Hilfe - wie finanziert man einen Platz im Pflegeheim?

    • (1) 04.05.07 - 07:21

      Guten Morgen, Ihr Lieben,

      meine Schwiegermutter muss am Montag nach fünfeinhalb Wochen im KKH zur Kurzzeitpflege in ein Pflegeheim. Pflegestufe II ist beantragt.

      Da es klar ist, dass sie definitv weiterhin pflegebedürftig bleiben wird, fragen mein Mann und ich uns nun, wie ein normal sterblicher Alleinverdiener mit Familie die Unterbringung eines Elternteils in einem Pflegeheim finanzieren soll. Uns wurden für die monatlichen Kosten Zahlen von 2.500 bis 3.500 Euro um die Ohren geschmissen. Wie soll das denn gehen???

      Die Pflege zuhause wäre mit enormen Schwierigkeiten verbunden. Erstens sind die Zimmer in unserem 300 Jahre alten Häuschen sehr klein und niedrig - da würde das Krankenbett von der Höhe her vermutlich schon gar nicht rein passen. Zweitens müssten wir das gesamte Erdgeschoss mitsamt Eingangsbereich Rollstuhl gerecht umbauen. Und drittens sehe ich mich als Mutter eines 21 Monate jungen Kindes außer Stande, ausreichend Zeit für die häusliche Pflege meiner Schwiegermutter aufzubringen. Vermutlich würde es auch daran scheitern, dass ich absolut nicht in der Lage bin, ihr etwaige Schmutzwindeln zu wechseln, ohne jedes Mal mein Mageninneres dazu zu geben.

      Während sie im KKH lag, wurden wir mindestens 7 Mal angerufen und auf das baldige Ableben unserer (Schwieger-) Mutter vorbereitet. Wir saßen zuhause und haben geheult. Bei jedem Telefonklingeln sind wir zusammengeschreckt und haben befürchtet, dass nun die Hiobsbotschaft käme. Und am Dienstag hieß es dann plötzlich aus heiterem Himmel "Ein Wunder!" und "Wie haben Sie sich das eigentlich künftig mit der Pflege vorgestellt?!?"

      Tja - und seitdem haben wir schlaflose Nächte, weil wir keinerlei Erfahrung haben und auch keine Ahnung, wie das organisatorisch und finanziell zu schaffen sein soll.

      Könnt Ihr mir bitte viele Tipps und Ratschläge geben, wie das zu bewältigen sein soll und/ oder wie Ihr das macht oder gemacht habt? Wir kriegen keinen klaren Gedanken mehr zustande, weil wir uns momentan absolut überfahren fühlen. Die ganze Zeit rechnet man damit, eine Beerdigung ausrichten zu müssen und dann kommt mit einer eigentlich schönen Botschaft gleich der nächste Hammer. Wie soll man das nur bezahlen?

      Danke Euch ganz herzlich für Eure Hilfe und für Euren Rat.

      Verzweifelten Gruß,
      das völlig fertige liebelain

      • (2) 04.05.07 - 07:29

        Deine Schwiegermutter bekommt ja sicher Rente durch sich selbst oder ihren Ehemann?

        Diese wird als erstes herangezogen.

        Dann bekommt sie Geld für die Pflegestufe. Wenn Stufe 2 durch ist, wird das auch schon einiges bewältigen.

        Der verbleibende Rest für das Heim wird dann sozial getragen werden müssen.

        Dein Mann wird offenlegen müssen, wie sein Verdienst und seine nicht abänderbaren Ausgaben sind. Demnach wird beurteilt, ob und wieviel er dazu beitragen kann, seine Mutter zu unterstützen. Sind noch mehr Kinder da? Dann wird dieser Einkommensnachweis von allen verlangt.

        Im Ende wird der Restbetrag durch das Sozialamt aufgebracht werden müssen.
        Wie genau das abläuft, weiß ich nicht, aber man kann euch nicht dazu heranziehen, wenn kein Geld da ist.

        Gruß Hezna #klee

        • (3) 04.05.07 - 07:35

          Hallo Hezna,

          danke Dir für diese hilfreichen Informationen. Es gibt noch einen Bruder, vermutlich arbeitslos, selbst Sozialfall und wir haben keine Ahnung, wo der ist (absolut keinen Kontakt seit mehr als 15 Jahren). Von dem ist ganz sicher absolut gar nichts zu erwarten.

          Unsere Befürchtungen gehen halt dahin, dass sie uns die Kosten aufdrücken, weil wir ein eigenes Haus haben (das Haus der Vorfahren meines Mannes), oder uns die Lebensversicherung beleihen. Die holen doch immer alles, was zu holen ist.

          Bin völlig am Ende mit den Nerven. Danke für Deinen Rat.

          LG, liebelain

      Erstmal muss ich sagen, dass ich es unmöglich finde, dass das KKH euch mit der Info so im Regen stehen lässt.... Die Häuser, in denen ich gearbeitet habe, hatten für solche Fälle extra Sozialarbeiterinnen angestellt, die mit den pflegebürftigen Patienten und den Angehörigen zusammen besprochen haben, wie es nun weitergehen kann/soll. Auch finanziell.
      Fragt doch vielleicht mal nach, ob es in eurem KKH auch so etwas gibt?

      Ansonsten kenne ich mich da leider nicht 100% aus, aber so schlimm, wie ihr euch das jetzt denkt, wird es wohl nicht.

      Kosten für das Pflegeheim sind zunächst zu tragen von:

      -Rente/Einkommen/Vermögen der zu pflegenden Person (hat sie selbst ein Haus/anderweitige Wertgegenstände werden die wohl verkauft werden müssen)

      -Geld aus der Pflegeversicherung.

      Deckt das die Kosten des Heimes nicht, wird geschaut, ob die Verwandten in direkter Linie dafür aufkommen können/müssen. Habt ihr von der SchwieMu in den letzten (10?!) Jahren größere Summen Geld oder Schmuck oder ähnliches geschenkt bekommen? Das müsst ihr (glaube ich) auf jeden Fall für den Heimplatz der SchwieMa verwenden.
      Falls nicht (oder falls das nicht reicht) werdet ihr (und die Geschwister deines Mannes, aber der Bruder kommt hier ja wohl nicht in Frage...) wohl eure Einkommensverhältnisse offenlegen müssen. Ich weiß nicht genau, wie hoch da die Grenzen sind, aber soweit ich weiß, muss man echt schon ne Meeeeenge verdienen, um für die Eltern unterhaltspflichtig zu sein.Und auch hier weiß ich nix genaues, aber ich habe noch NIE gehört, dass eine junge Familie wegen der Pflege ihrer Eltern ihr Eigentumshaus veräußern mussten.
      Also erstmal Ruhe bewahren, weitere Infos einholen, ich glaube nicht, dass es so schlimm wird!


      • Hallo,

        Danke auch Dir für die tröstenden und beruhigenden Worte. Das Haus hat Schwiegermama meinem Mann erst letztes Jahr überschrieben, aber die gesamten bisher erfolgten Sanierungsmaßnahmen hat er schon seit 1991 komplett selbst bezahlt. Mal sehen, ob das irgend einer berücksichtigt, wenn sie uns die Rechnung aufmachen.

        Das Einzige, was das KKH gemacht hat, ist, die Pflegestufe zu beantragen. Bei allen anderen Fragen hieß es gestern "Da kann ich ihnen nicht helfen, das weiß ich nicht." Und wir müssen halt jetzt schauen, wie wir mit dieser völlig neuen Situation klar kommen und wo wir uns schlau machen können. Zum Glück habe ich Euch hier bei urbia.

        Danke Dir nochmals ganz herzlich für den Rat.

        Lieben Gruß,
        das immer noch sehr aufgewühlte liebelain

        • (8) 04.05.07 - 09:18

          Hallo,

          ich denk schon, dass das Haus berücksichtigt wird, zumal es ja erst so kurz überschrieben ist. Und mal ehrlich, hättet Ihr gekauft, müßtet Ihr ja auch sicherlich Abtrag noch zahlen...
          Ich finde es schon fair, dass erst die Familie (speziell, wenn gerade Vermögen überschrieben) wurde, am Zug ist, bevor die Allgemeinheit die Kosten übernimmt.

          LG,

          Andrea

          • (9) 04.05.07 - 09:27

            Stimmt schon, aber wenn man sich ein Haus kauft, kann man selbst entscheiden, ob man sich diese Kosten aufhalst oder nicht. Hier ist überhaupt nichts freiwillig, hier hat man keine Wahl. Und das finde ich nicht schön - besonders, weil wir eine junge Familie sind und eigentlich mit der Planung in dieser Richtung noch nicht abgeschlossen hatten.

            LG,
            liebelain, immer noch ratlos

            • Hallo liebelain,

              oh man, das gleiche machen wir auch gerade durch mit meiner Schwiegeroma und wir haben keine allzu guten Erfahrungen gemacht. Allerdings hat der Sozialdienst des krankenhauses sich sehr bemüht und uns auch den Heimplatz besorgt. Das fand ich super.
              Nun, das mit dem Haus ist so eine Sache. Wir waren bereits beim Sozialamt und wir haben Bauklötze gestaunt wie reich Oma ist. Also, als erstes wird das Vermögen Deiner Schwiegermutter rangezogen bis auf ein Schonvermögen von 2600,-. Dazu gehören Lebensversicherungen, Bargeld, Sparbücher, etc.pp. Das muß als erstes verwendet werden. Wegen der Rente haben wir eine Überleitung gemacht, d.h. die wird nun direkt an das Heim gezahlt. Dann wird von der Pflegestufe noch der Teil gezahlt und der Rest dann vom Vermögen/Sozialamt.
              Wir wurden beim Sozialamt gefragt, ob in den letzten 10 Jahren Schenkungen vorgenommen wurden. Auch an Nachbarn! Wie sollen wir das bitte wissen? Egal.
              Also im Bekanntenkreis ist ein Fall, da hat die Mutter dem Sohn ein grundstück geschenkt und schwupps, der Sohn durfte einen Kredit aufnehmen, um den Wert des Grundstückes für das Heim aufzuwenden.
              Das ist eine höcht komplizierte Sache mit dem Sozialamt und habe auch 20x nachgefragt.
              Zumal man ja evtl. auch noch lfd. Kosten der Schwiegermutter (Miete, VErsicherungen, etc. pp) zu zahlen hat.
              Wenn Du Sozialleistungen brauchst mußt Du das unbedingt vor der Heimaufnahme beim Sozialamt anzeigen, denn erst nach dem Antrag werden Leistungen gezahlt. Sollte Deine SMutter am 1.6. ins Heim kommen und Du rufst am 15.6. erst beim Sozialamt an, dann bekommst Du für die Zeit vom 1.-14. kein Geld.
              Schau mal, ob Du nicht den Sozialdienst im Krankenhaus mehr nutzen kannst. Ohne den wären wir noch ratloser gewesen, als eh schon.
              Und bei uns war es auch Hals über Kopf.
              Weiß nciht, ob ich Dir helfen konnte. Kannst aber gerne noch über VK melden.
              Gruß
              Andrea

              • Danke auch Dir, liebe Andrea, für Deine Erfahrungen und dass Du sie mit mir teilst. Ich werde heute Abend erst einmal alle Informationen, die ich hier schon von Euch Schätzen erhalten habe, mit meinem Mann auswerten und dann haben wir ja am Wochenende Zeit, einen groben Plan auszuarbeiten. Am Montag kommt meine Schwiegermutter nun ja zunächst erst einmal in diese Kurzzeitpflege. Das Pflegeheim ist nur gute 5 Minuten mit dem Auto von zuhause entfernt und wäre ideal für ihre dauerhafte Unterbringung. Und dann werden wir entweder mal einen Rechtsanwalt befragen oder direkt zum Amt marschieren, um zu erfahren, ob wir überhaupt eine Unterstützung erwarten dürften.

                Danke für Dein Angebot, Dich über VK zu kontaktieren. Eventuell komme ich in den nächsten Tagen darauf zurück.

                Ganz herzlichen Gruß,
                liebelain mit der Angst, dass alles ganz übel enden wird

                • Hallo nochmal,

                  also ich hatte auch schlaflose Nächte, denn ich habe auch schon die Dollarzeichen in den Augen gehabt. An uns kommt das Amt nicht ran, also an den Enkel, sondern nur an Kinder. Natürlich mußten wir alle Kinder mitteilen und auch Sterbeurkunden vorlegen.
                  Naja, ich wollte Dir jetzt nur sagen, dass das alles erstmal sehr viel und sehr undurchsichtig erscheint, aber langsam lüftet sich das alles etwas.
                  Schau, Oma ist jetzt seit gut 1 Monat im Heim und wir sind jetzt schn relativ weit. Habe gerade wieder ein Schreiben ausgesetzt und wenn wir das erledigt haben, dann ist alles nur noch halb so schlimm. Will Dir damit nur sagen, dass das auch ganz viele Leute vor uns schon geschafft haben und wir das dann wohl auch schaffen.
                  Bei uns ist es nur etwas doof, weil mein Mann Betreuer ist und ich dadurch nicht viel regeln kann, obwohl ich die zeit hätte. Und dann wird man auch noch blöd angemacht.
                  Also, Kopf hoch. Sieht derzeit alles schlimm aus, aber ich sag mal nach den ersten zwei Wochen, die vielleicht doch sehr zeitintensiiv sind, läuft es dann schon.

                  Alles Gute Dir und Deiner Familie#blume
                  Andrea

              "Also im Bekanntenkreis ist ein Fall, da hat die Mutter dem Sohn ein grundstück geschenkt und schwupps, der Sohn durfte einen Kredit aufnehmen, um den Wert des Grundstückes für das Heim aufzuwenden. "

              Ja, mal ehrlich, so unschön das für den Betroffenen dann ist, es ist doch nur fair, oder?
              Es kann ja nicht sein, dass das Vermögen rechtzeitig verschenkt wird und die Allgemeinheit dann bezahlt, oder?

              Gruß,

              ANdrea

              • Hallo Andrea,

                ich wollte jetzt keine Diskussion auslösen, nur einen Fall schildern. Vom Grundsatz her ist es sicher fair, dass erst das Vermögen aufgebraucht wird und Schenkungen rückgängig zu machen sind, aber man kann nicht jedem unterstellen, dass das rechtzeitig verschenkt wird. Es gibt auch Pflegefälle, die nicht altersbedingt sind.
                Und was ist, wenn man den Kredit nicht bekommt? Dann steht man dumm da, kann das Grundstück unter Wert verkaufen und muß sich das trotzdem in voller Höhe als Vermögen anrechnen lassen? Ist auch nicht so prickelnd, oder?
                Naja, es kommt immer auf den Einzelfall an, finde ich.
                Gruß
                Andrea

          (15) 04.05.07 - 11:16

          Ihr hättet doch das Haus nicht nehmen müssen? Ich meinte das anders - wäre das Haus noch im Besitz Deiner Schwiegermutter, könnte sie für Ihren Heimaufenthalt aufkommen, dann müßte es eben verkauft werden. Und Ihr spart ja Miete oder sonstige Kosten durch die Überschreibung. Damit, dass Eltern oder Schwiegereltern pflegebedürftig werden, muß man leider rechnen aber nachdem Ihr offensichtlich Ihr ganzes Vermögen bereits bekommen hat, finde ich es nur recht und billig, dass Ihr auch für Ihren Unterhalt jetzt aufkommt...
          Viel schlimer ist das doch für Familien, wo eben kein Vermögen da war, da werden die Kinder "ohne Gegenleistung" zur Zahlung herangezogen, da verstehe ich dann, wenn sich beschwert wird.

          Gruß,

          Andrea

    Ohjeee, dass mit dem gerade erst überschriebenen Haus wird wahrscheinlich wirklich Schwierigkeiten geben. Ich denke schon, dass die Sanierungskosten etc umgerechnet werden, ich würde an eurer Stelle aber dann doch mal einen Anwalt aufsuchen....

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