Unausgesprochene Erwartungen

Hallo,

eigentlich habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern, aber in letzter Zeit frage ich mich häufig, ob ich manches zu eng sehe oder wirklich langsam mal das Stopschild rausholen sollte...

Meine Tochter ist 5 Jahre alt, kommt nächstes Jahr zur Schule. Meine Eltern hatten sich gewünscht, dass wir im Mai nächsten Jahres alle zusammen nach Mallorca fliegen (außerhalb der Ferienzeit, weil günstiger). Wir sind aber keine Strand- und Badeurlauber, und so haben mein Freund, meine Tochter und ich uns einstimmig dagegen entschieden. Meine Eltern waren schon geknickt, wollten sich aber auf keinen Kompromiß einlassen (anderes Reiseziel). Es mußte Mallorca sein. Gut, dann fahren wir eben nicht mit. Soweit, so gut. Dann kam ihnen der Gedanke, sie könnten nur meine Tochter mitnehmen. Dagegen habe ich prinzipiell nichts, sie wollte auch gern, also gut. Ich hatte nur zur Bedingung gemacht, dass sie nicht im Juni fliegen, da wir dann Familienurlaub machen. Ich konnte mich zeitlich nicht festlegen, da unsere Urlaubsplanung in der Firma nicht durch ist, also sagte ich mir sei egal wann- nur bitte nicht im Juni. Zwei Wochen später verkündete mein Vater: Wir fliegen Anfang Juni, 14 Tage. Aha- spreche ich chinesisch, oder gibt es den Monat Juni 2009 zweimal? Ich habe mir einen Kommentar verkniffen. Diskutieren hätte keinen Sinn gemacht, der Urlaub war gebucht.

Dann haben wir 2003 ein Häuschen gekauft und ich träume schon lang von einem Kamin. Das hatte ich mal beiläufig erwähnt, mein Vater war total dagegen. Das würde Dreck machen- ich sagte, ICH muß mein Haus putzen, nicht er. Das wäre teuer- stimmt, aber es ist MEIN Geld, nicht seines. Dann war eine Weile Ruhe. Ich hatte mir dann einen Kamin ausgesucht und mir ein Angebot machen lassen, der Zettel lag auf dem Eßtisch als mein Vater uns mal besuchte und er sah ihn. Schon ging es wieder los- das sei zu teuer, den würde es sicher anderswo günstiger geben... bla bla. Der Einbau sei sowieso zu teuer, das könne er auch machen. Ich habe tief durchgeatmet und erklärt, dass ich mich für den fachgerechten Einbau vom Profi entschieden hätte und BASTA. Ist schließlich mein Geld, was ich "zum Fenster heraus" werfe.
Eine Woche später eröffnet meine Mutter ganz beiläufig, dass mein Vater einen Kamin bestellt hätte- für mich. Er würde dann und dann geliefert. Hallo???
Ich rief später meinen Vater an und er erzählte total happy, er habe den gleichen Kamin zu günstigerem Preis gesehen und natürlich sofort für mich bestellt. Danke, nett gemeint- aber vorher fragen wäre nett gewesen. Das sagte ich auch und er war sofort tödlich beleidigt. Das Ende vom Lied war, dass er diesen Kamin dann auch selbst angeschlossen hat. Beim Wanddurchbruch hat er allerdings die Wand leicht beschädigt, so dass der Schornsteinfeger den Kamin nur mit Hängen und Würgen abgenommen hat. Dann hat er die Rechnung für den Kamin auch direkt bezahlt und sich somit quasi mein Schweigen erkauft. Hätte ich weiter gemeckert, wäre ich wieder das undankbare Kind gewesen. Die Leier kenne ich bereits zur Genüge... also habe ich das Thema ad acta gelegt und als Ausgleich ein größeres Weihnachtsgeschenk für meine Eltern bestellt. Womit wir finanziell quitt wären. Ich brauche ihr Geld nicht, ich bin finanziell von niemandem abhängig und kann mir kleine und große Wünsche locker selbst erfüllen.

Dann, ganz aktuell: Meine Mutter arbeitet 18 Std./ Woche und holt, da ich VZ berufstätig bin, 3-4 mal in der Woche meine Tochter vom Kindergarten ab. Ausgemacht ist, dass wir jeweils sonntags die Abholtage festlegen. Letzten Sonntag hatte ich ihr gesagt, montags brauche sie mein Kind in nächster Zeit gar nicht mehr abholen- es sei denn, ich sage vorher ausdrücklich etwas anderes.
Gestern hatte ich meine Eltern telefonisch nicht erreicht und dachte, wenn sie montags nicht abholen muß, hat es Zeit bis heute nachmittag, um den Rest der Woche zu vereinbaren.
Dann wurde ich heute vormittag aus einer Teambesprechung geholt, weil meine MUtter mehrfach versucht hatte, mich zu erreichen. Ich rief sie zurück und konnte mir gleich was anhören:Sie wisse gar nicht, wann sie meine Tochter jetzt abholen solle, ich hätte mich melden müssen (hatte gestern auf den AB gesprochen und um Rückruf gebeten), sie könne nicht auf Abruf bereitsitzen etc pp. Ich fragte, ob sie vergessen habe, dass sie montags nicht fahren muß?
Nein, das hätte ich nicht gesagt. Ich hätte gesagt, "Montag brauchst Du Fenja nicht mehr holen", nicht "montags brauchst Du sie nicht mer holen". Ah ja. Ich sagte nur ganz ruhig, das würde so nicht stimmen, das wäre dann ein Mißverständnis gewesen. Nein, sie wüßte, ich hätte "Montag" und nicht "montags" gesagt. Ganz, ganz sicher.
Mir war das zu doof, ich hab nichts mehr gesagt. Sie fragte dann, ob ich ihr die Abholtage für den Rest der Woche dann jetzt noch verrate, oder ihr wieder kurz vor knapp bescheid gäbe... was ich nie getan habe, wir besprechen uns ja immer sonntags und nicht kurzfristig! Ich war allmählich echt stinkig und habe, aus Trotz, dann gesagt, ich möchte ihre wertvolle Zeit dann nicht vergeuden und würde die Woche ohne sie zurechtkommen, damit ihr die Tage nicht zu kurzfristig abgesprochen vorkommen. Sie hat dann gesagt, sie muß jetzt auflegen und tat das auch.

Meine Güte- so ein Kindergarten. Ich hab mich auch nicht sehr erwachsen benommen im Hinblick auf meine letzte Bemerkung, aber es regt mich tierisch auf, dass ich jetzt wieder Schuld sein soll. Das läuft nämlich immer so.

Als ich mich für den Vollzeitjob entschieden habe hatten meine Eltern angeboten, Fenja täglich vom Kiga zu holen, damit ich eine Fahrt spare und Fenja nicht bis 17 Uhr im Kiga bleiben muß. Das war definitiv nicht meine Idee und ich hab sie nie gebeten oder überreden müssen. Trotzdem tut meine Mutter jetzt im 4. Jahr so, als würde sie "müssen". Auch Dritten gegenüber. Das verletzt mich, denn es ist schlicht unwahr.

Ich bin ihnen wirklich dankbar für ihr Engagement, so ist es nicht. Ich habe das nie für selbstverständlich genommen. Aber erkaufen sie sich damit das Recht, mich dauernd und in jeder Hinsicht "klein" zu machen? Ich könnte noch viele solcher Kleinigkeiten erzählen.

Ich liebe meine Eltern und mag nicht streiten, 2006 hätte ich fast meinen Vater verloren, da er sehr krank war, vor allem mit ihm möchte ich keine Konflikte.
Nur hab ich ständig das Gefühl, niemand von uns kann aussprechen, was er wirklich vom anderen erwartet. So ist das mit den Besuchen auch- ich kann kommen, wann ich will. ZU Familienfeiern sehen wir uns auch, obwohl wir nicht mehr zu jeder eingeladen werden. Ob an Feiertagen wie Weihnachten "Programm" stattfindet, muß ich erfragen, sie sprechen zu solchen Gelegenheiten nie Einladungen aus und wenn wir anderweitige Verabredungen getroffen haben sind sie schwer beleidigt. Lade ich hingegen zu uns ein, kommen sie fast nie. Nur an Geburtstagen. Weihnachten, Ostern etc möchten sie nicht bei mir feiern- ich hab keine Ahnung, warum. Sie machen dann aber auch nichts anderes. Freunde haben sie beide keine, Familie ist nur Pflicht (auch nur väterlicherseits, zur Familie meiner Mutter besteht nur unterkühlter Kontakt).

Ich weiß einfach nicht, wie wir einen Weg finden sollen, ehrlich und offen unsere Erwartungen auszusprechen ohne den jeweils anderen zu verletzen. Seitens meiner Eltern habe ich keine Initiative zu erwarten.

Soll ich alle diese kleinen Dinge, die sich allmählich zu einem Berg anhäufen, einfach weiterhin schlucken und mich auf ewig im Stillen ärgern?

Ich bin ein wenig ratlos...

VG Goldie



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nein, du solltest entlich lernen zu sagen, was du willst und was nicht.

ich würde meine tochter nie mit oma und opa in den urlaub fliegen lassen, schon garnicht wenn sie einfach was buchen in dem mon. wo sie nun wirklich nicht sollten, dann hätten sie pech und müssten allein fliegen.

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Ich denke, Du hast Dein Problem ja schon erkannt: Keine Konflikte wollen, nur nicht das undankbare Kind sein. Da kommst Du nur raus, wenn Du freundlich, aber bestimmt DEINEN Weg gehst. Also eben klar sagst, ach wie schade, aber Juni geht wirklich nicht ...

Laß Dich doch nicht davon beeindrucken, daß sie "schwer beleidigt" sind, wenn irgendwas anders läuft von ihnen geplant. Das ist IHR Problem, nicht Deines!

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Hallo Goldie!

Du musst einfach konsequenter bei Deinen Eltern sein - auch wenn es nicht leicht ist. D.h. ich würde die Tochter nicht mit fliegen lassen und beim Kamin hätte ich die Annahme verweigert. Dann würde ich auch mal die Kleine fragen, ob es für sie okay wäre, wenn sie doch länger im Kindergarten bleibt. Dann bist Du da schon mal nicht mehr auf Deine Eltern angewiesen.

Auch wenn sie Dich dann als undankbares Kind oder schwarzes Schaf hinstellen, glaube ich, dass Du Dich besser fühlst, eben weil Du unabhängig von ihnen bist.

Das mit den Feiertagen ist so eine Sache. Meine Großeltern sind auch der Meinung, dass man das sozusagen im Elternhaus feiert. Ist dann aber eigentlich ganz schön, da dann auch meine Tanten mit Familie kommen.

Meine Großeltern (bin bei ihnen aufgewachsen) besuchen uns auch höchstens 4 x im Jahr (Ostern, Nikolaus wegen der Kleinen und dann vielleicht so noch 2 x), obwohl die Fahrtzeit nur ca. 25 Min beträgt. Bei ihnen ist es aber so, dass meine Oma keinen Führerschein hat und mein Opa auch nicht mehr so gerne Auto fährt. Er ist jetzt 71 und eigentlich noch topfit, aber er spürt halt trotzdem das Alter.
Wir werden aber regelmäßig von ihnen zum Essen eingeladen.

Bei Deinen Eltern glaube ich, dass Du machen kannst, was Du willst, sie wären so oder so beleidigt. Dann setz dem Ganzen lieber ein Ende mit Schrecken, bevor Du ein Schrecken ohne Ende hast.

Liebe Grüße

Gänseblümchen#blume

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Liebe goldie,

führen meine Eltern ein Doppelleben - nämlich als Deine?? #kratz

Du hast sehr gut beschrieben, was bei uns ebenfalls seit Jahren abläuft... inkl. der eigenen Unfähigkeit, diese Dinge anzusprechen. Bei uns ist es so, dass über Gefühle nie groß diskutiert wurde, eigentlich wurde grundsätzlich nicht viel diskutiert, da meine Eltern in ihrer Eigenschaft als Eltern sowieso immer recht hatten (ich habe z. B. noch nie erlebt, dass sie sich für irgendetwas entschuldigt haben!).

Gut, das hat mich zu einem sehr diskussionsfreudigen und reflektierenden Menschen gemacht ;-), aber die alten Mechanismen greifen auch heute noch.

Eigentlich ist es ja ganz einfach und als Erwachsener begreift man das auch: Deine Eltern wollen an Deinem Leben teilnehmen und Dich nach wie vor beschützen - einmal, weil sie Dich lieben, aber auch, um sich selber einen Platz in Deinem Leben zu sichern! Denn sie haben große Angst Dich zu verlieren, das ist zumindest die Erfahrung, die ich gemacht habe!

Nichts macht meinen Eltern eine größere Freude, als wenn ich sie etwas frage oder um Rat bitte - egal, ob es um ein Kuchenrezept, Montage eines Wandregals oder den Kauf eines neuen Autos geht. Dann wissen sie, sie sind noch wichtig, sie haben eine Aufgabe...

Jetzt sagst Du, dass Deine Mutter über ihre Aufgabe stöhnt, die Kleine vom KiGa abzuholen... Vielleicht überfordert es sie wirklich ein bißchen und sie fühlt sich gestresst. Ich würde sie ganz freundlich und besorgt fragen, ob es ihr zuviel wird, ob sie das nicht mehr schafft und ob Du nach einer anderen Lösung Ausschau halten sollst... wenn sie das verneint, gibt es eigentlich auch keinen Grund mehr sich zu beklagen.

Und noch was: Auch meine Eltern besuchen uns kaum, sie fühlen sich bei uns fremd und... ja, eben "auf Besuch". Ich hingegen kommr ja "nach Hause", das ist etwas gaaanz anderes (für mich nicht, aber das verstehen sie nicht #augen).
Und ja, sie setzen uns (un?)bewusst unter Druck, denn wenn ich und mein Bruder sie nicht besuchen kämen... käme niemand und sie wären ganz allein.

Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist eine schwierige Balance zwischen den Pflichten als Kind (und die hat man durchaus, finde ich!!) und dem Recht auf Selbstbestimmung.

Du bist eben nicht nur Tochter, sondern auch eine eigenständige Persönlichkeit. Und ihnen als solche überlegen, deswegen ist Toleranz und Geduld angebracht.

Ich denke, genau diese Gedanken: "Ich bin ihnen wirklich dankbar für ihr Engagement, so ist es nicht. Ich habe das nie für selbstverständlich genommen. Aber erkaufen sie sich damit das Recht, mich dauernd und in jeder Hinsicht "klein" zu machen?" musst Du ihnen gegenüber deutlich machen.

Sorry für diese langen Ausführungen, wenn´s um Eltern geht, rede ich mich immer in Rage! #schein

Alles Gute Dir und LG,

Judith#blume