Arbeitsverweigerung in der Schule (ADS)

    • (1) 10.10.14 - 06:21

      Guten Morgen Herr Schreif,
      mein Kind hat ADS und bei ihm geht es in die Richtung Träumen und Arbeitsverweigerung.
      Er macht nur das mit, was ihm passt. Die Lehrerin hat ihn auch schon in den Pausen nachsitzen lassen, wenn er wiedermal nur z.B. 5 Wörter in 3 Unterrichtsstunden geschafft hat. Selbst dann hat er nur ab und zu mitgemacht. Manchmal ist er so tief versunken, das die Lehrerin in anstupsen muss.
      Was kann die Lehrerin machen?
      Lg

      • Hallo kuschel022,

        das hört sich nach einer ausgeprägten Aufmerksamkeitsstörung an. Ich gehe angesichts der Symptomatik davon aus, dass sich ihr Sohn bereits in ärztlicher und/oder psychologischer Behandlung befindet. Besteht im Rahmen einer ADHS eine derart ausgeprägte Aufmerksamkeitsstörung, dass die Konzentration im Gruppenkontext praktisch nicht aufrecht erhalten werden kann, ist eine individuelle Behandlung der Symptomatik einschließlich einer ggf. hilfreichen Medikation angezeigt. Dies müssen Sie mit einem qualifizierten Facharzt besprechen bzw. haben Sie bereits besprochen – dann sage ich Ihnen nichts Neues.

        Im Rahmen des Schulalltags empfiehlt es sich, dass, soweit in Absprache mit der Lehrerin möglich, ihr Sohn in der vordersten Reihe sitzt. Dies erlaubt es der Lehrerin, ihn beispielsweise durch das Klopfen auf sein Heft bzw. auf den Platz vor ihm auf die Arbeit zu refokussieren. Sinnvoll ist es auch, säße er so, dass er kein anderes Kind und/oder andere Ablenkungen im Blick hat. In Hinsicht auf die Erledigung aufgetragene Aufgaben ist es wichtig, dass die Lehrerin regelmäßig auf den Stand der von ihm bereits erledigten Aufträge schaut, damit sie ihn rechtzeitig zur Fortsetzung seiner Arbeit ermahnen kann, bevor Ihr Sohn nach Ablauf von mehreren Stunden nur wenig erreicht hat und der Arbeit der Klasse hinterherhinkt. Vielleicht besteht auch die Möglichkeit, dass die Lehrerin ihn neben ein zuverlässiges anderes Kind selbst, das, parallel zur Aufmerksamkeit der Lehrerin, auf den Fortschritt Ihres Sohnes in seinen Aufgaben achtet.

        Perspektivisch kritisch ist die von Ihnen angedeutete zunehmende Verweigerungshaltung ihres Sohnes im Hinblick auf schulische Leistungen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, solchen Tendenzen, die sich in Vermeidung und Verweigerung wechselseitig verstärken, frühzeitig entgegenzuwirken. Daher sollte sowohl im Rahmen des Unterrichts als auch im Kontext der Hausaufgaben gewährleistet sein, dass Ihr Sohn seine Aufgaben tatsächlich erledigt, und sei dies auch unter beständiger Begleitung und Ermahnung. Andernfalls gewöhnt er sich ans Trödeln und Umgehen von Arbeit, insofern ist nicht realistisch erscheint, ihn nach drei Stunden vertaner Hausaufgabenzeit zum weiteren Erledigen von Aufgaben am Schreibtisch anzuhalten.

        Überlegen Sie sich, sowohl für die Ausgabensituation in der Familie als auch in Absprache mit der Lehrerin im Rahmen der Schule, ob sie konsequent aufmerksames Verhalten nicht beispielsweise durch einen Punkteplan verstärken können. Dabei ist es hilfreich, zunächst gemeinsam mit dem Kind zu erarbeiten, wie lange es für bestimmte Tätigkeiten braucht. Dann sollte ihm für Aufträge ein Zeitlimit gesetzt werden, welches zu unterschreiten eine Belohnung, zu überschreiten ggf. auch eine Sanktion mit sich bringt. Auf diese Weise können Sie ihren Sohn dazu motivieren, Tätigkeiten konsequent durchzuführen, da er sodann mehr Zeit für geliebte Aktivitäten hat.

        Natürlich ist es wünschenswert, Kindern die Erledigung ihrer Aufgaben so früh wie möglich in Eigenverantwortung zu übertragen. Bei von der ADHS betroffenen Kindern ist dies jedoch häufig nicht realistisch. Versuchen Sie immer wieder, durch klare Zeitgrenzen und beispielsweise eine entsprechend mit Markierungen versehene Uhr im Sichtfeld zur Einhaltung von Zeiträumen anzuhalten. Dennoch wird es wahrscheinlich noch einige Jahre dauern, mutmaßlich länger als bei seinen Klassenkameraden, bis er dazu in der Lage ist, solche von außen vorgegebenen, später aber auch sich selbst gesetzten Zeitgrenzen einzuhalten. Solange dies nicht gelingt, sollten Sie zwar nicht während der Erledigung der Aufgaben stets präsent sein, jedoch regelmäßig vorbeischauen und Ihren Sohn ermahnen, sollte er im Zeitplan zurückliegen.

        Ich hoffe, dass diese Tipps Ihnen helfen, gemeinsam mit der Lehrerin die Lernsituation günstiger zu gestalten. Viel Erfolg dabei,

        Johannes Streif

        • Vielen Dank, für Ihre Tipps. Werde das mit der Lehrerin durchgehen und hoffe, das mein Sohn da mitzieht. Sind auch in Therapie (Sozialkompetenztraining und nun Aufmerksamkeitstraining). Die Lehrerin sagte was von Schulbegleitung, vielleicht hilft das auch noch zusätzlich. Hausaufgaben macht er, wenn ich neben ihm sitze, recht gut.
          Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
          Lg

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