Wie kann ich geduldiger/gelassener werden?

    • (1) 07.05.15 - 10:23

      Ich habe momentan echt ein Problem und zwar meine Ungeduld und meine Unfähigkeit meine genervtheit nicht auf mein Baby zu übertragen.
      Sie ist jetzt 8 Monate und steckt mitten in der 8-Monatsangst. Sie braucht schon immer viel Nähe und ich hab vollstes Verständnis für sie. Ich versuche auf ihre Bedürfnisse einzugehen und sie gelassen zu erfüllen, auch wenn es mir streckenweise schwer fällt sie ständig an mir kleben zu haben. Selbst auf dem Spieleteppich wird nur auf mir gespielt, anstatt neben mir.

      Nachts wird sie nach wie vor zum Dauernuckeln wach und braucht Nähe. Tagsüber schläft sie nie länger als 30 Minuten und das über 3 Schläfchen verteilt. Ich werde meinen Bedürfnissen schon lange nicht mehr gerecht. Mein Freund steht jeden tag 12 Stunden auf der Baustelle und ackert bis zum Umfallen für uns und renoviert nach Feierabend unser Haus. Mir ist bewusst, dass alles nur eine Frage der Zeit ist bis sich was ändert und andere Frauen müssen da auch durch, ABER.....ich werde durch die Erschöpfung aggressiv und das macht mir fürchterliche Angst! Sobald sie mir nicht schnell genug einschläft oder irgendwas mich grade fürchterlich nervt, dann verlier ich für sekunden die Fassung und könnte ausrasten. Nicht jeden Tag, um Gottes Willen, aber alle Woche bestimmt und es wird häufiger. Ich schnauz sie an, beiß mir in die Hand und raste kurz mal aus und strampel dabei wie ein Kleinkind. Es ist eine Affekthandlung und ich kann nichts dagegen machen. Meine Angst ist, dass ich es an ihr auslassen könnte. Es muss doch eine Lösung geben, wie ich gelassener werden kann :-(

      • Hallo,

        ich kann Dir nur einen Tipp geben:

        Nimm Dir Zeit für Dich!

        Hast du die Möglichkeit dein Baby mal zur Oma zu bringen? Oder zu anderen Vertrauenspersonen? In der Zeit kannst du wieder Energie tanken.. schlafen, lesen, baden.. egal was.. einfach wieder auftanken und Kraft schöpfen.

        Glaube mir.. es wird Dir und Deinem Baby gut tun! Denn wenn die Mama entspannt ist, ist es das Baby auch!

        #herzlich

        (3) 07.05.15 - 12:09

        Diese Gefühle kenne ich nur zu gut. In der Babyzeit hatte ich auch alle paar Wochen hatte ich auch den Megaausraster. Mir hat es geholfen, diese Wut rauszulassen. Ich bin dann immer in ein Nebenzimmer und hab da meine 15-30 sek gewütet.

        Was mir aber am Ende noch mehr geholfen hat und diese Wutanfälle weniger hat kommen lassen, war AKZEPTANZ. Ich musste bewusst akzeptieren, dass mein Sohn selten länger als zwei Stunden am Stück nachts schläft, dass er Körperkontakt braucht, dass er zu bestimmten Phasen viel getragen werden will, dass er nur zu mir will und nicht zu Papa, dass er nur länger als 30 min. geschlafen hat, wenn ich ihn im Kinderwagen gefahren habe (nicht stehen bleiben!) usw. Das war ein längerer Lernprozess, das geht leider nicht von heut' auf morgen. Aber irgendwann hat man festgestellt, dass man die Situation gelassener nimmt.

        Und auch wenn man es manchmal nicht glauben mag, irgendwann wird es besser!

        Irgendwann fing er an super Mittagsschläfchen zu machen, nachts durchzuschlafen, auch mal mit Papa was machen zu wollen (von allein aus) usw. Gib' dir und deinem Baby Zeit. Lass deinen Frust immer raus, ja nix in sich reinfressen und übe das akzeptieren.

        Alles Gute!

        Hallo hase2087,
        zuerst einmal vielen Dank für deinen Beitrag und den Mut von deiner Ungeduld zu berichten. Da stehst du nämlich nicht alleine da. Allerdings gibt es sehr viele Mütter, die zu ihrer Ungeduld und Genervtheit im Umgang mit ihrem Baby nicht stehen und das halte ich für sehr viel gefährlicher.

        Zuerst möchte ich auf deine Angst eingehen, dass sich deine Aggression gegen deine Tochter wenden könnte. Ich kenne dich nicht, allerdings spricht die Tatsache, dass du sehr reflektiert mit deiner Ungeduld umgehst, eher dagegen, dass du dich völlig unkontrolliert verhalten könntest und deiner Tochter schaden könntest. Und du kontrollierst dich ja, indem du dich beißt und nicht sie!

        Die Kleinkindphase ist extrem anstrengend, da das Baby zur Erfüllung seiner Bedürfnisse fast ausschließlich auf andere angewiesen ist, es also extrem abhängig macht. Wenn dann auch noch, niemand anders zur Verfügung steht, der die Betreuung mal übernehmen könnte, und somit die so wichtigen Erholungsphasen entfallen. Wenig Schlaf tut dann noch seins dazu.

        Es kommen mir verschiedene Ansatzpunkte in den Sinn:
        1. Wie kommst du zu etwas Entspannung, Freiraum? Wer könnte deine Tochter regelmäßig betreuen? Verwandte, Nachbarn, bezahlter Babysitter (dem mutet man dann auch mehr zu, falls das mit der Ablösung nicht so funktioniert) Oder vielleicht können dein Freund und du einmal in der Woche die Feierabendrollen tauschen, er passt auf die Kleine auf und du übernimmst etwas auf eurer Baustelle? Du schreibst: "Sie braucht schon immer viel Nähe und ich hab vollstes Verständnis für sie" das ist gut, aber vielleicht kann auch eine zuverlässige andere Person ihr dieses Bedürfnis nach Nähe geben, zumindest aushilfsweise.
        2. Wie kommst du zu besserem Schlaf? Da scheint mir das Schlafen lernen deiner Tochter die Stellschraube. Erlernen neuer Ein- und Durchschlafrituale funktioniert zwar nicht von heute auf morgen, aber es lohnt sich lagfristig gesehen.
        3. Was kannst du dir Gutes tun, wenn deine Tochter tagsüber schläft? 30 min Kaffee in der Sonne trinken? Zeitschrift lesen? Auf einen Sandsack einschlagen? Schlafen? Belohne dich, wenn sie Ruhe gibt.
        4. Wie kannst du deine Genervtheit nicht auf dein Baby übertragen? Lass sie raus, sprich darüber, beklage dich in Foren, bei Freunden, am besten bei anderen Müttern, die kennen die Situationen, lacht gemeinsam darüber. Es ist wichtig, dass du diese Gefühle rauslässt, selbst wenn sie zu unserem fürsorglichen Mutterbild erst einmal nicht passen. Sie sind da und sie dürfen sein! Vielleicht schreibst du gerne, dann verpacke sie in ein Tagebuch oder virtuelle Briefe an deine Tochter...

        Lieber hase2087, ich wüsche dir dass du weiterhin deine Emotionen kontrolliert rausläßt und einen Weg findest, wie du dich wieder etwas mehr spüren kannst ohne, deine Tochter an dir kleben zu haben.

        Liebe Grüße, Alexandra Geißler-Wölfle

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