Unsere Gesellschaft im Bezug auf Hilfsbedürftige (Vorsicht lang)

Morgen Ihr lieben,
Ich bin immer noch total geschockt vom Montag aber inzwischen wieder etwas gefasst.
Ich habe am Montag erfahren das mein Ex-Mann in mein Ferienhaus eingebrochen ist und dieses komplett leergeräumt hat,zum Glück hab ich es früh erfahren sodass ich schnell reagieren konnte,Polizei war da hat alles aufgenommen,die Sachen welche er bei Ebay schon eingestellt hat konnten noch zum grossteil sichergestellt werden 😡. Meine Mutter hat das für mich machen müssen da ich nun mal 600km weit weg wohne.
Soweit so gut. Also auf zum FA;
Sitze in der Bahn mit meinem dicken Buch und lese. 2 Stationen vor dem Aussteigen hört man Hilfe rufe,umgeschaut nichts zusehen hm... Die Bahn fährt nicht los,kam aber die durchsage man soll doch bitte die Tür freigeben,alle Türen waren geschlossen. Ich hab dann mal durchs Fenster nach draußen geschaut,da lag eine Ältere Dame direkt neben der Bahn 😓. Ich bin also aufgestanden und habe eine andere Tür geöffnet und bin zu der Dame hin,hinter mir kamen noch 2 junge Männer. Der Rollator (1rad) der Dame hat sich zwischen Bahnsteig und Trittbrett von zug verkeilt und die Dame ist schwer gestürzt. Kurz darauf kam die Zugführerin zusammen mit ihr hab ich dann den Rollator befreien können. Der eine Junge Mann hat sich derzeit etwas mit der Dame beschäftigt der andere hat nur rum gemosert er will weiter und das kann doch nicht sein... 😠
Die Dame war der Meinung sie bräuchte keinen Krankenwagen und will weiter.. Demnach hab ich die Männer gebeten ihr doch bitte aufzuhelfen,ende vom Lied einer hat mir geholfen. Die Dame konnte weder stehen noch gehen. Somit haben wir sie dann auf ihren Rollator gesetzt und ich hab den Notruf abgesetzt. Inzwischen haben sich sehr viele aus dem Zug an den Türen und Fenstern gesammelt und gafften. Die Zugführerin kam zurück (war weg um das an die Leitstelle zumelden) und sagte ganz trocken sie muss weiter. Äh wie bitte? Hier ist eine Dame die starke Schmerzen hat sobald man sie auch nur etwas bewegt. .. Es ist ihr Verantwortungsbereich.

Egal sie muss jetzt weiter. Inzwischen waren auch die Jungen Männer wieder eingestiegen. Ich stand mit der Dame alleine da. Und konnte grade noch die Tür blockieren und jem bitten mir mein Buch und meine Wasserflaschen raus zugeben,wenigstens das funktionierte.
Für mich war es echt schlimm,die Dame saß auf ihrem Rollator direkt an der Bahnsteigkante,und drohte nun ins gleisbett zurollen,ich hab sie dann vorsichtig da weggeschoben. Natürlich hab ich mich um sie gekümmert,sie getröstet Mut zugesprochen usw. Sie fragte mich irgendwann wann es denn bei mir soweit sei. In gut einer Woche soll der kleine Mann kommen.
Sie war ganz erstaunt das ich dann noch bahnfahre und vorallem mich dann auch noch kümmere um eine alte Frau welche ich nicht kenne.
Ich sagte ihr das ich eigentlich auf dem Weg zum Arzt war. Nun hatte sie ein schlechtes Gewissen. Ich beruhigte sie und rief in der Praxis an das ich später komme aus besagten Grund.
Der Rettungswagen kam.
Wir haben eine Ältere Dame erwartet die nicht laufen kann und keine Hochschwanger die uns entgegen kommt...
Äh ne ich möchte nicht mit,noch nicht; die Dame sitzt dahinten,ich bin bei ihr geblieben.
Kurz und gut. Sie wurde mitgenommen Verdacht auf Oberschenkelhalsbruch.
Ich bin also 1 Std später mit dem Zug zum Doc weiter. Und wer sitzt da am Bahnhof mit ner Flasche Bier in der Hand zwischen seinen Kumpels? ?? Der eine Junge Mann aus der Bahn der nur rum gemosert hat... 😲
Ich kannte ihn von meiner Arbeit,besonders angenehm war der nie,
Mir ist da die Hutschnur geplatzt. Derzeit bin ich hoch 1,68 m wie breit, der ca 1,90m und Kühlschrank. Ich bin also im Schnellen watschelschritt auf ihn zu und hab ihn vor seinen Freunden schön rund gemacht und ihm gewünscht das er irgendwann mal hilflos irgendwo liegt und dann wirklich keiner hilft verdient hat ers.
Seine Kumpels grinsten schon,kannten mich logischerweise auch. Es kam nur noch der Spruch;jetzt weisst du warum wir bei ihr immer getan haben was sie gesagt hat und ganicht erst diskutieren 😅.
Ich hab ihn stehen lassen und bin zum Arzt.
Naja wenigstens dort war mal alles "coronazeiten" normal. Und dem kleinen geht's prächtig aber an ausziehen denkt er nicht.
Und meine FA sagte noch wenn sowas ist,ist es ihr lieber ihre Patienten kommen zuspät als das sowas ignoriert wird. Für mich war mein Verhalten ganz normal.
Aber nun mache ich mir Gedanken,was ist wenn ich Hilfe brauche,weil plötzlich starke wehen einsetzen und die blase springt,oder ich nen Kreislauf zusammen bruch habe...
Mir hat dieser Vorfall gezeigt Hilfsbereitschaft wird immer kleiner geschrieben wenn es sich für uns um fremde Menschen geht.

Hallo,
Ich habe alles gelesen und finde deinen Einsatz sehr gut! Ich hätte auch so gehandelt und ich hätte definitiv so einem 'vollhorst' gegenüber auch nicht still halten können! Leider ist es tatsächlich so das es in unserer Gesellschaft immer schlimmer wird und jeder nur noch an sich denkt.
Aber um so mehr sind Menschen wie du wichtig!! Menschen die ei Herz haben und korrage besitzen.

Solche Menschen sind und bleiben das Herz unsere Gesellschaft ❤️

Lg S.

Ich bin nur immer wieder erschrocken darüber,wie gleichgültig die Gesellschaft geworden ist.
Ich bin froh und glücklich das ich meinen Kindern andere Werte mitgebe (egal ob Mensch oder Tier was Hilfe braucht bekommt diese von uns) und ich diese Werte auch von meiner Mutter mitbekommen habe.

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Hallo,

toll, dass du geholfen hast!
Es ist wirklich erschreckend, wie oft man hört oder liest, dass Menschen sich in Notsituationen nicht um andere kümmern, aber ich habe erst vor kurzem auch anderes erlebt.
Ich fuhr abends im Dunklen (etwa halb 8 im Winter) auf dem Heimweg mit dem Auto aus der Stadt raus, als ich sah, dass an einer Fußgängerampel am Straßenrand ein Mann umfiel. Ich bin dann in die nächste Straße abgebogen, hab mein Auto dort abgestellt und bin zu dieser Ampel gelaufen. Vorgefunden habe ich einen Mann, der übel aufs Gesicht gestürzt war, blutete und ziemlich benommen war, jedoch selbst aufstehen konnte. Ich wollte den Notarzt holen, was er vehement ablehnte. Er würde in der Nähe wohnen und wollte nach Hause gehen. Dann kamen zwei junge Männer die Straße lang, die ich bat, mir zu helfen. Die beiden kümmerten sich auch sofort. In dem Moment kam auch noch ein weiterer Autofahrer dazu. Wir standen dann zu viert um den Gestürzten herum, der immer noch auf gar keinen Fall einen Arzt wollte. Am Ende haben die beiden jungen Männer ihn nach Hause begleitet.
Ich hatte nach diesem Erlebnis eher das gute Gefühl, dass viele Menschen eben doch noch nach anderen schauen, denn ich hätte nicht erwartet, dass sich doch noch recht viele Leute abends im Dunklen an einer Nebenstraße für jemanden, den sie nicht kennen, verantwortlich fühlen. Also, es gibt überall solche und solche - zum Glück eben auch die, die helfen!

Gruß, Lena

Habe Deinen Beitrag auch gelesen und mag sagen: Vielen Dank für Dein Engagement und auch Deine Ansage an diesen Typen. Bewahre Dir das.

Alles Gute für die Geburt und hoffentlich geht es auch der Dame bald wieder richtig gut.