Mit 30 noch wie ein Kleinkind behandelt...

Ich muss mich hier mal ausheulen. Ich bin 30 Jahre alt, erwarte in den nächsten Tagen mein erstes Kind, habe mein Leben voll im Griff - Ehe, Wohnung, Job, Auto - alles, was man so braucht... Aber für meine Mutter werde ich immer unmündig sein. Egal, um welches Thema es geht, sie redet mir rein. Sie ist jetzt schon davon überzeugt, dass ich das Kind erfrieren lassen werde, wenn ich es gem. WHO-Empfehlung im Schlafsack schlafen lasse, dass es außerdem fürchterliche psychische und physische Schäden erleiden wird, wenn ich es statt im Kinderwagen im Tragetuch habe, dass es einen platten Kopf bekommt, wenn ich es nicht auf den Bauch lege, dass es verhungern muss, wenn ich nicht endlich einen Fläschchenwärmer anschaffe...
Verdammt, ich habe mich die ganze Schwangerschaft über schlau gemacht. Mit meiner Hebamme, einer Stillberaterin, diversen gleichaltrigen Müttern und einem Tragetuchberater gesprochen, zig Bücher über Säuglingspflege gelesen, alle Arzttermine wahrgenommen... Ich fühle mich wirklich gut vorbereitet auf die Mutterschaft. Nur nicht mehr, sobald das Telefon klingelt und ich mir wieder neue Vorschuss-Vorwürfe anhören muss, was ich in Zukunft alles falsch machen werde. Das Kind ist noch nicht mal da und ich hab schon den Rabenmutter-Stempel auf der Stirn. Das ist so unfair!!

Das Schlimme ist, dass sie alles ja im Grunde gut meint. Es ist ernstgemeinte Sorge um ihr Enkelkind, die sie dazu treibt, mich in den Wahnsinn zu treiben. Ich will sie auch nicht verletzen, indem ich ihr sage, dass sie ihre Ratschläge und Vorwürfe für sich behalten soll. Aber andererseits weiß ich jetzt schon, dass sie mir das gesamte Wochenbett versauen wird, wenn ich nicht vorher einschreite und meine Grenzen aufzeige.

Wie haltet Ihr Eure Mütter in Schach? Gibt es einen Trick, wie man sie von der eigenen vermeintlichen Unzulänglichkeit ablenken kann? Oder wie man beweisen kann, dass man doch nicht so unfähig ist?

Danke für's Lesen und für eventuelle Tipps! #herzlich

1

Hallo Cherie,

wie konnte es denn überhaupt so weit kommen, dass Du Dir als 30jährige erwachsene Frau solche Dinge noch gefallen lässt?

Lieber Gruß
Claudia

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Meine Mutter war teilweise auch ernsthaft erstaunt, über die Methoden von heute #huepf

Beleg ihr, dass du recht hast. Gib ihr Lesestoff.

Im übrigen: Lass dich NICHT verunsichern. Vertritt deine ´Meinung deutlich, du weißt ja, dass du recht hast.

Sie wird es schon kapieren.

LG H. #klee

3

Ach Cherie,
das ist doch immer so... egal wie alt Du bist, egal was Du erreichst und leistest, für Deine Eltern bleibst Du immer ihr Kind...
Ich hab auch so ein Exemplar von Mutter. Auch noch Ärztin. Meint, weil sie vor ca. 45 Jahren mal auf einer Kinderstation assistiert hat, kann ihr niemand mehr was von Säuglingen erzählen. Absolut resistent gegen neue Erkenntnisse. So musste ich bei Deinem "platten Hinterkopf" auch schmunzeln.
Also: ruhig Blut und ignorieren, alles andere gibt ja nur Streit. Es wird irgendwann schon weniger werden...

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Gibt ihr deine Lektüre zu lesen. Wenn die Hebi Hausbesuch macht nach der Entbindung lass deine Mutter einmal dabei sein. Im Normalfall sind Hebammen sehr resolut. Usw.

Ach ja. Kannst meinen Fläschchenwärmer haben, das ist das unnützeste Dinges das angeschafft wurde (auch von meiner Mutter Hihi). Ich habe 1x versucht unterwegs ein Gläschen darin warmzumachen, hat Stunden gedauert. Seitdem liegt das Teil im Keller rum und weder mein Großer noch mein Kleiner schauen unterernährt aus.

LG und starke Nerven

Puck

5

Hallo,

bleib mal ganz gelöst.Das Problem ist, auch wenn du 60 bist, du bleibst ihr Kind!!!

Ich sag meiner Mutter ganz einfach:"Du, ich bin schon groß.Ich mach das schon."

oder sie bekam ein
"Nein, es ist nicht zu kalt" in einem Ton, den man sonst bei Kleinkindern hat

und wenn nichts mehr hilft
"Früher, als du jung warst, gab es auch noch einen Kaiser"

Oder vielleicht hilft bei deiner Mutter auch einfach nur zustimmen
"Ja, Mama, du hast natürlich Recht Mama. Vielleicht solltest du jetzt schon mal beim JA Bescheid geben, dass ich mein Kind vernachlässige"( das ganze mit einem leicht ironischen Unterton und einem kleinen Lächeln, sollte deine Mutter stoppen ;-))

LG Yvonne

6

Hallo,

wenn du anderen Menschen keinen Einhalt gebietest und ihnen zeigst, wo DEINE Grenzen liegen, dann darfst du nicht erwarten, dass sie das von alleine darauf kommen. Viele merken es nämlich nicht.
Wenn du also zukünftig deine Ruhe haben willst, dann nimm deinen Mut zusammen und mach deinem Ärger Luft. Denn nichts ist schlimmer, als wenn ständig jemand Fremdes (auch wenn es deine Mutter ist) in die eigenen Angelegenheiten reinredet. Wenn du Ernst genommen werden willst, dann musst DU was dafür tun.

LG und ganz viel Erfolg, Katrin

7

Moin,

warum erzählst Du ihr denn auch soviel?
Es ist Deine Mutter und nicht Deine Freundin.

Seid ich nicht mehr jede Kleinigkeit erzähle ist es in der Familie generell ruhiger geworden.

Mach Dein Ding, auch nach den heutigem Wissen.
Wenn dann irgendwas sein sollte, kannst Du immer noch Deine Mutter fragen.

So ist allen Seiten geholfen.

LG Sunny

8

Hallo,
sprichst Du gerade von meiner Schwiegermutter #kratz ;-)
Die war genauso. WAAAAS Du stillst das arme Kind? Wiegst Du die Kleine dann schon vorher und nachher? WAAAAS sie ist schon 4 Monate und wird immer noch gestillt. Gib ihr doch mal was Richtiges zu Essen. Früher bekamen die Kinder NUR Flasche und da kam mit 2 Monaten Karotten rein. Deinem Kind fehlen doch Nährstoffe!!! WAAAAS, die Kleine liegt in einem Schlafsack, sie muß doch erfrieren. Leg doch das arme Kind auf den Bauch, da fällt der Kopf nicht so zur Seite und er wird nicht platt. WAAAAS, Du badest das Kind nicht täglich. Früher war man da sofort eine Rabenmutter. usw usf Und dann immer der Hinweis Früher..., aber heute ist das wohl anders in einem furchtbaren Tonfall.
Zuerst versuchte ich es ihr zu erklären - keine Chance.
Dann versuchte ich es zu ignorieren - zu anstrengend.
Dann sagte ich einmal zu ihr: "Vielleicht hast Du damit Recht, das werden wir dann in einigen Jahren sehen. Es freut mich auch, das Du Dir Sorgen machst. Aber im Moment mache ich es so, wie ICH es für richtig halte."
Das hat tatsächlich funktioniert. Sie war zwar eine Zeit beleidigt, aber ich mußte mir nie wieder doofe gut gemeinte Ratschläge anhören. Ich bekam nur noch Antworten wenn ich sie was fragt.
LG,
Juliane

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Hallo,
wilkommen im Club. Ich glaube solche Diskussionen führt hier fast jede Mal mit Vertretern unserer Vorgängergeneration. Ich denke, das Problem ist ganz oft, dass die Mütter von damals unsere heutigen Methoden als Kritik empfinden, vor allem, wenn man dann mit Literatur und guten Argumenten kommt. Man macht es anders, weil man weiß, dass es besser ist, d.h. im Umkehrschluss aber auch, dass wir das, was sie gemacht haben, falsch finden.

Vielleicht hilft es, wenn Du Deiner Mutter mal sagst, wie lieb Du sie hast und dass Du denkst, dass sie alles richtig gemacht hat. Eben weil sie nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat. Sie hat damals ja bestimmt auch Sachen anders gehandhabt, als Deine Großmutter und nicht, weil sie dachte, dass sie selbst total verkorkst ist, sondern weil sie bei IHREM Kind alles richtig machen wollte. Jetzt ist Deine Zeit, in der DU das beste für DEIN Kind tun willst.

Und einen trost gibt es: Spätestens, wenn das Kind sprechen, laufen, essen und auf die Toilette gehen kann wird es besser ;-)

LG
Coli
mit Jule und Lena (3J 6M)

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>Und einen trost gibt es: Spätestens, wenn das Kind sprechen, laufen, essen und auf die Toilette gehen kann wird es besser <

Nein, wird es nicht wirklich!!! Unsere Große ist jetzt 11 Jahre und Oma macht sich weiterhin Gedanken(sie denke laut!!!);-)