Corona und eure Stimmung

Hallo,

wie geht es Euch mit der Corona Situation. Ich meine nicht, wie ihr das alles wuppt und macht. Das ist etwas, das wohl an ganz vielen nagt sondern auch die innere Stimmung. Was macht es mit Eurer Seele, mit der psyche dem Wohlbefinden, wenn man 1 Jahr nur spazieren gegangen ist, immernoch kein wirkliches Ende in Sicht.
Wie ist eure Partnerschaft oder wenn ihr keine habt, wie Einsam fühlt ihr euch in diesen Zeiten.
Ich kann sagen, dass es bis Januar noch ging. Seitdem baue ich extremst ab und ich bemerke auch in meinem Umfeld wackelt es. Ein Freund der immer eine Frohnatur ist wir depressiv.

Bin gespannt.
Ideen zur Beschäftigung sind natürlich auch willkommen.

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Wenn ich keine Kinder hätte, wäre alles easy. Dann könnte ich es ganz gut aushalten, die Tage/Abende auf dem Sofa zu verbringen, Serien zu schauen, zu lesen, zu telefonieren, Sport zu machen, im Home Office zu arbeiten und die viele Zeit genießen.
Mit Kindern sieht für mich die Situation hingegen ganz anders aus, das ist für mich derzeit der große Stress-Faktor. Die Große ist seit Monaten im Home Schooling und ich bin sozusagen ihr persönlicher Schul-Coach, Mittagessen-Kocher und Gute-Stimmung-Macher. Darüber hinaus versuche ich auch die Freizeit eben so gut wie möglich mit beiden Kindern zu gestalten - das, was eben derzeit geht. Und ja, alles zusammen zehrt an mir, ich fühle mich inzwischen auch sehr erschöpft. Grundsätzlich bin ich eigentlich auch Optimist und Gute-Laune-Mensch, aber ich hatte in den letzten Wochen auch schon einige böse Tiefpunkte. Ich will gar nicht wissen, wie es anderen Menschen geht...
Mein einziger Fokus derzeit liegt nur darauf, dass die Schule für die Kleine weiter offen hat und auch die Große wieder regelmäßig gehen darf. Alles andere ist mir inzwischen fast schon egal... Meine Ansprüche ans Leben sind echt gesunken. #schwitz

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Mir ging es ja schon vor Corona so. Hatte gesundheitliche Einschränkgungen.
Da hieß es oft: ich würde übertreiben, stell dich nicht so an. Selbst schuld. Lenk dich ab.

Seit Corona geht es vielen so. Die, die größten spuckten, totales Unverständnis hatten, sind jetzt die, die am Genervtesten sind.

Für mich hat sich durch die Coronasituation leider verbessert.
Leider, weil es heftig ist.

- einfacher Arzttermine zu bekommen
- weniger Schuldzuweisungen wie unfähig ich sei
- es ist "normal" nicht raus zu können. Somit fällt vielen nicht auf, dass ich es nicht kann.
- aus "die Aussätzige" wurde "die Normale :-(
Ich bin froh, nicht mehr als Aussätzige behandelt zu werden. Es macht mich traurig und wütend, dass dazu erst ein so herber Einschlag sein musste, der so viele betrifft. Damit manche überhaupt anfangen mitzufühlen oder na ja, nicht mehr so direkt ablehnen.

- Die Terminentschleunigungen tun sooo gut.
Vorher war die Erwartung, dass man alles sofort und schnell reinstopft. 3 Termine am Tag, andere schaffen das doch auch.
Jetzt wird nach Wichtigkeit sortiert. Wenn Ihnen das zu viel ist, ist das in Ordnung. Na, dann wollen wir mal nichts risikieren wegen Ansteckung. Zwei Termine in Folge? Oh, dann machen wir doch einen anderen Tag, wegen Ansteckung und so.

- In der Schule keine Präsenztermine mehr für Eltern.
In der Grundschule hieß es noch "arbeitende Eltern haben immer Zeit". Bitte Vorlesetage, Schulfeste mit Elternanwesenheitspflicht, hier was backen, dort was mitbringen, jenes tun
Unterricht fand teilweise zu Hause statt, nachmittags. Vormittags keine Zeit, da mussten ja zig Feste vorbereitet werden oder drei Klassen beaufsichtigt werden.

Coronahomeschooling klappt gut. Durch die Grundschulzeit (vor Corona) kennen wir es ja schon.
Nur dass jetzt weniger Anfragen, Organisationen, Zusatztermine, das sollen Sie noch beachten, wegfällt.
Schulstoff ist auf das Wesentliche reduziert. An der Schule meines Kindes denken Lehrer mit. Fachlehrer setzen sich zusammen (online) und besprechen, welche Inhalte langfristig relevant sind. Aufbauend. Prüfungsrelevant (in einigen Jahren). Dass die Kinder der gleichen Schule, die gleichen Chancen erhalten. Dass nachfolgende Fachlehrer bescheid wissen, was durchgenommen wurde und was coronabedingt hintenüberfiel.

Konzentrieren auf das Wesentliche könnte man es zusammen fassen.

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Mir geht es total gut in der Pandemie. Das liegt aber sicherlich daran, dass ich extrem introvertiert bin und selbst im besten aller Fälle nur sehr kurze Sozialkontakte ertragen kann. Mit den Kontaktbeschränkungen bin ich jetzt praktisch in meinem persönlichen Paradies gelandet.

Da mein Mann mir sehr ähnlich ist und ebenfalls nur wenig Wert auf Kontakte von “außerhalb” legt, geht es auch ihm und unserer Partnerschaft gut. Wir verbringen gerne Zeit miteinander und gehen uns dabei nicht auf den Keks. Wenn einer mal seine Ruhe braucht wird das respektiert.

Als Familie können wir uns auch ohne Freizeitindustrie super beschäftigen, es kam im letzten Jahr kein einziges Mal Langeweile auf. In den Urlaub fahren wir prinzipiell nicht, so dass uns nichts fehlt.

Dazu arbeite ich seit über einem Jahr im Home Office, was für mich ein besonderes Highlight ist. Früher dachte ich immer, ich gehe halt einfach nicht gerne in dir Arbeit. Das ist aber nicht so, wie ich festgestellt habe. Es ist tatsächlich das Büro und die erzwungene Gemeinschaft, die mich stresst. Daheim arbeiten zu dürfen ist für mich zu einem absoluten Privileg geworden, das ich nicht mehr missen möchte.

Meine Tochter ist eher extrovertiert, und sie darf im Rahmen des Erlaubten Sozialkontakte pflegen. Home Schooling klappt gut, so dass auch bei ihr kein Frust oder irgendwelche depressiven Phasen entstehen.

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Ja die Zeit gerade ist anstrengend und fordernd aber ich habe im Leben schon mehr Phasen gehabt in denen es uns allen nicht gut ging, schwere Krebserkrankungen im engen Freundeskreis, lange Krankenhausaufenthalte mit unserem Kind, psychische Erkrankungen in der Familie etc. Das ist nur "another shit to handle with".
Ich kenne übrigens auch viele Singles die gut durch diese Zeit kommen.

Ich kenne niemanden der ein Jahr nur einsam spazieren gegangen ist. Das war glaube ich in keiner Gegend Deutschlands so, ich glaube letzten Sommer konnte man fast überall Freunde treffen, privat grillen, auch mal Essen gehen. Gerade die Schnelltests eröffnen einem doch jetzt für die Zukunft auch wirklich Chancen mal zu sagen "Hopp, wir treffen uns vor der Apotheke und wenn alle negativ sind können wir mal was zusammen machen".

Es gibt genug Fremdenführer mit denen man seine eigene Umgebung erkungen kann, ich finde es oft erschreckend wie wenig die meisten über ihren eigenen Landkreis wissen, und dann kann man auch Geocaching versuchen, Inlinern, Radfahren, ...
Sich selber beschäftigen können ist halt schon bei Kindern immer ein Thema und jetzt merkt man halt dass viele Erwachsene selber das nicht können was sie von ihren Sproßen erwarten.

Für unsere Familie muss ich sagen dass es uns nicht groß anders ergeht als vorher, die Gewichtung hat sich natürlich verändert, wir pflegen noch mehr unsere gemeinsamen Hobbies und haben weniger externe Termine und Verpflichtungen, die aber teilweise in der Anzahl schon zur Belastung wurden.

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Die ersten Wochen fand ich es lähmend. Aber da wusste man vieles noch nicht, sah die Bilder aus Italien und ich hatte Angst.

Nach ein paar Wochen war alles kein Problem mehr. Wir sind alle ziemlich eremitisch veranlagt ubd ich habe eher mit zu vielen Kontakten Probleme. Homeoffice genießen wir sehr, das tut der Partnerschaft eher gut, die ist wie immer. Für die Kinder hat Homeschooling Vor- und Nachteile, das gleicht sich aus und ist okay.

Mir fehlt Kultur, ich würde gern weggehen, Kino, Theater, Konzert, Kabarett, Oper, Kneipe, Städtereise..., aber daran lässt sich jetzt auch nichts ändern. Ich hoffe, dass das Impfen langsam mal in Fahrt kommt und nächstes Jahr wieder weitgehend normal wird.

Ich sag mal, ich stelle fest, wie schräg ich wohl normalerweise bin, weil mir die Situation so wenig ausmacht.

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"Ich sag mal, ich stelle fest, wie schräg ich wohl normalerweise bin, weil mir die Situation so wenig ausmacht."

Aber ist man wirklich schräg, wenn einem die Situation nur wenig ausmacht? Ist es nicht eher schräg, immer nur das Negative zu sehen?

Mir geht es da wie dir. Natürlich wünsche ich mir, dass die Pandemie endet. Ich würde gerne wieder mehr Kultur erleben. Auch meine Kinder wünschen sich Unterricht nach normalem Stundenplan, ohne Abstand, ohne Maske. Wir leiden trotzdem alle nicht und auch in meinem Umfeld leidet niemand so sehr wie der Durchschnitts-Urbianer und meine Kollegen sind teilweise sehr gesellig.

Was mir auffällt ist, dass sich Leute einfach gerne beschweren, auch wenn es sie gar nicht betrifft. Hauptsache dagegen. So findet in meiner Familie jemand nächtliche Ausgangssperren ganz furchtbar, obwohl er vielleicht vor 10 Jahren das letzte Mal nachts unterwegs war. Das ist schräg.

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Letzteres, eine Ausgangssperre, würde mich schon ein wenig treffen. Im Winter war es nicht so tragisch, aber im Sommer geh ich sehr gern abends mit meinem Mann noch spazieren. Aber wenn es so ist, dann ist es halt so.

Aber ja, wenn ich lese, wie sehr andere leiden und sogar von Depressionen oder Schlimmerem schreiben und ich bloß denke, "wenn wir die Freunde jetzt nicht treffen können, dann vielleicht in ein paar Monaten", dann denk ich schon, ich gehöre eher nicht zu den sehr sozialen Wesen, ich glaub, das ist ein wenig schräg...;-).

Vielleicht bin ich auch schon zu alt, in meinen 20ern hätte es mich mehr getroffen. Und mein 20jähriger tut mir ein wenig leid, der hätte sich das Studentenleben auch anders vorgestellt. Und ich bin froh, dass der eine sein Abi schon lang hat und die anderen vom Schulabschluss noch ein Stück weg sind. Abschlussklasse muss gerade sehr doof sein.

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Mich stört es nicht.
Ich freue mich das ich Ruhe hab, und niemanden groß treffen muss 😄

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Hallo,

mir und meiner Familie machen die Einschränkungen wenig aus. Das heißt nicht, dass uns nicht auch Dinge fehlen. Auch wir wünschen uns alle Normalität zurück.

Ich selbst bin durchaus empfindlich und es gibt viele Dinge, die mir nahe gehen, aber die Pandemie hat mir da eher geholfen zu mir zu finden und das Wesentliche zu sehen. Ich schaue, was erlaubt ist und nutze die Möglichkeiten, die ich habe. Ich genieße aber auch die Ruhe, die die Pandemie mit sich bringt. Beruflich ist es zwar stressiger als vorher, aber privat ist es dafür entspannter. Was mir hilft, ist positiv denken. Das Glas ist halb voll, nicht halb leer. Es gibt eigentlich vieles, was man trotz Einschränkungen tun darf.

Was macht dir denn Freude? Gibt es etwas, was du schon immer ausprobieren wolltest?

Hast du die Möglichkeit, Freunde (einzeln) zu treffen? Ich war neulich ohne Kinder mit einer Freundin spazieren. Wir haben einfach geredet, jeder einen "Coffee to go" in der Hand, das war ganz wunderbar.

LG