldigt hat noch jemals versucht hat zu erklären, wie es zu dieser Situation kam, ist für mich Antwort genug, wieviel Wertschätzung sie für mich hat.
Ich bin normalerweise jemand, der immer das Gespräch sucht. In diesem Fall war es mir aber einfach nicht möglich weil ich der Meinung war und bin, dass sie hier den ersten Schritt machen muss. Dass sie es bis heute nicht getan hat sagt meiner Meinung nach auch sehr viel aus.

Das ist nun fast ein halbes Jahr her. Wir gehen normal miteinander um wenn wir uns treffen aber ich habe nie mehr gefragt ob wir was unternehmen oder sie eingeladen. Sie mich auch nicht aber das hat sie davor ja eh auch nur, wenn sie niemanden anderen hatte.

Tja, nun gab es bei uns einen kleinen Notfall und sie hat uns ganz spontan ihre Hilfe angeboten. Das fand ich total lieb von ihr und jetzt weiß ich wieder nicht, ob ich diese Freundschaft einfach gehen lassen soll oder nicht.
Fakt ist, mir tut diese Freundschaft, so wie sie sich entwickelt hat, nicht gut. Ich habe einfach viel zu viele Frustmomente dadurch. Aber 20 Jahre sind 20 Jahre und das mag ich auch nicht einfach loslassen. Außerdem sind unsere Kinder befreundet. Und außerdem haben wir gemeinsame Freunde, der Kontakt lässt sich also gar nicht vermeiden.
Das ganze mal aussprechen und erklären wäre das beste aber das geht irgendwie nicht, es sind einfach viel zu viele Dinge zusammengekommen. Kleinigkeiten, die ich nie als Vorwurf nennen würde, die Summe dieser Kleinigkeiten macht aber mittlerweile schon was großes (für meinen Mannn und mich) aus.

Was würdet ihr denn tun? Sorry, das ist jetzt echt lang geworden....

Ich würde sie in der Kategorie "Bekannte" neu verorten. Nett und höflich sein, aber versuchen keine Erwartungen, Bemühungen und Emotionen reinzustecken. Wenn zu viel Wut da ist, würde ich sie meiden. Offiziell beendet habe ich eine Freundschaft nie. Da sagen ja Gesten ohnehin mehr als tausend Worte.

Ja. Du hast Recht. Keine Bemühungen, Erwartungen und Emotionen mehr. Nur noch eine Bekannte. Danke!

Das probiere ich auch momentan. Das ist aber ganz schön schwer. Gibt auch viele Momente, die mir nicht gut tun, aber Emotionen raus nehmen ist gar nicht so einfach 😒

Sie scheint die Freundschaft anders zu bewerten du warst wohl nie das für sie wie umgekehrt. Schade für dich aber oft entwickelt sich das so.
Ich finde du hast in den Jahren schon zu viel investiert.

Ich würde mich damit abfinden und das Ganze auf sich beruhen lassen.
Da ihr durch den Freundeskreis immer in Kontakt bleibt würde ich höflich bleiben wenn man sich sieht mehr aber nicht. Privates würde ich komplett meiden.

Du schreibst du willst 20 Jahre nicht so weg werfen aber geh doch mal in dich.
War da echt so viel Gehalt in der Freundschaft und nicht doch eher du als Hauptakteur?
Ging mir auch schon so, dass ich erst später gemerkt hab, dass eigentlich ich immer die war die eine Freundschaft aufrecht erhalten hatte.
In dem Fall würde ich es lassen, da die Wahrscheinlichkeit gering ist das sich so etwas komplett ändert.

Da du ja beim letzten Treffen mal alles raus gelassen hast hätte die Dame ja nun auch die Gelegenheit gehabt sich dazu zu äussern.
Da in der Hinsicht nichts kam scheinst du genau ins schwarze getroffen zu haben.
Von daher Lächeln und winken....

Danke! Genau das habe ich mir auch gedacht: Ich habe viel mehr in dieser Freundschaft gesehen als sie.
Ich werde das ganze wohl wirklich gehen lassen müssen.. Ist aber schon sehr komisch - einfach weil es noch gewisse traditionelle Dinge im Freundeskreis (Geburtstagsfeste, jährliches Weihnachtsmarkt-Treffen usw.) gibt. Ich kann sie ja schlecht einfach nicht mehr einladen - und umgekehrt...
Naja, ich stelle auf alle Fälle meine Bemühungen ein, habe keine Erwartungen mehr und lasse es so laufen - irgendwie wird sich das schon von selber erledigen....
Danke für deinen Zuspruch!

Freundschaften verändern sich.

Das klingt nach einer Floskel, das meine ich aber ernst.
Reden hilft, fällt auch darunter.

Für mich selbst habe ich gelernt: wenn mir etwas wichtig ist, spreche ich es an.
Dann finde ich heraus, ob es dem anderen nicht wichtig ist, nicht bewusst ist, keine Zeit hatte, selbst in einer Krise steckt, absichtlich macht, sich nicht traut.

Wenn beide auf den ersten Schritt des anderen warten, tut sich nichts.
Warum keiner den ersten Schritt macht, erfahre ich erst, wenn ich es einfach versuche.

Das heißt nicht, dass ich mich entschuldige!
Ich entschuldige mich, wenn ich mir meines Fehlers bewusst bin!
Wenn es mich aber belastet, dass.... ein anderer .... nicht tut .... dann frage ich nach.

Oft sind es verschiedene Situationen, die zu dem Führen, was es jetzt ist.


- Bei Absicht, bewussten Verletzungen, jemand entschuldigt sich generell nicht

vorbei. Dann kann ich aber auch guten Gewissens loslassen!

- Merke ich im Gespräch, es passt nicht mehr
es ist der anderen Person heute egal

dann kann ich guten Gewissens loslassen. Dann gehe ich ohne Frust, weiß woran ich bin. Hoffe nicht mehr, sehne mich nicht mehr. Dann erfreue ich mich an der gemeinsam Zeit, die wir HATTEN und freue mich offen auf neue schöne Zeiten mit anderen.

- merke ich, dass es eigentlich noch passt

ja, dann kann ich es auch ansprechen.
Mir kommt es so vor
ich finde es schade
usw.

Dabei kommt dann oft heraus, dass
- die Person selbst von anderen ein Lückenbüßer ist
- mit Organisation jongliert
- Kinder, eigene Freunde, soziale Kontakte des Partners, Familie, Großeltern, Verwandte die plötzlich das Baby sehen wollen, eigene Zeit für sich, Arbeit, Schule unter einen Hut bringen versuchen
- sie zwar Interesse haben, echtes Interesse, aber selbst in einem Trott gefangen sind
- um andere neue Freunde nicht zu verletzen, Angst haben diese zu verlieren, eher alten absagen, da diese offensichtlich sowieso da sind
- nicht wissen, wie sie reagieren sollen
- es ihnen nicht bewusst war, weil sie in ihrem Alltagstrott mit Schule, Kindern, Veranstaltungen festhängen


Konkret heißt das: meine Freundschaften haben sich verändert. Die Freundschaften meiner Freundschaften auch.

Uns hilft es sehr, anzusprechen, was HINTER den Kulissen bedrückt. Dass es eben NICHT nur um gemeinsame Treffen geht, sondern eigentlich um die Freundschaft an sich.

Echte Freunde sehe ich auf Grund von Krankheit und Schulterminen und Arbeit leider nur sehr selten.
Wir können aber darauf vertrauen, dass unsere Freundschaft besteht und können es ansprechen, wenn es nicht passt.

Freundschaften mit Kindern variieren sehr nach Stundenplan der Kinder. Dazu kommen Hobbies der Kinder, eigene Hobbies und so wie es sich zeitlich mit Partner arrangieren lässt.
So kam es, dass es mal 2-3 Jahre zu fast keinem Treffen kam. Wenn wir uns sehen wollten, kam wirklich etwas dazwischen. Banale Alltagsdinge, die für die Kinder die soziale Welt bedeuten.

Wir haben darüber gesprochen, selten telefoniert, aber wussten um die Situation beider Seiten.

Dann kam ein Schuljahr in dem die Stundenpläne gut passten, die Trainingszeiten der Kinder so passten, dass wir uns guten Gewissens Zeit nehmen konnten.

Nach 2-3 Jahren war für uns beide die Frage, ob wir denn überhaupt noch wollen. Ob es noch "Sinn" macht. Wir haben es dann einfach versucht. Regelmäßige Treffen klappten gut. Dann kam wieder ein Schuljahr, wo sich die sozialen Kontakte der Kinder bei der einen und die Veranstaltungen bei der anderen überschlagen haben, dazu Sorge um Angehörige. Also keine Treffen.

Wir wissen aber was wir aneinander haben und bleiben im Gespräch.


Für mich habe ich gelernt, dass ich mich selbst zum Lückenbüßer mache.

Bin ich es objektiv: dann spreche ich es an, finde es SICHER heraus und höre auf mich daran zu klammern. Meinen Status kann ich selbst ändern zu "dann eben nicht". Wenn ich es der anderen Person nicht wert bin, dann bin ich es mir wenigstens selbst wert.

Fühle ich mich nur so: dann finde ich es im Gespräch heraus. Es war der anderen Person nicht bewusst, sie klammert sich selbst an soziale Kontakte, es gab noch einiges mehr. Wenn sie darum weiß, dass es mir weh tut (weil ich es angesprochen habe), dann kann sie entscheiden, wie wichtig ihr Treffen sind und kann bewusster damit umgehen.


Umgekehrt war ich auch schon in der Position:
mir war nicht aufgefallen, dass es der anderen Person so wichtig ist. Sie wusste aber auch nicht, wie es mir in der Zeit wirklich ging, da ich nicht die Kraft hatte, jeden zu informieren.

Bei einer anderen Person, die lange schwieg und mir vorgaukelte es sei alles in Ordnung, knallte es dann. Sie zog sich zurück, ich wollte Rücksicht nehmen, weil ich dachte, dass es einen familiären Hintergrund bei ihr hätte. Dann explodierte sie, weil ich mich verändert hätte.
Das hat weh getan. Für mich kam es aus dem Nichts.

Nach weiteren Vorwürfen, die sich bei ihr im Laufe der Jahre aufgestaut hatten, sie aber nichts sagte, hatte ich kein Interesse mehr mich so behandeln zu lassen.

Meine Lehre daraus: ich REDE.
1. ich will niemanden verletzen. Was ich sicher tue, wenn ich erst lange schweige und dann mit Vorwürfen losplatze. Gedankenlesen kann niemand
2. kann man dann gemeinsam eine Lösung finden. Pragmatisch.
3. staut es sich nicht soweit auf, dass eine Lösung schwierig wird.
4. erkenne ich eher, was dahinter steckt.
Geht es nur um das Offensichtliche? (Bekanntschaft) oder sind da Gefühle dabei (Freundschaft).
Lohnt es sich beidseitig sich zusammen zu setzen und eine Lösung zu finden?
oder reicht es auch sich hallo und tschüß zu sagen?
Mit dem Wissen, dass es sich einfach nur verändert hat oder ob da mehr dahinter steckt und man auf einem Pulverfass sitzt?

Mit hallo und tschüß kann ich leben.
Dann weiß ich wenigstens woran ich bin, traure nicht mehr nach, erfreue mich an der schönen Zeit, die wir hatten.

Mit einem Pulverfass kann ich zwar auch leben, aber es ist entspannter, wenn ich es weiß.

Selbst möchte ich nicht zum aufgestauten Pulverfass werden. Deswegen spreche ich es an. Frage, wie es hinter den Kulissen aussieht (herantastend). Dann habe ich es wenigstens versucht. Für mich!

Danke für deine Antwort!
Du hast ja eh Recht, reden ist immer der richtige Weg.
Aber dadurch dass schon so viele Dinge vorgefallen sind bin ich mir nicht mehr sicher ob ich diese eher einseitige Freundschaft überhaupt noch aufrecht erhalten möchte. Und ein Gespräch somit überhaupt was bringen würde.

Vielleicht ergibt es sich mal, dass sich ein Gespräch entwickelt, aber es direkt suchen werde ich nicht. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es so besser ist.

Vielen Dank und liebe Grüße! #danke

Hallo,

die Hilfsbereitschaft in deiner Notsituation werte ich anders. Wenn in der Nachbarschaft irgendetwas passiert und ich habe die Möglichkeit zu helfen, dann tue ich dies. Aber deshalb muss ich mit denen nicht befreundet sein oder treffen. Es ist einfach eine menschliche Geste.

Deine Bekannte hat dir ja eigentlich schon sehr deutlich signalisiert, dass sie auf engeren Kontakt keinen Wert legt. Respektiere es, aber lass dich auch nicht benutzen als Lückenbüsser wenn sie gerade mal langeweile hat.

Konzentriere dich auf neue Freundschaften, die es viel mehr verdienen Beachtung zu bekommen,.

Oftmals kann man es sich auch selbst nicht erklären warum eine Bekanntschaft auseinander geht, da muss gar kein Hintergrund sein. Manchmal ist es einfach dass man andere Leute halt interessanter findet und halt da seine Prioritäten setzt.

Liebe Grüße

shalom