Wie kann man den eigenen Perfektionismus runter schrauben?!

    • (1) 15.05.14 - 03:11

      Kann man das lernen?!

      Ich habe zwei Kinder (drei Jahre bzw knapp vier Monate alt) und bin super gerne Hausfrau und Vollzeit-Mama (zu uns gehören noch drei Katzen).

      Allerdings drehe ich mich oft im Kreis, da ich gefühlt nie fertig werde. Irgendwas bleibt immer liegen und das erledige ich dann nachts, bin ja eh wach vom stillen. Nachts schnell die Böden oder den Staub wischen, Wäsche aufhängen oder was auch immer.

      Ich bin ständig in Gedanken. Beim spielen mit den Kindern denke ich an den Haushalt und beim Haushalt machen habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Großen.

      Würde mich einfach gerne mal wieder abends auf der Couch hinlegen und TV schauen oder was lesen. Aber da bin ich dann meistens so müde dass ich zusammen mit meinen Kindern einschlafe.

      Also ich finde es (noch) nicht so schlimm, meinem Mann ist es sowieso egal ob ich alles schaffe oder nicht. Trotzdem hätte ich gerne etwas mehr Gelassenheit.

      Vielen Dank!

      • Huhu,

        bei mir kam das nach der Stillzeit vom 2.. Ich finde die Zeit in der man stillt oder abpumpt nicht "entspannt" genug als das man irgendwas ändern kann. Grad bei 2 Kindern versucht man alles unter einem Hut zu bekommen und will beiden Kindern gleich gerecht werden.
        Später wenn man nicht mehr stillt, hat man ja wieder einen komplett neuen Tagesablauf, du schläfst nachts wieder usw.
        Dann würde ich an deiner Stelle erst anfangen an deiner Gelassenheit zu arbeiten.

        Lg

        Hallo,

        ich bin ein Fan von Listen. Überlege dir, welche Aufgaben du täglich erledigen mußt, welche aber auch einmal die Woche reichen. Ich denke, mit 3 Katzen wirst du schon täglich saugen müssen, aber muß auch täglich gewischt werden? Es ist ja schon heftig, wenn du nachts die Hausarbeit machst, aber dafür dann auf der Couch einschläfst ????...

        Vielleicht solltest du dir auch überlegen, wessen Erwartungen du eigentlich erfüllen willst. Ist es wirklich dir persönlich wichtig, dass die Fenster jederzeit klar sind und keine Abdrücke von Kinderhänden zu sehen sind, oder meinst du, die Nachbarn könnten schlecht über dich denken? Deinen Mann scheint es ja nicht so zu stören...

        Und wenn ein Tag mal so gar nichts klappt, sag deinem Mann, was noch zu tun ist und wobei du Hilfe brauchst - wobei ihr auch dann nicht im Chaos versinken werdet ????.

        Viele Grüße,

        Tatjana

        Hallo shiningstar,
        wow, mich hat zuerst schon mal die Uhrzeit beeindruckt, zu der du diese "Lebensfrage" geschrieben hast!!!

        Ja, man kann lernen den eignen Perfektionismus runter zu schrauben. Der Anfang ist schon mal, zu erkennen, dass der eigene Perfektionismus für dich selbst nicht nur Heil bringt und du gewillt bist, daran etwas zu ändern.

        Die Schwierigkeit: es gibt leider, wie bei so vielen eingeschworenen Verhaltensweisen nicht einfach einen Hebel, der umgelegt wird. Bei lang Erlerntem und Gelebtem dauert es etwas, bis die eingespielten Verhaltensweisen und Muster wieder verlernt bzw. neu entstehen.

        Positiv ist, dass du schon mal die Unterstützung deines Partners hast. Wenn du die Veränderung angehen möchtest, dann rate ich dir, kleine Schritte zu tun. Das heißt z.B. bewußt etwas "nicht zu tun", bspielsweise den Staub noch zwei Tage liegen zu lassen. Beobachte dabei, was mit dir passiert, wenn du das aushältst. Welche Gedanken kommen dabei hoch, welche Gefühle? Stört es jemanden, habe ich dadurch weniger Freunde, weniger zufriedene Kinder, weniger Lob eines wichtigen Menschen... etc.?

        Letztendlich bedarf es sehr viel Selbstreflexion und Übung, die du angeleitet evtl. auch durch einen psychologischen Berater/in oder Therapeuten/in bekommst.

        Das Thema "schlechtes Gewissen" ist auch damit verbunden. Dein schlechtes Gewissen zeigt dir, dass du eine Regel verletzt hast, die du dir selbst auferlegt hast. Beispiele für solche Regeln können sein: "Ich muss immer Zeit für meine Kinder haben!" oder "Meine Wohnung muss immer so sein, dass ich Besuch empfangen kann!" Um dieses ungute Gefühl (= schlechtes Gewissen) los zu werden, gilt es an den Regeln zu basteln, sie neu zu formulieren, so dass sie in deiner aktuellen Lebenssituation nicht ständig verletzt werden. Auf meine Beispiele bezogen könnte das bedeuten: " Ich gebe meinen Kindern 2 Stunden am Nachmittag, an denen ich mich voll und ganz ihnen widme." Oder " Ein Raum in meiner Wohnung ist immer so, dass ich Besuch empfangen kann."

        Aber auch diese Umformulierung der Regeln bringt nicht immer sofort ein gutes Gewissen, denn die neuen Regeln müssen sich erst in uns etablieren.

        Evtl. könnte dir vorerst helfen, dass du klare Zeitfenster für "kinder" bzw. "Haushalt" definierst und die auch konsequent einhältst. Wie eine Vorrednerin auch vorgeschlagen hat, Hausarbeiten in einem Plan festlegst, d.h. jeder wiederkehrenden Arbeit einen festen Tag und Tageszeit zuweist und sie auch nur dann erledigst. Evtl. dir für die Zeit, in der die Kinder noch so klein sind Unterstützung für euren Haushalt bzw. Putzen holst.

        Und vor allem nachts dir deine Erholung im Schlaf holst und weder Haushalt noch Internet Aufmerksamkeit bekommen. Ganz wichtig: um wieder aufzutanken, ist genügend Schlaf und ein regelmäßiger Schlafrhytmus sehr wichtig! Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin sind Schlaf, Nahrung und Luft die einzigen Quellen, um Lebensenergie aufzufüllen.
        Wer jeden Tag so viel Energie gibt, muß auch dafür sorgen, dass wieder genügend Energie aufgetankt wird!

        Liebe shiningstar, ich möchte dir Mut und Kraft zusprechen, du bist eine besorgte und selbstkritische Mama, die bei all den Aufgaben des Alltags, sich und ihre Bedürfnisse nicht außer Acht lassen darf.

        Stehe deinen weiteren Fragen, gerne zur Verfügung.
        Gruß, Alexandra Geißler-Wölfle

      • Hallo
        ich kann Dich sehr gut verstehen, ich habe bei meinen ersten 3 Kinder immer wieder sofort nach 3 Monaten angefangen zu arbeiten, wollte aber das mein Haushalt perfekt ist , ich Zeit mit den Kindern habe und bin dann meistens um 21.00 schon auf dem Sofa eingeschlafen , leider hatte ich bei meinen Kids auch kein Glück mit dem schlafen so das ich dann meistens wieder Nachts auf wahr und dann nur noch kurz bevor ich zur arbeit mußte knapp ein 1 Stunde schlaf oder gar nix hatte. Beim 4 Kind jetzt bin ich zuhause geblieben und versuche es immer alles ein bißchen lockerer mit meiner Wohnung zusehen, auch wenn meine Mutter immer Kommentare abgibt ob ich das oder dies nicht mal wider machen möchte . Sie kennt das nicht mit 4 Kindern . Versuch einfach die Dinge mal liegen zulassen, ich weiß das ist nicht einfach , ich werde manchmal auch ganz wahnsinnig wenn was rumliegt und ich es nicht geschafft habe es weg zu räumen, aber ich arbeit daran!!

        LG

        Hallo,

        ich finde es gibt wichtigeres als eine blitzblanke Wohnung. Zumindest kommt bei mir sehr vieles vorher, natürlich die Kinder, schöne Unternehmungen, aber auch meine Gesundheit und Zeit für mich - auch zum faulenzen, denn das Brauch ich auch.
        Bei mir war das allerdings immer schon so, doch inzwischen steh ich mehr dazu, dass es bei uns nicht so perfekt aussieht.

        Die Frage ist, welche Wertigkeit bei Dir so vorherrscht und, ob Du das so lebst wie es Dir wichtig ist. Wenn Du es wirklich wichtig findest, dass es immer ordentlich ist, dann geht es eher um bessere Organisation, Hilfe o.ä. Wenn Dir aber eigentlich andere Dinge wichtiger wären und Du es z.B. bei anderen nicht problematisch findest, wenn es nicht perfekt ist, dann solltest Du diese Wertigkeit auch in Deinem Leben, vor allem für Dich selbst, klarer formulieren und dazu stehen.

        Verstehst Du wie ich das mein? Ich finde es einfach unwichtig angesichts der kurzen Lebenszeit, die wir auf diesem Planeten mit unseren Lieben verbringen dürfen. Unsere Kinder werden sich kaum an die staubfreien Oberflächen erinnern, aber wohl eher, ob Du mehr oder weniger Zeit für sie gehabt hast ... Ich kenne zu viele Mütter, die allzu früh verstorben sind oder mit Krebs o.ä. gekämpft haben, das macht mir jeden Tag bewußt, was mir wirklich wichtig ist. Ein Gedanke daran läßt mich wieder runter kommen, wenn ich manches "Problem" zu wichtig nehm. (bei mir ist das jedoch öfter der Ärger über da Mega-Chaos im Kinderzimmer und die Auseinandersetzungen mit meinen Mädels ;-))

        Lg
        Bianka

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