Was muss passieren, dass einem das Kind weggenommen wird?

    • (1) 11.05.09 - 16:01

      Hallo.

      Meine Nachbarin (37) hat mir eben erzählt, dass ihre Tochter (8) wahrscheinlich ins Heim muss. Sie ist alleinerziehend und hat mit 20 Jahren bereits ihren Sohn zu Pflegeeltern gegeben, da sie überfordert war.
      Aber mit ihrer Tochter klappt anscheinend alles. Meine Nachbarin ist eine sehr ruhige und liebevolle Mutter.
      Allerdings hat ihre Tochter Lernschwierigkeiten und ist in der Entwicklung auch zurück.
      Sie geht nach der Schule immer in eine Betreuung bis 18 Uhr.

      Jetzt soll meiner Nachbarin aber das Sorgerecht entzogen werden, mit der Begründung, ihre Tochter entwickelt sich nicht weiter.
      Sie wird nicht misshandelt, nicht vernachlässigt. Allerdings ist sie verhaltensauffällig.

      Sicher wird meine Nachbarin mir nicht alles erzählt haben, aber ich kann mir das so gar nicht vorstellen. Wenn ich die beiden zusammen sehe, wirkt alles normal, man hört sie auch nie streiten.

      Es ist jetzt wohl so, dass ihr das Sorgerecht entzogen werden soll und das Kind in ein Heim kommt. Meine Nachbarin will gerichtlich dagegen angehen. Ihre Tochter will auch gar nicht weg von ihrer Mutter.

      Kann das Jugendamt einfach so eine Entscheidung treffen?

      LG

      • (2) 11.05.09 - 17:06

        Hallo,
        nein, das Jugendamt hat darüber überhaupt keine Entscheidungbefugnis und kann ein Kind auch nicht so einfach der Mutter wegnehmen.

        Die Entscheidung des Sorgerechtsentzugs trifft einzig und allein ein Familienrichter nach Gutachtenlage und entsprechenden Sachvortrag der Parteien.

        Es gibt zwar soetwas wie Gefahr im Verzuge wo Kinder sofort herausgeholt werden können, sowas wird aber nur nach schwerem Missbrauch gemacht.

        Gruß
        Demy

        • (3) 12.05.09 - 08:43

          Hallo,

          ja, das ist klar. Hatte ich mich wohl falsch ausgedrückt.
          Meine Nachbarin hat heute einen Termin bei einer Familienrichterin.
          Aber das ganze wurde vom Jugendamt in die Wege geleitet, bzw. von ihrer Betreuerin.

          LG

      (4) 11.05.09 - 18:41

      Das ist schwer zu sagen und vom Richter abhängig!

      Ich kenn einen Fall da hat die Mutter ihr einjähriges Kind allein in der Badewanne gelassen, es ist ertrunken, sie hat alle ihre Kinder nach kurzer Zeit wiederbekommen, für mich ein Ding der Unmöglichkeit, vom Freispruch mal ganz abgesehen. Auch sonst kommt sie mit den Kindern nicht klar und überläßt sie ihrem Schicksal, wenn sie Hunger haben gehen sie in einen Discounter und kaufen sich eine Tüte Chips!

      lg glu

      • (5) 12.05.09 - 08:45

        Hallo.

        Das ist wirklich sehr heftig. Dann verstehe ich die Geschichte meiner Nachbarin erst Recht nicht. Angeblich ist das Problem "nur" dass das Mädchen eine Lernschwäche hat und sich nicht weiterentwickelt.

        LG

    Egal wie schlecht es einem Kind geht, aber keines wird freiwillig von der Mutter weg wollen. Selbst Kinder die geschlagen oder misshandelt werden lieben ihre Eltern. Das ist ja das traurige und schlimme daran.

    Woher weist Du das mit dem Jugendamt? Hat sie Dir das erzählt?
    Naja, die werden sicher genügend Gründe einem Familienrichter vorlegen das es für das Kind in einem Heim besser ist als bei der leiblichen Mutter.

    Eine liebevolle Mutter? Wer will das nach Aussen hin nicht sein? Ich denke Du wirst einige Dinge nicht wissen.

    Besteht Kontakt zum Vater? Wie ergeht es dem Kind in der Betreuung? Einen Grund für die Verhaltensauffälligkeit muss es ja geben, fragt sich die Mutter das auch?

    Liebe Grüsse Biene#blume


    • Hallo.

      Ja, sie hat mir das erzählt. Ich weiß das ja alles nur von ihr. Ihre Betreuerin vom Jugendamt hätte das alles in die Wege geleitet. Und das Jugendamt wurde wohl von dieser Tagesbetreuung (von der ich ausging dass es eine Art Nachhilfeunterricht ist) angesprochen.
      Bis jetzt war es auch so, dass 1x die Woche jemand vorbei kam um sich die häuslichen Verhältnisse anzusehen.

      Sicher weiß ich nicht alles, vielleicht sogar die entscheidenden Dinge nicht. Aber ich kann mir nicht vorstellen, was dort schief laufen sollte. Das Mädchen ist zwar manchmal "komisch" im Verhalten, aber dennoch immer freundlich und aufgeweckt.

      Den Vater kennt das Mädchen nicht und ich hatte mal so durch die Blume gehört, dass die Mutter selbst nicht weiß, wer der Vater ist.

      Wie es mit der Betreuung klappt weiß ich natürlich nicht, es wurde wohl gesagt, dass das Mädchen auf der Dtelle stehen bleibt und sich nicht weiter entwickelt. Was damit gemeint ist, weiß ich nicht.

      LG

      hallo,

      ich muss biene recht geben...

      ich bin erzieherin und habe lange in der lebenshilfe gearbeitet.

      wir hatten dort ein mädchen, die entwicklungsverzögert war und von ihrer gesamten familie sehr liebevoll behandelt wurde. der vater war immer sehr bemüht um ihre entwicklung, die mutter hat sie immer geherzt und betüddelt.

      aber wir wurden das gefühl nicht los, dass irgendwas nicht stimmt.

      ihr vater und onkel wurden vor einem halben jahr wegen schweren sexuellen missbrauchs und mehreren vergewaltigungen an ihr verurteilt, die mutter wurde ebenfalls verurteilt, wegen misshandlung und ausbeutung ihrer tochter....

      das heisst nicht, dass deine nachbarin genauso grausam ist, aber der äußere eindruck täuscht so oft!!!!

      guck mal täglich die nachrichten, wie oft sterben kinder, werden gefangen gehalten oder sonstige familiendramen passieren.
      immer werden die nachbarn gefragt, ob man denn was gemerkt hat und immer heisst es:"nein, die waren so liebevoll, so ruhig, so eine tolle vorzeigefamilie!!!!" und schon haben wir den punkt.
      es ist natürlich nicht grundsätzlich so, aber bei überaus perfekten familien rappelts im karton ohne ende.

      häufig sind die chaosfamilien, wo man auch mal streitet und das auch mal vorm örtlichen supermarkt, die ausgeglicheneren familien....

      vlg
      schnegge

Hallo,
es gibt einen Riesenunterschied zwischen der Unterbringung eines Kindes in einem Heim, um es dort besser fördern zu können und dem Sorgerechtsentzug. Eine Heimunterbringung bei sehr großem Förderbedarf muss durch die Eltern geantragt werden, und natürlich behalten die Eltern das volle Sorgerecht.
Steht ein Sorgerechtsentzug an, müssen schon wirklich schwerwiegende Gründe vorliegen. Da reicht mangelnde Förderung bei weitem nicht aus. Deine Nachbarin hat also entweder etwas mißverstanden oder verschweigt die Wahrheit.
Gruß, Ulrike (selbst Pflegemutter)

  • (10) 12.05.09 - 08:58

    Hallo.

    Ich denke eher, dass sie das mit dem Sorgerechtsentzug nur selbst so interpretiert hat. Als natürliche Folge einer Heimunterbringung.
    Denn so, wie ich es verstanden habe, geht es wirklich nur um den Förderbedarf.

    Andererseits hat meine Nachbarin am Ende des Gespräches noch gesagt "Vielleicht ist es auch eine Chance für mich, um wieder zu mir zu finden." Auf der einen Seite sagt sie, dass sie für ihre Tochter kämpfen will, auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass sie froh ist, wenn sie ihre "Ruhe" hat bzw. die Verantwortung abgeben kann oder einfach tun und machen kann was sie will.
    Vielleicht geht das ganze auch von ihr aus, sie möchte es natürlich nur nicht zugeben. Obwohl ich eher Verständnis hätte, wenn jemand aus Überforderung sein Kind freiwillig abgibt, als dass einem das Kind aus welchen Gründen auch immer entzogen wird.

    Ob das Wort "Sorgerechtsentzug" vom Jugendamt aus kam oder ob sie das jetzt nur in den Raum geworfen hat, kann ich dir nicht sagen.

    Der Unterschied zwischen der jetzigen Situation und der Heimunterbringung wäre nur, dass das Kind unter der Woche dort übernachtet. Jetzt ist sie ja auch nur zwischen 18 Uhr und 7 Uhr daheim. An den Wochenenden wäre sie trotzdem bei ihrer Mutter.

    Ich weiß selbst nicht, was ich davon halten soll.

    LG

Hallo,
oft wird eine gängige Vorgehensweise des JA von den - möglicherweise verbal nicht ganz so fitten - Klienten missverstanden oder bewusst falsch kolportiert.
Wenn sie ihr Kind nicht freiwillig in Obhut geben zur besseren Förderung, dann beantragen wir vor dem Familiengericht einen Sorgerechtsentzug und sie haben es nicht mehr in der Hand.
Oft dient diese Drohung wirklich dem Kindeswohl. Meist greifen die Mitarbeiter nur zu diesem Mittel, wenn sonst nichts mehr geht.
Wenn das JA vor Gericht zieht, hat es meistens sehr gute Gründe, es ist nicht einfach, in Deutschland Eltern das Sorgerecht zu entziehen und es wird auch nicht gerne gemacht.
Jede Unterbringung außerhalb der Familie ist teuer.
Lass dich da nicht belabern, du weißt nicht, was hinter den Türen abgeht.
Liebe Grüße
Mariella

  • Hallo,

    danke für deine Antwort, das klingt für mich sehr einleuchtend.
    Klar, weiß ich nicht, was hinter den Türen abgeht. Psychischen Druck, seelische Misshandlung würde ich ja gar nicht mitbekommen. Aber das Mädchen macht absolut nicht den Eindruck, als ob es ihr in irgendeiner Weite schlecht geht. Sie verhält sich zwar manchmal "komisch" hat lauter imaginäre Freunde (was in gewissem Rahmen ja normal ist bei Kindern, aber nicht in dem Ausmaß).
    Hier habe ich noch etwas dazu geschrieben
    http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&tid=2047586&pid=13083335&bid=12

    LG

    • Hallo Zardinis,

      *****
      Aber das Mädchen macht absolut nicht den Eindruck, als ob es ihr in irgendeiner Weite schlecht geht.
      *****

      man muss "so etwas" nicht immer auf Anhieb sehen oder bemerken.
      Ich kann Dir "bombenfest" sagen, dass Kinder jahrelang psychisch und physisch so misshandelt werden können, ohne dass sogar die unmittelbare Nachbarschaft etwas merkt.

      Kinder überspielen so etwas blendend. Und das Paradoxe an der traurigen Tatsache ist, dass die Kinder sich für die Misshandlungen, die ihnen zugefügt werden, noch selbst verantwortlich fühlen und aus Angst und Scham schweigen.

      Was die Herausnahme eines Kindes aus der Familie betrifft:
      da muss viel zusammenkommen, vor allem Beweise!

      Mein Pflegekind wurde in allerletzter Sekunde "herausgeholt": es fiel bereits aufgrund der Dehydrierung in sich zusammen.
      Das war dann ein ausreichender Beweis.

      Und ich betone:
      es gibt Jugendamts-Mitarbeiter, die vom Familienrichter bei solchen Meldungen zurückgewiesen werden, wenn dieser die Ansicht vertritt: "Blut ist dicker als Wasser".

      LG
      Claudia

vielleicht sollte erst mal abgeklärt werden WARUM das Mädel so ist wie sie ist.

Deine Nachbarin soll ganz fix nen Termin in nem SPZ machen oder bei nem Kinderprsychater.
Ohne Grund wird sie nicht so sein.
Solch Defizite haben meist eine Ursache.......und die kann man sehr wohl im normalen Umfeld angehen.....dafür muss das Kind sicher nicht in eine Jugendhilfeeinrichtung oder ähnliches!

Sobald das Mädel in Behandlung ist hat die Mutter was in der Hand.....ansonsten kanns echt passieren das des JA was unternimmt, eben weil die Mutter nicht kooperativ ist

Das kommt immer auf den jeweiligen Sachbearbeiter an... Es gibt viele Familien, wo alles glatt läuft und das JA immer wieder Gründe findet, ein Kind rauszunehmen und es gibt genauso viele Familien, in denen die Kinder sterben, obwohl das JA um die Umstände weiß.

Mir drücken sie seit 10 Jahren immer wieder Familienhilfen auf und drohen mir damit, meine Tochter wegzunehmen, einfach weil ich jung Mutter geworden bin. Die Familienhelfer schreiben immer positive Protokolle, weil alles gut läuft, weil es keine außergewöhnlichen Probleme gibt, aber das Jugendamt ist der Meinung, meine Kinder seien bei mir nicht gut aufgehoben.

Einer Bekannten von mir gings genauso mit dem Jugendamt hier. Sie ist dann weggezogen und hat sich im neuen Wohnort direkt beim zuständigen Jugendamt vorgestellt und hat mit denen nie Probleme gehabt. Manchmal haben die einfach jemanden auf dem Kieker.

Top Diskussionen anzeigen