Gedanken zu Eizellenspende, SILOPO

Hallo,
da ich nicht so recht weiß, wo meine Frage reinpasst, stelle ich sie mal hier in "Allgemein" rein.
Also, es geht um folgendes :
Meine Freundin kämpfte jahrelang darum, ein Baby zu bekommen, sämtliche Behandlung inklusive künstlicher Befruchtung schlugen fehl. Schließlich entschlossen sie und ihr Mann sich für eine Eizellenspende im Ausland und es klappte beim ersten Versuch, sie haben Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen, bekommen und sind jetzt überglücklich.
Natürlich habe auch ich mich sehr gefreut für die beiden, es sind entzückende Kinder 😊, mittlerweile Grundschulalter.
Und trotzdem kriege ich all die Jahre das Gefühl nicht raus aus mir, dass es irgendwie "falsch" ist. Ständig kommen mir so Gedanken wie, da gibt es irgendwo eine Frau und einen Mann, die kennen sich wahrscheinlich gar nicht und haben trotzdem Kinder miteinander. Da gibt es irgendwo Großeltern, vielleicht auch Onkels, Tanten, Geschwister..
Und ist es nicht eigentlich ein Grundrecht, dass jeder Mensch ein Anrecht hat zu wissen, wo seine Wurzeln sind?
Und wenn die beiden es mal erfahren, wie geht es einem damit, dass die biologischen "Eltern" gegen Geld ihr Erbgut verkauften?

Mein Problem ist, dass ich eigentlich nicht so denken will. Ich habe ihr jahrelanges vergebliches Bemühen um ein Kind ja mitverfolgt und auch, wie grenzenlos traurig und enttäuscht sie nach Fehlversuchen waren. Und ihre unglaubliche Freude, als sie dann ihre entzückenden Kleinen im Arm hielten. Für die beiden freue ich mich wirklich von Herzen. Und trotzdem kriege ich dieses Gefühl nicht aus mir raus, dass es den Kindern gegenüber nicht richtig ist.

Mich würde jetzt einfach interessieren, wie andere darüber denken.
Meinen Freunden gegenüber habe ich diese Gedanken nie erwähnt und werde ich auch nie tun. Es steht mir erstens nicht zu und geht mich ja auch nichts an.
Aber vielleicht kommen von euch ein paar Inputs, wie ich selber in meinem Kopf mit meinen Gedanken klar komme. Leider geht mir das ständig durch den Sinn, wenn ich die Kids sehe.
Bin über eure Meinungen dazu gespannt🤗

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Ich finde, Elternschaft hat nicht zwangsläufig etwas mit Genetik zu tun, da unterscheide ich zwischen Eltern und Erzeugern. Ich definiere Vater und Mutter als die Personen, die das Kind bedingungslos lieben, immer für es da sind und liebevoll auf seinem gesamten Weg durchs Leben begleiten. Dazu muss ein Kind aber nicht die Gene von Vater und Mutter haben.

Mir ist aber durchaus klar, dass manche ein Bedürfnis haben, ihre “Wurzeln” und somit die genetischen Erzeuger kennenzulernen. Diesem Wunsch sollte man dann nicht im Weg stehen und das ist doch auch bei Eizellen- und Samenspende möglich, oder täusche ich mich da?

Von daher finde ich Eizellen- und Samenspende und auch Leihmutterschaft völlig ok, genauso wie Adoption.

Ich glaube, viel hängt auch damit zusammen, wie man mit der Situation dem Kind gegenüber umgeht. Ich könnte mir vorstellen, wenn man kein Geheimnis darum macht oder generell ein riesiges Gewese, ist es für die Kinder auch nicht dramatisch zu wissen, wie sie entstanden sind und dass es eine Frau oder einen Mann gibt, die/der bei ihrer Entstehung geholfen hat. Bei der Gelegenheit könnte man als Eltern auch die Wertschätzung und Dankbarkeit an diese Personen ausdrücken und die Spende als ein positives Geschenk vermitteln.

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Ja, das habe ich mir auch schon gedacht, wenn alles offen ablaufen würde und die beiden auch die Möglichkeit haben, ihre biologischen Eltern kennenzulernen, dann wäre das irgendwie besser. Aber die Spender wollen anonym bleiben und auch meine Freunde wollen das Thema nicht am Tisch haben. Vielleicht sagen sie es den beiden mal, wenn sie älter sind, keine Ahnung.
Natürlich zählt nicht Genetik in erster Linie, sondern wer einen liebevoll durch die Kindheit begleitet.
Ich finde es nur irgendwie befremdlich, dass ihnen eine komplett andere Herkunft vorgespielt wird, als sie eigentlich ist ich weiß nicht, wie man reagiert, wenn man erfährt, man ist das Kind einer Eizellenspenderin und eines Sanenspender, zwei fremde Menschen, die sich nicht mal untereinander kennen?

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Auch mit dem Wunsch nach Anonymität der Spender kann man ja gut umgehen, aber wie ich finde eben nur dann, wenn das Thema nicht als Geheimnis gehandhabt wird, von dem die Kinder irgendwann vielleicht mal erfahren. Womöglich dann auch noch “aus Versehen”. Das könnte bei den Kindern dann natürlich durchaus zu verständlichen Irritationen führen.

Ich kann den Umgang der Familie mit der Spende nicht ganz nachvollziehen, aber am Ende ist es ihre Entscheidung. Man kann dann nur hoffen, dass die Kinder es gut aufnehmen, wenn ihnen ihre genetische Herkunft irgendwann eröffnet wird 🤷🏻‍♀️ Vielleicht denken sie ganz pragmatisch darüber, was ich für sie hoffe.

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Hallo,

vielleicht solltest du in eine andere Richtung denken. Diese Kinder gibt es nur, weil deine Freunde sich Kinder gewünscht haben. Es sind aus meiner Sicht Bonuskinder.

Denn weder die Eizellenspenderin noch der Samenspender wollten auf dem "konservativen" Weg leibliche Kinder in eigener Obhut aufziehen.

Die Spender hätten, wie die meisten von uns schlichtweg nichts tun können und Samen und Eizelle durch Verhütung einfach verwerfen können.... weißt du, was ich meine? Bei jedem Sex mit Verhütung entstehen KEINE Kinder, obwohl sie sicherlich fanatische Menschen gewesen wären.

So.. und dann sind da eure Freunde, die sich von Herzen Kibder wünschen und dank Spendern diese Möglichkeit bekommen.

Eine WinWin Situation für alle!

Die Kinder werden geboren statt verhütet und alle sind glücklich.

Unser Sohn wurde nach eine Fehlgeburt geboren, ein komischer Gedanke, dass es ihn nicht gegeben hätte, wäre es mit dem 1.Baby nicht schief gegangen... es hat so sein sollen und eure Freunde haben ihr Glück beim Schopf gepackt...

VG

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Danke dir für deine Antwort, das sind Gedanken, die mir noch nicht gekommen sind und einen neuen Blick auf alles werfen.
Da hast du unbedingt recht👍

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Wir stehen vielleicht auch bald vor diesem Schritt, ist unsere einzige letzte Chance haben die Ärzte gesagt. Aber es sind die Überlegungen und Bedenken, die du benennst, die mich selbst in diesen zerrissenen Konflikt und in eine endlose Grübelschleife bringen 😒

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Nehmt die Chance an, wenn ihr sie bekommt 👍
Ich finde, ilka hat eine sehr gute Antwort gefunden. Würden die Spender ihre Eizelle / Samenzellen nicht abgeben, würden sie verworfen werden. So entsteht ein Kind.
Und ich finde es auch gut, wenn auch den Kindern ihre Entstehung offen erklärt wird.
Was mich persönlich ja so irgendwie stößt an dem ganzen ist eben die Tatsache, dass den Kindern die wahre Herkunft verschwiegen wird. Das finde ich nicht so gut, auch wenn meine Freunde wirklich liebevolle Eltern sind und ich es ihnen von Herzen gönne. Wie oben beschrieben habe ich ihren Leidensweg ja mitverfolgt, und auch miterlebt, wie furchtbar die ewigen Rückschläge für sie waren. Meine Freundin begann ihren Körper zu hassen, hielt ihn für minderwertig, weil er nicht in der Lage war, ihr ein Kind zu schenken. Das war schon eine schlimme Zeit 🙁

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Ich selbst habe etliche erfolglose Behandlungen hinter mir.

Ich bin noch nicht so weit, es mit eigenen Eizellen aufzugeben, aber viel fehlt dazu nicht mehr. Eizellspende ist für uns eine Alternative.

Ich würde es den Kindern nicht verheimlichen, sondern von Anfang an offen damit umgehen. Vielleicht ist es für die Kinder eine gewisse Belastung. Aber es gibt Schlimmeres.

Die Kinder wachsen in meinem Bauch heran, da finde ich die Tatsache, dass sie genetisch nicht von mir sind, zweitrangig.

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Hey, ich erzähle mal von mir.
Ich bin mit meinen Eltern und zwei Brüdern aufgewachsen, wir sind eine tolle Familie und lieben uns sehr.
Als ich 16 war, habe ich meine Geburtsurkunde gefunden und da stand beim Vater ein anderer Name, ich war im ersten Moment geschockt und habe meine Eltern darauf angesprochen und sie haben alles erklärt.
Mein einer Bruder und ich, haben einen anderen Vater und der jüngere stammt vom jetzigen ab.
Unsere Eltern wollten uns das sagen, aber über die Jahre hat sich das denn irgendwie nicht mehr ergeben.
Mein Vater hatte sehr große Angst das wir ihn abstoßen und nicht mehr akzeptieren.
Wir lieben ihn über alles, er ist unser Vater, der uns liebte, Fahrrad fahren beigebracht hat, bei dr Einschulung oder sonstigen Ereignissen dabei war, uns zum Training gefahren hat und immer für uns da ist wenn wir ihn brauchen. Uns beide macht es nichts aus, wir stammen von ihm ab, nicht von der Genetik Familie die uns nicht wollte. Und die Menschen die spenden, bin ich unsagbar dankbar, das die für Menschen die keine eigene Kinder bekommen können, das ermöglichen.
Mich interessiert es nicht von wo ich abstammen, ich lebe hier in einer wunderbaren Familie, mit Menschen die mich lieben.
Klar gibt es Unterschiede, das andere es auch wissen möchten und das ist deren gutes Recht.
Es gibt auch offene ezs und Samenspende, das entscheidet jeder für sich.
Ich bin auch gerade am Anfang der ezs, weil ich mit 33 Jahren die Diagnose bekommen habe, vorzeitige wechseljahre und werde dadurch keine eigenen (genetische) kinder bekommen. Aber trotzdem entsteht es in meinem Bauch und weil ich eins möchte und ich werde es lieben, so wie unser Vater uns liebt.
Ich möchte nur damit sagen, ich bin glücklich damit, so wie es ist / gelaufen ist, weil ich dankbar bin so eine tolle Familie zuhaben, die mich lieben, die mich wollten.
Jeder muss es für sich entscheiden, wie er es für richtig hält, ob es den Kindern sagen oder auch nicht.
Sie sind da, weil ich es wollte, sie sind GEWOLLTE Kinder

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Ich messe der genetischen und/oder biologischen Abstammung nicht allzu viel Gewicht bei. Das ist doch letzten Endes irrelevant. Wichtig sind die Menschen, die sich um die Kinder sorgen, sie lieben, schützen, sie all das lehren, was für das Leben wichtig ist. Das ist es doch, was Elternschaft ausmacht. Nicht der Samen oder die Eizelle.

Wie viele Kinder mag es wohl geben, die bei einem One-Night-Stand entstanden sind und später zur Adoption freigegeben wurden? Auch da kennen sich die biologischen Eltern nicht (wirklich). Davon, wie viele Männer es gibt, die nicht einmal etwas von ihrer Vaterschaft wissen (und damit zusammenhängend Großeltern, Onkeln, Cousinen etc.), fange ich gar nicht erst an.

Den Kindern würde ich es vermutlich so erklären, dass es Menschen gibt, die etwas von sich spenden, damit andere leben oder glücklich sein können. Blut, Eizelle, Knochenmark etc.. Viel mehr ist es in meinen Augen auch nicht. Eine Eizelle ist eine Zelle. Biologisches Rohmaterial, wenn du es so willst. Okay, nicht ganz, aber die paar Chromosomen machen den Menschen, der sich im Laufe seines Lebens daraus entwickelt, nicht aus.